Internationales Dokumentarfilmfestival München

Das Internationale Dokumentarfilmfestival München (kurz DOK.fest München) findet seit 1985 jährlich in München statt. Seit 2001 wird es vom Verein Internationales Dokumentarfilmfestival München e.V. zusammen mit Filmstadt München e. V. veranstaltet. Der Schwerpunkt des Festivals liegt auf dem gesellschaftlich relevanten und künstlerisch wertvollen Dokumentarfilm. Zum DOK.fest gehören die Branchen- und Nachwuchsplattform DOK.forum, das Bildungsprogramm DOK.education, der Student Award, der Afrika-Fokus DOK.network Africa, das ganzjährige Programm DOK.aroundtheclock sowie das Festival in der Region DOK.tour. Die Geschäftsführung und künstlerische Leitung liegt seit 2026 bei Adele Kohout.

Das DOK.fest München gehört zu den größten Dokumentarfilmfestivals Europas.

Geschichte

Adele Kohout, Leiterin des DOK.fests seit 2026

Die Gründung des DOK.fest München geht auf die Initiative der bayerischen Sektion der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) zurück, die sich zum Ziel gesetzt hatte, den dokumentarischen Film zu popularisieren und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Verein Filmstadt München, einem Zusammenschluss örtlicher Filminitiativen, konnte 1985 das 1. Internationale Dokumentarfilmfestival München mit städtischer Unterstützung an den Start gehen. Zur Leiterin wurde Gudrun Geyer berufen, die das Festival bis 2001 führte.

Nach dem Rücktritt Geyers 2001 übernahm Hermann Barth im Auftrag des neu gegründeten Vereins Internationales Dokumentarfilmfestival München e.V. die Aufgabe, das Festival in München, Deutschland und weltweit zu profilieren. Seit 2002 firmiert das Festival unter dem Markennamen DOK.fest mit erweitertem Programm.

2009 trat Hermann Barth zurück, die neue Leitung übernahm Daniel Sponsel. Sponsel erweiterte das Programm um den deutschsprachigen Wettbewerb DOK.deutsch, die Gastreihe DOK.guest, die Retrospektive und DOK.education, das Bildungsprogramm. 2011 rief er die Branchen- und Nachwuchsplattform DOK.forum ins Leben.

Seit 2026 leitet die Kulturmanagerin Adele Kohout das DOK.fest.

DOK.fest online

Wegen der COVID-19-Pandemie fand das DOK.fest 2020 als erstes Filmfestival Deutschlands erstmals ausschließlich online statt, wobei ein Teil der Einnahmen den beteiligten Kinos zugutekam. Auch 2021 wurde das Festival in den digitalen Raum verlegt und präsentierte 131 Filme aus 43 Ländern, die von über 71.000 Zuschauern und Zuschauerinnen gesehen wurden. Das 37. DOK.fest München fand 2022 erstmals als hybrides Festival statt. Das hybride Format etablierte sich und wurde 2023 zeitversetzt angeboten, vor Ort vom 3. bis 14. Mai 2023 und online vom 8. bis 21. Mai 2023 mit 130 Dokumentarfilmen aus 55 Ländern. Beim DOK.fest München 2024 wurden vom 1. bis 12. Mai 2024 an den Münchner Spielorten sowie vom 6. bis 20. Mai 2024 zusätzlich online 109 Filme aus 51 Ländern gezeigt.

2025 starteten die Filmfestivals dokKa Karlsruhe, Kasseler Dokfest, Lichter Filmfest Frankfurt International, Doxumentale Berlin und DOK.fest München die gemeinsame Streamingplattform dok@home für Dokumentarfilme.

Reihen und Preise des DOK.fest München

Hauptpreis Viktoria

Das Festivalprogramm des DOK.fest München gliedert sich in Wettbewerbe, Themenreihen und Specials. Gezeigt wird eine Auswahl von aktuellen internationalen Dokumentarfilmen ab einer Länge von 52 Minuten. Für die Wettbewerbssektionen werden Premieren besonders berücksichtigt. Die 16 Preise des Festivals waren 2024 mit Preisgeldern und Beistellungen im Gesamtwert von 65.100 Euro dotiert. Im Rahmen der drei Hauptwettbewerbe wird die VIKTORIA vergeben. Die VIKTORIA DOK.international Main Competition ist der Hauptpreis des Festivals.

VIKTOR DOK.international – Internationaler Wettbewerb

Dieser Preis wird vom Bayerischen Rundfunk gestiftet.

