Wilhelm Leibl

Wilhelm Leibl, um 1895
Wilhelm Leibl als Achtzehnjähriger, Selbstbildnis
Bildnis der Frau Gedon
Gertrud Leibl. Radierung, (1879)
Die drei Frauen in der Kirche (1881)

Wilhelm Maria Hubertus Leibl (* 23. Oktober 1844 in Köln; † 4. Dezember 1900 in Würzburg) war als Maler ein bedeutender Vertreter des Realismus in Deutschland.

Leben

Wilhelm Leibl war das fünfte von sechs Kindern des Kölner Domkapellmeisters Carl Leibl und dessen Ehefrau Maria Gertrud Lemper. Großeltern waren Karl Ferdinand Leibl und Maria Regina Theresia Wagner aus Landau und Jakob Lemper, Professor am Kölner Gymnasium Montanum, und Anna Catharina Franziska Blanck aus Köln.

Wilhelm Leibl verließ früh die Schule und erhielt seine erste Ausbildung nach Abbruch einer Schlosserlehre bei Hermann Becker in Köln. Ab 1864 studierte er an der Königlichen Kunstakademie in München bei den Lehrern Hermann Anschütz, Alexander Strähuber, Arthur Georg von Ramberg und 1868 bei Carl Theodor von Piloty. 1869 teilte er sich ein gemeinsames Atelier in München mit den Malern Theodor Alt, Rudolf Hirth du Frênes und Johann Sperl. Das Hauptwerk dieser Frühzeit, das Bildnis der Frau Gedon (1868/69; München, Neue Pinakothek), brachte ihn in freundschaftlichen Kontakt mit Gustave Courbet. Der Franzose Courbet hatte mit seinen realistischen Bildern und ihrer egalitären Flächenstruktur sehr viel Aufmerksamkeit erregt. Leibl reiste 1870 zu einem kurzen Aufenthalt nach Paris, wo er auch die Malerei Édouard Manets kennenlernte.

In München versammelte Leibl 1870 gleichgesinnte Maler, den Leibl-Kreis, um sich (unter anderem Wilhelm Trübner, Carl Schuch, Theodor Alt und Karl Haider, zeitweilig auch Hans Thoma). Ab 1873 zog sich Leibl vom Münchner Kunstbetrieb zurück und lebte mit dem Maler Johann Sperl in Berbling und Bad Aibling in Oberbayern. Auf Einladung seines Freundes und Mäzens, des in etwa gleichaltrigen Grafen Ferdinand Fischler von Treuberg, zog Leibl sich Anfang Juli 1877 auf das Treuberg'sche Schlossgut Holzen, eine ehemalige Benediktinerinnen-Abtei, zurück, wo er bis Oktober desselben Jahres blieb. In einem Brief an seine Mutter betonte Leibl die Naturverbundenheit seiner dortigen Arbeitsweise. Leibl verbrachte eine bedeutende Schaffensphase auf dem Gut Ferdinand Treubergs. Hier fand der Künstler eine anregende Umgebung und traf dort mit Künstlerkollegen zusammen. Auf Gut Holzen malte er Ferdinand Treuberg auf einem Pferd und porträtierte dessen Ehefrau Rosine Gräfin Treuberg mehrfach. Heute befinden sich Fassungen des Porträts der Rosine Treuberg (entstanden 1877–1878) in renommierten Museen, darunter ein Gemälde von 1877 in der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien und ein weiteres, 1878 datiertes Bildnis in der Hamburger Kunsthalle. Wilhelm Leibl malte auch das Reitpferd des Grafen. 1892 wurde Leibl vom Prinzregenten Luitpold von Bayern zum Königlichen Professor ernannt. 1895 erhielt er auf der Großen Berliner Kunstausstellung eine Große Goldmedaille.

