
Bela Yaari Hazan (auch Bella Yaari Khazan, hebräisch בלה יערי-חזן; geboren im Dezember 1922 in Rożyszcze, Polen; gestorben am 18. Januar 2004 in Jerusalem, Israel) war eine jüdische Widerstandskämpferin im deutsch besetzten Polen. Als polnische Christin getarnt, schmuggelte sie als Verbindungsperson des Jüdischen Widerstands (Kashariyot) Flüchtlinge, Informationen, Geld und Waffen zwischen den Ghettos. Sie wurde gefasst, gefoltert und in verschiedene Konzentrationslager verschleppt, wo sie zur Rettung vieler Menschen beitrug. Nach dem Krieg schrieb sie einen autobiografischen Bericht.

Bela Hazan wurde im Dezember 1922 in der Stadt Rożyszcze in Wolhynien, Polen (heute Teil der Ukraine), geboren. Sie war eines von acht Kindern von Esther und David Hazan, der von Beruf Kantor war. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihr Vater, und ihre Mutter sorgte mit einem Lebensmittelladen allein für den Lebensunterhalt der Familie. Bela Hazan besuchte die hebräische Tarbut-Schule, die zu einem Netzwerk jüdisch-säkularer Bildungseinrichtungen im östlichen Europa gehörte, und anschließend eine Berufsschule in der (heute ukrainischen) Stadt Kowel.
Mit 16 Jahren trat Bela Hazan der sozialistisch-zionistischen Jugendbewegung Dror („Freiheit“) bei. Wie viele jüdische Jugendorganisationen bereitete auch Dror die Jugendlichen auf ein kollektives Leben in Palästina („Eretz Israel“) vor und bot zu diesem Zweck ein gemeinsames Leben in einem Kibbuz mit einem landwirtschaftlichen Ausbildungsprogramm an. Mitte 1939 meldete sich Dror Bela Hazan zu einem Selbstverteidigungskurs in Zielonka an. Dort lernte sie andere Anführerinnen des Dachverbands der jüdischen Jugendgruppen, Hechaluz („Der Pionier“), kennen wie Frumka Plotnicka und Zivia Lubetkin, die später zu Leitbildern des jüdischen Widerstands wurden. Nach dem Kurs wurde Hazan selbst als Trainerin für Selbstverteidigung in einem Dror-Kibbuz in der Stadt Bendzin aktiv.
Am 1. September 1939 erfolgte durch die Wehrmacht der Überfall auf Polen, und der Zweite Weltkrieg begann. Wie die meisten Mitglieder der jüdischen Jugendbewegungen flüchtete Bela Hazan, als einziges Mädchen in einer Gruppe von neun anderen „Chaluzim“ (Anhänger der Pionierjugend), nach Osten. Ihr Ziel war Vilnius, damals ein Zentrum des jüdischen Lebens in Polen, das noch nicht von den Deutschen besetzt war. Auf dem mehr als 700 km langen Weg dorthin wurde die Gruppe von sowjetischen Soldaten als „Spione“ verhaftet. Bela Hazan, die als Erste freikam, flehte die Soldaten täglich an, ihre Gefährten ebenfalls zu entlassen. Nach einigen Wochen ließen die Soldaten auch die Männer frei und die Gruppe erreichte am 31. Dezember 1939 schließlich Wilna/Vilnius.

Ende 1941 drangen die deutschen Truppen in den Osten Polens vor. In Vilnius pferchten sie die jüdische Bevölkerung in ein umzäuntes Ghetto und setzten ihre Vernichtungspolitik mit Massenmorden und Verschleppungen in Konzentrationslager fort. Zu dieser Zeit wohnte Bela Hazan im Ghetto Vilnius mit dreizehn Familien in einer Dreizimmerwohnung und arbeitete als Krankenschwester. Als Jüdinnen und Juden unter Androhung der Todesstrafe das Ghetto nicht mehr verlassen durften, beschaffte sie sich gefälschte Papiere auf den Namen „Bronislawa Limanowska“ (kurz: „Bronia“), nahm die Identität einer polnischen Christin an, trug sichtbar ein Kruzifix und besuchte zur Tarnung regelmäßig die Kirche. Als vermeintliche „Arierin“ konnte sie sich freier bewegen, wenn auch unter ständiger Lebensgefahr.
Sie meldete sich als Kurierin und Verbindungsperson, um für den Jüdischen Widerstand Untergrundarbeit zu leisten, und erhielt die Aufgabe, den Kontakt zwischen dem geheimen Zentrum der Bewegung in Vilnius und den Untergruppen in den Ghettos von Lida, Grodno und Białystok aufrechtzuerhalten. Ihre Arbeit bestand darin, Informationen, Druckschriften, Geld und Waffen zwischen den „arischen“ Stadtteilen und den Ghettos zu schmuggeln. Sie brachte Flüchtlinge in geheime Quartiere oder zu den Partisanen in den Wäldern und galt als besonders geschickt darin, jüdische Kinder aus dem Ghetto herauszuschleusen und in Klöstern zu verstecken. Ihre Wohnung in Grodno wurde zu einem Treffpunkt für andere Kuriere, meist Frauen und Mädchen, denn Männer waren wegen ihrer Beschneidung leicht zu enttarnen.

