Ottavio Vannini

Ritratti dei membri illustri dell'accademia del disegno: Ottavio Vannini. Accademia delle Arti del Disegno, Florenz

Ottavio Vannini (* 15. November 1585 in Florenz; † 24. Februar 1644 ebenda) war ein italienischer Maler, Freskant und Zeichner des Florentiner Barock.

Leben

Ottavio Vannini wurde als Sohn des Michele Vannini in Florenz geboren. Er absolvierte zunächst eine vierjährige Lehrzeit in der Werkstatt des Giovanni Battista Mercati, bevor er sich nach Rom begab und dort Schüler des Anastasio Fontebuoni wurde. Nach seiner Rückkehr nach Florenz arbeitete er in der Werkstatt Domenico Crestis, genannt il Passignano, für den er an zahlreichen Altarbildern mitwirkte; eine mögliche Beteiligung am Martyrium der heiligen Nereus und Achilleus in Santa Maria Maddalena de’ Pazzi in Florenz wird diskutiert. Zwischen 1604 und 1605 war Vannini gemeinsam mit Pietro Sorri, der nach Crestis Weggang nach Rom dessen Florentiner Werkstatt bis 1609 weiterführte, in der Cappella Brunacci der Basilika Santissima Annunziata tätig, wo er das Gewölbefresko ausführte. Als erstes sicher datiertes Werk gilt die Letzte Kommunion des heiligen Hieronymus von 1617 in der Kirche Sant’Anna in Pisa. In den Jahren zuvor war Vannini vermutlich erneut in Rom tätig; am 18. Oktober 1618 wurde er in die Accademia del Disegno in Florenz aufgenommen.

Ottavio Vannini war zudem als Restaurator und Kopist gefragt, unter anderem nach Werken Andrea del Sartos. 1620 passte er das Gnadenbild der Santissima Annunziata für eine Verkündigungsdarstellung in der Kirche San Giuliano in Castiglion Fiorentino an. An der gemeinschaftlichen Fassadendekoration des Palazzo dell’Antella an der Piazza Santa Croce war er mit den Tugendpersonifikationen Spes, Constantia und Sinceritas beteiligt. Im Chiostro dei Morti der Santissima Annunziata schuf er wenig später Porträtmedaillons von 14 dem Servitenorden entstammenden Bischöfen.

Ottavio Vannini: Der Triumph Davids, Öl auf Leinwand, 124,5 × 165 cm, Eremitage, Sankt Petersburg

1621 beauftragte ihn Kardinal Carlo de’ Medici mit der Leitung der Ausmalung seiner Stadtresidenz, des Casino di San Marco. Parallel dazu war Ottavio Vannini im Auftrag der Regentin Maria Maddalena von Österreich an der Ausmalung der Villa di Poggio Imperiale beteiligt (1622–1623). Vor 1627 freskierte er im Palazzo Pitti in der Galleria del Poccetti die Personifikationen Justitia, Abundantia und Felicitas sowie in der Stanza della Stufa Temperantia und Fortuna. Um 1625 steuerte er für den Zyklus der Tribuna im Dom von Pisa eine monumentale Darstellung der Judith mit dem Haupt des Holofernes bei. Eine im Auftrag Don Lorenzos di Ferdinando de’ Medici entstandene Taufe Christi gelangte 1627 auf den Hochaltar der Dominikanerkirche Notre-Dame de Confort in Lyon (heute Musée des Beaux-Arts, Nantes). Vermutlich anlässlich der Hochzeit Claudia de’ Medicis mit Erzherzog Leopold V. von Österreich 1626 entstand das Gemälde Rebekka und Elieser am Brunnen (heute Kunsthistorisches Museum Wien).

1632 malte Ottavio Vannini im Auftrag von Agnolo Galli das Deckengemälde Selene und Endymion in dessen Palast in der Via Pandolfini. Ein bedeutender Förderer war Andrea Del Rosso, der mindestens 14 Gemälde Vanninis besaß und ihn auch mit der Ausmalung seiner Privatkapelle im eigenen Palast in der Via Chiara betraute; für dieselbe Familie schuf Vannini 1630 das Altarbild Der heilige Antonius Abbas heilt die Lahmen in San Felice in Piazza und übernahm 1641 die Bildausstattung der Andreaskapelle in SS. Michele e Gaetano. Das signierte und 1636 datierte Letzte Abendmahl in der Sakramentskapelle des Doms von Colle di Val d’Elsa entstand im Todesjahr des Auftraggebers Lorenzo Usimbardi. Zwischen 1638 und 1642 war Vannini, nun neben Giovanni da San Giovanni, Cecco Bravo und Francesco Furini, an einem weiteren mediceischen Bildprogramm im Palazzo Pitti beteiligt, wo er an der Fensterwand der Sala degli Argenti eine Darstellung Lorenzo il Magnificos im Kreise von Künstlern ausführte.

Bei seinem Tod hinterließ Ottavio Vannini zahlreiche unvollendete Werke. Sein Schüler Antonio Ruggieri vollendete die Anbetung der Könige im Querhaus von SS. Michele e Gaetano sowie das Altarbild der Del-Rosso-Kapelle mit dem Martyrium des heiligen Andreas (1652 fertiggestellt).

Werk

Ottavio Vannini: Michelangelo zeigt Lorenzo de’ Medici den Kopf eines Fauns, 1638–1642, Fresko, Palazzo Pitti, Florenz

Stilistisch ist Ottavio Vannini erkennbar vom ruhigen, auf Monumentalität und Gravitas zielenden Figurenstil seines Lehrers Cresti geprägt und verbindet diesen mit präziser Konturzeichnung und leuchtkräftigen Lokalfarben. Seine klassizisierende Tendenz, die Parallelen in der Malerei Alessandro Turchis und der Carracci-Nachfolge findet, verstärkte sich mit den Jahren, ohne der ausgeprägten Sinnlichkeit seiner Aktdarstellungen entgegenzustehen, wie etwa die Kommunion der heiligen Maria Magdalena (Florenz, Seminario Maggiore), die Büßende Maria Magdalena (Rom, Galleria Pallavicini) sowie mehrere Fassungen des heiligen Sebastian zeigen. Vannini gilt als einer der herausragenden Zeichner des Florentiner Seicento; neben sorgfältig ausgearbeiteten Detailstudien in der Tradition der Hochrenaissance schuf er locker skizzierte, meist in Rötel ausgeführte Kompositionsentwürfe, die bereits von seinem Biografen Filippo Baldinucci geschätzt wurden. Größere Bestände seiner Zeichnungen befinden sich in den Uffizien, im Musée du Louvre und im Musée des Beaux-Arts in Lille.

Werke Ottavio Vanninis befinden sich unter anderem im Dom von Colle di Val d’Elsa, in der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, in den Uffizien und in der Galleria dell’Accademia in Florenz, im Museo degli Innocenti in Florenz, in den Kirchen San Felice und San Gaetano in Florenz, in Museen in Manchester und Nantes, in den Domen von Pisa und Pistoia sowie im Kunsthistorischen Museum Wien.

Literatur

Commons: Ottavio Vannini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
  2. 1 2 Sandro Bellesi: Catalogo dei pittori fiorentini del ’600 e ’700. Biografie e opere. Florenz 2009.
Personendaten
NAME Vannini, Ottavio
KURZBESCHREIBUNG italienischer Maler, Freskant und Zeichner des Florentiner Barock
GEBURTSDATUM 15. November 1585
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM 24. Februar 1644
STERBEORT Florenz