Christian Gschier

Christian Gschier (* 4. Dezember 1968 in Graz) ist ein österreichischer Szenenbildner, Künstler und Kulturmanager. Er lebt und arbeitet in Graz und Wien.

Ausbildung und Lehrtätigkeit

Christian Gschier absolvierte ein Studium der Bühnengestaltung bei Hans Schavernoch an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Ein postgraduales Studium im Bereich des Kulturmanagements an der Universität Zürich beendete er mit dem Executive Master in Arts Administration (EMAA). Gschier war von 1999 bis 2009 Universitätsassistent und Lektor und ist seit 2009 als Senior Artist am Institut für Bühnengestaltung der Kunstuniversität Graz tätig, wo er am Curriculum mitgestaltet sowie praxisbezogene und konzeptionelle Lehrveranstaltungen leitet.

Künstlerischer Werdegang, Verortung und Werk

Ab 1987 arbeitete Gschier im Umfeld steirischer Kulturinstitutionen. Unter der Intendanz von Horst Gerhard Haberl realisierte er Projekte im Rahmen des Avantgarde-Festivals Steirischer Herbst, unter anderem mit internationalen Performance-Kollektiven wie den Survival Research Laboratories (SRL) und Générik Vapeur. Zudem kooperierte er mehrfach mit dem künstlerischen Kollektiv des Forum Stadtpark. Parallel dazu gründete er mehrere Aktionskunst- und Musikformationen.

Gschier ist als interdisziplinär arbeitender Künstler tätig. Sein spartenübergreifendes Werk umfasst Arbeiten aus den Bereichen Musik, Film, bildende Kunst und Szenografie, darunter Kompositionen, Rauminstallationen, Videos, Fotografien, Malerei und Collagen. Seine Arbeiten verbinden unterschiedliche Medien und verfolgen häufig einen konzeptionellen Ansatz mit Bezügen zum Surrealismus. Gschier entwickelte und realisierte künstlerische und theatrale Konzepte für verschiedene Bühnen und Institutionen wie im Theater im Bahnhof, dem Grazer Orpheum, dem Jugendtheater Next Liberty und dem Schauspielhaus Graz.

Zu seinem Werk zählen neben künstlerischen Arbeiten auch theoretische Konzepte, Texte und Editionen. Als Künstler und Lehrender agiert er an den Schnittstellen von staatlicher Universität, internationalem Wettbewerb sowie der freien Kunst- und Filmszene. Gschiers kontinuierliche Auseinandersetzung mit gesamtkünstlerischen und interdisziplinären Ansätzen führte zu zahlreichen Raumgestaltungen, Performances und Publikationen.

Kollektive und Atelierstrukturen

Gemeinsam mit dem Künstler Jörg Vogeltanz sowie weiteren Kulturschaffenden gründete Gschier 1994 den multidisziplinären Kunstverein entrancexit, der als Kollektiv bis heute besteht. Im Jahr 2006 begründete er den alternativen Kunstraum combinesch in Graz mit, in dem er seither sein festes Atelier betreibt. Die Plattform gilt als Laboratorium für freies künstlerisches Experimentieren und gemeinschaftliche Projekte. Im dort untergebrachten Musikstudio nahm unter anderen Der Nino aus Wien „Das grüne Album“ auf. Auch zahlreiche Aufführungen fanden dort statt, darunter Rainer Binder-Krieglstein und das Performance-Kollektiv Planetenparty Prinzip.

Internationalisierung und Kulturmanagement

Über das akademische Netzwerk ASEA-UNINET weitete Gschier seine interdisziplinäre und lehrende Tätigkeit mit Pilotprojekten an der Chulalongkorn University in Bangkok und der Chiang Mai University international aus.

Im Jahr 1997 nahm er mit einer Ausstattung für Richard Wagners Das Rheingold in der Regie von Isabel Ostermann am ersten Ring Award (Internationaler Musiktheaterwettbewerb für Regie und Bühnengestaltung) teil und ging daraus als Finalist hervor. Seit 1998 gehört Gschier dauerhaft dem Organisationskomitee dieses Wettbewerbs an. Beim Ring Award 25 war er außerdem Mitglied der Nachhaltigkeitsjury.

