Hasperde

Hasperde
Koordinaten: 52° 9′ N, 9° 27′ OKoordinaten: 52° 8′ 34″ N, 9° 27′ 26″ O
Höhe: 88 m
Einwohner: 259 (30. Juni 2022)
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 31848
Vorwahl: 05151
Hasperde (Niedersachsen)
Hasperde (Niedersachsen)
Lage von Hasperde in Niedersachsen

Hasperde ist ein kleines Dorf im Weserbergland, gehört zum Landkreis Hameln-Pyrmont und ist der südlichste Ortsteil von Bad Münder am Deister.

Geografie

Hasperde liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln zwischen der Kernstadt von Bad Münder und Hameln. Im Nordosten liegt das Naturschutzgebiet Saupark Springe. Im Norden liegt der Deister, im Westen der Süntel und im Südwesten das Naturschutzgebiet Schweineberg. Der Ort teilt sich in zwei Siedlungen auf, eine direkt an der Bundesstraße 217 und die größere etwa einen Kilometer von der Bundesstraße entfernt in Richtung Coppenbrügge. Durch Hasperde fließt die Hamel, welche in Hamelspringe am Süntel entspringt und in Hameln als rechtsseitiger Nebenfluss in die Weser mündet.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Hasperde als „Harsevorde“ („Hirschfurt“) datiert im Jahr 1415, als die Edelherren von Lenthe, ein Landadelsgeschlecht aus der Grafschaft Wunstorf die Güter Flegessen und Hasperde an die Herren von Eddingerode, einer vermutlich aus der Siedlung Eddingerode (Wüstung) auf dem Kronsberg am südöstlichen Stadtrand von Hannover stammenden Adelsfamilie, verkauften.

Hasperde gehörte zum Archiadiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.

Hasperde lag während des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Gogerichtsbezirk und Untergau Goe auf der Hamel des altsächsisch-engernschen Tilithigaus im Stammesherzogtum Sachsen. Der Ort gehörte kirchlich zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden im historischen, um 800 vom römisch-deutschen Kaiser Karl der Große gegründeten und 1821 endgültig aufgehobenen Bistum Minden.

1663 verkaufte Philipp Ernst von Eddingerode Hasperde an Georg Christoph von Hammerstein. Die Freiherren von Hammerstein sind ein ursprünglich aus dem Rheinland stammendes Adelsgeschlecht, 1675 verkaufte Georg Christoph von Hammerstein Hasperde an Bodo Wilhelm Freiherr von Kipe, dessen Vater Justus Kipe aus Hameln 1638 geadelt worden war. Der Freiherr und spätere General der Infanterie Adolf Christian von Hake auf Diedersen aus dem altsächsischen Uradelsgeschlecht Hake heiratete 1775 Amalie Ernestine von Kipe (1748–1825), tauschte die Aussteuer seiner Frau, das Gut Imbshausen, gegen das Rittergut Hasperde und kam so in dessen Besitz. Das Gut Hasperde gehört in der Erbfolge der Freiherren von Hake heute der Grafenfamilie Adelmann von Adelmannsfelden aus einem schwäbischen Uradelsgeschlecht.

Nachdem der letzte Besitz der Reichsgrafen von Hallermund um Springe 1411 durch Verkauf an das welfische Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gefallen war, gehörte Hasperde von 1415 bis 1885 zum Amt Springe, mit Ausnahme der Zeit von 1537 bis 1586, in der der Ort zur Großvogtei Calenberg gehörte. Das Amt Springe gehörte im 15. und 16. Jahrhundert zum Fürstentum Calenberg, das aus dem welfischen Herzogtum Braunschweig-Lüneburg entstanden war. 1692 gehörte Hasperde zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, 1814 zum Königreich Hannover und 1866 zur preußischen Provinz Hannover. Hasperde kam am 1. April 1885 zum Kreis Springe.

Die Gemeinde Hasperde wurde durch die Gebietsreform am 1. Januar 1973 als einer von 16 Ortsteilen in die Stadt Bad Münder eingemeindet. Am 1. März 1974 kam die Stadt Bad Münder am Deister und damit auch deren südlichster Ortsteil Hasperde aus dem aufgelösten Landkreis Springe in den Landkreis Hameln-Pyrmont.

Demografie

Bei den letzten Volkszählungen vor der Eingemeindung hatte Hasperde 268 (6. Juni 1961) bzw. 212 Einwohner (27. Mai 1970).

Entwicklung der Einwohnerzahl
Jahr 1961 1970 2022
Einwohnerzahl 268 212 259

Politik

Ortsbürgermeister ist Cordt-Hinrich Piephoh (CDU).

Hasperde hat einen gemeinsamen Ortsrat mit den Nachbarorten Flegessen und Klein Süntel. Die Dorfgemeinschaft der drei Dörfer wird durch 5 (von 53) Ratsherren und -frauen im Rat der Stadt Bad Münder vertreten.

Nach der Kommunalwahl vom 13. September 2026 sind die Ortsbürgermeister bisher noch nicht gewählt. Dies geschieht erst noch durch die neu gewählten Ortsratsmitglieder.

