Amt Bernstein

Bernstein auf dem Meßtischblatt 1490 1:25.000 von 1891. Die früheren Amtsgebäude lagen nordöstlich der Altstadt am Ostufer Jungfernsee. Nördlich davon liegt die Sackmühle.

Das Amt Bernstein war ein kurfürstlich-brandenburgisches, später königlich-preußisches Domänenamt, das 1561(?) aus dem Besitz des säkularisierten Klosters Bernstein gebildet wurde. Es wurde 1571 an die von Wulkow verliehen, 1728 wieder zurückgekauft und zunächst dem Amt Dölitz in Pommern zugewiesen. Ab 1744 wurde es wieder verselbständigt. 1872/4 wurde es aufgelöst.

Lage

Das Amtsgebiet des Amtes Bernstein war nicht zusammenhängend. Bernstein und Bärfelde waren eine Beinahe-Exklave des Arnswalder Kreises, fast völlig im Pyritzer Kreis von Pommern gelegen. Lediglich im Südwesten grenzte die Stadtfeldmark von Bernstein über eine kurze Erstreckung an den Soldiner Kreis der Mark Brandenburg. Siede war durch die Feldmark Hohengrape vom übrigen Amtsgebiet getrennt, grenzte jedoch an die Stadtfeldmark von Berlinchen. Hohengrape gehörte ursprünglich teils zu Pommern, teils zum Arnswalder Kreis. Nach dem Tausch von 1773 gehörten nur noch zwei Feuerstellen zum Arnswalder Kreis, der Rest war in Adelsbesitz und gehörte zu Pommern. Das Gebiet des Amtes Bernstein einschließlich von Hohengrape kam in der Kreisreform von 1816/7 an den Kreis Soldin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das ehemalige Amtsgebiet an Polen und liegt heute im Powiat Choszczeński im Südwesten der Woiwodschaft Westpommern.

Geschichte

1290 stiftete Markgraf Albrecht III. das Zisterzienserinnenkloster Bernstein, im damaligen Land Bernstein. Die Landeszugehörigkeit des Klosters bzw. des Landes Bernstein wechselte ab 1315 mehrmals zwischen Pommern und der Mark Brandenburg. 1561(?) wurde das Kloster säkularisiert und seine Besitzungen in ein landesherrliches Amt umgewandelt (Amt Bernstein). Seit 1535 gehörte das Gebiet definitiv zur Neumark und bis 1571 zum brandenburgischen Teilfürstentum Brandenburg-Küstrin.

1571 wurden die ehemaligen Klosterbesitzungen an die Familie von Wulkow verliehen. 1727–29 wurden sie vom Fiskus aus der Konkursmasse des verstorbenen Geheimen Rates und Direktors Georg von Waldow für 60.000 Taler erworben und zunächst dem pommerischen Amt Dölitz zugewiesen. Sie wurden ab 1735 verpachtet. 1744 wurden die ehemaligen Klosterbesitzungen verselbständigt und dafür das Amt Bernstein geschaffen. Amtssitz war das ehemalige Kloster Bernstein. Es gehörte bis 1802 administrativ zur Stettinischen Kammer in Pommern, erst danach zur Neumärkischen Kriegs- und Domänenkammer.

Zugehörige Orte

Die Zusammenstellung bei Berthold Schulze ist unvollständig und wurde mit den Angaben von Friedrich Wilhelm August Bratring (Stand 1803) und den Topographischen Übersichten des Regierungsbezirks Frankfurt/Oder (Stand: 1818, 1840, 1864) ergänzt:

1847 wurden die Vorwerke Klausdorf (Płonno) und Herzfelde (Golejewo) vom Amt Karzig abgetrennt und dem Amt Bernstein zugewiesen. Die Kassenverwaltung des Amtes Bernstein wurde 1856 aufgelöst und auf das Amt Karzig übertragen. Im Zuge der Kreisreform von 1872 wurde das Amt Bernstein aufgelöst.

Amtshauptmann

Einzig bisher namhaft gemachter Amtshauptmann des alten Amtes Bernstein war Georg von Waldow, der 1569 dieses Amt innehatte.

