

Die Guardia Civil (deutsch Bürgergarde) ist die nationale Gendarmerie Spaniens, mit mehr als 80.000 Angehörigen mit Sitz in Madrid. Sie nimmt sowohl militärische als auch zivile Funktionen wahr. Aufgrund ihrer doppelten Rolle untersteht die Guardia Civil sowohl der Befehlsgewalt des Innenministeriums (Ministerio del Interior) als auch des Verteidigungsministeriums (Ministerio de Defensa).
Am ehesten kann man die Guardia Civil mit der französischen Gendarmerie und den italienischen Carabinieri vergleichen. Andere Polizeien in Spanien sind das Cuerpo Nacional de Policía, Policía Local bzw. Guardia Urbana sowie eine eigene Polizei in den autonomen Regionen Katalonien (Mossos d’Esquadra), Navarra (Policía Foral) und Baskenland (Ertzaintza). Der Wahlspruch der Guardia Civil ist El honor es mi divisa – Meine Devise ist die Ehre.


Die Guardia Civil wurde im Jahr 1844 während der Herrschaft der Königin Isabella II. von Javier Girón, dem 2. Herzog von Ahumada und damaligen Militär-Generalinspekteur, in Ronda aufgestellt.
Nach der Gründung der GC im Mutterland wurden auch in den Generalkapitanaten Kuba, Puerto Rico und Philippinen Guardias Civiles als Kolonialpolizeien aufgestellt. Die Guardia Civil de Filipinas setzte sich im Gegensatz zu den beiden anderen Garden hauptsächlich aus Indigenen, in diesem Fall Tagalog, zusammen. Alle drei Garden wurden nach dem Verlust der drei Kolonien im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 aufgelöst.
Bei Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik 1931 wurde José Sanjurjo zum Generaldirektor der Guardia Civil ernannt. Der Militär im Ruf eines altgedienten Africanistas und spätere antirepublikanische Putschist unterstellte sich damit selbst der Republik. Er unternahm keinen Versuch, die Guardia Civil gegen die Zweite Republik zu mobilisieren.
Anfang 1936 verprügelten Beamte der Guardia Civil den Dichter Miguel Hernández, weil sie ihn für einen Landstreicher hielten. Der Vorfall weitete sich zum öffentlichen Skandal aus, in dem Literaten wie Pablo Neruda, Juan Ramón Jiménez, Ramón J. Sender und Federico García Lorca in einem Manifest für Hernández Stellung bezogen. Darin heißt es, die Guardia Civil unterscheide zwischen Herrensöhnchen (señoritos) und Menschen aus dem Volk.
Im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) beteiligte sich die Guardia Civil anhand von Suchlisten an der Repression gegen Zivilisten, die für ihre Unterstützung für die Zweite Republik bekannt waren oder die als „Rote“ galten und beging zahlreiche Morde. So beteiligten sich in der Kleinstadt Haro ganze 40 Mitglieder der Guardia Civil an einer Menschenjagd.
Nachdem Francisco Franco eine Diktatur errichtet hatte, schikanierten die Polizisten der Guardia Civil ihr missliebige Bauern, indem sie in deren Häuser eindrangen, diese durchwühlten und Sachen stahlen, entweder weil sie an diesen Gefallen fanden, oder weil sie die Bauern schädigen wollten, während die bestohlenen Bauern auf dem Feld arbeiteten.
In der Franco-Diktatur verhängte die Guardia Civil willkürlich hohe Geldstrafen gegen Bauern, deren Vertreibung sie anstrebte. Durch die Geldstrafen wurden die Bauern in den Konkurs getrieben, mussten ihre Höfe oft weit unter Wert verkaufen und wegziehen. Andere Bauern gingen fluchtartig und ließen alles liegen und stehen.
Ein kleiner Teil der Guardia Civil beteiligte sich 1981 am Putschversuch von Antonio Tejero, dem „23 F“.
Im Jahr 2010 wurde bekannt, dass Angehörige der Guardia Civil bei Verhören baskischer Separatisten Gewalt angedroht und diese auch teilweise ausgeübt hatten. Amnesty International übte scharfe Kritik am Vorgehen der Guardia Civil.
Am 6. Februar 2014 beschoss die Guardia Civil 15 Menschen aus Subsahara-Afrika, die als Teil einer größeren Gruppe versucht hatten die Grenze bei Ceuta am Strand El Tarajal schwimmend zu überqueren, mit Gummigeschossen und Tränengas und brachte sie zum Ertrinken, wobei Polizisten von Booten aus mit Schlagstöcken auf sie einschlugen. Ein gegen 16 Polizeibeamte eröffnetes Ermittlungsverfahren wurde ohne Straffolge eingestellt. Betroffene und mit ihnen solidarische Organisationen sprechen von Straflosigkeit. Dieser als Tragödie von El Tarajal öffentlich diskutierte Fall wurde von den Überlebenden Ludovic N. und Brice O. vor den UN-Ausschuss gegen Folter gebracht.
Formal hat die Guardia Civil heute die Wahrung der Demokratie und der verfassungsmäßigen Ordnung sicherzustellen. Neben ihrer militärpolizeilichen Funktion hat sie folgende Aufgaben:

Spezial- und Untereinheiten

Verschiedene Spezialeinheiten gehören zur Guardia Civil:

Die Beamten der Guardia Civil sind Polizisten mit Stellung als Berufssoldaten.

