Andrea Commodi

Joseph Wagner nach Giovanni Domenico Ferretti: Porträt des Andrea Commodi. Scottish National Gallery, Edinburgh

Andrea Commodi (auch Andrea Comodi; vollständiger Name Andrea di Riccardo Commodi;* 27. Dezember 1560 in Florenz; † 24. September 1638 ebenda) war ein italienischer Maler und Zeichner des Barock. Das Werk Commodis, insbesondere sein zeichnerisches Œuvre, gilt in der neueren kunsthistorischen Forschung als bedeutsam für das Verständnis der Malerei in Florenz und Rom um 1600. Seine Zeichnungen nach Werken Michelangelos sowie seine Studien nach lebenden Modellen werden als Ausdruck einer experimentellen und unkonventionellen künstlerischen Haltung beschrieben. Im Zusammenhang mit seinem Fresko in San Vitale (Rom) sowie mit einzelnen Werken aus seiner römischen Schaffensphase wird in der Forschung ein möglicher wechselseitiger Einfluss auf Caravaggio diskutiert; eine direkte Verbindung ist jedoch nicht gesichert. Commodi erlangte zudem Bedeutung als Lehrer des jungen Pietro da Cortona und des Malers Giovanni Battista Stefaneschi.

Leben

Ausbildung und erster Romaufenthalt

Andrea Commodi verbrachte seine Jugend in Florenz, wo er auch seine Ausbildung absolvierte. Nach eigenen Angaben war er Schüler des von Giorgio Vasari beeinflussten Lorenzo dello Sciorina. Vermutlich besuchte er zudem die Werkstätten von Alessandro Allori und Santi di Tito. Er war eng befreundet mit dem Maler Lodovico Cigoli, mit dem er die Vorliebe für Correggio, Federico Barocci und die venezianische Malerei teilte. Er arbeitete in dessen Werkstatt. Für seine künstlerische Entwicklung dürfte auch die Auseinandersetzung mit Druckgrafik aus dem Norden sowie ein vermuteter Kontakt zu dem flämischen Maler Jan van der Straet (Giovanni Stradano) von Bedeutung gewesen sein.

Bereits vor seinem ersten Romaufenthalt entstanden Werke, die seine künstlerische Vielseitigkeit zeigen, darunter ein 1589 entstandenes Gemälde anlässlich der Hochzeit von Christina von Lothringen mit Ferdinand I. de’ Medici sowie ein Abendmahl in Settignano. Zwischen 1580 und 1600 schuf Commodi eine Reihe von Zeichnungen, die sich heute im Gabinetto dei Disegni e delle Stampe der Uffizien in Florenz befinden. In der neueren Forschung gelten sie als bedeutend für die Wiederentdeckung des Künstlers. Dazu zählen Studien nach Zeichnungen Michelangelos ebenso wie Blätter mit Kindern, Jugendlichen und Dirnen in ungezwungenen Haltungen. Letztere werden aufgrund ihrer realistischen Kraft mit grafischen Entsprechungen zur Malerei Caravaggios in Verbindung gebracht. 1583 hielt sich Commodi erstmals in Rom auf.

Rom, Cortona und zweiter Romaufenthalt

Andrea Commodi: Disput der heiligen Katharina von Alexandrien, um 1609–1611. San Domenico, Cortona

Von 1592 bis 1614 lebte er ständig in Rom, unterbrochen von einem Aufenthalt in Cortona zwischen 1609 und 1611. Diese Jahre in Rom bildeten seine wichtigste Schaffensperiode. Besonders eng war seine Beziehung zu den Jesuiten, von denen er zahlreiche repräsentative Aufträge erhielt. Im Heiligen Jahr 1600 freskierte er die Apsis von San Vitale in Rom und setzte sich dabei erneut mit nordischen Künstlern, darunter Aert Mytens, auseinander. Er entwickelte einen Naturalismus, der möglicherweise Caravaggio beeinflusst hat. Um 1605 malte Commodi, unterstützt vom jungen Lorenzo Bartolo (Baccio) Ciarpi, einen Gemäldezyklus mit Szenen aus dem Leben des Ordensgründers Ignatius von Loyola für die Kirche Il Gesù in Rom. Dieser sollte die Kanonisation des Heiligen fördern. Die Werke befinden sich heute in der Casa Professa dei Gesuiti in Rom. Zu diesem Zyklus zählt auch das Gemälde Messa di Manresa, in dem zahlreiche Bezüge zu zeitgenössischen künstlerischen Tendenzen, insbesondere zu Adam Elsheimer, erkennbar sind.