Schwer herzleidend mit Atembeschwerden begab er sich im Mai/Juni 1900 zur Kur nach Bad Nauheim und, als sich sein Leiden verschlimmerte, in die Würzburger Privatklinik von Wilhelm Olivier von Leube, wo er an einer Lungenembolie starb. Er wurde in einem prächtigen Grab auf dem Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt.

Zitate

„Ich habe immer gearbeitet und in den dürftigsten Verhältnissen gelebt und den Ärger zu verbeißen gehabt, meine Ansichten misskannt und verachtet zu sehen“

– Wilhelm Leibl: in einem Brief aus Berbling an seine Mutter

„Zurück, ich muss sterben!“

– Wilhelm Leibl: letzter Ruf am 4. Dezember 1900, gegen 20.30 Uhr, in Würzburg

Gedenken

Büste von Wilhelm Leibl in der Ruhmeshalle in München
Grabstein für Wilhelm Leibl und Johann Sperl (Maler) auf dem Hauptfriedhof in Würzburg (Abteilung 1, Feld 2, Nummer 29).

Seine Büste fand Aufstellung in der Ruhmeshalle in München. 1931 wurde die Wilhelm-Leibl-Gasse in Wien-Hietzing nach ihm benannt und 1950 der Leiblstieg in Hamburg-Groß Flottbek. In Regensburg ist im Stadtteil Kumpfmühl ein Weg nach ihm benannt.

Wilhelm Leibls Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Würzburg in der I. Abteilung, 50 Meter südlich der Aussegnungshalle. Sein 1914 verstorbener Malerfreund Johannes Sperl wurde im selben Grab beigesetzt.

Leistungen

Wilhelm Leibl gilt als der bedeutendste Maler des Realismus und eines reinmalerischen Stils in Deutschland. Seine Bilder aus dem ländlichen Raum Oberbayerns haben nichts von Idylle oder genrehafter Erzählfreude, sondern sind durch kaum geschönte Darstellung der Menschen geprägt. Seine detailreiche Malerei näherte sich ab 1890 dem Impressionismus an, doch wahrte er stets die geschlossene Körperlichkeit seiner Gestalten. Leibl war in erster Linie Menschendarsteller.

Werke

Kopf eines Blinden
Das ungleiche Paar, 1876, Städelsches Kunstinstitut
Dachauerin mit Kind, 1874–75, Alte Nationalgalerie

Literatur

Commons: Wilhelm Leibl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Metropolitan Museum of Art: German Masters of the Nineteenth Century: Paintings and Drawings from the Federal Republic of Germany. Harry N. Abrams, New York 1981, ISBN 0-87099-263-5, Wilhelm Leibl: Countess Rosine Treuberg, 1877, S. 152.
  2. ↑ Wilhelm Leibl: Brief an seine Mutter Gertrud Leibl, Schloss Holzen, 12. Juli 1877. In: Julius Mayr (Hrsg.): Wilhelm Leibl. Sein Leben und sein Schaffen. Bruno Cassirer, Berlin 1906, S. 118.
  3. ↑ Wilhelm Leibl auf Schloß Holzen, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 22, 1959.
  4. ↑ Werner Hofmann und Klaus Herding (Herausgeber): Courbet und Deutschland [Begleitkatalog zur gleichnamigen Kunstausstellung von 1978/1979], Köln 1979, S. 432.
  5. ↑ Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 280.
  6. 1 2 Willi Dürrnagel: Wilhelm Leibl. In: Würzburger Anzeiger. September 2012, S. 3.
  7. ↑ Rita Bake: Ein Gedächtnis der Stadt. Nach Frauen und Männern benannte Straßen, Plätze, Brücken, Band 3, Stand: Dezember 2017, S. 830 (PDF-Datei)
  8. ↑ Matthias Freitag: Regensburger Straßennamen. Mittelbayerische Verlagsgesellschaft mbH, Regensburg 1997, ISBN 3-931904-05-9, S. 138.
  9. ↑ Willi Dürrnagel: Wilhelm Leibl. In: Würzburger Anzeiger. September 2012, S. 1–3.