Amtleute

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Ankauf der in Konkurs stehenden Güter des verstorbenen Geheimen Rates und Direktors von Waldow – der Stadt Bernstein, der Dörfer Bärfelde und Siede und eines Anteil an Grape – für das pommersche Amt Dölitz 1727–1729, 1742
  2. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Untersuchung und Einrichtung der zum pommerschen Amt Dölitz gehörigen Bernsteinschen Güter bzw. des Amtes Bernstein zur Generalverpachtung für 1735
  3. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Auseinandersetzungen zwischen dem Amt Dölitz bzw. Bernstein und dem Besitzer der neuen Windmühle zu Bärfelde wegen der Mühlenpacht. 1730–1802
  4. 1 2 Brüggemann, Beschreibung, S. 129 (Online bei Google Books)
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. 270 S., Frankfurt a. O., Gustav Harnecker 's Buchhandlung, 1844 Online bei Google Books, S. 177
  6. 1 2 3 4 5 6 Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. 346 S., Verlag von Gustav Harnecker u. Co., Frankfurt a. O., 1867 Online bei Google Books S. 208.
  7. ↑ Karl Kletke: Regesta Historiae Neomarchicae: Die Urkunden zur Geschichte der Neumark und des Landes Sternberg. 2. Abtheilung. 439 S., Ernst & Korn, Berlin, 1868 Online bei Google Books (S. 313/14)
  8. ↑ Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts; oder geographisch-historisch-statistische Beschreibung der Provinz Brandenburg, auf Veranlassung des Staatsministers und Ober-Präsidenten Flottwell. Dritter Band. XCV S. + 783 S., Druck und Verlag von Adolph Müller, Brandenburg, 1856. Online bei Google Books S. 373.
  9. ↑ Brüggemann, Beschreibung, S. 144 (Online bei Google Books)
  10. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Baumaßnahmen im Amt Bernstein. 1729–1737
  11. ↑ Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirks Frankfurth a. d. O. 388 S., G. Hayn, Berlin, 1820, S. 264.
  12. ↑ Karl Friedrich Rauer: Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. 454 S., Selbstverlag Rauer, Berlin 1857 Online bei Universitäts- und Landesbibliothek Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
  13. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Auflösung der Kassenverwaltung des Amtes Bernstein, deren Übertragung auf das Amt Karzig und verschiedene Kassen- und Rechnungs-S.; 1856–1870
  14. ↑ Regesta Historiae Neomarchicae: Die Urkunden zur Geschichte der Neumark und des Landes Sternberg. 3. Abtheilung. Märkische Forschungen, 13: 1-507, Berlin 1876 Online bei Google Books (S. 505)
  15. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Übergabe des Amtes Bernstein an den Generalpächter Amtmann Daniel Thiede; 1745–1751
  16. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Generalverpachtung des Amtes Bernstein nach dem Tod des Amtmanns Thiede; 1747–1748
  17. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Beschwerde des Amtmannes Georgi vom Amt Bernstein über die im Verhältnis zu den Bernsteiner Bürgern doppelte Belastung der Amtseinlieger mit Kirchen- und Schulgebühren; 1751, 1788–1790
  18. ↑ Adress-Calender der sämtlichen Königl. Preuß. Lande und Provinzien, ausser den Residenzien Berlin und dem Königreiche Preussen der darinnen befindlichen hohen und niedern Collegien, Instantzien und Expeditionen, ingleichen Königl. Bediente, Magisträte, Prediger, Universitäten etc. auf das Jahr MDCCLXVII (1767) Online bei Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (S. 88)
  19. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Übergabe des Amtes Bernstein an den Amtmann Sydow nach Ablauf der Pachtzeit des bisherigen Generalpächters Georgi; 1771–1773
  20. ↑ Adres-Calender, der sämtlichen Königl. Preuß. Lande und Provinzien, ausser den Residenzien Berlin, dem Königreiche Preussen und dem Souverainen Herzogthume Schlesien; der darinnen befindlichen hohen und niedern Collegien, Instanzien und Expeditionen, ingleichen der Königl. Bediente, Magisträte, Universitäten, Prediger etc. auf das Jahr MDCCLXXV (1775). 582 S., Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin, 1775. Online bei Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (S. 283)
  21. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Übergabe des Amtes Bernstein an den neuen Generalpächter Adam Ephraim Jacoby, den bisherigen Pächter des adligen Gutes Breitenstein in der Neumark; 1787–1788
  22. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Gewährung freier Mastschweine für den Generalpächter des Amtes Bernstein und Hauptpächter der Mast, den Amtmann Jacoby; 1804
  23. ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv – Online Recherche: Verschiedene Angelegenheiten; 1789–1807. Darunter: Beschwerden des Amtmannes Jakoby vom Amt Bernstein über übermäßige Belastung bei der Einquartierung und der Lieferung von Verpflegung, 1807
  24. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1818. 459 S., Berlin, Georg Decker, 1818 (S. 199)
  25. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1824. 498 S., Berlin, Georg Decker, 1828 Online bei Google Books (S. 235)
  26. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1832. 538 S., Berlin, Georg Decker, 1832 (S. 253)
  27. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1843. 734 S., Berlin, Georg Decker, 1843 (S. 312)
  28. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1848. 869 S., Berlin, Georg Decker, 1848 (S. 315)
  29. ↑ Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1852. 868 S., Berlin, Georg Decker, 1852 (S. 343)
  30. ↑ Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1854. 831 S., Berlin, Georg Decker, 1854, (S. 326)
  31. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1872. 1108 S., Berlin, Georg Decker, 1872 (S. 372)
  32. ↑ Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1855. 835 S., Berlin, Georg Decker, 1855 (S. 343)

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