Cevio

Cevio
Wappen von Cevio
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
BFS-Nr.: 5310i1f3f4
Postleitzahl: 6675 Cevio
6676 Bignasco
6690 Cavergno
6690 S. Carlo (Val Bavona)
Koordinaten: 689604 / 130175Koordinaten: 46° 19′ 1″ N, 8° 36′ 7″ O; CH1903: 689604 / 130175
Höhe: 421 m ü. M.
Höhenbereich: 387–3273 m ü. M.
Fläche: 151,31 km²
Einwohner: 1083 (1. Januar 2026)
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
13,6 %
(1. Januar 2026)
Gemeindepräsidentin: Wanda Dadò (Alleanza Moderata)
Website: www.cevio.ch
Cevio
Cevio
Lage der Gemeinde
Karte von CevioGriessee (Schweiz)Lago die SabbioneLago VanninoLago di MorascoLago ToggiaLago CastelLago Busin InferioreLago di DéveroLago di AgároLago dei CavagnööLago SfundauLago di RobieiLago Bianco TILago NeroLago del ZöttLaghetti d'AntabiaLago del NarètLago del SambucoLago RitómLago TremorgioLago di MorghiroloLago di MognòlaLago di TomèLago BaroneLago di VogornoLago MaggioreItalienKanton UriKanton WallisBezirk BlenioBezirk LeventinaBezirk LocarnoLavizzaraAvegno-GordevioMaggia TIBosco/GurinCampo (Vallemaggia)CerentinoCevioLinescio
Karte von Cevio
{w

Cevio, in der alpinlombardischen Ortsmundart Scevi, Cevi [ˈʃevi, ˈtʃevi], ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin und zugleich Hauptort des Kreises Rovana und des Bezirks Vallemaggia.

Geographie

Cevio liegt 23 km nordwestlich von Locarno im oberen Maggiatal. Der Talboden entlang der Maggia bildet eine gut erhaltene natürliche Flusslandschaft und ist als Auenschutzgebiet Maggia ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung.

Im Jahr 2009 waren 37,1 % des Gemeindeareales von 151,31 km² von Wald und Gehölz bedeckt. Über die Hälfte (genau 56,0 %) waren unproduktive Flächen (meist Bergland), 6,0 % landwirtschaftliche Nutzfläche und 1,0 % Siedlungsgebiet.

Die Gemeinde besteht neben dem Taldorf Cevio noch aus den Dörfern Bignasco und Cavergno sowie einigen Weilern und isoliert stehenden Häusergruppen im Bavonatal. Die Weiler sind (von Südosten nach Nordwesten) Mondada, Fontana, Alnedo, Sabbione, Ritort (Ritorto), Foroglio, Rosed (Roseto), Fontanelada (Fontanellata), Faed (Faedo), La Bola, Sonlèrt (Sonlerto), San Carlo.

Nachbargemeinden sind in der Schweiz Bedretto, Lavizzara, Maggia, Bosco/Gurin, Campo (Vallemaggia), Linescio und Cerentino sowie auf italienischem Territorium Formazza.

Bergstrasse nach Linescio. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1954)

Geschichte

Eine Dorfgenossenschaft (vicinia) ist erstmals 1230 belegt. Im 15. Jahrhundert bildeten Cevio, Cavergno, Bignasco und die Gemeinden des Valle di Campo die Landschaft (comunità) Rovana superior. 1858 wurde die Gemeinde Linescio von Cevio abgetrennt.

Am 22. Oktober 2006 fusionierte Cevio mit Cavergno und Bignasco zur Gemeinde Cevio. Die schon per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor dem Bundesgericht hängig war. Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht jedoch abgewiesen. Cevio bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde; sie umfasst auch Linescio.

Bevölkerung

Cevio seit Gemeindefusionen vom 22. Oktober 2006

Seit der Fusion am 22. Oktober 2006 entwickelte sich die Bevölkerung wie folgt:

Cevio (Gemeindestand nach der Fusion 22. Oktober 2006): Einwohnerzahlen von 2005 bis 2024
Jahr  Einwohner
2005
  
