
William Howard Doane (* 3. Februar 1832 in Preston, New London County, Connecticut; † 23. Dezember 1915 in South Orange, New Jersey) war US-amerikanischer Industrieller, Erfinder, Philanthrop, Chorleiter und Komponist von 2300 erwecklichen Kirchenliedern, davon waren über 600 Lieder für die Sonntagsschulen bestimmt. Mehr als siebzig Patente für Holzbearbeitungsmaschinen werden ihm zugeschrieben.
Joseph Howes Doane (1797–1854), sein Vater, war ein Textilunternehmer, ihm gehörte die Firma Doane & Treat, die Baumwolle verarbeitete. Frances Treat Doane (1799–1881), seine Mutter, war Baptistin und gehörte zu einer Kirche in Norwich in Connecticut. William Howard Doane war das fünfte Kind von acht Kindern, seine Geschwistern waren Joseph Albert (1820–1914), James Treat (1822–1860), John Adams (1825–1893), Emily Frances Doane Randall (1828–1892), Eunice Howes (1835–1882), Henry (1837–1917) und Juliette Doane (1840–1938), er hatte vier Brüder und drei Schwestern. Bereits im Alter von sechs Jahren sang er vor Publikum, und mit zehn Jahren beteiligte er sich im Kirchenchor. Mit zwölf Jahren war er schon ein ausgezeichneter Flötist, mit dreizehn spielte er Gambe und mit fünfzehn Orgel. Gleichzeitig begann er, musikalische Kompositionen zu schreiben, er wurde unterstützt und gefördert von Musikern wie Benjamin Franklin Baker, Holbrook, A. N. Johnson und Kanhoiser. Er besuchte eine Schule der Kongregationalisten, und mit vierzehn Jahren wurde er dort Chorleiter der Woodstock Academy. 1847, im letzten Schuljahr vor der Graduierung, erlebte er eine Bekehrung zum christlichen Glauben, und 1851, wurde er von Reverend Frederic Denison in der Central Baptist Church in Norwich getauft. Von 1852 bis 1854 war er Dirigent der Norwich Harmonic Society.
Gleich nach dem Schulabschluss bekam er eine Anstellung im Buchhaltungsbüro der Firma seines Vaters. 1850, ungefähr zwei Jahre später, trat er in die Firma von J. A. Fay in Chicago ein, die Maschinen für die Holzbearbeitung herstellte. Zehn Jahre später wurde er Partner in dieser Firma, die ihren Hauptsitz in Cincinnati hatte. Als der bisherige, alte Inhaber starb, wurde Doane 1866 Präsident dieser innovativen und zukunftsträchtigen Firma mit dem Namen J.A. Fay Woodworking Machinery Company. Als erfinderische Person konnte er über 70 Patente für Holzbearbeitungsmaschinen eintragen lassen. 1889 gewann er an der Weltausstellung in Paris einen großen Preis für eine von ihm erfundene Maschine.
In Cincinnati war Doane Mitglied der Mount Auburn Baptist Church, wo er für einige Jahre Verantwortlicher deren großen, florierenden Sonntagsschule, Dirigent des Kirchenchors und Präsident des Ohio Baptist Convention Ministers Aid Society war.
Die führende Position in dieser Firma brachte ihm eine Residenz in Mount Auburn auf den Cincinnati Hills und viel Geld ein, so dass er zudem philanthropisch tätig werden konnte. Er unterstützte den Evangelisten Dwight Lyman Moody, seinen Sänger Ira D. Sankey, das entstehende Moody Bible Institute in Chicago und die christliche Jugendorganisation YMCA. An der Denison University in Granville, Ohio, finanzierte er die Bibliothek, die sogenannte Doane Hall, die später Granville Academy genannt wurde. Später kam noch das Doane Gymnasium dazu, das im 21. Jahrhundert Doane Dance heißt, und das von seinen beiden Töchtern Ida und Marguerite gespendet wurde. Zusammen mit dem Unternehmer John Church finanzierte er die große Orgel in der YMCA-Halle in Cincinnati, die Silver Spray genannt wurde, nach seinem Liederbuch von 1868, mit dessen Erträgen er sie mitbezahlt hatte. Für seine musikalischen Verdienste erhielt er von der Denison University 1875 einen Doktortitel in Musik.
Doane starb am 23. Dezember 1915 in South Orange, New Jersey. Er lebte damals in Watch Hill, Rhode Island. Begraben wurde er jedoch im Spring Grove Cemetery in Cincinnati.
1857 heiratete Doane Frances Marie, genannt Fannie, Treat (1832–1923), eine Tochter des Geschäftspartners seines Vaters. Sie hatten zwei Töchter, Ida Frances Doane (1858–1942) und Marguerite Treat Doane, genannt Daisy (1868–1954).