VIKTOR DOK.deutsch – Deutscher Wettbewerb

Dieser Preis wird von Sky gestiftet.

VIKTOR DOK.horizonte Competition – Cinema of Urgency

Dieser Preis wird von der Petra-Kelly-Stiftung gestiftet.

megaherz Student Award

Dieser Preis wird von der megaherz gestiftet.

Der megaherz Student Award lief bis 2016 unter dem Namen Megaherz Filmschulpreis.

all inclusive Award – Preis für inklusive Dokumentarfilmproduktion

Dieser Preis wird von der Werksviertel-Mitte Foundation gestiftet und ist dotiert mit 5.000 Euro

FFF-Förderpreis Dokumentarfilm

Dieser Preis wird vom FilmFernsehFonds Bayern gestiftet.

DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit

Dieser Preis wird von SOS-Kinderdörfer weltweit (SOS-Kinderdorf) gestiftet.

Publikumspreis

Dieser Publikumspreis kinokino wird von 3sat und Bayerischer Rundfunk gestiftet.

Deutscher Dokumentarfilm-Musikpreis

Dieser Preis wird von der Versicherungskammer Kulturstiftung gestiftet.

Deutscher Kompositions-Förderpreis

Dieser Preis heißt seit 2023 DOK.composition Award (s. weiter unten), Preisstifter ist Sonoton Music.

VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis

Dieser Preis wird von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten gestiftet.

DOK.edit Award – presented by Adobe

Dieser Preis wird von Adobe gestiftet.

DOK.talent Award

früher DOK.talent Award des Hauses des Dokumentarfilms, Pitch Award des Hauses des Dokumentarfilms.

DOK.archive Award

Dieser Preis hieß bis 2023 British Pathé Archive Award. Er wird gestiftet von British Pathé.

DOK.composition Award

Dieser Preis hieß bis 2023 Deutscher Kompositions-Förderpreis (s. weiter oben), Preisstifter ist Sonoton Music.

DOK.digital – Preis für neue Erzählformate

Dieser Preis wird von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien gestiftet.

DOK.education Dokumentarfilmpreis für junge Menschen

DAE Talent Award

Impronta Films Award

Baltic Sea Docs Award

FIPADOC Award

Docs Barcelona Award

Retrospektive

Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Gestiftet vom Goethe-Institut, dotiert mit 2.000 Euro. Nominiert werden herausragende, deutsche Dokumentarfilme.

Ab 2022 rotierende Preisvergabe in DOK Leipzig (2023): EINHUNDERTVIER – Jonathan Schörnig; Duisburger Filmwoche (2024): REPRODUKTION – Katharina Pethke; Kasseler Dokfest (2025) und DOK.fest München (2026).

Nicht mehr vergebene Preise (Stand: 2025)

Doc Around Europe Award

  • 2023: Headshots – Anja Niedringhaus, Fotografin (Headshots – Anja Niedringhaus, Photographer) – Sonya Winterberg (DocsBarcelona); The Valley of the Widows – Miro Jelok (FIPADOCS)

Visioni dal Mondo Award

  • 2023: Headshots – Anja Niedringhaus, Fotografin (Headshots – Anja Niedringhaus, Photographer) – Sonya Winterberg (DocsBarcelona)
  • 2024: The Other Side of Silence – Dheeraj Akolkar

Nebulae Project Selection Award

  • 2023: Surrogat (AT) – Benedikt Schulte

Hommage

AMIRA Award

Der Preis wurde von ARRI gestiftet,

  • 2016: Tempestad – Kamera: Ernesto Pardo. Regie: Tatiana Huezo
  • 2017: Cameraperson – Regie und Kamera: Kirsten Johnson
  • 2018: Caniba – Kamera und Regie: Véréna Paravel und Lucien Castaing-Taylor
  • 2019: Rediscovery – Kamera: Phie Ambo und Maggie Olkuska, Regie: Phie Ambo

Seit 2020 wird der Preis nicht mehr vergeben.

Preis der Untertitelwerkstatt Münster (OmU Förderpreis)

Seit 2017 wird der Preis nicht mehr vergeben.

DOK.series Award

  • 2021: Un Pedazo de Paz – Jacobo Albán und Carlos Zerpa (Regie), Carlos Zerpa und Benoît Ayraud (Produktion)
  • 2022: Memory Wars – Hendrik Löbbert (Regie), Erik Winker und Daniela Dieterich (Produktion)

FairFilmAward Non-Fiction

  • 2018: Florianfilm
  • 2019: ifage Filmproduktion

Seit 2020 wird der Preis nicht mehr vergeben.

