
Marquis Christian de Bonchamps (15. Juni 1860 in Le Mans, Frankreich; + 9. Dezember 1919 in Paris, Frankreich) war ein französischer Forschungsreisender in Afrika und Kolonialoffizier während der Epoche des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der als „Wettlauf um Afrika“ bekannt wurde; dabei spielte er eine bedeutende Rolle bei zwei der berüchtigtsten Vorfälle jener Zeit.
Bonchamps diente zunächst als Kavallerieoffizier in Frankreich und hielt sich mehrere Male in Nordamerika auf, wo er in den Rocky Mountains auf die Jagd ging. 1891 wurde er zum dritten Offizier der Stairs-Expedition ernannt, deren Ziel es war, Katanga in Zentralafrika für den belgischen König Leopold II. in Besitz zu nehmen – mit oder ohne die Zustimmung des dortigen Königs Msiri.
Nach Ankunft der Expedition vor Ort und als die Vertragsverhandlungen mit Msiri scheiterten, schlug de Bonchamps vor, Msiri als Geisel festzuhalten. Dieser hielt sich jedoch gewöhnlich mit 300 bewaffneten Kriegern in seiner Palisadenfestung auf, was den Zugriff nur unter hohen Verlusten ermöglicht hätte. Bonchamps fand allerdings heraus, Msiri seine Festung öfter mit nur einer Handvoll Wachen verließ, um seine Lieblingsfrau, Maria de Fonseca, in deren fast zwei Meilen entferntem Wohnsitz zu besuchen.
Captain Stairs nutzte die Situation dann aber nicht für eine Gefangennahme, sondern für ein Ultimatum. Dies führte zu einer Konfrontation, bei der Hauptmann Omer Bodson Msiri erschoss. Bonchamps war als Offizier ebenfalls vor Ort. Ihm fiel die Aufgabe zu, inmitten des Chaos die Ordnung wiederherzustellen und die Verwundeten zu bergen – darunter auch den sterbenden Bodson, nachdem dieser seinerseits von einem von Msiris Männern angeschossen worden war.
In der Folgezeit wurden de Bonchamps und der Großteil der Expedition durch Krankheiten und Hunger außer Gefecht gesetzt. Nachdem sie von einer anderen Expedition abgelöst worden waren, hatten sie auf der Rückreise nach Sansibar erneut mit Entbehrungen und Hunger zu kämpfen. De Bonchamps übernahm das Kommando über die Expedition, als Stairs erkrankte, sowie nach dessen Tod am Sambesi. Von den insgesamt 405 Männern der Expedition überlebte nur die Hälfte.
Von dieser Mission kehrte er im Juli 1892 an Bord des Dampfschiffs Ava nach Marseille zurück.
Nach seiner Rückkehr nach Paris übergab de Bonchamps sein Tagebuch dem Schriftsteller Léon Delmas, der unter dem Pseudonym René du Pont-Jest in den Ausgaben der Zeitschrift Tour du Monde der Jahre 1892–93 einen Bericht über die Ereignisse veröffentlichte. In diesem Zeitschriftenbericht enthüllte de Bonchamps, dass die Expedition Msiris Kopf abgeschlagen und ihn gut sichtbar auf einer Stange aufgespießt hatte – als „barbarische Lektion“ für sein Volk; ein Umstand, den der englische Bericht des Expeditionsarztes Joseph Moloney vorher verschwiegen hatte.
1894 trat Bonchamps in den Dienst der Kolonialverwaltung der Elfenbeinküste und wurde anschließend 1897 auf Befehl von André Lebon nach Äthiopien entsandt.
