| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 48° 15′ N, 9° 13′ O | |
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Tübingen | |
| Landkreis: | Sigmaringen | |
| Höhe: | 662 m ü. NHN | |
| Fläche: | 52,97 km² | |
| Einwohner: | 6198 (31. Dez. 2025) | |
| Bevölkerungsdichte: | 117 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 72501 | |
| Vorwahlen: | 07574 07124 (OT Mariaberg) | |
| Kfz-Kennzeichen: | SIG, SLG, STO, ÜB | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 4 37 031 | |
| Stadtgliederung: | 6 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Hohenzollernstr. 5 72501 Gammertingen | |
| Website: | www.gammertingen.de | |
| Bürgermeister: | Andreas Schmidt | |
| Lage der Stadt Gammertingen im Landkreis Sigmaringen | ||
Gammertingen (schwäbisch Gamertenga) ist eine Kleinstadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Gammertingen liegt auf der Schwäbischen Alb im Tal der Lauchert, eines linken Nebenflusses der Donau.
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Gammertingen. Sie werden im Uhrzeigersinn genannt, beginnend im Nordosten:
Pfronstetten (Landkreis Reutlingen), Langenenslingen (Landkreis Biberach), Hettingen, Neufra, Burladingen (Zollernalbkreis), Trochtelfingen (Landkreis Reutlingen).
Neben der Kernstadt Gammertingen mit rund 5000 Einwohnern zählen zur Gesamtstadt auch fünf Stadtteile, nämlich die drei Teilgemeinden Feldhausen, Harthausen und Kettenacker zusammen mit der fürstlich-hohenzollerischen Domäne Lusthof auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb sowie Bronnen und Mariaberg.
| Wappen | Ortsteil | Einwohner | Fläche |
|---|---|---|---|
| Gammertingen (Kernstadt) | 4639 | 1769 ha | |
| Bronnen | 379 | ? | |
| Feldhausen | 409 | 991 ha | |
| Harthausen | 243 | 671 ha | |
| Kettenacker | 263 | 1084 ha | |
| Mariaberg | 373 | ? |
Gammertingen hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Laucherttal mit Nebentälern, das sich von Norden nach Süden entlang der Lauchert durch das Stadtgebiet zieht. Die Lauchert gehört ebenso wie einige Flächen um den Kleine Burren zum FFH-Gebiet Gebiete um das Laucherttal. Südöstlich von Gammertingen befindet sich zudem eine Teilfläche des Vogelschutzgebiets Südwestalb und Oberes Donautal.
Gammertingen ist außerdem die nördlichste Mitgliedsgemeinde des Naturparks Obere Donau.

Die historischen Wurzeln Gammertingens reichen bis in die Bronzezeit zurück. Eine römische Fundmünze datiert in eine Zeit zwischen 341 und 354 n. Chr., in der der römische Limes in der Region bedeutungslos geworden war. Der bekannte Spangenhelm aus dem Fürstengrab von Gammertingen und weitere reiche Grabbeigaben aus einem Reihengräberfeld geben Aufschluss über eine frühe Besiedelung in der Merowingerzeit. Der bronzevergoldete Spangenhelm aus dem späten 6. Jahrhundert aus einem alemannischen Fürstengrab bei Gammertingen befindet sich in den Fürstlich Hohenzollernschen Sammlungen Sigmaringen.

Gammertingen wurde erstmals 1101 auf einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen erwähnt. Damals gehörte der Ort den Grafen von Gammertingen, die auch Besitzungen im Oberengadin hatten. Später ging der Besitz an die Grafen von Veringen. Gammertingen wurde 1311 erstmals als Stadt erwähnt. Ab 1524 waren die Freiherren von Speth zu Zwiefalten Eigentümer. Dies dauerte bis 1806, als das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen die Oberhoheit erlangte und Gammertingen erst hohenzollerische, später preußische Oberamtsstadt wurde. In der hohenzollerischen und ab 1849 als Teil der Hohenzollernschen Lande preußischen Zeit war Gammertingen Sitz von Oberamt, Amtsgericht, Forstamt und Katasteramt.

