Insbesondere durch seine theoretischen Schriften wie Zur Poesie der Fläche, Texte in den Zwischenräumen (beide 1966) oder Buchstabenkonstellationen (1967) leistete er wichtige Beiträge zur Etablierung der Konkreten Poesie. Mon setzte sich vor allem dafür ein, die Fläche als Textelement sichtbar und wahrnehmbar zu machen und sie nicht nur als unwichtigen Texthintergrund zu betrachten (bzw. zu ignorieren). „Sprache wird bei Mon Stimme, Stimme wird Schrift, Schrift wird Bild, Bild wird Text.“
Dementsprechend setzen sich seine Gedichte aus räumlich angeordneten Buchstaben zusammen, die nicht immer auch zu ganzen Wörtern nebeneinander gestellt werden können. Mon nutzte die Varianten der Typografie, um das Augenmerk auf die Buchstaben an sich zu lenken.
Die Texte erscheinen häufig extrem reduziert, was deutlich wird, wenn man sich Mons Postulat zu eigen macht: „es kommt nicht auf die menge der inhalte an sondern auf das verhältnis von zeichenaufwand und realisierbaren beziehungen“ (aus: Buchstabenkonstellationen).
Wie viele seiner Kollegen bevorzugte Mon die konsequente Kleinschreibung und setzte Satzzeichen wenig oder gar nicht ein.
Neben seinen theoretischen Schriften und konkreten Poesien entwickelte Mon ab den frühen 1960er Jahren auch verschiedene Arten von Sehtexten, Textcollagen und Texträumen, die er als eine Art linguistische Sprachspiele konzipierte. In seinem achteckigen, als Installation gestalteten Textraum Mortuarium für zwei Alphabete thematisierte er metaphorisch das allmähliche Verschwinden von Schrift und Sprache in Gegenwart und Zukunft. Ausgehend von einem lesbaren Grundtext, der auf einer ersten von acht transparenten Tafeln aufgedruckt ist, gestaltete Mon auf den weiteren Tafeln durch progressives Überlagern von Worten und Buchstaben eine sukzessive Auslöschung des Textes und zerstört damit die Lesbarkeit von Sinnzusammenhängen. Manche Namen verstorbener Persönlichkeiten, die bei der variablen Lesbarkeit sporadisch aus den Textfragmenten auftauchen, geben dem Mortuarium einen weiteren inhaltlichen Zusammenhang.
Ausgewählte Gedichte
oktober (mehr weiß niemand die disteln gehn rückwärts)
grundriß (war sichtbar ist genau sichtbar)
Veröffentlichungen (Auswahl)
Bibliographie
artikulationen. Neske, Pfullingen 1959.
protokoll an der kette. 14 Gedichte. Mit sechs Graphiken von Bernhard Schultze. Galerie Der Spiegel, Köln 1961.
Verläufe. Mit Lithographien von K.O. Götz. Galerie Müller, Stuttgart 1962.
Sehgänge. Eine Demonstration. Wolfgang Fietkau Verlag, Berlin 1983 (Schritte. 8, Erstauflage 1964), ISBN 978-3-87352-008-0.
weiß wie weiß. Mit Prägedrucken von Rolf Kissel. Gulliver Presse, Bad Homburg 1964.
ainmal nur das alphabet gebrauchen. edition hansjörg mayer, Stuttgart 1967.
herzzero. Luchterhand, Neuwied / Berlin 1968.
als Hrsg. mit Heinz Neidel: Prinzip Collage. 1968.
Texte über Texte. Luchterhand, Neuwied / Berlin 1970.
aufenthaltsraum. Mit Siebdrucken von Thomas Lenk. Guido Hildebrandt, Duisburg 1972.
maus im mehl. Galerie Patio, Frankfurt Main 1976.
fallen stellen. texte aus mehr als elf Jahren. Verlag Klaus Ramm, Spenge 1981.
hören ohne aufzuhören. neue texte, Linz 1983.
