Camera DDR

Camera DDR (auch camera ddr) war eine Produktionsgruppe des DEFA-Studios für Dokumentarfilme und dessen Vorläufern von 1969 bis 1990, die Kurzfilme im Auftrag des DDR-Außenministeriums produzierte.

Organisationsgeschichte

1959 und 1960 ließ das Außenministerium der DDR die ersten Filme durch das DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme herstellen. Anfang 1962 bat es das Sekretariat des Politbüros der SED, dort eine Künstlerische Arbeitsgruppe (KAG) zu bilden, die Dokumentarfilme für die Präsentation der DDR im Ausland herstellt. Dieses wurde zunächst nicht bewilligt, aber Ende des Jahres wurden zwanzig Kurzfilme gedreht, die dafür genutzt werden konnten, in den folgenden Jahren entstanden weitere.

1965 wurde eine Künstlerische Arbeitsgruppe Auslandsinformation unter der Leitung von Paul Ickler gegründet. Ende 1968 wurde in der Zeit des verstärkten Bemühens der DDR um internationale diplomatische, kulturelle und wirtschaftliche Anerkennung beschlossen, die Produktionsgruppe Camera DDR zu bilden, die ab 1970 unter der Leitung von Joachim Hadaschik stand. Diese bestand bis 1990 mit den gleichen Aufgaben.

Aufgaben und Inhalte

Die Filme sollten ein positives Bild der DDR im Ausland vermitteln, besonders in westlichen Staaten und vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Sie stellten Bereiche der Wirtschaft, der Kultur und des Alltags der DDR dar, einige würdigten die Fortschritte in jungen Nationalstaaten. Viele Filme zeigten ein geschöntes Bild des Landes der DDR nach den politischen Wunschvorstellungen der SED, einigen wenigen gelang eine etwas realistischere Darstellung.

Die meisten Filme waren zwischen 20 und 25 Minuten lang und waren je nach Zielregion in englischer, französischer, spanischer, russischer und/oder arabischer Sprache untertitelt. Die meisten wurden nur im Ausland gezeigt, einige wenige kamen auch in die Kinos der DDR. Zu den aus heutiger Sicht interessantesten gehören die lange Dokumentation Deutschland – Endstation Ost (1964) des Belgiers Frans Buyens, der die DDR drei Jahre nach dem Mauerbau auch in Gesprächen mit Straßenpassanten darzustellen versuchte, sowie einige zeithistorisch aufschlussreiche Kurzfilme.

Bei der DEFA-Stiftung sind etwa 250 dieser Filme, sowie etwa 250 Folgen des DDR-Magazins erhalten, was bei einer geschätzten Gesamtzahl von 5.500 DEFA-Dokumentarfilmen (zwischen 1946 und 1994) etwa zehn Prozent (in einem wesentlich kürzeren Zeitraum ausmacht).

DEFA-Dokumentarfilme für das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR

Jahr Titel Regisseur Bemerkungen
1959Der Augenzeuge (39)über Ereignisse in Westdeutschland
1959Luftschutz
1960Ein Besuch in der Deutschen Demokratischen RepublikGünter Weschke
1962DorfkinderHeinz Müller
1962Drei BriefeMax Jaap
1962Im Pergamon-MuseumJürgen Böttcherauf der Museumsinsel in Berlin
1963Anmut, Schönheit LebensfreudeHeinz Sobiczewski
1963Der Kinder wegen – Flucht ins VaterlandWinfried Jungeüber Übersiedler aus Westdeutschland in die DDR
1963Was wird aus Westberlin?Dagobert Loewenbergpropagandistischer Film
1964Weihnachten in Berlin 1983Rolf Schnabelüber die ersten Besuche von West-Berlinern in Ostberlin nach dem Mauerbau
1964Deutschland – Endstation OstFrans BuyensKoproduktion mit Belgien, Ost-Berlin drei Jahre nach dem Mauerbau
1964Institut der FreundschaftHeinz Fischer
1964Charlie & CoJürgen Böttcher
1964FerientageWinfried Jungeüber Schüler in Altenburg
1965KindertheaterJürgen Böttcher
1965Das Gesetz heißt GlückLotti Thiel
1965Freie BauernJoop Huisken
1966Für das Selbstbestimmungsrecht der VölkerFrans Buyens
1966Elf Jahre altWinfried Junge
1966Die AlliiertenJoop Huisken
1966Berlin heuteJoachim Hadaschik
1966Häuser unterm KreuzHeinz Müllerüber Kirchen und weitere religiöse Gemeinschaften in der DDR
1967Zu BesuchHans Müller
1968Die Spur von meinen ErdentagenLotte Thielüber Weimar und seine Klassiker
1968Jubiläum einer Stadt – 750 Jahre RostockWinfried Junge
1968TierparkfilmJürgen Böttcheraus dem Tierpark Berlin-Friedrichsfelde
1968ArbeiterfamilieJürgen Böttcher
1969Mädchen im NetzRenate Drescher
1969DDR 20Uwe Belzanlässlich des 20. Jahrestages der DDR
1969Humboldt-Ehrungen in der DDRSiegfried Schönfelderüber die Ehrungen für Alexander von Humboldt in verschiedenen Städten der DDR
1969Heiner Hinrichs. Protokoll eines CharaktersBernhard Thieme
1970KlemkeUwe Belzüber den bekannten Berliner Illustrator
1971Von eurem GeistWolfgang Bartsch
1971Rosa Luxemburg – Stationen ihres LebensRenate Drescherzu ihrem 100. Geburtstag
1971Song InternationalJürgen Böttcherüber das 2. Festival des politischen Liedes in Berlin
1973Wir waren in BerlinUrsula Demitter, Joachim Hadaschik, Alfons Machalz, Heinz Müller, Kurt Plickat, Heinz Sobiczewski, Horst Winterüber die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin
1974Freundschaft – Drushba – HerzenssacheRolf Schnabelüber die deutsch-sowjetische Freundschaft
1975Visita de Amizade a Democratica AlemaJoachim Hadaschiküber den Freundschaftsbesuch einer Delegation aus einem Entwicklungsland in der DDR
1975Endgültig und heuteJoachim HadaschikPropagandafilm
1975Für das Glück der Frauen und der FamilieErwin Nippert, Heinz Müllerüber die Familienpolitik der DDR
1979Jung ist unser LiedRóża Berger-Fiedler
1979Im Zeichen der FreundschaftSiegfried Kaletka
1981MuseumsinselAlfons Machalzin Berlin
1981Das deutsche Hygiene-Museum in der DDR[unbekannt]in Dresden
1981Erinnerungen. Zwei Frauen in LeipzigJános Gyarmatiüber zwei ehemalige Trümmerfrauen
1981Martin LutherJoachim Hadaschik
1986Wenn die Erde weiß vom SchneeDieter Raueüber Rennrodel-Weltmeister aus Oberhof
1986Kollwitzplatz BerlinPeter Petersen
1987Eine LehrerinHeinz Müller
1988Thomas MüntzerKlaus Schulze

Weitere Filme waren die Beiträge für die monatlichen Ausgaben des DDR-Magazins (1960–1980) und die zahlreichen Reportagen über die Auslandsreisen von Erich Honecker, vor allem durch Joachim Hadaschik.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Maulucci, 2024, p. 55, mit einigen Details
  2. ↑ Maulucci, 2024, p. 58; auch Camera DDR DEFA-Stiftung, mit den Leitern
  3. ↑ Maulucci, 2024, pp. 53ff.
  4. ↑ Maulucci, 2024, p. 59
  5. ↑ Mauöucci, 2024, pp. 56–57, mit einigen weiteren Beispielfilmen
  6. ↑ Maulucci, 2024, p. 53