1.264
2006
  
1.251
2007
  
1.230
2008
  
1.218
2009
  
1.222
2010
  
1.203
2011
  
1.174
2012
  
1.155
2013
  
1.163
2014
  
1.186
2015
  
1.185
2016
  
1.177
2017
  
1.177
2018
  
1.159
2019
  
1.146
2020
  
1.142
2021
  
1.118
2022
  
1.110
2023
  
1.109
2024
  
1.111
Quelle(n): Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024

Cevio: Gemeinden Bignasco, Cavergno und Cevio bis Fusion vom 22. Oktober 2006

Cevio fusionierte am 22. Oktober 2006 mit den Gemeinden Bignasco und Cavergno. Die kumulierte Einwohnerzahl der drei ehemaligen Gemeinden entwickelte sich folgendermassen:

Cevio: Einwohnerzahlen von 1600 bis 2005
Jahr  Einwohner
1600
  
1.600
1683
  
1.860
1719
  
1.700
1769
  
1.148
1799
  
1.214
1808
  
1.191
1824
  
1.389
1850
  
1.584
1860
  
1.245
1870
  
1.224
1880
  
1.137
1888
  
1.106
1900
  
965
1910
  
952
1920
  
?
1930
  
881
1941
  
893
1950
  
1.089
1960
  
1.169
1970
  
1.273
1980
  
1.174
1990
  
1.154
1991
  
1.161
1992
  
1.184
1993
  
1.207
1994
  
1.235
1995
  
1.253
1996
  
1.284
1997
  
1.289
1998
  
1.286
1999
  
1.300
2000
  
1.317
2001
  
1.299
2002
  
1.291
2003
  
1.271
2004
  
1.268
2005
  
1.264
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024

Ehemalige Gemeinde Cevio (heutiger Ortsteil Cevio)

Zwischen 1801 und 1850 wuchs die Bevölkerung stark an, vor allem wegen der Funktion von Cevio als Oberzentrum des Tales. Bis 1888 ging die Einwohnerzahl zwar zurück, jedoch geringer als in anderen Gemeinden des Maggiatals. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte die grosse Auswanderungswelle in die Zentren des Tessins und nach Übersee (Kalifornien, Australien) ein (1888–1920: − 36 %).

In den 1940er- und 1960er-Jahren gab es erneut ein Bevölkerungswachstum (1941–1970: + 61 %), dem zwischen 1970 und 1990 eine weitere grosse Auswanderungswelle (1970–1990: − 27 %) in urbanere Regionen des Tessins folgte. Einem starken Wachstum in den 1990er-Jahren (1990–2000: + 20 %) folgte wiederum ein Bevölkerungsrückgang kleineren Umfangs (2000–2005: − 4,6 %).

Cevio (Gemeindestand bis Fusionen vom 22. Oktober 2006): Einwohnerzahlen von 1600 bis 2005
Jahr  Einwohner
1600
  
700
1683
  
781
1719
  
740
1769
  
566
1799
  
523
1808
  
516
1824
  
796
1836
  
945
1850
  
927
1860
  
602
1870
  
570
1880
  
535
1888
  
511
1900
  
398
1910
  
387
1920
  
326
1930
  
356
1941
  
350
1950
  
504
1960
  
504
1970
  
562
1980
  
438
1990
  
416
1991
  
428
1992
  
429
1993
  
453
1994
  
466
1995
  
478
1996
  
485
1997
  
494
1998
  
488
1999
  
495
2000
  
497
2005
  
474
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024

Sprachen

In Cevio wird eine lombardische Mundart gesprochen, die sich stark vom Standarditalienisch unterscheidet. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 77,87 % (1970 noch 95,73 %) Italienisch als Hauptsprache an. Weitere 10,87 % (1970 noch 1,42 %) sprachen Deutsch, 4,23 % (1970 noch 2,31 %) Spanisch.

Religionen – Konfessionen

In früherer Zeit gehörte die gesamte Einwohnerschaft der römisch-katholischen Kirche an. Im Jahr 2000 waren 78,27 % römisch-katholische (Bistum Lugano), 7,66 % evangelisch-reformierte (Chiesa evangelica riformata nel Ticino) und 1,61 % orthodoxe Christen. 5,63 % bezeichneten sich als konfessionslos und 1,81 % als Muslime. 4,62 % der Einwohner machten keine Angabe zu ihrem Glaubensbekenntnis. Die Muslime sind bosnischer und albanischer Herkunft.

Herkunft – Nationalität

Ende 2020 waren 85,3 % Schweizer Bürger. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Spanien, Portugal, Bosnien-Herzegowina und Sri Lanka. Der für die Region relativ hohe Anteil von Zugewanderten ist auf die grosse Zahl von Arbeitsplätzen in Industrie (Steinbrüche) und Gesundheitswesen (Spital) zurückzuführen.

Politik

Der Gemeinderat (consiglio comunale) bildet die Legislative und besteht aus 25 Personen.

Wirtschaft

Cevio ist einer der wenigen Orte im Maggiatal mit einer Minderheit von Berufspendlern. 120 Erwerbstätige (= 57,4 %) arbeiten in der eigenen Gemeinde. Von den 89 Wegpendlern verdient die Mehrheit ausserhalb des Maggiatals ihr Geld – vor allem in Locarno, Losone, Bellinzona und Minusio. Cevio könnte unschwer allen Arbeitssuchenden der Gemeinde einen Erwerb bieten, denn den 89 Wegpendlern stehen nicht weniger als 235 Zupendler gegenüber. So sind von den 355 Erwerbstätigen in Cevio nur ein Viertel (25,1 %) Einheimische. Die Steinbrüche, das Bezirksspital und die öffentliche Verwaltung bieten vielen Menschen einen Arbeitsplatz. Die Landwirtschaft (Ackerbau, Weinbau und Viehzucht) ist kaum noch von Bedeutung.

Verkehr

Die Gemeinde lag von 1907 bis 1965 an der Linie der Locarno-Ponte Brolla-Bignasco-Bahn. Seit der Umstellung auf Busbetrieb ist Cevio auf der Hauptstrasse 407 durch die Linie 315 der FART, Locarno – Cavergno, ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Die ehemalige Eisenbahn-Fachwerkbrücke bei Visletto wurde restauriert und dient seither als Fussgänger- und Velobrücke.

Cevio ist Ausgangspunkt der Postautolinien Cevio – Bosco/Gurin und Cevio – Cimalmotto. Die Strasse von Locarno ins Maggiatal ist wintersicher.

Bei einem extremen Hochwasser der Maggia am 30. Juni 2024 fiel ein Teil der Strassenbrücke bei Visletto zusammen. Die Schweizer Armee baute danach eine Mabey-Johnson-Hilfsbrücke auf, um den Strassenverkehr in das obere Maggiatal wieder zu ermöglichen.

Sehenswürdigkeiten

Cevio Vecchio

Cevio Piazza

Rovana

Visletto

Kultur

Persönlichkeiten

Bilder

Literatur

Commons: Cevio – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. ↑ Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 227.
  6. ↑ Objektblatt «Maggia» im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung.
  7. ↑ Regionalporträts 2021. Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, abgerufen am 7. Mai 2024.
  8. ↑ Daniela Pauli Falconi: Cevio. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 11. Januar 2017.
  9. ↑ Bundesamt für Statistik: Angekündigte Änderungen seit der Mutationsmeldung Nr. 81 zum Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Ausgabe 20. Januar 2006
  10. ↑ Patriziato di Cevio-Linescio (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziati (abgerufen am 27. August 2024).
  11. ↑ Patriziato di Cevio e Linescio (italienisch) auf patriziatoceviolinescio.ch (abgerufen am 27. August 2024).
  12. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 7. Juni 2026.
  13. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 7. Juni 2026.
  14. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 7. Juni 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  15. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 7. Juni 2026.
  16. ↑ Daniela Pauli Falconi: Cevio. In: Historisches Lexikon der Schweiz HLS. 23. September 2022, abgerufen am 26. März 2025.
  17. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 7. Juni 2026.
  18. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 7. Juni 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  19. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 7. Juni 2026.
  20. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 26. März 2025 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  21. ↑ ValleMaggia, maltempo tragico: tre morti in Bavona, un disperso, giù il ponte a Visletto. In: Giornale del Ticino, 30. Juni 2024.
  22. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Kunstführer durch die Schweiz. Vollständig neu bearbeitete Ausgabe, hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 652–655.
  23. ↑ Museum des Maggiatals (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  24. ↑ Casa Calanchini-Respini già Franzoni (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ub
  25. ↑ Pretorio (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  26. ↑ Kirche Beata Vergine del Ponte (Foto) auf ti.ch/dt/dstm/sst/ubc
  27. ↑ Associazione per la Protezione del Patrimonio Artistico e Architettonico di Valmaggia (APAV) auf portal.dnb.de
  28. ↑ Associazione del Museo di Valmaggia (mit Fotos) (italienisch) auf museovalmaggia.ch/