Ab Anfang des 17. Jahrhunderts intensivierten sich Commodis Kontakte nach Cortona. Von 1609 bis 1611 hielt er sich dort auf. Die in dieser Zeit entstandenen Altartafeln, darunter im dortigen Dom, changieren zwischen frommer Archaik und einem individuellen Naturalismus mit einer besonderen Sensibilität für mystisch wirkendes Licht. Diese charakteristische Lichtführung zeigt sich auch in Werken in Valdibure, Nizza und Rom (Museo Francescano und Galleria Corsini).

In Rom stand Commodi in Kontakt mit dem florentinischen Künstlerkreis. Er arbeitete mit Agostino Ciampelli zusammen und erneuerte seine Freundschaft mit Lodovico Cigoli. Er beeinflusste Anastasio Fontebuoni und Sigismondo Coccapani. In seinem römischen Atelier bildeten sich unter anderem Domenico Fetti und Baccio Ciarpi aus, der später eng mit Commodi zusammenarbeitete. Um 1612 begann Pietro Berrettini, der spätere Pietro da Cortona, seine Lehre in Commodis römischer Werkstatt. Er blieb bis 1614 dort und wechselte anschließend, während Commodi abwesend war, in die Obhut Ciarpis. Dieser prägte den Frühstil des jungen Berrettini deutlich.

In den Jahren 1613 und 1614 malte Commodi erste Fassungen des Themas Der heilige Karl Borromäus betet für das Ende der Pest für Soriso und Cortona. Diese Ikonografie griff er 1621/22 in der Tafel für den Hochaltar von San Carlo ai Catinari in Rom in einer endgültigen Fassung erneut auf, was auf einen weiteren Romaufenthalt Commodis schließen lässt. Zwischen 1614 und 1621/22 bereiste er vermutlich Norditalien. In den Karl-Borromäus-Fassungen von Cortona und Rom lässt sich die Kenntnis der Werke von Ludovico Carracci und Giulio Cesare Procaccini feststellen. Um 1617 hielt er sich vermutlich kurzzeitig in Florenz auf. Im Jahr 1615 erhielt er von Papst Paul V. den Großauftrag für ein Fresko, das die gesamte Altarwand der Cappella Paolina im Palazzo del Quirinale bedecken sollte. Dieses Fresko wurde jedoch nicht ausgeführt. Erhalten sind lediglich vorbereitende Entwürfe, die sich heute in Florenz, Rom, London, New York und Paris befinden, sowie eine vorbereitende Leinwandstudie im Palazzo Pitti in Florenz.

Rückkehr nach Florenz und Spätwerk

1623 kehrte Commodi nach Florenz zurück, wo er vermutlich bis zu seinem Tod blieb. Über diese Spätphase seines Schaffens herrscht aufgrund fehlender gesicherter Werke und Dokumente weitgehend Unklarheit. Eine Ausnahme bildet das Selbstporträt in der Casa Buonarroti in Florenz. Der Forschung wurden mehrere qualitätvolle Gemälde Commodis in Budapest, Madrid und in der Certosa del Galluzzo bei Florenz zugeschrieben. Sie sollen Kontakte zu Vertretern der puristischen Richtung der zeitgenössischen Florentiner Malerei belegen, etwa zu Ottavio Vannini und Lorenzo Lippi. Commodi war zudem Verfasser scherzhafter Dichtungen, die sich in der Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze erhalten haben. Andrea Commodi starb am 24. September 1638 in Florenz.

Werk

Andrea Commodi: Gang nach Golgatha (Andata al Calvario), 1595–1599, Fresco. Chiesa dei Santi Vitale e Compagni Martiri, Rom
Andrea Commodi: Madonna del Rosario e santi (Madonna vom Rosenkranz mit Heiligen), kurz nach 1618. Pieve di San Giovanni Evangelista a Montecuccoli in Valdibure bei Pistoia

Zu den Andrea Commodi zugeschriebenen beziehungsweise dokumentierten Werken zählen unter anderem:

Literatur

Commons: Andrea Commodi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Gianni Papi: Andrea Commodi. Florenz 1994.
Personendaten
NAME Commodi, Andrea
ALTERNATIVNAMEN Comodi, Andrea; Commodi, Andrea di Riccardo (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG italienischer Maler und Zeichner des Barock
GEBURTSDATUM 27. Dezember 1560
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM 24. September 1638
STERBEORT Florenz