Wilhelm Ellenbogen

Wilhelm Ellenbogen
Gedenktafel am Dr.-Ellenbogen-Hof in der Brigittenau
Feuerhalle Simmering – Urnengrab von Wilhelm Ellenbogen

Wilhelm Ellenbogen (* 10. Juli 1863 in Lundenburg (Břeclav), Mähren (9. Juli 1863 laut Eigenangabe); † 25. Februar 1951 in New York) war ein österreichischer Arzt und sozialdemokratischer Politiker.

Leben

Als Sohn eines Volksschullehrers war er nach seinem Studium zunächst in Wien (AKH) als Arzt tätig, engagierte sich jedoch auch bei der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und wurde 1891 Leiter des „Unterrichtsverbandes der Arbeiterbildungs- und Fachvereine Wiens“. Von 1901, als er den christlichsozialen Abgeordneten Hermann Bielohlawek verdrängte, bis 1918 war er für die SDAP als Reichsratsabgeordneter tätig. Bei den Internationalen Sozialistenkongressen (Zweite Internationale) der Jahre 1900, 1907 und 1910 war er als Vortragender tätig (Themen: Vergesellschaftung der Produktionsmittel, Ein- und Auswanderung der Arbeiter bzw. über die Einigung der sozialistischen Organisationen, die Lage in Argentinien, Finnland, Persien und der Türkei).

Nach seiner Tätigkeit in der Provisorischen Nationalversammlung (1918/19) war er von 1919 bis 1934 als Mitglied der konstitutionierenden Nationalversammlung bzw. als Abgeordneter zum Nationalrat tätig. Ab 1919 fungierte er als Präsident der Staatskommission für Sozialisierung und nahm von 1919 bis 1920 die Funktion eines Unterstaatssekretärs für Handel und Gewerbe wahr.

In den 1920er Jahren setzte sich Ellenbogen intensiv mit der Herrschaftsform des Faschismus auseinander und prangerte offen das Naheverhältnis von Bundeskanzler Ignaz Seipel (1922/24 und 1926/29) zu Mussolini an, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Südtirolfrage und der von den Faschisten betriebenen Unterdrückungs- und Entnationalisierungspolitik.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft sah er sich nach dem Anschluss Österreichs 1938 zur Emigration gezwungen und ging 1940 von Lissabon aus in die USA (andere bemerkenswerte Passagiere dieser Reise: siehe Erna Sailer), wo er in New York City ansässig wurde. Von 1943 bis 1945 gehörte er dem Vorstand des Austrian Labor Committees (ALC) an, das aufgrund der Mitgliedschaft bzw. Mitwirkung von Friedrich Adler als Nachfolgeorganisation der 1938 in Brüssel gegründeten Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten (AVOES) angesehen wurde. Sein Wunsch, nach Kriegsende nach Österreich zurückzukehren, ging aufgrund der Resistenz der neuen Parteispitze nicht in Erfüllung.

Sein ehrenhalber gewidmetes Grab (Abteilung ML, Gruppe 20 A, Nummer 1 G) befindet sich im Urnenhain der Feuerhalle Simmering.

Der zwischen 1959 und 1961 errichtete Gemeindebau Dr.-Ellenbogen-Hof an der Brigittenauer Lände 148–154 im 20. Bezirk wurde zu seinen Ehren benannt. Im September 2023 wurde ein Lehrgang der Wiener Parteischule nach ihm benannt.

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ badatelna.eu – Taufbuch Lundenburg (Břeclav), Mähren, 1847–1874, S. 114, Eintrag Nr. 136, 3. Zeile (Memento des Originals vom 1. April 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. ↑ Wilhelm Ellenbogen auf der Website des österreichischen Parlaments
  3. ↑ Günther Pallaver: Südtirol studieren, um den Faschismus zu verstehen. In: Hannes Obermair u. a. (Hrsg.): Erinnerungskulturen des 20. Jahrhunderts im Vergleich – Culture della memoria del Novecento a confronto (= Hefte zur Bozner Stadtgeschichte 7). 1. Auflage. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2014, ISBN 978-88-907060-9-7, S. 55–63, hier: S. 57–59.
  4. ↑ Wolfgang Neugebauer, Siegwald Ganglmair: Remigration. In: Jahrbuch DOEW. 2003, S. 96–102. (PDF-Datei; 24 kB)
  5. ↑ 5. September 2023: 53. Lehrgang der Wiener Parteischule feierlich eröffnet. In: SPÖ Bildung. 5. September 2023, abgerufen am 2. Februar 2024 (deutsch).