Das Archive Artist Publications (kurz AAP) sammelt, archiviert und dokumentiert internationale Künstlerpublikationen. Initiiert wurde es Ende der 1970er Jahre von Hubert Kretschmer, Verleger, Kunstpädagoge und Künstler, der das Archiv auch heute noch privat leitet. Es befindet sich in München, innerhalb des Kunstareals. Das AAP Archive Artist Publications ist Teil des freien Netzwerks unabhängiger, nicht kommerzieller Kunsträume in München: [ off ] spaces munich.

Im Gegensatz zu klassischen Bibliotheken sammelt das Archiv vorwiegend Künstlerbücher und Künstlerzeitschriften, daneben auch eine große Bandbreite verschiedener Medien, auch sogenannter Grauer Literatur: mit einfachsten Mitteln hergestellte Publikationen, wie Flyer, kopierte oder mit Matrizenabzügen vervielfältigte Magazine (siehe auch Fanzine), in kleinen Auflagen hergestellte Editionen, Buchobjekte, Objektzeitschriften und ähnliches. Häufig sind derartige Publikationen von Künstlern nur einem kleinen Kreis zugänglich und nicht dauerhaft oder an einem zentralen Ort archiviert. Mit Ausstellungen in großen öffentlichen Bibliotheken und Institutionen wie dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln, der Staatlichen Bibliothek Regensburg, dem Kunsttempel Kassel, in der Archiv Galerie 2018/19 im Haus der Kunst München und in den eigenen Räumen in der Türkenstraße sowie mit der Teilnahme an verschiedenen nationalen und internationalen Kunst- und Buchmessen macht das Archiv Artist Publications diesen Bereich künstlerischer Produktion der Öffentlichkeit zugänglich. Seit 2019 veranstaltet das AAP in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst, fructa space, der Akademie der Bildenden Künste München, der Bayerischen Staatsbibliothek und der Kunsthochschule Kassel die Künstlerbuchmesse Super Books.
Schwerpunktmäßig im Archiv vertreten sind Publikationen der 1970er und 1980er Jahre sowie ab dem Jahr 2000. Der internationale Bestand stammt aus über 80 Ländern, vorwiegend aus Westeuropa und Nordamerika. Die Sammlung umfasst Künstlerbücher, Multiples, Plakate, Einladungen, Schallplatten und Musikkassetten, Fotokopien, Künstlerbriefmarken, Videos, Zines, CDs, Lieferverzeichnisse, Zeitschriften, Websites, Sekundärliteratur und Ausstellungskataloge, die die Kunstströmungen der letzten fünfzig Jahre widerspiegeln: die Ausläufer des Fluxus, des Happenings und der Aktionskunst, Mail Art, Stamp Art, die Neuen Wilden, Konkrete Poesie und Visuelle Poesie, Konzeptkunst, Appropriation Art, Copy Art, Punk, Zines bis zu aktuellen Strömungen künstlerischer Printproduktion. In geringem Umfang sind bewusst auch Alltagspublikationen in der Sammlung enthalten, wie Versandkataloge, Mode- und Lifestyle-Zeitschriften, die den jeweiligen Zeitgeist exemplarisch dokumentieren.
Vertreten sind Publikationen von über 15.000 Künstlerinnen und Künstlern, darunter Roberta Allen, Anna Banana, Christian Boltanski, James Lee Byars, Albert Coers, Robin Crozier, Katharina Gaenssler, Jochen Gerz, Jürgen Klauke, Kommissar Hjuler mit dem Projekt FLUXUS +/-, Berengar Laurer, Christoph Mauler, Anna McCarthy, Stephanie Müller aka. rag*treasure, Jürgen O. Olbrich, Beate Passow, Timm Ulrichs, Gerhard Richter, Dieter Roth, Reiner Ruthenbeck, Joachim Schmid, Guy Schraenen, Annegret Soltau, Klaus Staeck, Alexander Steig, Erik Steinbrecher, Endre Tót, Lawrence Weiner. Im Archivkatalog sind aktuell über 106.500 Items erfasst (Stand Mai 2026). Die Sammlung ist über den OPAC kostenfrei öffentlich einseh- und recherchierbar. Außerdem können Interessierte das Archiv besuchen und sich Exponate vorlegen lassen, zum Beispiel für Recherchezwecke.
Mehr als die Hälfte des Bestandes stammt aus Schenkungen. Zu den größten Spenderinnen und Spendern gehören u. a. Klaus Groh, Heinz Schütz, Joachim Schmid, Christoph Mauler, Wolfgang Rostek, Horst Tress, Jürgen O. Olbrich, Annegret Soltau, Lars Schumacher, Ulli Katenstroth, Reinhard Grüner, Beatrix La Charité, H.J. Kropp, Walther E. Baumann, Berengar Laurer, Alexeij Sagerer, Klaus Staeck, Albert Coers, Tobias Premper, Lisa Fuhr, Peter Müller, Olli Nauerz, Barbara Hiebel und Timm Ulrichs.