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Gammertingen eines von fünf Lagern des weiblichen Reichsarbeitsdienstes (RAD) im damaligen preußisch-hohenzollerischen Landkreis Sigmaringen. Im Jahre 1940 wurden im Rahmen der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 von den NS-Machthabern 61 behinderte Menschen aus dem Heim Mariaberg nach Schloss Grafeneck verlegt und dort ermordet. Seit 1990 erinnert eine Gedenkstätte mit einer Stele des Bildhauers Harald Walter mit dazugehörigen Texttafeln an diese Verbrechen. Auch eine Dauerausstellung im Benediktinerinnen-Kloster informiert darüber.
Im Kalten Krieg plante die NATO den so genannten Fliegerhorst Gammertingen/Birkhof zur Stationierung eines Jagdbombergeschwaders mit zwei Staffeln des Typs F-104G. Dieser sollte vier Kilometer südwestlich von Gammertingen auf der Albhochfläche entstehen. Die Planungen dauerten von 1958 bis 1963 und wurden dann aufgegeben, nachdem sich das Vorhaben als baulich zu aufwändig herausgestellt hatte. Neben den Problemen mit der Quellfassung für die Gammertinger Trinkwasserversorgung und den nicht unerheblichen Erdarbeiten hatte es hartnäckigen Widerstand des Besitzers der Domäne Birkhof gegeben.
Die ehemals selbstständige Gemeinde Harthausen bei Feldhausen wurde unter Leo Leipert († 2009), von 1967 bis zur Eingemeindung Bürgermeister von Harthausen, am 1. Januar 1971 freiwillig in die Stadt Gammertingen eingemeindet.
Am 1. Januar 1975 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bronnen, Feldhausen und Kettenacker eingemeindet.
Die Einwohnerschaft von Gammertingen erhielt Wachstum von den Heimatvertriebenen der Nachkriegszeit über die Gastarbeiter und Zuwanderer der letzten Jahrzehnte – insbesondere aus Italien, dem früheren Jugoslawien, der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion und von anderen Kontinenten.
Nach dem Ende des Laotischen Bürgerkriegs 1975 nach Gammertingen umgesiedelte Hmong-Familien und deren Nachkommen bilden mit 77 Mitgliedern (Stand 2002) die größte Hmong-Gemeinschaft Deutschlands.

