
Der Fireburn-Aufstand war ein am 1. Oktober 1878 auf Saint Croix in Dänisch-Westindien begonnener Arbeiteraufstand, der sich gegen die koloniale Arbeitsordnung und für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der afrokaribischen Plantagenarbeiterschaft einsetzte. Etwa die Hälfte des Ortes Frederiksted und mehr als 50 Plantagen und Plantagengebäude gerieten dabei in Brand (daher die englische Bezeichnung „Fireburn“). Mary Thomas, Agnes, Mathilda und Susanna wurden als „Fireburn Queens“ zu Symbolfiguren des Aufstands. Insgesamt gilt Fireburn als der größte Arbeitsaufstand der dänischen Kolonialgeschichte.

Die Sklaverei wurde im Jahr 1848 in Dänisch-Westindien abgeschafft, aber das 1849 eingeführte Arbeitsreglement machte die Landarbeiterschaft abhängig. So mussten Arbeitsverträge für eine Zeit von mindestens einem Jahr geschlossen werden. Löhne, Arbeitszeiten und Sanktionen waren streng geregelt: Abhängig von der Arbeitsklasse lagen die Tageslöhne bei gerade einmal 5 bis 15 Cent. Auch wurden durch die Arbeitsordnung und zusätzliche Landstreicherregeln die Freizügigkeit und Verhandlungsmöglichkeiten der Arbeiterschaft begrenzt. Die Spannungen wurden durch wirtschaftliche Krisen der Zuckerproduktion, Naturkatastrophen, Ernteeinbußen und eingeschränkte Reisemöglichkeiten weiter verschärft.
Viele Arbeiter versammelten sich anlässlich des jährlich stattfindenden „Contract Day“ am 1. Oktober 1878 in Frederiksted; bald kamen Gerüchte über Polizeigewalt und verweigerte Pässe auf, die sodann zu einer Eskalation der Geschehnisse beitrugen.
Es ist ungeklärt, ob der Aufstand im Voraus geplant worden war, jedoch entstanden rasch eine Führungsgruppe, eine Arbeitsteilung verschiedener Gruppen und es fanden koordinierte Angriffe statt. Die Akten der Kolonialbehörden geben nur begrenzt Auskunft über die Motive der später als „Königinnen“ bekannt gewordenen Frauen und geben zudem nur das Narrativ der Kolonialverwaltung wieder.
Über mehrere Tage kam es zu der Gewalt, bis Kolonialtruppen, Milizen und Freiwillige unter Anwendung von Waffengewalt den Aufstand niederschlugen und zahlreiche Beteiligte festgenommen wurden. Die vier „Fireburn Queens“ wurden zum Tode verurteilt, ihre Strafen später aber in Haftstrafen umgewandelt und die Frauen dafür nach Dänemark überführt.
Eine neue Dienstbotenordnung ersetzte im Jahr 1879 das Arbeitsreglement aus dem Jahr 1849 und erlaubte zumindest formal freiere Vereinbarungen über Lohn, Arbeitszeit und Beschäftigung. Allerdings blieben paternalistische und repressive Formen kolonialer Kontrolle bestehen, darunter eine ausgiebige Nutzung von Haft und Zwangsarbeit.

Bis in die Gegenwart ist der Fireburn-Aufstand durch Lieder, mündliche Überlieferungen, Schulunterricht, Denkmäler und Ortsnamen auf den Amerikanischen Jungferninseln präsent. Beispielsweise ist eine Hauptstraße auf Saint Croix nach „Queen Mary“ benannt.
In Dänemark wurden die Geschichtsbilder statt von den Menschen des afrokaribischen Widerstands zumeist von weißen Kolonialisten wie Peter von Scholten dominiert. Auch in der dänischen Arbeiterbewegung geriet der Fireburn-Aufstand später weitgehend in Vergessenheit, obgleich die zeitgenössische sozialdemokratische Presse mitunter Sympathie für die Plantagenarbeiterschaft zeigte. Die jüngere Forschung interpretiert den Fireburn-Aufstand daher, neben dem Ereignis selbst, auch als umkämpfte Erinnerung und weist auf die Leerstellen kolonialer Archive sowie die Bedeutung mündlicher und materieller Gegenarchive hin.
Im Jahr 2018 wurde in Kopenhagen für Mary Thomas das von den Künstlerinnen Jeannette Ehlers und La Vaughn Belle geschaffenes Monument I Am Queen Mary eingeweiht.