| Weingut Alte Grafschaft | |
|---|---|
| Rechtsform | Eingetragene Gesellschaft bürgerlichen Rechts |
| Gründung | 2010 (als Alte Grafschaft) Weingut seit 1594 |
| Sitz | Kreuzwertheim, Deutschland |
| Leitung | Julius Spielmann |
| Branche | Weinbau |
| Website | www.altegrafschaft.de |
Das Weingut Alte Grafschaft ist ein Weingut in Kreuzwertheim im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Es bewirtschaftet rund 14 Hektar Rebfläche in den Weinanbaugebieten Franken und Baden. Sitz des Weinguts ist das Haus, das der Kreuzwertheimer Schultheiß Peter Herrschaft 1594 errichten ließ. Zum Haus gehört ein rund 700 Quadratmeter großer Gewölbekeller. Das Anwesen war früher das Kreuzwertheimer Gut des Weinguts Fürst Löwenstein. Der Name Alte Grafschaft erinnert an die ehemalige Grafschaft Wertheim. Der Gault&Millau wählte das Weingut Alte Grafschaft 2014 zur „Entdeckung des Jahres“. Im Gault&Millau 2025 erhielt das Weingut vier von fünf Trauben.
Das heutige Gutshaus in der Kreuzwertheimer Rathausgasse ließ Peter Herrschaft 1594 errichten. Er war Schultheiß von Kreuzwertheim und handelte mit Wein. 1630 wurde der Gewölbekeller erweitert. Der Keller sollte Wein für die Truppen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf aufnehmen. 1631 besuchte der König den Keller selbst.
Am 24. Juni 1662 kaufte Gräfin Anna Maria zu Löwenstein, geborene Gräfin zu Fürstenberg, das Anwesen für 900 Gulden. Später betrieb das Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg in dem Anwesen seine Hofkellerei. Mit der Säkularisation 1803/04 kam das Kloster Bronnbach samt seinen Weinbergen im Taubertal an das Fürstenhaus.
Zuletzt war das Gut der Kreuzwertheimer Betrieb des Weinguts Fürst Löwenstein. Eigentümer war 1994 Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Das Gut bewirtschaftete damals 26 Hektar in sieben Lagen an Main und Tauber. Alle Weine wurden trocken ausgebaut. Betriebsleiter war zunächst Paul Schauber, von 1994 bis 2007 Robert Haller. Ab 1997 wurde in Kreuzwertheim auch ein Teil der Weine aus dem Löwensteinschen Gut in Hallgarten im Rheingau ausgebaut. Im Kreuzwertheimer Keller lagen damit Weine aus drei Anbaugebieten. Wein aus Kreuzwertheimer Lagen wurde im Gut dagegen jahrzehntelang nicht ausgebaut. Die Lage Kreuzwertheimer Kaffelstein bewirtschaftete zuletzt der Staatliche Hofkeller Würzburg. 2007 zog sich der Hofkeller aus Kreuzwertheim zurück.
Anfang 2009 übernahmen der Weinhändler Norbert Spielmann und der Wertheimer Unternehmer Christoph Dinkel die Steillage Reicholzheimer Satzenberg vom Weingut Fürst Löwenstein. Knapp ein Jahr später übernahmen sie vom Staatlichen Hofkeller die Lage Kreuzwertheimer Kaffelstein. 2010 erwarben Spielmann und Dinkel auch das Kreuzwertheimer Gut mit Gebäuden und Gewölbekeller. Das Weingut Fürst Löwenstein führte seine Kellerwirtschaft danach in Kleinheubach zusammen. Für das Fürstenhaus hatte Erbprinz Carl Friedrich zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg die Verkaufsverhandlungen geführt. Ein Mitarbeiter, der 25 Jahre für das Weingut Fürst Löwenstein gearbeitet hatte, wechselte zum neuen Weingut. Seither wird im Gut wieder Wein aus Kreuzwertheimer Lagen ausgebaut. Die Familie Spielmann betreibt seit 1932 die Weinkellerei Spielmann in Wertheim.
