Hans-Adolf Jacobsen

Hans-Adolf Jacobsen (* 16. November 1925 in Berlin; † 12. Dezember 2016 in Bonn) war ein deutscher Politikwissenschaftler und Historiker. Er war von 1969 bis 1991 Ordinarius am Seminar für Politische Wissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Leben

Hans-Adolf Jacobsen wurde 1925 als Sohn des lettischen Violinisten und Musikpädagogen Maxim Jacobsen und dessen Frau Margarete Jacobsen, geborene Vogelsang, in Berlin geboren. 1940 besuchte er die Deutsche Schule in Brüssel, bis er – überrascht vom Westfeldzug – nach Deutschland zurückkehrte und 1943 Soldat wurde. Mit neunzehn Jahren geriet Leutnant Jacobsen in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Während der fünfjährigen Gefangenschaft erlernte er die russische Sprache und entwickelte Sympathie für die russische Bevölkerung. Hier entstand auch sein Interesse für die Innen- und Außenpolitik der Sowjetunion. Nach der Entlassung absolvierte Jacobsen das Abitur, um danach an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Georg-August-Universität Göttingen Geschichtswissenschaft, Slawistik und Volkswirtschaftslehre zu studieren. 1954 publizierte er erste militärgeschichtliche Aufsätze. 1955 wurde Jacobsen bei Percy Ernst Schramm mit der Dissertation Die deutschen militärischen Planungen zum Einfall in Holland, Belgien und Luxemburg am 10. Mai 1940 zum Dr. phil. promoviert.

Von 1956 bis 1961 war er Dozent an der Schule der Bundeswehr für Innere Führung in Koblenz, von 1961 bis 1963 Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik Bonn, dem er ab 1973 wieder als Direktoriumsmitglied angehörte. Er edierte von 1962 bis 1964 das Kriegstagebuch des Generalobersts Franz Halder, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. 1966 habilitierte er sich bei Karl Dietrich Bracher an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er seit 1964 als Dozent tätig war. Ab dem 1. April 1969 war er dort ordentlicher Professor für Politikwissenschaft, Zeitgeschichte und Internationale Beziehungen sowie Direktor des Seminars für Politische Wissenschaft. Zu seinen akademischen Schülern gehörten Dieter Bingen, Hıdır Eren Çelik, Gernot Graeßner, Christian Hacke, Peter Hünseler, Volker Kronenberg, Gerd Langguth, Birgit Meyer, Reinhard Meyers, Wolfgang Pfeiler, Hans-Gert Pöttering, Angelika Volle, Werner Weidenfeld und Helmut Zander.

Er war Gastprofessor der California State University (1977), der National Defense Academy of Japan (1978), der Columbia University (1982) und der San José State University (1986). Jacobsen war in den siebziger Jahren ein Pionier des fachwissenschaftlichen Dialogs zwischen deutschen und polnischen Historikern. Vom 10. bis 22. September 1977 leitete er ein Colloquium eines Seminars in der UdSSR, dabei hielten sich deutsche Studenten in Moskau und Leningrad auf. 1981 wurde Jacobsen Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung. Im Februar 1986 wurde er mit Hans-Helmuth Knütter und Hans-Peter Schwarz Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für politische Bildung. Nach der Wende von 1989 verstärkte Jacobsen seine Verständigungsbemühungen mit den polnischen Nachbarn und war bis Ende 2002 Präsident der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau. Er war Mitglied im Deutschen Polen-Institut.

Von 1973 bis 1989 war Jacobsen Sprecher des Beirats für Innere Führung beim Bundesminister der Verteidigung, ab 1976 Mitglied des Direktoriums des Ostkollegs in Köln. Von 1980 bis 1983 war er Vorsitzender des Kuratorariums der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung, von 1990 bis 1991 leitete er die durch das Bundesministerium der Verteidigung eingesetzte „Unabhängige Kommission für die künftigen Aufgaben der Bundeswehr“ (Jacobsen-Kommission).

Hans-Adolf Jacobsen war evangelisch, seit 1952 mit Dorothea Jacobson, geborene Kaltheuner. verheiratet, lebte in Bonn-Buschdorf und hatte die sechs Kinder Margarete, Sabine, Christiane, Hans, Eva und Martin.

Wissenschaftliche Arbeit

Jacobsen spezialisierte sich anfangs auf den Zweiten Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. So publizierte er von 1956 bis 1978 zahlreiche Studien und Dokumente zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Viele seiner Werke beschäftigen sich mit außenpolitischen Themen des Zweiten Weltkriegs. Ebenso edierte er mehrere Kriegstagebücher. Später spezialisierte er sich auf eine Teildisziplin der Politikwissenschaft, die Internationalen Beziehungen.

Ehrungen

Schriften (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaften

  • Band 1: Die Blitzkriege 1939/1940.
  • Band 2: Krieg gegen Grossbritannien 1940/1941.
  • Band 3: Unternehmen Barbarossa 1941.
  • Band 4: Die Ausweitung zum Weltkrieg 1941/1942.
  • Band 5: Kriegswende 1942/1943.
  • Band 6: Sturm auf die Festung Europa. 1943.
  • Band 7: Krieg an allen Fronten 1943/1944.
  • Band 8: Die Invasion 1944.
  • Band 9: Die Eroberung Deutschlands 1945.
  • Band 10: Das Ende des Zweiten Weltkrieges.
  • Band 1: Lebensweg 1869–1946 und ausgewählte Texte zur Geopolitik;
  • Band 2: Ausgewählter Schriftwechsel.

Film

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Traueranzeigen von Hans-Adolf Jacobsen | ga.trauer.de. Archiviert vom Original am 8. August 2025; abgerufen am 27. September 2025 (deutsch).
  2. ↑ Zum Tod des Politologen Hans-Adolf Jacobsen. 14. Dezember 2016, abgerufen am 27. September 2025 (Bezahlschranke).
  3. ↑ Siehe Ulrike Quadbeck: Karl Dietrich Bracher und die Anfänge der Bonner Politikwissenschaft (= Nomos-Universitätsschriften, Geschichte, Band 19). Nomos Verlag, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-8329-3740-9, S. 375 ff.
  4. ↑ Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 159, 25. August 1973.
Personendaten
NAME Jacobsen, Hans-Adolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politikwissenschaftler und Historiker
GEBURTSDATUM 16. November 1925
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 12. Dezember 2016
STERBEORT Bonn