Dank ihrer deutschen Sprachkenntnisse gelang es Bela Hazan, sich als Dolmetscherin in das Büro der Gestapo in Grodno einzuschmuggeln. Die Arbeit im Hauptquartier des Feindes ermöglichte ihr, Deportationspläne der SS ebenso wie Pässe, amtliche Dokumente und Briefpapier an den jüdischen Untergrund weiterzugeben. Ihre Kontakte zu dem von der SS kontrollierten Judenrat nutzte sie, um das Gremium über die Massenmorde im Ghetto Vilnius aufzuklären. Obwohl man ihr nicht glaubte, erhielt sie etwas Geld und falsche Papiere und konnte damit die Flucht von Menschen aus dem Vilnaer Ghetto unterstützen.
1941 wurde Bela Hazan von der Gestapo als vermeintlich „christliche“ Mitarbeiterin zu einer Weihnachtsfeier eingeladen und aufgefordert, ihre „christlichen“ Freundinnen, die ebenfalls getarnten Widerstandskämpferinnen Lonka Koziebrodzka (Tarnname „Kristina Kossovska“) und Tema Schneiderman, zur Feier mitzubringen. Dabei entstand ein Foto von den drei Frauen, das ihnen später zum Verhängnis wurde.
Nachdem sie eine Gruppe von etwa 50 Mitgliedern des Widerstands, darunter Yitzhak Engelman, nach Białystok geschleust hatte, bat Engelman sie, seine neugeborene Tochter ebenfalls aus dem Ghetto herauszuschmuggeln. Gemeinsam mit ihrer Kampfgefährtin Lonka Koziebrodzka transportierte sie das Baby in einem Paket versteckt zu seinem Vater. Unterwegs nahmen sie noch einen verwaisten Säugling mit, den sie in einem Krankenhaus gefunden hatten, das die Deutschen überfallen hatten.
Im Juni 1942 wurde Bela Hazans Kampfgefährtin Lonka Koziebrodzka bei einem Waffentransport verhaftet. Bei der Durchsuchung fand man das Foto der drei Frauen auf der Gestapo-Weihnachtsfeier. Daraufhin geriet Hazan, die der Widerstand ausgesandt hatte, um ihre verschwundene Freundin zu suchen, ebenfalls in den Verdacht, eine Agentin des polnischen Widerstands zu sein. In einem Zug nach Warschau wurde sie erkannt, verhaftet und zum Gestapo-Hauptquartier in Warschau gebracht.

Bevor man sie in das berüchtigte Pawiak-Gefängnis verlegte, wurde sie schwer gefoltert. Zunächst wurde sie wochenlang in einer dunklen Isolationszelle festgehalten. Weil die Gestapo sie für eine polnische Agentin hielt, verlegte man sie in eine Zelle mit anderen polnischen politischen Gefangenen, wo sie auch ihre Freundin Lonka Koziebrodzka traf. Beide litten fünf Monate unter Hunger und ständiger Folter, ohne ihre wahre Identität preiszugeben. Am 13. November 1942 transportierte man sie mit 53 anderen Frauen in das Frauenlager Birkenau, einen Teil des Konzentrationslagers Auschwitz.
Zuerst wurden die Freundinnen zur Zwangsarbeit auf die Felder geschickt, eine Schwerstarbeit, die kaum jemand überlebte. Bela Hazan gab sich daher als Krankenschwester aus und wurde in der Krankenbaracke des Frauenlagers eingesetzt. Bei ihrer Arbeit konnte sie gelegentlich Medikamente an jüdische Kranke weitergeben, die sonst keinerlei medizinische Versorgung erhalten hätten. Auch knüpfte sie Kontakte zu geheimen Widerstandsgruppen im Lager und versorgte jüdische Frauen, die in den polnischen Teil des Lagers geschmuggelt worden waren, mit abgezweigten Lebensmitteln.
Anfang 1943 erkrankten Bela Hazan und ihre Freundin Lonka Koziebrodzka an Typhus. Hazan erholte sich wieder und holte Lonka, die sonst einer Selektion zum Opfer gefallen wäre, aus der Krankenbaracke heraus. Sie pflegte sie aufopfernd in ihrer eigenen Baracke, konnte die Freundin jedoch nicht mehr retten, die am 13. April 1943 in ihren Armen starb. Doch es gelang ihr, den Leichnam selbst in die Leichenhalle bringen zu dürfen, wo sie in einem unbeobachteten Moment das Kaddisch, das jüdische Totengebet, für Lonka sprach.

Ende 1944 wurde Bela Hazan in ein neues Frauenlager in Auschwitz verlegt, wo sie die Krankenbaracke leitete. Als Auschwitz am 18. Januar 1945 geräumt wurde, zwangen die Wachen die Häftlinge zu einem Todesmarsch, bis die Überlebenden nach vier Tagen die deutsche Grenze erreichten.
Bela Hazan überlebte weitere Transporte: zunächst in das KZ Ravensbrück, anschließend in das KZ-Außenlager bei Malchow, wo sie erneut als Krankenschwester eingesetzt wurde. Am 3. April 1945 wurde sie mit ca. 1.000 Menschen in das KZ-Außenlager Taucha bei Leipzig verlegt, wo die Häftlinge Zwangsarbeit für die Hugo und August Schneider AG (HASAG) leisten mussten. Dort arbeitete sie in der Krankenstation mit einem jüdischen Arzt aus Prag, Alexander Herman.
Als amerikanische Streitkräfte sich der Stadt Leipzig näherten und die SS das Lager Taucha räumte, wurden marschfähige Häftlinge auf einen Todesmarsch gezwungen. Die kranken und schwachen Häftlinge blieben in der Krankenbaracke zurück und mit ihnen Bela Hazan und Alexander Herman. Nach dem Vorrücken der Alliierten schickte die SS eine Einheit mit dem Auftrag los, alle noch verbliebenen Häftlinge in der Umgebung zu ermorden. Zwei polnische Häftlinge, die dem Massaker der SS verwundet entkommen waren, warnten Hazan und Herman vor der bevorstehenden Mordaktion. Mit der Unterstützung von Mithäftlingen gelang es ihnen, die Insassen der Krankenbaracke noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.
Am 19. April 1945 konnten sie schließlich Kontakt zu den Alliierten aufnehmen.

Nach ihrer Behandlung in einem amerikanischen Krankenhaus in Leipzig gelangte Bela Hazan nach Paris und nahm dort ihre jüdische Identität wieder an. Sie traf auf Soldaten der britischen Jüdischen Brigade, die sie nach Norditalien mitnahmen. Von dort aus fuhr sie weiter nach Süditalien und hielt sich einige Monate in einem jüdischen Lager für Vertriebene im Dorf Santa Maria al Bagno in Apulien auf.
Im DP-Lager („Displaced Persons“) kümmerte sie sich um eine Gruppe von jüdischen Waisenmädchen. Sie gab der Gruppe den Namen „Frumka“, zur Erinnerung an die ermordete Widerstandskämpferin Frumka Płotnicka, die sie 1939 in Zielonka kennengelernt hatte. Anfang November bestieg sie mit ihrer Gruppe ein Schiff und erreichte vier Tage später Haifa. Als Einwanderer ohne Papiere wurden sie zunächst im Internierungslager Atlit festgehalten, einem Lager der britischen Mandatsregierung in Palästina, bevor sie in den Kibbuz Ramat HaKovesh weiterreisen durften.
Die israelische Hechaluz-Organisation sandte sie in den Kibbuz Giv‘at Brenner. Dort schrieb sie ihre Erinnerungen an das Erlebte nieder, die 1991 auf Englisch unter dem Titel They Called Me Bronislawa veröffentlicht wurden.
Am 5. Januar 1946 heiratete Bela Hazan den ehemaligen Angehörigen der Jüdischen Brigade und Journalisten Chaim Zaleshinsky, den sie bereits in Italien kennengelernt hatte. Zaleshinsky änderte später seinen Nachnamen in Yaari (deutsch Freundschaft). Das Paar zog nach Tel Aviv und hatte zwei Kinder, Esther und Yoel. Yoel Yaari berichtete später, seine Mutter habe niemals über ihre Zeit im Krieg gesprochen, weil sie ihre Kinder ohne den Schatten des Holocaust aufwachsen lassen wollte.
Bela Hazan starb am 18. Januar 2004 im Alter von 81 Jahren in Jerusalem. Mehr als vierzehn Jahre nach ihrem Tod ehrte der unabhängige jüdische Orden B’nai B’rith sie mit der „Jewish Rescuer Citation“ (Judenretter-Medaille) wegen ihrer „Hingabe, ihres Muts und ihres Heldenmuts bei der Rettung von Mitjuden im Holocaust“.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hazan, Bela |
| ALTERNATIVNAMEN | Yaari-Hazan, Bela; Yaari Khazan, Bella; Ya’ari Hazan, Bela; Limanowska, Bronislawa; ‚Bronia‘ |
| KURZBESCHREIBUNG | polnische jüdische Untergrundaktivistin und Widerstandskämpferin |
| GEBURTSDATUM | Dezember 1922 |
| GEBURTSORT | Rożyszcze, Polen |
| STERBEDATUM | 18. Januar 2004 |
| STERBEORT | Jerusalem, Israel |