Es liegt noch näher. 9 Texte aus den 50ern. Verlag Klaus Ramm, Spenge 1985.
was hältst du denn von Bielefeld. mit Collagen vom Autor. Pendragon, Brackwede bei Bielefeld 1987.
Knöchel des Alphabets. 33 visuelle Texte. Hochschule für Gestaltung, Offenbach 1989.
das wort auf der zunge. Texte aus vierzig Jahren. Janus, Berlin 1991.
Nach Omega undsoweiter. Verlag Klaus Ramm, Spenge 1992.
Gesammelte Texte – Bd 1: Essays. Janus, Berlin 1994.
Gesammelte Texte – Bd 2: herzzero. Janus, Berlin 1996.
Wörter voller worte. Verlag Klaus Ramm, Spenge 1999.
Freiflug für Fangfragen. 103 Alphabetgedichte mit 26 Versalcollagen und 1 CD mit Lauttexten seit 1960. Hrsg. von Michael Lentz. edition selene, Wien 2004.
Zuflucht bei Fliegen – Lesebuch. Hrsg. von Michael Lentz. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013.
Sprache, lebenslänglich. Gesammelte Essays. Hrsg. von Michael Lentz. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016.
Blaiberg funeral. Technical accomplishment: Sylve Sjöberg. Auf: Text-sound-compositions. 7 / Stockholm 1970. (Stockholm ca. 1970), Fylkingen / SR Records, RELP 1103. LP.
erge erekt (1962). Sprecher: Franz Mon. Auf: PHONETISCHE POESIE. Luchterhand Schallplatte. Hrsg. von Franz Mon. Neuwied / Berlin 1971. LP.
das gras wies wächst. Hörspiel. Regie: Franz Mon. Prod.: SR / BR / WDR 1969. Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken o. J. /Dokumentationsschallplatte/. o. O., o. J. (ca. 1974). Deutsche Grammophon/Hörspiel Heute, Luchterhand 2574 004. LP
Da du der bist (1973). WDR, Köln 1974, auf: futura. POESIA SONORA. Antologia storico critica della poesia sonora. Hrsg. Arrigo Lora-Totino. Cramps Records, Mailand 1978, 5206 305. LP
Ja-Nein-Parabel (1971/1978), auf: POÉSIE SONORE INTERNATIONALE. Hrsg. von Henri Chopin. Ed. Jean-Michel Place, Paris 1979. Audiocassette I / Beilage zum gleichnamigen Buch von Henri Chopin.
augenzeuge (Text), auf: manuskripte für Alfred Kolleritsch 1981. Graz 1981. Audiocassette / Beilage zum gleichnamigen Sonderheft.
erge erekt, 1962/1970. Auf: Neue Zeitschrift für Musik. Schott Verlag, Manz 1998, Nr. 5, Musik Sprechen. CD-Beilage
↑Carlfriedrich Claus, Franz Mon u.a.:Franz Mon: artikulationen.planetlyrik,24.März 2016,abgerufen am 4.Mai 2017(deutsch).
↑Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.), Bernd Evers (Einl.): Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland. Die Lesbarkeit der Kunst. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1999, ISBN 3-87584-873-X, S.127.
↑Michael Lentz: Im Käfig der Freiheit. Der Dichter Franz Mon macht mit seinen Lautgedichten erfahrbar, wie wir Sprache benutzen und wie Sprache uns benutzt. In: Süddeutsche Zeitung, 6. Mai 2016, S. 13.
↑Der Textraum wurde in der Ausstellung Bilder für Frankfurt 1985 im Deutschen Architekturmuseum gezeigt. Peter Iden, Rolf Lauter (Hrsg.): Bilder für Frankfurt. Bestandskatalog des Museums für Moderne Kunst. München 1985, S. 100, Abb. S. 101. ISBN 978-3-7913-0702-2
↑Weiterführende Angaben und Zitate im Katalog Bilder für Frankfurt.
↑Die beiden Gedichte sind aus: Hans Bender (Hrsg.), Widerspiel. Deutsche Lyrik seit 1945, Carl Hanser Verlag, München 1962, ohne ISBN