Die Sentinel (englischer Originaltitel The Sentinels) ist ein historischer Abenteuerroman des britischen Schriftstellers Peter Carter, der im Jahr 1980 beim Verlag Oxford University Press veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in einer Übersetzung von Ute Mäurer und Ulrich Mihr erschien 1982 beim Thienemann Verlag unter dem Titel Die Sentinel jagt Sklavenschmuggler.
Im Jahr 1840, kurz nach dem Tod seiner Eltern, beschließen seine Tante Honoria Spencer und ein befreundeter Teehändler, den 15-jährigen John Spencer zur Marine zu schicken. Auf der Sentinel, einem kleinen Kriegsschiff der Royal Navy, das von Kapitän Murray befehligt wird, heuert der Junge als Offiziersanwärter an. Ziel der Sentinel ist die Küste Westafrikas, wo sie Sklavenschiffe aufspüren soll, um deren Gefangene, die über den Atlantik nach Amerika gebracht werden, zu befreien.
Einer dieser Sklaven ist Lyapo vom Stamm der Yoruba. Er landet nach mehrfachem Verkauf an unterschiedliche Sklavenhändler schließlich auf der Phantom, einem Schiff, welches unter dem Kommando von Kapitän Kimber steht. Auf seinem Weg nach Amerika trifft dieses Sklavenschiff auf die Sentinel und es kommt zu einem ersten Kampf. Ein Sturm verhindert den schon sicher geglaubten Sieg der Sentinel und die Phantom kann entkommen. Doch das beschädigte Sklavenschiff muss zurück zur Küste, um Wasser aufzunehmen – und dort wird es schließlich doch noch von der Sentinel eingenommen.
Die unter menschenverachtenden Bedingungen unter Deck gehaltenen Sklaven werden befreit. Einer von ihnen ist Lyapo. Kapitän Murray übergibt daraufhin das Kommando über die Phantom an den jungen Spencer, der das Schiff zusammen mit der gefangenengenommenen Sklavenhändler-Crew nach Freetown bringen soll, wo die befreiten Sklaven ein Stück Land erhalten und ein neues Leben beginnen können sollen.
Doch auf dem Weg dorthin stößt die Phantom auf ein weiteres Sklavenschiff namens San Felipe und es kommt neuerlich zum Kampf. Die Phantom kann die San Felipe in die Flucht schlagen. Im Zuge der Kampfhandlung gelingt es dem gefangenen Kapitän Kimber und seiner Crew jedoch, sich zu befreien und die Phantom wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. John wird bei diesem Gefecht über Bord geschleudert, genauso wie Lyapo. Diesem war es gelungen, in ein an ihm vorbeikommendes Boot zu klettern und kurz darauf den schon völlig entkräfteten John zu retten. Alle restlichen Seemänner der Sentinel, die von Murray auf die Phantom beordert wurden, sind von Kimbers Crew ermordet worden.
Die beiden schaffen es, nach mehrtägiger mühevoller Ruderei zur afrikanischen Küste zu gelangen. Ihr Boot wird dabei allerdings durch ein Riff in der starken Brandung zerstört. Gestrandet wie Robinson Crusoe verbringen sie mehrere Monate am Strand. Das Überleben verdanken sie dabei hauptsächlich Lyapo, der es versteht, Feuer zu machen und Nahrungsmittel zu besorgen. Sie bringen sich gegenseitig ihre Sprachen bei und vertreiben sich die Zeit mit dem Brettspiel Dame. Zwar sehen sie immer wieder Schiffe am Horizont vorbeisegeln, doch Johns Rauchzeichen werden stets ignoriert. Als John bereits jegliche Hoffnung aufgegeben hat, werden die beiden, die von der Royal Navy mittlerweile für tot erklärt worden sind, doch noch von einem Schiff erblickt und gerettet.