Ausstattungen für Film und Fernsehen

Ein fester Bestandteil seines Schaffens sind visuelle Arbeiten für Film und Fernsehen. Meist in Kollaboration mit der bildenden Künstlerin Lotte Lyon zeichnet er hierbei für die Ausstattung (Kostümbild und Szenenbild) verantwortlich. Große Reichweite erlangten Gschier und Lyon mit dem Szenenbild zum Pausenfilm für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2020. Auch zum Film Wiener Blues - The Loneliest Man in Town (Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel) trugen die beiden das Szenenbild bei. Der Film, mit dem Wiener Blues-Urgestein Al Cook in der Hauptrolle, wurde im Februar 2026 in den Hauptwettbewerb um den Goldenen Bären der Berlinale - 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen und feierte dort seine Weltpremiere. Wiener Blues ist der Abschlussfilm der Viennale 26 (Vienna International Film Festival).

Aufarbeitung des künstlerischen Werkes von Anton Fötsch

Gschier ist federführend bei der Aufarbeitung des Lebenswerks des österreichischen Malers und Restaurators Anton Fötsch. Die im Zuge dessen im Jahr 2020 herausgebrachte, dreibändige Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag des Künstlers und weitere Publikationen sowie das Werkverzeichnis ordnen sein Schaffen in den Kontext der steirischen Kunstgeschichte ein und tragen zu dessen kunsthistorischer Dokumentation bei. Wissenschaftliche Begleitung erhielt Gschier dabei vom Kunsthistoriker Peter Krenn.

Filmografie (Auswahl)

Werke in Raumgestaltung, Performance und Rauminstallation (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Mitarbeiter*in-Detail. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (österreichisches Deutsch).
  2. 1 2 3 Kultur A-Z - Visitenkarten » Christian Gschier | Kultu. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  3. ↑ Forum Stadtpark | Listen – Eine Performance im WWW. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  4. 1 2 Christian Gschier: Christian Gschier. In: gschier.at. Abgerufen am 10. Oktober 2026.
  5. ↑ Client Challenge. In: Christian Gschier: Pantherion O.S.T. Bandcamp, abgerufen am 9. Oktober 2026 (englisch).
  6. 1 2 Christian Gschier: Raum & Performance. In: gschier.at. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  7. ↑ Backe Backe Fahrrad. 21. November 2007, abgerufen am 9. Oktober 2026.
  8. ↑ Graz Special | skug MUSIKKULTUR. In: skug.at/. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (deutsch).
  9. ↑ Das grüne Album - steirischer herbst Archiv. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  10. ↑ Gegenwart on Air: Sendetermin 02.08.2016 21:00 bis 22:00. In: Radio Helsinki. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  11. ↑ Christian Gschier: combinesch. In: gschier.at. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  12. ↑ Ring Award 20 Finale im Schauspielhaus Graz. 27. Mai 2021, abgerufen am 9. Oktober 2026 (österreichisches Deutsch).
  13. ↑ RING AWARD. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (deutsch).
  14. 1 2 Christian Gschier: Film & Clips. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  15. ↑ The Loneliest Man in Town. In: berlinale.de. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  16. ↑ «He has heard, played and lived nothing but the blues.» In: austrianfilms.com. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  17. ↑ Wiener Blues: The Loneliest Man in Town « Stadtkino Wien. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  18. ↑ E. Nina Rothe: Berlinale 2026 review: The Loneliest Man in Town (Tizza Covi & Rainer Frimmel). In: International Cinephile Society. 22. Februar 2026, abgerufen am 9. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).
  19. ↑ Nina Rothe: Berlinale 2026 review: The Loneliest Man in Town (Tizza Covi & Rainer Frimmel). In: austrianfilms.com. Austrian Films - International Cinephile Society, 24. Februar 2026, abgerufen am 9. Oktober 2026.
  20. ↑ Kultur A-Z - Visitenkarten » Toni Fötsch (eigentlich:. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  21. ↑ Christian Gschier: Anton Fötsch. In: gschier.at. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  22. ↑ Filmarchiv. In: Diagonale – Festival des österreichischen Films. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  23. ↑ Christian Gschier. Abgerufen am 10. Oktober 2026.
  24. ↑ Lotte Lyon: exhibitions. Abgerufen am 9. Oktober 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Gschier, Christian
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Szenenbildner, Künstler und Kulturmanager
GEBURTSDATUM 4. Dezember 1968
GEBURTSORT Graz