Julius Spielmann ist der Sohn von Norbert Spielmann. Er absolvierte seine Ausbildung beim Weingut Dr. Heger in Ihringen und studierte internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim. Seit dem Jahrgang 2020 verantwortet er die Weine und führt als Geschäftsführer das Weingut.
2023 beteiligte sich Jérôme Legras am Weingut. Seither ist er gleichberechtigter Partner von Norbert Spielmann. Legras ist Teilhaber und Geschäftsführer des Champagnerhauses Legras & Haas. Die Familien Legras und Spielmann arbeiten seit fast 30 Jahren zusammen.
Das Wohnhaus von 1594 hat Staffelgiebel und ist im Stil der Renaissance gebaut. Daneben entstand ein Kelterhaus. Über dem Eingang des Wohnhauses steht die Inschrift „ACH GOT ERBARM DICH DER ARMEN RHOT / SO WEDER BRODT NOCH GELT IHM HAUSZ HATT“. Sie entstand kurz nach einer überstandenen Teuerung. 1884 wurden der Keller erweitert und ein Wirtschaftsgebäude errichtet. 1968 wurde der Keller noch einmal vergrößert.
Der Gewölbekeller ist rund 700 Quadratmeter groß. Seine Bereiche haben unterschiedliche Temperaturen. Das Weingut nutzt das für den Ausbau: Der Riesling gärt im kühlsten Teil, der Silvaner reift in einem wärmeren Bereich.
Die Rebfläche verteilt sich auf fünf Weinberge mit Böden aus Buntsandstein und Muschelkalk. Aus drei davon erzeugt das Weingut eigene Lagenweine. Diese drei Lagen gehörten früher alle zur Grafschaft Wertheim. Bei der Aufteilung der Grafschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen sie an verschiedene Länder. Heute liegen sie in zwei Anbaugebieten:
Die Trauben aus den beiden übrigen Weinbergen, dem Kembacher Sonnenberg und dem Reicholzheimer First, werden als Ortsweine ausgebaut. Wichtigste Rebsorte ist der Spätburgunder. Daneben werden Riesling, Weißburgunder und Silvaner angebaut. Knapp die Hälfte der Weine ist Rotwein. Die Moste gären spontan mit natürlichen Hefen. Ausgebaut werden die Weine überwiegend in gebrauchten Holzfässern, der Riesling in Edelstahl. Sie reifen lange auf der Hefe. Das Weingut erzeugt 50.000 bis 60.000 Flaschen im Jahr. Die Weinberge werden auf ökologischen Weinbau umgestellt. Der erste ökologisch zertifizierte Jahrgang ist für 2027 geplant.
Der Gault&Millau begründete die Wahl zur „Entdeckung des Jahres“ 2014 so: „Wir probierten präzise, klare Rieslinge und hochklassige Spätburgunder.“ In der Ausgabe 2025 hieß es, das Weingut sei „seit Langem ganz weit vorne mit dabei“. Als „Erfolgsgarant“ nannte der Weinführer die Zeit, die den Weinen gegeben werde.
Der Weinjournalist Yves Tesson nannte die Weine des Weinguts 2023 in Terre de Vins „assez spectaculaires“ (‚ziemlich spektakulär‘). Sie seien weder elsässisch noch deutsch geprägt. Johannes Hucke schrieb 2015 in seinem Churfranken Weinlesebuch über die „Top-Roten vom Weingut Alte Grafschaft“: Sie gehörten „zweifellos zu den wenigen in Franken, die mit des Primus’ Paul Fürst Großen Gewächsen mithalten können“. Der Falstaff Weinguide Deutschland 2026 porträtierte Julius Spielmann unter dem Titel „Der Handwerker“. Das Porträt hebt die Eigenständigkeit seiner Weine hervor.