In der Zwischenzeit war es der Sentinel, gemeinsam mit anderen Kriegsschiffen der Royal Navy, gelungen, eine Reihe von Sklavenschiffen zu erobern und die befreiten Sklaven nach Freetown zu bringen. Dieses Unterfangen hatte jedoch höchste Anstrengungen und jede Menge Opfer verursacht. Auch Kapitän Murray wäre dabei fast ums Leben gekommen und die Esk, eines der englischen Kriegsschiffe, kann die Flucht eines der Sklavenschiffe nur verhindern, indem Kapitän Donelly die Esk in das gegnerische Schiff rammt. Nicht nur die Kampfhandlungen haben zahlreiche Todesfälle verursacht, auch das Fieber auf den Schiffen fordert viele Menschenleben. Doch als die totgeglaubten John Spencer und Lyapo mit ihren Rettern zu den siegreichen englischen Schiffen stoßen, ist die Freude riesengroß und die Mühen und Opfer der vergangenen Tage sind schnell vergessen.
Lyapo erweist sich auch auf dem Schiff als fähiger Mann und Kapitän Murray unterbreitet ihm das Angebot, dauerhaft bei der Marine zu bleiben. Lyapo entscheidet sich jedoch, in Freetown zu bleiben, wo er auf befreite Sklaven trifft, die seine Sprache sprechen. John wird zurück nach England beordert, wo er in einem Prozess gegen Kapitän Kimber aussagen soll. Die Sentinel macht sich weiter auf die Jagd nach Sklavenschiffen und schließt sich einem Kommando an, das zwei berüchtigten Sklavenhändlern, denen man mehr als 40 Jahre lang nichts anhaben konnte, ein für allemal das Handwerk legen soll.
Im Epilog des Buchs erfährt der Leser, dass John Spencer fünf Jahre später nach wie vor bei der Royal Navy ist. Lyapo hat in der Zwischenzeit geheiratet, führt in Freetown ein Geschäft und ist Prediger der Methodisten-Kirche geworden. John, der in London wegen einer Berufungsverhandlung im Fall des verurteilten Kapitäns Kimber weilt, erzählt einem ehemaligen Schiffskollegen, dass Kimber freigesprochen wurde. Begründet wird dies damit, dass der Kapitän wegen eines unterlassenen Gerichtsurteils in Freetown nach wie vor rechtmäßiger Besitzer der Phantom und daher die – wenn auch sehr blutige – Rückeroberung lediglich sein gutes Recht gewesen sei.
Teile der Geschichte beruhen auf tatsächlichen Ereignissen bzw. Dokumenten aus jener Zeit. In den Vorbemerkungen zum Roman weist der Autor darauf hin, dass der Prozess um Kapitän Kimber auf den Fall des Sklavenschiffes Felicidade zurückgeht. Weiters schreibt Carter, dass mehrere Personen, die im Roman vorkommen, tatsächlich gelebt haben.
Janet Fisher schreibt in ihrer Buchrezension: „Kapitän Murrays Schwierigkeiten mit der Befehlsgewalt und die bildhaften Beschreibungen des Lebens unter Deck, einschließlich der zunehmend verdorbenen Nahrungsmittel, machen mehr aus dem Buch als einen einfachen Abenteuerroman auf See. Der ekelerregende Gestank aus den Frachträumen, die Schwärme von Insekten, die dauernde Angst vor Krankheiten, die Ohnmacht gegenüber dem Meer und den Plünderern – der Leser erhält ein lebendiges Bild des Lebens auf See in den 1840er Jahren. Der schreckliche Handel mit Menschenleben wird in all seiner Grausamkeit und Verderbtheit dargestellt.“ In der Begründung für die Verleihung des Guardian Awards heißt es: „Dieses in klarer und einfacher poetischer Sprache geschriebene Buch ist Seeabenteuerroman und kritisch fragende Geschichte zugleich. Carter ist auf der Suche nach den wirklichen Motiven einer der größten Moralbewegungen der Geschichte. Besonders hervorzuheben ist die neue historische Betrachtungsweise, die es nicht erlaubt, die Geschichte der Menschen in vereinfachten Symbolen darzustellen.“
Die Sentinel wurde 1981 mit dem Guardian Award ausgezeichnet.
Die Sentinel ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.