Doane schrieb sein erstes Musikstück mit sechzehn Jahren, und mit zwanzig Jahren wurde er Dirigent der Norwich Harmonic Society. 1862 kam sein erstes Liederbuch heraus mit dem Namen Sabbath School Gems. Es folgten 1867 Little Sunbeams und 1868 Silver Spray, letzteres war eines der populärsten Sonntagsschulliederbücher der damaligen Zeit. 1870 folgte das Kirchengesangbuch Songs of Devotion, das in vielen Kirchen gebraucht wurde. Daraus entstand eine Zusammenarbeit mit Pastor und Kirchenlieddichter Robert Lowry für musikalische Werke, die bei der Firma Biglow & Main in New York City aufgelegt wurden. Für die bekannte Liederdichterin Fanny Crosby komponierte er ab 1867, als er sie zum ersten Mal traf, ungefähr 1500 Lieder. So wurde er zu einem der bekanntesten Komponisten von Erweckungsliedern, dessen Lieder weltweit millionenfach gedruckt wurden. Einige seiner Lieder wurden auch in andere Sprachen übersetzt, so in die Hawaiische Sprache und in die Swahili Sprache. 1879 wurde er zudem für seine neuartige Weihnachtskantate Santa Claus bekannt, bei der viele Menschen jeglichen Alters mitwirken konnten.
Er komponierte Melodien zu vielen Kirchenliedern. Die Texte wurden teilweise auch in andere Sprachen übertragen, so auch ins Deutsche:
Doanes Lieder zeigen typische Merkmale des Erweckungsliedes, denn sSie stehen meist in geradem Takt (Musik) ohne Auftakt. Im Rhythmus dominieren punktierte Noten; teilweise ergibt sich ein rhythmisch sehr stereotypes Bild: Gleich bleibende Muster von wenigen Notenwerten werden über weite Strecken des Liedes wiederholt (Brüder, auf zu dem Werk).
Doanes Melodien setzen sich aus kurzen Phrasen zusammen, meist in analog gebildeten Vordersatz-Nachsatz-Paaren (Hin und wieder Zurück). Der melodische Ambitus ist meist klein. Tonwiederholungen und Tonschritte in Dur oder im pentatonischen Raum sind häufig, Sprungbewegungen in den Melodien wirken teilweise unmotiviert.
Die meisten der Lieder Doanes besitzen einen Refrain. Dort finden sich regelmäßig lange Liegetöne in der Melodie (O wie süß klingt Jesu Name), welche in den Begleitstimmen eigenständige, rhythmisch motivierte Phrasen erlauben (O wie süß – (wie süß) – es erklingt – (es erklingt) – wenn mein Herz von Jesus singt).
William Howard Doane gab zahlreiche baptistische Liederbücher heraus.
In seinem Haus in Mount Auburn auf den Cincinnati Hills besaß Doane Musikinstrumente wie Klaviere, eine Kabinettorgel, eine Harfe und eine Pfeifenorgel, die mit einem Wassermotor betrieben wurde. Er sammelte antike Instrumente, die aus Ägypten, Mexiko, Burma, Japan, Afrika, Russland, Türkei und Syrien stammten. Seine umfangreiche Bibliothek enthielt Pergamentmanuskripte aus dem 8. Jahrhundert, Faksimiles der Originalpartitur von Händels Messias sowie originale Manuskripte und Autogramme berühmter Komponistien wie Beethoven, Mendelssohn, Mozart, Händel und Giacomo Meyerbeer. Er sammelte auch Stücke von Lowell Mason, Thomas Hastings, William Batchelder Bradbury, George Frederick Root, Philip P. Bliss, Robert Lowry und weiteren amerikanischen Komponisten.
Um 1890 erwarb Doane in Europa zahlreiche Manuskripte von bedeutenden Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Seine Tochter, Marguerite Treat Doane, vermachte diese Sammlung 1950 dem Palmer Theologischen Seminar Wynnewood, Pennsylvania, wo sie in Vergessenheit geriet. Nachdem dann zunächst 1990 zwei Mozart-Autographen aus dieser Sammlung wiedergefunden und versteigert wurden, fand man im Sommer 2005 durch Zufall auch das eigenhändige Manuskript von Beethovens Großer Fuge (1824, op. 133, für Klavier zu vier Händen; ursprünglich das Finale des Streichquartetts Op. 130). Es soll im Dezember 2005 in London versteigert worden sein.
Die American Baptist Historical Society (ABHS) besitzt in ihren Archiven eine Sammlung von Doanes Geschäftsverträgen, Korrespondenz seiner Wohltätigkeit, Urheberrechte, Musikmanuskripte, Fotos und Erinnerungsstücke.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Doane, William H. |
| ALTERNATIVNAMEN | Doane, William Howard (vollständiger Name); Doane, W. Howard |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Industrieller und Komponist geistlicher Lieder |
| GEBURTSDATUM | 3. Februar 1832 |
| GEBURTSORT | Preston, New London County, Connecticut, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 23. Dezember 1915 |
| STERBEORT | South Orange, New Jersey, Vereinigte Staaten |