1897 wurde de Bonchamps mit der Leitung einer Mission beauftragt, die von Dschibuti aus quer durch Äthiopien bis zum Weißen Nil bei Faschoda im Südsudan führen sollte, um dort mit der Expedition von Major Jean-Baptiste Marchand zusammenzutreffen, die von Brazzaville her anrückte und den Befehl hatte, das Gebiet um Faschoda als französisches Protektorat zu sichern. Das letztendliche Ziel war die Verwirklichung des ehrgeizigen Plans der französischen Regierung, eine Achse französischer Kolonien quer über den Kontinent von Ost nach West – also von Dakar bis Dschibuti – zu errichten; dies stand in Konkurrenz zur britischen Vision von „Kap bis Kairo“, die eine Kette britischer Kolonien von Nord nach Süd über den gesamten Kontinent vorsah. Das unabhängige Äthiopien stand einer solchen französischen Route im Weg; sein Herrscher Menelik II. war den Franzosen jedoch zunächst freundlich gesinnt, und diese gingen davon aus, dass er ihnen die Durchreise gewähren würde. Bonchamps trat die Mission zum Treffen mit Marchand gemeinsam mit dem französischen Forschungsreisenden Gabriel Bonvalot an. Weiterhin waren der Naturforscher Charles Michel-Côte, der Bergbauingenieur Léon Bartholin und der Maler Maurice Potter Teil der Expedition.
Bonchamps reiste von Dschibuti nach Addis Abeba und erreichte im Juni 1897 Goré, wo er sich der Expedition von Hauptmann Clochette anschloss. Nach Clochettes Tod im August fusionierten die beiden Missionen, wurden jedoch von den äthiopischen Stammesführern mehrere Monate lang aufgehalten, was dazu führte, dass Bonvalot die Expedition schließlich verließ. Im November setzten die Männer ihre Reise fort, durchquerten die Baro-Sümpfe und erreichten nach erheblichen Schwierigkeiten am 29. Dezember 1897 den Zusammenfluss von Baro und Adjouba. Zu dieser Zeit ordnete Menelik II. – wenngleich er bis zu einem gewissen Punkt hilfreich gewesen war – seinerseits den Abbruch der Expedition an. Bonchamps entsandte daraufhin lediglich Potter und Faivre weiter zu einer Erkundungsmission zum Zusammenfluss von Sobat und Nil, den sie am 22. Juni 1898 erreichten. Da die beiden die Marchand-Mission aber dort nicht vorfanden, beschlossen sie umzukehren. Der Expedition unter de Bonchamps gelang es damit nicht, die Reise zu vollenden und sie kehrte bis Juli 1898 nach Dschibuti zurück. Zur selben Zeit erreichte die Expedition unter Marchand Faschoda. Im September sah sich die Marchand-Expedition auf dem Nil einer britischen Flottille gegenüber; dies führte zum Faschoda-Zwischenfall, der schließlich in einer diplomatischen Niederlage für Frankreich und dem Rückzug der Marchand-Expedition mündete.
Obwohl sie der Marchand-Mission keine Unterstützung geleistet hatte, lieferte die Bonchamps Expedition einige wertvolle Informationen über Westäthiopien und die Nilebene.
1892, nach seiner Rückkehr von der Stairs-Expedition – die ihre Ziele für den belgischen König erreicht hatte – äußerte de Bonchamps sein Bedauern darüber, dass seine Strapazen nicht Frankreich zugutegekommen waren. Fünf Jahre später, als sich ihm bei seiner eigenen Expedition die Gelegenheit bot, Frankreich zu dienen, blieb seine Mission letztlich erfolglos.
Christian de Bonchamps bekleidete später Positionen in der Kolonialverwaltung in Brazzaville, der Elfenbeinküste und Französisch-Somaliland und beendete seine Karriere 1911 in Französisch-Westafrika. Er starb 1919 im Alter von 59 Jahren in Paris.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bonchamps, Christian de |
| ALTERNATIVNAMEN | Bonchamps, Marquis Christian de |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Entdecker und Kolonialbeamter |
| GEBURTSDATUM | 15. Juni 1860 |
| GEBURTSORT | Le Mans, Frankreich |
| STERBEDATUM | 9. Dezember 1919 |
| STERBEORT | Paris, Frankreich |