Badel, ein kurzes Straßendorf mit Kirche, liegt zwischen Salzwedel und Kalbe (Milde), etwa 10km nordwestlich von Kalbe (Milde) in der Altmark. Der Augraben fließt von Norden nach Süden durch das Dorf. Im Westen liegt das Waldgebiet „Forst Parchen“.
Ortschaftsgliederung
Die Ortschaft Badel besteht aus den Ortsteilen Badel und Thüritz.
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Bodewald aufgeführt. Da eine handschriftliche Anmerkung aus dem 17. Jahrhundert hodie Bock angibt, hatte Ernst Fidicin den Eintrag als Boock interpretiert. Joachim Stephan bestätigt, dass hier tatsächlich Badel gemeint ist.
Im Jahre 1397 wird Badel als Bodewal erwähnt, als die von Nitzenplitz Güter an die von der Schulenburg überlassen. Weitere Nennungen sind 1687 Badell, 1842 Baadel und 1804 Badel.
1899 wurde Badel als amtliche Schreibweise festgelegt.
Franz Mertens erkennt im Namen das althochdeutsche Wort „bad“ oder mittelhochdeutsch „bat“ für „Bad im Teich oder Fluss“ sowie „wal“ als „Welle, Wallung“ und übersetzt das als „Bade-Quelle“.
Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde in den neu eingerichteten Kreis Kalbe (Milde) umgegliedert. Nach dessen Auflösung am 1. Januar 1988 kam Badel zum Kreis Salzwedel und nach dessen Auflösung am 1. Juli 1994 zum Altmarkkreis Salzwedel.
Am 1. Januar 2011 wurde die Gemeinde per Gesetz in die Stadt Kalbe (Milde) eingemeindet. Gleichzeitig wurde eine Ortschaft Badel gebildet, zu der der Ortsteil Thüritz, gehört. Die frühere Gemeinde Thüritz war am 1. Juli 1973 nach Badel eingemeindet worden.
Einwohnerentwicklung
Jahr
Einwohner
1734
083
1774
068
1789
071
1798
082
1801
075
1818
077
1840
144
1864
180
Jahr
Einwohner
1871
170
1885
182
1892
[00]190
1895
207
1900
[00]226
1905
237
1910
[00]263
1925
281
Jahr
Einwohner
1939
259
1946
409
1964
296
1971
295
1981
550
1993
565
2006
460
2015
256
Jahr
Einwohner
2016
263
2017
272
2018
282
2020
[00]273
2021
[00]260
2022
[0]266
2023
[0]269
Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1993 und 2015 bis 2018
Thomas Schreiber ist Ortsbürgermeister der Ortschaft Badel.
Ortschaftsrat
Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 stellte sich die Wählergemeinschaft Badel/Thüritz zur Wahl. Sie gewann alle 5 Sitze. Gewählt wurden eine Ortschaftsrätin und vier Räte.
Die evangelische Dorfkirche Badel ist ein Feldsteinbau aus dem 14. Jahrhundert. Sie war eine Nebenkirche von Zethlingen und besitzt eine Orgel. Das Bauwerk ist ein schlichter Rechtecksaal aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk und wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch eine Apsis aus Backstein erweitert.
Das Kriegerdenkmal Badel in der Dorfstraße besteht aus einer Stele mit einem Kreuz.
Verkehr
Bis 1980 war Badel Bahnhof der Bahnstrecken Salzwedel–Badel, Streckennummer 6903, km 0,00 (Verkehrseinstellung 1980) und Hohenwulsch–Beetzendorf, Streckennummer 6904, km 24,9. Am 10. März 1991 verlor Badel den letzten Bahnanschluss (Personenverkehr), der Güterverkehr wurde um 1993 eingestellt.
Über die verlängerte Badeler Bahnhofsstraße in Richtung Bühne-Güssefeld, etwa 600 m südöstlich des Bahnhofsareals, ist eine verkehrstechnische Besonderheit erreichbar: Eine 1911 errichtete hölzerne Straßenbrücke über eine Kleinbahnstrecke, die in einer Neigung liegt und auch mit Dampfloks befahren wurde. Die rekonstruierte historische Bahnbrücke Badel52.72585711.3207746 wurde am 30. Juni 2018 eingeweiht. Die Aufnahme in Denkmal-Listen ist vorgeschlagen.
Spukstelle und Sage
Im Altmärkischen Sagenschatz berichtete der Lehrer Lehrmann im Jahre 1908 von einer Spukstelle nordwestlich des Dorfes: An der Feldgrenze zwischen Badel und Mösenthin zeigt sich ein auf einem Schimmel sitzender Reiter ohne Kopf.
Auf dem Badeler Berg52.7176511.2414943, nördlich von Cheinitz, damals Baadelscher Berg genannt, stand noch 1850 eine Fichte, die war sehr krumm nach entgegengesetzten Seiten gewachsen. Der Sage nach waren dort eine Laus und ein Floh festgemacht worden. Die riesigen Insekten zogen und zerrten nach entgegengesetzten Seiten, um die Menschen zu erreichen, daher wuchs der Baum nicht gerade.
Persönlichkeiten
Otto Wiedfeldt (1871–1926), Botschafter in den Vereinigten Staaten, in Thüritz geboren.
Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.158 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes:Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W.Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC1071081004, S.325, 8. Baadel (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑Stadt Kalbe (Milde) (Hrsg.):Hauptsatzung der Gemeinde Stadt Kalbe (Milde). Ortschaftsverfassung, §13 Ortschaften. 29.April 2021 (verwaltungsportal.de[PDF; 3,6MB; abgerufen am 19.März 2023]).
↑Johannes Schultze:Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (=Brandenburgische Landbücher. Band2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S.385.
↑
Zitiert nach Peter P. Rohrlach: Joachim Stephan:Die Vogtei Salzwedel. Land und Leute vom Landesausbau bis zur Zeit der Wirren (=Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band17). Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54808-7, S.6.
↑Franz Mertens:Heimatbuch des Kreises Gardelegen und seiner näheren Umgebung. Hrsg.: Rat des Kreises Gardelegen. Gardelegen 1956, DNB1015184308, S.212.
↑Einwohnermeldeamt der Stadt Kalbe (Milde):Einwohnerdaten zum 31.12. der Jahre 2015 bis 2018. 4.März 2019.
12
Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID551010-7, S.52 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Ernst Machholz:Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID504809-6, S.9 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Badel, Stadt Kalbe (Milde).In:denkmalprojekt.org.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler,1.April 2018,abgerufen am 1.Oktober 2022.
↑Siegbert Klaffer:Die Badeler Bahnbrücke. Über die festliche Einweihung des instandgesetzten Verkehrsdenkmals. In: Altmark-Blätter. 29. Jahrgang, Nr.33, 18.August 2018, ISSN0943-1144, S.129–130.
↑Cornelia Kaiser:Wahrzeichen von Badel wieder nutzbar. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Gardelegen. 2.Juli 2018 (Online[abgerufen am 30.Mai 2019]).
↑Lehrer Lehrmann:Altmärkischer Sagenschatz (=Lehrerverband der Altmark [Hrsg.]: Beiträge zur Volks- und Heimatkunde der Altmark. Band2). Klinkhardt, 1908, ZDB-ID1198714-5, S.226, Spukstellen, Nr. 48 (Textarchiv– Internet Archive).
↑Hanns H. F. Schmidt:Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 1 von A wie Abbendorf bis K wie Kläden. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-40-4, S.21, Laus und Floh.