Die Beamten der Guardia Civil gehören zu vier verschiedenen Laufbahnen mit mehreren verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten. Die Ausbildung der Offiziere findet in der Offiziersschule des Heeres, Academia General Militar del Ejército de Tierra (AGM), und in der Offiziersschule der Guardia Civil, Academia de Oficiales de la Guardia Civil de Aranjuez (AOG) statt. Die Unteroffiziere und Mannschaften werden bei der Fachhochschule der Guardia Civil, Academia de Suboficiales y Guardias de la Guardia Civil de Ubeda-Baeza (ASG), ausgebildet. Die Guardia Civil hat auch ihre eigene Berufsfachschule, das Colegio de Guardias Jóvenes (CGJ), mit Zutritt nur für Kinder von Beamten der Guardia Civil.
| Beamten der Guardia Civil | |||||
| Laufbahn | Bildungsvoraussetzung Zugangsvoraussetzung |
Ausbildung | Eingangsamt | Spitzenamt | |
|---|---|---|---|---|---|
| Escala Superior de Oficiales Direkteinstieg 80 % der Ausbildungsplätze | Reifezeugnis | AGM 2 Jahre AOG 3 Jahre | Teniente | Teniente General | |
| Escala Superior de Oficiales Internes werbung 20 % der Ausbildungsplätze | Beamte im Escala de Oficiales mit 2 Jahren Dienst | AOG 2 Jahre | |||
| Escala Facultativa Superior Direkteinstieg 25 % der Ausbildungsplätze | Masterabschluss | AGM/AOG 1 Jahre | |||
| Escala Facultativa Superior Internes werbung 75 % der Ausbildungsplätze | AOG 6 Monaten | ||||
| Escala de Oficiales | Reifezeugnis Beamte der Guardia Civil | AOG 1 Jahre | Alférez | Teniente Coronel | |
| Escala Faculativa Técnica Direkteinstieg 25 % der Ausbildungsplätze | Bachelorabschluss | AGM/AOG 1 Jahre | |||
| Escala Faculativa Técnica Internes werbung 75 % der Ausbildungsplätze | |||||
| Escala de Suboficiales | Reifezeugnis Beamte der Guardia Civil | ASG 1 Jahre | Sargento | Suboficial Mayor | |
| Escala de Cabos y Guardias 60 % Militäranwärter | Hauptschulabschluss 5 Jahren Dienst als Soldat | ASG 1 Jahre und 40 Wochen Vorbereitungsdienst | Guardia | Cabo Mayor | |
| Escala de Cabos y Guardias 20 % aus CGJ | CGJ | ||||
| Escala de Cabos y Guardias Direkteinstieg 20 % | Hauptschulabschluss | ||||
| Quelle: | |||||
| NATO-Code | OR-9 | OR-8 | OR-7 | OR-6 | OR-3 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
España |
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| Suboficial mayor |
Subteniente | Brigada | Sargento primero |
Sargento | Cabo mayor | Cabo primero |
Cabo | Guardia Civil nach 6 Dienstjahre |
Guardia Civil | |
| Erster Polizeihauptmeister |
Polizeihauptmeister | Polizeiobermeister | Polizeimeister | Erster Polizeihauptwachtmeister |
Polizeihauptwachtmeister | |||||

| Beamten der Guardia Civil 2023 | |
| Amtsbezeichnung | Iststärke |
|---|---|
| Teniente General | 4 |
| General de División | 15 |
| General de Brigada | 41 |
| Coronel | 199 |
| Teniente Colonel | 420 |
| Comandante | 653 |
| Capitán | 1.206 |
| Teniente | 1.541 |
| Alférez | 1 |
| Suboficial Mayor | 206 |
| Subteniente | 1.081 |
| Brigada | 1.352 |
| Sargento Primero | 2.488 |
| Sargento | 2.767 |
| Cabo Mayor | 171 |
| Cabo Primero | 7.468 |
| Cabo | 595 |
| Guardia | 65.210 |
| Quelle: | |
1982–93 bestand die Einheit Guardia Civil Auxiliar. Wehrpflichtige konnten in dieser Truppe einen Teil ihres Dienstes ableisten. Die wegen ihrer historisch engen Verbindung zum Franco-Regime unbeliebt gewordene Guardia Civil wollte zugleich Anwärter für ihren Dienst finden. Von den rund 22.000 Soldaten, die das Programm durchliefen, entschieden sich etwa 12.000 für eine Laufbahn.
Die Guardia Civil trägt grüne Uniformen. Die Polizeifahrzeuge der Guardia Civil sind grün und weiß und haben mit PGC (Parque Guardia Civil – Fuhrpark der Guardia Civil) beginnende Kennzeichen.
Die Beamten tragen zuweilen auch heute noch ihre auffälligen traditionellen Kopfbedeckungen, einen mit schwarzer Lackfolie überzogenen, vereinfachten Dreispitz (Tricornio), bestehend aus einer niedrigen, kegelstumpfförmigen Haube mit seitlich versteifter Krempe und nur noch einem trapezförmigen Hutaufschlag am Hinterkopf. In künstlerischen, dissidentischen und kriminellen Kreisen nannte man die Guardia Civil wegen der durch den eigenartigen Hut unverwechselbaren Silhouette der Beamten auch la mala sombra („der böse Schatten“).