DOK.education – Das Bildungsprogramm

DOK.education startete 2011 als Jugendsektion des DOK.fest München und richtet sich an ein junges Publikum im Alter von 8 bis 18 Jahren. 2013 übernahm die Filmemacherin Maya Reichert die Leitung und Neuausrichtung. 2018 erfolgte die Erweiterung zu einem ganzjährigen Bildungsprogramm aufgrund der erstarkten Ausrichtung im Bereich der Erwachsenenbildung. Ziel des Programms ist Filmbildung, Medienkompetenz und kulturelle Bildung am außerschulischen Lernort Kino, im Klassenzimmer und seit 2020 auch online.

Für Schulen

Die „Schule des Sehens“ (früher: Dokumentarfilmschule) für Schulklassen bietet medienpädagogisch begleitete Filmscreenings und Gespräche mit Filmemachern und Filmemacherinnen an. Im Fokus stehen kurze professionelle Dokumentarfilme aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen. In der Schule des Sehens lernen die Teilnehmenden, das Sehen von Filmen zu differenzieren, und sie werden motiviert, dies auch auf ihre eigene alltägliche Mediennutzung zu übertragen, um kritische und selbstbewusste Mediennutzende zu werden. Zu jedem kuratierten Film erstellt ein Team aus Filmexperten und Filmexpertinnen schulisches Begleitmaterial für Lehrkräfte. Im Jahr 2020 ging das Programm pandemiebedingt online und erweiterte seinen Nutzerkreis bundesweit, im Jahr 2021 wurde die Online-Version mit Online-Kinosälen und digitalen Unterrichtseinheiten für die Nutzung sowohl im Distanzunterricht als auch im Klassenzimmer fortgeführt. Seit 2022 findet der kulturelle Bildungsausflug zum Festival wieder im Kino statt, kann aber auch online auf der digitalen Leinwand verwendet werden. Die Online-Kinosäle werden über den Festivalzeitraum hinaus bis zum Ende des jeweiligen Schuljahres angeboten.

Für Lehrkräfte werden im Rahmen von DOK.education ganzjährig medienpädagogische Fortbildungen in Kooperation mit zertifizierenden Fortbildungsakademien angeboten.

Mit der europäischen Filmbildungsplattform LEARNING BY DOCS erfahren junge Menschen europäische Lebenswirklichkeit des 20. Jahrhunderts durch Dokumentarfilme. Gemeinsam mit zwei weiteren europäischen Dokumentarfilmfestivals unterstützt DOK.education über Ländergrenzen hinweg die Film- und Europabildung im Unterricht.

Für junge Menschen

Im ganzjährigen Bildungsprogramm werden bayernweit in Präsenz und seit 2020 auch online Praxisworkshops für Kinder, Jugendliche, Filmgruppen und Schulklassen angeboten, um Filmemachen zu lernen oder Film als künstlerisches Medium lesen zu lernen.

Seit 2015 vergibt DOK.education im bayernweiten Jugendfilmwettbewerb jährlich dotierte Preise für Filme von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem Ziel, zum filmpraktischen Schaffen und künstlerischen Ausdruck im Bereich Dokumentarfilm anzuregen.

Das Label DOK.4teens (früher: 14jugendfrei) kennzeichnet Filme des Festivalprogramms, die offiziell für ein Publikum ab 14 Jahren freigegeben sind. Für das reguläre Programm gilt die übliche Altersfreigabe ab 18 Jahren.

DOK.forum – Die Branchenplattform

Das DOK.forum versteht sich als Denkfabrik für die Dokumentarfilmbranche und als Plattform für Projekte im Entstehungsprozess. Seit 2011 findet das DOK.forum in der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) statt und hat sich in den letzten Jahren als fester Treffpunkt der deutschsprachigen Branche etabliert – mit wachsendem Angebot für internationale Filmschaffende. Das Programm gliedert sich in zwei Segmente:

Öffentliche Veranstaltungen: DOK.forum Perspektiven

In Paneldiskussionen, Workshops und Case Studies nehmen die DOK.forum Perspektiven die Entwicklungen dokumentarischen Arbeitens in den Blick und laden dazu ein, Visionen und Impulse zu entwickeln und relevanten medienpolitischen Fragen nachzugehen. Die öffentlichen Veranstaltungen richten sich sowohl an die Branche als auch an das interessierte Festivalpublikum.

