| Strukturformel | ||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Freiname | Zuranolon | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
| |||||||||||||||||||||
| Summenformel | C25H35N3O2 | |||||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
Weißes bis fast weißes, nicht hygroskopisches, kristallines Pulver | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||
| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse |
Steroid | |||||||||||||||||||||
| Wirkmechanismus |
Modulation am GABAA-Rezeptor | |||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 409,56 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
Fest | |||||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
| |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Zuranolon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der neuroaktiven Steroide (Neurosteroide). Er gehört zu der neuen Gruppe der schnell wirksamen Antidepressiva (RAAD). Unter dem Namen Zurzuvae (Hersteller: Sage Therapeutics, Biogen) wurde er im August 2023 in den USA zur Behandlung der postpartalen Depression (PPD, „Wochenbettdepression“) zugelassen, die Zulassung für die Europäische Union erfolgte am 17. September 2025.
Die Anwendung erfolgt oral einmal täglich abends mit fetthaltiger Nahrung über einen Zeitraum von 14 Tagen. Das Präparat ist verschreibungspflichtig.

Zuranolon ist eine synthetische Verbindung, die sich vom endogenen Neurosteroid Allopregnanolon (Brexanolon) ableitet, eines Metaboliten des Gelbkörperhormons Progesteron. Anders als Brexanolon, das ebenfalls zur Behandlung der PPD eingesetzt und intravenös verabreicht wird, ist Zuranolon oral wirksam und hat eine wesentlich längere Eliminationshalbwertszeit. Zuranolon wirkt als positiver allosterischer Modulator über die Neurosteroid-Bindungsstellen in der Transmembrandomäne von GABAA-Rezeptoren. Es wirkt breitbandig auf verschiedene GABAA-Rezeptortypen ein und verstärkt synaptisch und extrasynaptisch den Chloridionenstrom durch Verlängerung der Öffnungsdauer des Kanals. Es hat eine ausgeprägte Wirkung an extrasynaptischen Rezeptoren, die delta-Untereinheiten enthalten. Die Allopregnanolon-Spiegel steigen während der Schwangerschaft an, fallen nach der Geburt ab und verbleiben bis zu sechs Monate postpartal auf niedrigem Niveau. Parallel zum Anstieg der Allopregnanolon-Spiegel während der Schwangerschaft kommt es zu einer Abnahme der GABAA-Rezeptor-Expression. Eine verzögerte Wiederherstellung der Rezeptor-Expression nach der Entbindung und anhaltend niedrige Allopregnanolon-Spiegel erzeugen einen Zustand der Übererregbarkeit, der fortbestehen und zur Symptomatik der PPD beitragen kann. Zuranolon imitiert und ersetzt das fehlende Allopregnanolon. Zuranolon wird in der Leber vor allem durch das Enzym CYP3A4 metabolisiert. Dies ist in Bezug auf Wechselwirkungen mit Enzymhemmern und -induktoren zu beachten.
| Pharmakologische Daten | |
|---|---|
| Verabreichungsweg | Oral (Einnahme) |
| Plasmaeiweißbindung | > 99,5 % |
| Maximaler Plasmaspiegel | nach ca. 5 bis 6 Stunden |
| Halbwertszeit | 20–25 Stunden |
| Metabolisierung | Hepatisch (CYP3A4) |
| Ausscheidung | Fäzes (41 %), Urin (45 %) |
Zuranolon ist seit August 2023 in den USA für die Behandlung der postpartalen Depression (PPD) bei Erwachsenen zugelassen. In der EU folgte die Zulassung im September 2025 auch mit der Begründung, dass es „derzeit keine spezifischen Behandlungen gibt, die für diesen Zustand zugelassen sind“ (Stand 2025). In der Begründung der Europäischen Union für die Zulassung wird angeführt, dass Standard-Antidepressiva „oft nicht schnell genug wirken“. Zuranolon kann depressive Symptome bereits nach zwei Wochen Behandlung reduzieren. Die Zulassung erfolgte aufgrund der Ergebnisse einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie (Skylark). Beim Studieneinschluss durfte die Entbindung maximal 12 Monate zurückliegen. Eine signifikante Verringerung des Schweregrades der Depression ergab sich ab dem dritten Tag der Behandlung und hielt bis zum 45. Tag an. Zuranolon kann allein, oder als Ergänzung zu einer anderen Behandlung mit Antidepressiva angewandt werden.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit, Schwindel, Durchfall, Müdigkeit, Entzündungen der Nasen- und Rachen-Schleimhaut (Nasopharyngitis) und Harnwegsinfektionen. Die Arznei wurde im Allgemeinen gut vertragen. Die berichteten unerwünschten Ereignisse waren überwiegend mild bis moderat ausgeprägt.
Die wiederholte Einnahme führt zur physischen Abhängigkeit. Nach abruptem Absetzen kann es zu Entzugserscheinungen kommen.
Die Verkehrstüchtigkeit kann durch Einnahme von Zuranolon beeinträchtigt sein. Es gibt Hinweise aus Tierversuchen, dass Zuranolon schädliche Wirkungen beim Fetus wie etwa Fehlbildungen begünstigt. Frauen sollten daher unter der Therapie und für eine weitere Woche danach sicher verhüten. Auch darf es ohnehin während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Während der Behandlung wird empfohlen, das Stillen zu pausieren, sofern nicht nach individueller ärztlicher Abwägung der Nutzen des Stillens überwiegt.
Verschlechtert sich unter der Therapie die depressive Symptomatik oder treten suizidale Gedanken auf, kann eine Dosisreduktion oder das Absetzen des Mittels in Frage kommen.
Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden sollten nichtmedikamentöse Therapieverfahren vorgezogen werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss schlägt einen Vergleich mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und einem Best-Supportive-Care-Konzept vor. Antidepressiva sind indiziert bei schweren depressiven Episoden, fehlender Besserung unter Psychotherapie und bei entsprechendem Patientenwunsch.
Als Alternative zu Zuranolon kommen zunächst aufgrund der bisherigen Datenlage als wenig risikoreich geltende Medikamente wie Sertralin, Citalopram oder Escitalopram in Frage.