Ergebnisse der Ortsratswahlen 2016, 2021 und 2022 für den Bad Münderschen Stadtteil Hasperde
Partei Wahl 2016 Wahl 2021 Wahl 2026
SPD 38,55 % 25,45 % 30,89 %
CDU 16,03 % 32,82 % 28,80 %
Die Grünen 10,31 % 20,98 % 12,57 %
Die Bürgerliste Fle-Ha-KS - 20,75 % 27,75 %
FDP 8,40 % - -
Die Unabhängigen 3,05 % - -
Die Linke 1,15 % - -
AfD 11,83 % - -
Die Partei 3,44 % - -
Piraten 5,73 % - -
UFB Hameln-Pyrmont 1,53 % - -

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Renaissanceschloss Hasperde

Wirtschaft und Infrastruktur

2013 wurde die von Bürgern aus Flegessen, Hasperde und Klein Süntel gegründete „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ beim Bundeswettbewerb „Neue Nachbarschaft“ von der „Montag Stiftung Urbane Räume“ für die „vielen engagierten, kreativen Projekte“ als ein „Beispiel für mehr Lebensfreude auf dem Land statt Landflucht“ ausgezeichnet. Ebenso gewann die Gemeinschaft der drei Dörfer 2013 den „Deutschen Bürgerpreis“ der Sparkassenstiftung Weserbergland und gehörte 2015 zu den Preisträgern des Wettbewerbs „Kerniges Dorf“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Flegessen ist das Kirch- und Schuldorf für Hasperde und Klein-Süntel. Die ev.-luth. St. Petri-Kirchengemeinde umfasst die Dörfergemeinschaft Flegessen-Hasperde-Klein Süntel. In Flegessen gibt es einen Integrativen Kindergarten, der bis zu 38 Kinder betreut. Flegessen hat eine Verlässliche Grundschule für die Münderaner Ortsteile Brullsen, Flegessen, Hachmühlen, Hasperde und Klein Süntel mit bis zu 90 Schülern. Seit dem Schuljahr 2015/2016 ist sie eine offene Ganztagsschule.

Direkt an der B217 entsteht in der Gemeinde Hasperde das kreiseigene Gewerbe- und Industriegebiet „Rascher Ort“.

Vereine

Persönlichkeiten

Commons: Hasperde – Sammlung von Bildern

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Nahverkehrsplan 2023–2027 / ANLAGE 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. (PDF; 406 kB) Landkreis Hameln-Pyrmont, S. 1, abgerufen am 7. November 2024.
  2. ↑ Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen.
  3. ↑ Siehe Eddingerode.
  4. ↑ Schloss Hasperde. Rotary Club Springe Projekt e. V., abgerufen am 1. Dezember 2025.
  5. ↑ Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2025, ISBN 978-3-95954-174-9, S. 43.
  6. ↑ Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen. Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe 2002, S. 18–22.
  7. ↑ Nach G. von Rodde: Familiengeschichtliche Blätter, Zeitschrift zur Förderung der Familiengeschichtsforschung für Adel und Bürgerstand, III. Band, 1908–1909, S. 41 stammte das Adelsgeschlecht von Ellingerode vermutlich aus Göttingen.
  8. ↑ Das Gut Imbshausen liegt ca. 6,5 km nordnordöstlich von Northeim im Ort Imbshausen, der heute ein Stadtteil von Northeim ist.
  9. ↑ Hermann Weber: Chronik Bad Münder am Deister 1945–1985. Hrsg.: Hermann Weber. Eigenverlag, Bad Münder am Deister 1989.
  10. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 202.
  11. ↑ Landkreis Hameln-Pyrmont: Nahverkehrsplan 2023–2027 / Anlage 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. (PDF; 406 KB), S. 1, abgerufen am 7. November 2024.
  12. ↑ Ortsrat Hasperde-Flegessen-Klein Süntel in Gremien, Ratsinfo Bad Münder, abgerufen am 8. Mai 2025.
  13. ↑ Ergebnisse der Ortsratswahlen 2016, 2021 und 2026 für den Bad Münderschen Stadtteil Hasperde nach dem Votemanager, abgerufen am 23. September 2026.
  14. ↑ Auskünfte des Historikers Bernhard Gelderblom und der Leitung der Pflegeresidenz im Schloss Hasperde.
  15. ↑ Maria Kapp: Die katholischen Kirchen in Stadtoldendorf und Bodenwerder. In: Jahrbuch für den Landkreis Holzminden. Band 31, 2013. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2012, ISBN 978-3-940751-58-4, S. 104.
  16. ↑ Beschreibung der Preisträger des Bundeswettbewerbs „Neue Nachbarschaft“ (Memento vom 12. März 2014 im Internet Archive)
  17. ↑ Karin Billanitsch: Finanzspritze für kreative Dörfer bei demo-online.de vom 18. Mai 2017.
  18. ↑ DRK Ortsverband Flegessen/Hasperde/Klein Süntel. Abgerufen am 18. November 2025.
  19. ↑ FC Flegessen/Hasperde von 1919 e. V. Abgerufen am 18. November 2025.
  20. ↑ Bürgerverein „Alte Wache Hasperde e. V.“ Abgerufen am 18. November 2025.
  21. ↑ Ralph Keim: Benjamin und Wolfgang Völz – Eine Biografie. SWB Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 3-938719-42-7.
  22. ↑ Marcelli Janecki, Deutsche Adelsgenossenschaft (Hrsg.): Adolf Christian von Hake. Erster Band. W. T. Bruer’s Verlag, Berlin 1896, S. 788–789.
  23. ↑ Daten auf dem Grabmal von Adolf von Wangenheim in Sonneborn.
  24. ↑ Heinrich Best: Biografie von Otto Freiherr Hake. In: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich).