Lotte Lyon (* 3. September 1970 in Graz) ist eine österreichische bildende Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Wien.
Lotte Lyon wuchs in Paris, Poitiers, Klagenfurt, Graz und Shanghai auf und studierte von 1992 bis 1997 Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Michelangelo Pistoletto und an der Universität der Künste Berlin. Auslandsstipendien und Residency-Programme führten sie unter anderem nach New York City, Tokio, Paris, Rom und Tel Aviv. Von 1998 bis 2001 war sie Assistentin an der Kunstuniversität Linz, danach unterrichtete sie dort von 2003 bis 2024 am Institut für bildende Kunst. Seit 2019 betreibt Lyon ein Atelier in den Bildhauergebäuden des Bundes im Wiener Prater, den sogenannten Praterateliers.
Lotte Lyon setzt in ihrer künstlerischen Praxis Skulptur, Fotografie, Zeichnung und Wandmalereien ein. Ihre Arbeiten verweisen nicht nur auf den Minimalismus, sondern behandeln auch Themen wie Inszenierung und die Umdeutung von Gegenständen und Materialien des Alltags.
Ihre Skulpturen bestehen meist nicht aus soliden Massen, sondern werden aus fragilen und alltäglichen Werkstoffen hergestellt. Ein Bezug zum Raum ist fast immer gegeben, etwa in ihren großflächigen und gleichzeitig zarten Wandmalereien. Gelegentlich beinhalten ihre Arbeiten humorvolle Elemente, räumliche Irritationen spielen häufig eine Rolle. Sie arbeitet auch mit ortsspezifischen Gegebenheiten, um sogenannte „Unorte“ oder Transitzonen architektonisch umzudeuten. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die temporäre Wandarbeit an der Decke über einer Rolltreppe in der Wiener Albertina aus dem Jahr 2015.
Bereits bei ihren frühen Projekten dienten flexible Materialien wie Papier, Plastiksäcke oder eine Wolldecke als Ausgangsstoffe, die erst durch Schichten und Falten zu räumlichen Formen wurden. Auch die vermeintlich massiven Sperrholz-Skulpturen sind häufig variable Konstruktionen. Als Boxen sind sie beliebig im Raum einsetzbar, häufig werden die einzelnen Teile durch Scharniere verbunden oder die Objekte sind durch Rollen beweglich. Dabei werden Flächen zu Körpern gemacht und Benutzbarkeit und Veränderlichkeit thematisiert.
Die Position der Skulpturen ist trotz Lyons kalkulierten Raumbezuges ebenso wenig exakt vorherbestimmt wie der Faltenwurf der Stoffarbeiten und die Beweglichkeit ihrer Objekte.
Lotte Lyon arbeitet außerdem in Kooperation mit Christian Gschier an Ausstattungen für Film- und Fernsehproduktionen (Szenenbild und Kostümbild). Zum Film Wiener Blues – The Loneliest Man in Town (Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel) trugen die beiden das Szenenbild bei. Der Film, mit dem Wiener Blues-Urgestein Al Cook in der Hauptrolle, wurde im Februar 2026 in den Hauptwettbewerb um den Goldenen Bären der Berlinale - 76. Internationale Filmfestspiele Berlin eingeladen und feierte dort seine Weltpremiere.
| Personendaten | |
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| NAME | Lyon, Lotte |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische bildende Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 3. September 1970 |
| GEBURTSORT | Graz |