Koproduktions- und Ideenmarkt: DOK.forum Marktplatz

Der Marktplatz bietet Filmemachern und Filmemacherinnen an moderierten Roundtables die Möglichkeit, mit Redakteuren, Redakteurinnen und Produzierenden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol in Kontakt zu kommen und ihre Konzepte vorzustellen. Ziel des DOK.forum Marktplatz ist es, relevanten Ideen durch gezieltes Matchmaking ein Forum zu geben, wertvolles Feedback und neue Partnerschaften zu ermöglichen und den Projekten schließlich zu ihrer Realisierung zu verhelfen.

Interactive Media (bis 2016)

Im Rahmen des DOK.forum legt der Interactive Media Kongress seinen Schwerpunkt auf neue dokumentarische Formate an der Grenze von Film und Games. Das internationale Programm umfasst Case Studies und Filmscreenings. Seit 2016 ist der Bereich Interactive Media Teil der öffentlichen Veranstaltungen.

Virtual Reality Pop Up Cinema

Seit 2017 präsentiert das DOK.fest München parallel zum Festival im Mai im Ausstellungshaus Futuro vor der Pinakothek der Moderne eine Auswahl internationaler dokumentarischer 360°- und VR-Erlebnisse. Im Jahr 2024 wurden drei dokumentarische VR-Experiences und eine Augmented-Reality-Anwendung im Pop-Up-Kino im Ruffinihaus präsentiert.

Die Kinos und Veranstaltungsorte

(Quelle)

Spielorte in Augsburg

Quelle

Die DOK.tour Bayern

Die DOK.tour Bayern bringt seit 2011 ausgewählte Filme des aktuellen Festivaljahrgangs in die Kinos der bayerischen Region. 2019 tourte die DOK.tour zwischen Oktober und Dezember mit fünf Dokumentarfilmen in 18 Städte. 2020 fand die DOK.tour an drei Wochenenden vor Weihnachten mit drei Filme auf der digitalen Leinwand statt. 2021 und 2022 musste die DOK.tour entfallen, 2023 konnte sie erneut mit vier Filmen in 19 Programmkinos in allen sieben bayerischen Bezirken realisiert werden.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Festivalprofil und -geschichte. In: Internationales Dokumentarfilmfestival München e.V. Abgerufen am 11. Oktober 2022.
  2. ↑ DOK.fest München. In: Filmstadt München e.V. Abgerufen am 6. Juni 2020.
  3. ↑ Bernhard Blöchl: Dok-Fest München unter neuer Leitung: Wer ist Adele Kohout und welche Zielt hat sie? Ein Porträt. 5. Mai 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  4. ↑ Bernhard Blöchl: Dok-Fest München: Filme wegen Coronavirus im Internet. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Mai 2020, abgerufen am 6. Juni 2020.
  5. ↑ Bilanz Festival 2021. In: Internationales Dokumentarfilmfestival München e.V. Abgerufen am 1. Oktober 2021.
  6. ↑ Das DOK.fest München 2022 – erstmals sowohl im Kino als auch auf der digitalen Leinwand. Pressemitteilung. In: Internationales Dokumentarfilmfestival München e.V. 4. März 2022, abgerufen am 16. März 2022.
  7. ↑ Das DOK.fest München 2023. Abgerufen am 20. Juni 2024.
  8. ↑ Das DOK.fest München 2024. Abgerufen am 20. Juni 2024.
  9. ↑ Jochen Müller: Festivals starten erste Streamingplattform für Dokumentarfilme. In: the-spot-mediafilm.com. 29. Juli 2025, abgerufen am 29. Juli 2025.
  10. ↑ Wettbewerbssektionen und Preise des DOK.fest München. In: Internationales Dokumentarfilmfestival München e.V. Abgerufen am 20. Juni 2024.
  11. ↑ Der VIKTOR DOK.international - Main Competition. Abgerufen am 20. Juni 2024.
  12. ↑ fisherfeatures.com.
  13. 1 2 3 Die Preisträger des 34. DOK.fest München. Artikel vom 20. Mai 2019, abgerufen am 20. Mai 2019.
  14. 1 2 3 4 5 6 7 Die Gewinnerfilme des DOK.fest München 2025. In: dokfest-muenchen.de. 17. Mai 2025, abgerufen am 20. Mai 2025.
  15. ↑ Der VIKTOR DOK.deutsch Wettbewerb. Abgerufen am 20. Juni 2024.
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