Emmy Becher

Emmy Becher (* 29. Januar 1854 in Stuttgart; † 15. September 1922 ebenda) war eine deutsche Kulturjournalistin und literarische Übersetzerin, die Werke aus dem Französischen, Englischen und Italienischen für den Stuttgarter Engelhorn Verlag ins Deutsche übertrug. Zu den von ihr übersetzten Autoren gehören unter anderem Alphonse Daudet, Guy de Maupassant, Georges Ohnet, Paul Bourget, B. M. Croker, George Robert Sims, Rudyard Kipling und Edmondo De Amicis.

Leben

Emmy Bechers Vater August Becher war Jurist und nahm aktiv an der Deutschen Revolution 1848/1849 teil. Er gehörte der Frankfurter Nationalversammlung an und war 1849 einer der fünf Reichsregenten. Nach dem Scheitern der Revolution heiratete er 1850 Emmys Mutter Caroline Weinland (* 1823), die aus ihrer ersten Ehe mit dem Ravensburger Rechtsanwalt August Schuster bereits einen Sohn, Adolf Schuster (* 1842), hatte. Emmy Becher wurde am 29. Januar 1854 in Stuttgart geboren.

Ihr Vater regte früh Interesse an Politik und bildender Kunst in Emmy Becher an. Ab 1886, sie war damals 32-jährig, begann sie, für den Engelhorn Verlag in ihrer Heimatstadt literarische Werke aus dem Französischen, Englischen und Italienischen zu übersetzen. Ab 1891 war sie als „Kunstberichterstatterin“ beim Schwäbischen Merkur tätig und blieb bis im April 1921, kurz vor ihrem Tod, in dieser Position. Sie war Mitglied im Württembergischen Malerinnenverein und im Literarischen Klub Stuttgart. Ihre Teestunden am Montagnachmittag waren rege frequentiert. Sie starb am 15. September 1922 nach langer Krankheit mit 68 Jahren in Stuttgart.

Becher heiratete nie und bestritt ihr Leben mit größtmöglicher Eigenständigkeit. Ein Nekrolog beschrieb sie als „Frau, die sich durch angeborene Geistesgaben und durch unermüdliche Tätigkeit eine selbständige, allgemein geachtete Stellung errungen und so in ihrem Teil und für ihr eigenes Leben die ‚Frauenfrage‘ gelöst hatte, lange bevor die Bewegung, die diesen Namen trägt, sich wirklich organisierte und durchsetzte“.

Bechers Übersetzungen von Georges Ohnets und George Robert Sims’ Romanen, Frances Hodgson Burnetts Der kleine Lord (u. a. im Reclam-Verlag), Kenneth Grahames Das goldene Zeitalter und Rudyard Kiplings Naulahka, das Staatsglück wurden auch nach ihrem Tod und werden teilweise noch heute aufgelegt.

Werke

Alle Übersetzungen Bechers sind bei Engelhorn in Stuttgart erschienen.

Übersetzungen aus dem Französischen

Übersetzungen aus dem Englischen

Übersetzungen aus dem Italienischen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Stammbaum von D. Johann Albrecht Bengel. Greiner & Pfeiffer, Stuttgart 1887, S. 20 (google.ch).
  2. ↑ Württembergische Kommission für Landesgeschichte (Hrsg.): Bibliographie der württembergischen Geschichte. Band 8, 1953, S. 298.
  3. 1 2 Emmy Becher †. In: Schwäbischer Merkur. Nr. 419. Stuttgart 16. September 1922, S. 5 (wlb-stuttgart.de).
Personendaten
NAME Becher, Emmy
KURZBESCHREIBUNG deutsche Journalistin und Übersetzerin
GEBURTSDATUM 29. Januar 1854
GEBURTSORT Stuttgart
STERBEDATUM 15. September 1922
STERBEORT Stuttgart