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Anzahl der Einwohner einschließlich der eingemeindeten Orte
Laut der Volkszählung 2011 waren 25,5 % der Einwohner evangelisch, 56,4 % römisch-katholisch und 18,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Anfang 2020 (Stand 1. Januar) hatte Gammertingen 6.433 Einwohner davon 50,9 % Katholiken, 21,9 % Protestanten und 27,2 % hatten entweder eine andere oder gar keine Religionszugehörigkeit.
Gammertingen ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Laucherttal, bestehend aus Gammertingen, Neufra, Hettingen und Veringenstadt.
Der Gemeinderat von Gammertingen umfasst derzeit 17 ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Er wird nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, das den einzelnen Ortsteilen Gammertingens jeweils eine bestimmte Anzahl an Vertretern im Gemeinderat garantiert. Durch Ausgleichsmandate kann sich dadurch die Gesamtzahl an Sitzen jedoch verändern. Die letzte Wahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,0 % (2019: 55,8 %) zu folgendem Ergebnis:
| Partei / Liste | Stimmenanteil | +/− %p | Sitze | +/− |
| CDU | 46,5 % | − 0,5 | 8 | ± 0 |
| Gleiches Recht für Alle (GRfA) | 40,7 % | + 4,4 | 7 | + 1 |
| Grüne + SPD + Unabhängige Bürger | 12,9 % | − 3,8 | 2 | − 1 |
Darüber hinaus bestehen für die Ortsteile Bronnen/Mariaberg, Feldhausen, Harthausen und Kettenacker jeweils eigene Ortschaftsräte.
Bürgermeister ist seit dem 1. Juni 2023 Andreas Schmidt (parteilos). Er konnte sich bei der Bürgermeisterwahl am 5. März 2023 mit knapp zwei Dritteln der Stimmen gegen Amtsinhaber Holger Jerg (CDU), der von 1999 bis 2023 amtierte, durchsetzen.
| Blasonierung: „In Silber (Weiß) nebeneinander eine aufrechte blaue Hirschstange und ein rot bewehrter und rot bezungter blauer Löwe.“ | |
| Wappenbegründung: Das älteste, dem späten 14. Jahrhundert entstammende, in Abdrücken von 1412 bis ins 19. Jahrhundert hinein belegte Stadtsiegel zeigt ein nicht identifizierbares, aufgerichtetes vierbeiniges Tier vor der aufrechten Hirschstange. Das Tier wurde zeitweilig als Bär oder Hund missverstanden, doch kann es sich nach einer Zeichnung von 1535 dabei nur um den Löwen als das Wappentier der Grafen von Gammertingen handeln. Die Hirschstange lässt sich vom Wappen der Grafen von Veringen ableiten, unter deren Herrschaft Gammertingen im 13. Jahrhundert Stadt geworden ist. In einer Zeichnung von 1535 wurde sie allerdings schwarz tingiert und so mit Württemberg in Verbindung gebracht, das die Stadt 1447 und 1541 vorübergehend besessen beziehungsweise beansprucht hatte. Am 19. Januar 1965 verlieh das Innenministerium das in die jetzige Form gebrachte Wappen. |
Gammertingen liegt an der Hohenzollernstraße und ist Teil der Ferienregion „Im Tal der Lauchert“.
Gammertingen besitzt eine historische Altstadt im sogenannten Oser („Unser“) mit Resten der Stadtmauer und des Stadtgrabens sowie im Altstadtkern bei der Stadtmühle die frühmittelalterliche „St. Michaels-Kapelle“. Besonders bedeutsam ist auch das „Stadtschloss“ der ehemaligen freireichsritterlichen Herren von Speth, das heutige Rathaus. Nach Plänen des Architekten Pierre Michel d’Ixnard ist es 1775 unmittelbar an der Lauchert erbaut worden.
Das ehemalige preußisch-hohenzollerische Oberamt in der Hohenzollernstraße wurde 2008 für rund eine Million Euro umfangreich renoviert. Das historische Gebäude wurde in den Jahren 1724/25 von dem Kaufmann und späteren Oberschultheiß Heinrich Clavell errichtet. Der Eisenwarenhändler und größte bürgerliche Grundbesitzer richtete hier die Wirtschaft Zum goldenen Adler ein. 1791 verkaufte er das Haus an Baron Marquard Carl Anton Speth, und von da an wurde es als Obervogteiamt der Speth’schen Herrschaft in Gammertingen genutzt. Nach der Übernahme durch das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen 1827 und durch den preußischen Staat 1851 diente es als Oberamtsgebäude. Nach der Aufhebung des Oberamtes Gammertingen im Jahr 1925 wechselte die Nutzung. So war hier von 1933 bis 1936 das Rathaus untergebracht, danach die Landfrauenschule, im Zweiten Weltkrieg wurde es als Reservelazarett und danach als Stabsquartier der französischen Besatzungstruppen genutzt und schließlich als Schulhaus für das Progymnasium und später für die Förderschule. Zum 1. Oktober 2008 bezog die Sozialstation Veringen-Gammertingen die beiden unteren Etagen. Das zweite Ober- und das Dachgeschoss beherbergen das städtische Museum im alten Oberamt.

Das Rathaus von Gammertingen befindet sich im ehemaligen Schloss der Freiherrn Speth von Zwiefalten. Es wurde 1775 an Stelle eines Schlosses aus dem 13. Jahrhundert in klassizistischem Stil von Pierre Michel d’Ixnard erbaut. Im Treppenhaus befindet sich das Andreas Brugger zugeschriebene Deckenfresko „Die Morgenröte“. Mehrere Räume sind noch im Zustand der Entstehungszeit. Auf der Terrasse zur Lauchert und an der Ostseite finden sich acht allegorische Sandsteinplastiken von Johann Georg Weckenmann. Der Fachwerkbau gegenüber, genannt „Schlössle“, wurde um 1550 erbaut und gehörte früher zum Schloss (Amtshaus). Zwischen beiden Gebäuden befand sich das untere Stadttor. Im historischen Schlosssaal finden das Jahr über Kammerkonzerte sowie weitere kulturelle Veranstaltungen („Jazz vor dem Schloss“) statt.




In Gammertingen gibt es die Alb-Lauchert-Schwimmhalle und die Freizeitanlage an der Lauchert mit Kneippanlage, Barfußlehrpfad, Liegewiese und Badestrand. In Bronnen befindet sich der Themenspielplatz „Mensch und Wasser“.
Als Unterzentrum im ländlichen Raum versorgt die Stadt eine Raumschaft von etwa 20.000 Einwohnern.
Im Jahr 2022 erzielte Gammertingen Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 2,77 Millionen Euro. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 350 % liegt die Stadt unter dem durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz Deutschlands. Dieser beträgt 407 % (Stand: 2023).
Das Unternehmen Reifen Göggel erwirtschaftet am Hauptsitz Gammertingen mit 160 Mitarbeitern und 100 Fahrzeugen einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro. Der 1982 durch Bruno Göggel gegründete Reifengroßhandel hat bis zu 1,2 Millionen Reifen (Stand 2010) am Lager.
Der Öffentlicher Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Stadt befindet sich in der Tarifwabe 439. Für die Stadt selbst gilt der Stadttarif 39.

Der Bahnhof Gammertingen liegt an der Bahnstrecke Engstingen–Sigmaringen, die Bahnstrecke Hechingen–Gammertingen zweigt hier ab. Die Stadt bildet den Betriebsmittelpunkt des Netzes der Hohenzollerischen Landesbahn.
In Gammertingen vereinigen sich die Bundesstraßen 32 (von Hechingen kommend über Sigmaringen – Ravensburg – Kempten) und 313 (Reutlingen – Sigmaringen – Bodensee).
Gammertingen liegt an der Deutschen Alleenstraße.
Gammertingen liegt am Hohenzollern-Radweg, einem Fernradweg, der vom Bodensee über die hohenzollerischen Städte Sigmaringen und Hechingen nach Weinstadt im Rems-Murr-Kreis führt. Dabei verläuft er vom Sigmaringer Ortsteil Jungnau über Veringenstadt und Hettingen nach Gammertingen und weiter über Neufra und Burladingen nach Hechingen.
Seit über 160 Jahren ist der Mariaberg e. V. (vor 2008 noch „Mariaberger Heime“) ein überregionales Zentrum für Dienstleistungen in der Jugend- und Behindertenhilfe sowie Träger vielfältiger Angebote im Gesundheits- und Bildungswesen. Rund 1300 Mitarbeiter erbringen für rund 2500 Menschen passende soziale, schulische, therapeutische und medizinische Hilfen. In 14 Betrieben und Werkstätten werden 120 junge Menschen schulisch und/oder beruflich ausgebildet.
Die Stadtbücherei Gammertingen wurde im Jahr 1988 gegründet. Der Bestand beträgt inzwischen gut 20.000 Medieneinheiten.
Gammertingen besitzt ein ländliches Schulzentrum mit zwei Grundschulen, einer Hauptschule mit Werkrealschule, einer Förderschule, einer Realschule und einem Gymnasium (GymGam). Außerdem gibt es zwei Kindergärten.
Im Teilort Mariaberg befinden sich eine Sonderschule für geistig Behinderte, ein integrativer Kindergarten, eine gewerbliche und hauswirtschaftliche Sonderberufschule sowie eine Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik.