Tilithigau

Tilithigau
Ostfalen um das Jahr 1000
Tilithigau
Ostfalen um das Jahr 1000
Die ungefähre Lage des Tilithigaus in der Provinz Engern (nicht in der Provinz Ostfalen!)
Pagus Thiliti in der Gaukarte „TABULA ANGARIAE IN DIOECESI PATERBORNENSI“ des Christian Ulrich Grupen, 1740
Der Tilithigau und die umgebenden Gaue im Stammesherzogtum Sachsen um 1000

Der Tilithigau (auch Gau Tilithi) war eine sächsische Gaugrafschaft und ein Teil der sächsischen Provinz Engern im Stammesherzogtum Sachsen.

Der in der Zeit der fränkischen Okkupation Sachsens bereits sehr viel ältere altsächsische Tilithigau (pagus, im Sinne von Siedlungsraum) wurde in seinen Grenzen unter Karl dem Großen im 8. Jahrhundert in das fränkische Grafschaftssystem eingegliedert. Man spricht vom Tilithigau als Raumeinheit vor allem in der Zeitstellung vom 8. bis 13. Jahrhundert.

Gegen Ende des Hochmittelalters geriet der Name des sächsischen Teilstamms der Engern in Vergessenheit und blieb ein Namensrelikt in fürstlichen Titulaturen.

Name

Das Wort „Tilithi“ stammt aus einer Zeitstellung vor der fränkischen Okkupation Sachsens, von niederdeutsch „telgen“: „Zweig“, „Buschwerk“, „Niederwald“. Neben „Tilithi“ (u. a. 954, 1004 und 1025) und „Thilithi“ (1024) wurden als Namen benutzt:

Ortsnamenforscher wie Jürgen Udolph (* 1943) führen den Namen „Tilithi“ auf vorgermanische oder germanische Flur- und Gewässernamen zurück.

Geografische Lage

Der sächsische Teilstamm der Engern siedelte in der Zeit seiner größten räumlichen Ausdehnung um 1000 n. Chr. zwischen Meldorf und dem größten Teil des heutigen Schleswig-Holstein und Nordhessen sowie beiderseits der Weser zwischen der Ems und Hannover. Der Name dieses altsächsischen Teilstamms wurde nur in wenigen ausschließlich fränkischen Staatsurkunden dokumentiert:

Westlich der Engern, die möglicherweise u. a. aus dem germanischen Stamm der Angrivarier (der bei Tacitus und Ptolemäus in den ersten Jahrhunderten n. Chr. etwa an der Mittelweser verortet wurde), hervorgegangen sind, siedelten die altsächsischen Westfalen, östlich von ihnen die altsächsischen Ostfalen.

Der Tilithigau war ein altsächsischer Gau im Teilstammesgebiet der Engern. Er lag im heutigen Niedersachsen, im Raum Leine/Oberweser-Schauenburg zwischen Polle, dem nordöstlichen Stadtgebiet von Pyrmont (Bad Pyrmont), Aerzen, Coppenbrügge, Lauenstein (Salzhemmendorf), Lauenau, Münder (Bad Münder), Hessisch Oldendorf und Hameln, beiderseits der Weser und zwischen dem Dorf Sonneborn im lippischen Raum im Westen und dem Ith im Osten. Der Tilithigau erstreckte sich somit im Wesentlichen über den heutigen Landkreis Hameln-Pyrmont und den nördlichen Teil des heutigen Landkreises Holzminden und lag an der westlichen Grenze des Teilstammesgebiets der altsächsischen Ostfalen. Benachbart waren der Huettagau im Südwesten, der Osterburg-Gau (Gau Osterpurge) im Westen, der Bucki-Gau im Nordwesten, der Marstem-Gau im Nordosten, der Gau Zigilde (die östliche Hälfte der Grafschaft Spiegelberg), der Gudingau bzw. Guotinga-Gau im Osten und der Augau und Suilbergau im Süden. Um 980 bestand bei Homburg (Stadtoldendorf) der Gau Wikanafeld als Untergau des Gudingaus, der dem Bistum Hildesheim zugeordnet war, während der Tilithigau dem Bistum Minden zugeordnet war. Laut Ludolf Fiesel lag der vorkarolingische Marstemgau am Oberlauf der Hamel und der Aue zwischen Bad Münder und Bad Nenndorf, ein Gebiet, das um 1300 jedoch zum Untergau „Goe auf der Hamel“ des Tilithigaus gehörte.

Es gibt in der Literatur einen konkreten Hinweis des Historikers Dietrich August Adolf von Wersebe darauf, dass das Kerngebiet der Stadt Pyrmont je zur Hälfte zum Tilithigau und zum Huettagau sowie je zur Hälfte zum Bistum Paderborn und zum Bistum Minden zählte. Die Gaugrenze zwischen dem Tilithigau und dem Huettagau verlief demnach entlang der Emmer mitten durch die Kernstadt von Pyrmont. Das Gebiet im Norden und Osten gehörte zum Tilithigau, das Gebiet im Süden und Westen zum Huettagau. Deshalb wird Pyrmont hier als (späterer) Adelssitz aufgeführt. Allerdings waren die Gaugrenzen seit dem Frühmittelalter fließend. Das Dorf Sonneborn lag noch im Tilithigau sowie im Archidiakonat Ohsen. Deshalb werden die Adelssitze, Gogerichtsstätten, Ortschaften und Wüstungen beiderseits der Emmer und östlich und nördlich des Gebiets von Pyrmont hier aufgeführt. Dagegen gehörten Lügde und die Goe Lügde wohl sicher zum Huettagau und zum Bistum Paderborn.

Das Gebiet mit den Ortschaften und verschwundenen Dörfern östlich des Ith gehörte im Hochmittelalter zum Gudingau in der sächsischen Provinz Ostfalen. Kirchlich lag es im Archidiakonat Wallensen des Bistums Hildesheim.

Die sich im Verlauf des Mittelalters verändernden Grafschaftsgrenzen, die oft zersplitterten Herrschaftsgebiete der Grafen und des niederen Adels, die veränderten weltlichen und geistlichen Herrschaftsgebiete veränderten auch die regionalen Zuschnitte der frühmittelalterlichen Gaue und Gogerichtsbezirke. Bereits im Frühmittelalter lagen viele Grafschaften im Oberweserraum in mehreren Gauen, bzw. nur in Teilgebieten eines oder mehrerer Gaue, und die Herrschaftsgebiete der Adelsdynastien zersplitterten zunehmend, lagen zum Teil räumlich weit auseinander und boten selten das Bild einer räumlichen Geschlossenheit.

Das kirchliche Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, „bannus seu districtus vel Decanatus in Wesen“ (mit „Wesen“ ist der mittelalterliche und frühneuzeitliche Ort Osen/Ohsen, das heutige Kirchohsen gemeint), das sich im 11. Jahrhundert zum größten Unterbezirk des Bistums Minden entwickelte, war mit dem altsächsischen Tilithigau räumlich weitgehend deckungsgleich. Von der vermuteten Urkirche des Tilithigaues in Osen ging in der fränkischen Okkupationszeit mutmaßlich die Missionierung der Einwohner des Tilithigaus aus.

Siedlungen im Tilithigau

Nachdem es im 3. Jahrhundert in Mitteleuropa eine deutliche Klimaverschlechterung gab, waren weite Teile der späteren Saxonia vom frühen 6. Jahrhundert bis Mitte des 7. Jahrhunderts überwiegend entvölkert. Im 8. Jahrhundert erfolgte ein Bevölkerungsanstieg, so dass Wälder für Neuansiedlungen gerodet wurden. Ab dem 12. Jahrhundert gab es ein starkes Bevölkerungswachstum. Nach der Siedlungsforschung entstanden in einer ersten Siedlungsperiode von 500 bis 800 aus bäuerlichen Siedlungen Ortschaften mit der Namensendung „-dorf“ (wie Halvestorf) und „-hausen“ (wie Holthusen/Holtensen, erstmals 1237 urkundlich erwähnt). Das alte, wohl vor 800 gegründete Dorf Egestorf am Süntel lag z. B. genau auf der Grenze zwischen dem Bukkigau im Norden und dem Tilithigau im Süden; der Dorfbach bildete hier die Gaugrenze.

In einer zweiten Siedlungsperiode im 9. Jahrhundert entstanden Ortschaften mit der Namensendung „-ere“ (wie Othere/Ohr), „-ingen“ (wie Hemeringen) und „-heim“ (wie Lachem). Dabei soll Großenwieden, das direkt an der Weser liegt, ebenfalls eines der ältesten Dörfer im Weserraum, bzw. im Tilithigau gewesen sein; es wurde angeblich bereits im Jahr 825 urkundlich als „Widum“ erwähnt. Aber diese Information stellte sich, wie bei vielen mittelalterlichen, oftmals sehr viel später angefertigten Urkunden und Urkundenkopien, als eine Falschmeldung heraus. Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes Großenwieden stammt aus dem Jahr 1013.

Ab dem 11. Jahrhundert entstanden Rodungs-, Hagen- und Hägerdörfer mit der Namensendung „-hagen“ und „-rode“ und mit noch anderen Namensendungen. Im Hochmittelalter bestand im Tilithigau eine hohe, bis heute nie wieder erreichte Besiedlungsdichte. Die Dörfer und Bauerschaften waren in dieser Zeitstellung klein, lagen aber oft nur einen bis 1,5 Kilometer voneinander entfernt.

In den Königs- und Kaiserurkunden sind 17 Siedlungen im Zusammenhang mit dem Tilithigau erwähnt: Bödexen/Bödesen, Barigi/Börrie (Börry), Daspe, Dassel, Dodonhusen (Dohnsen), Eilensen/Ellensen, Fischbeck, Haion/Hegen (Hajen oder Heyen), Heinsen, Keminetan (Kemnade), Lüerdissen, Markoldendorf, Oldendorf, Othere (Ohr), Relliehausen, Schieder, Tundinum (Tündern) und Wenzen, während Gotthard Wagner die beiden Siedlungen Bödexen und Heinsen zum Paderborner Herrschaftsgebiet zählt (vielleicht sind aber auch unterschiedliche Ortschaften mit gleichem Namen gemeint).

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nennt 36 weitere Orte im Tilithigau: Ameleshusen/Amelgateshusen (Amelgatzen), Bedingtorp, Benneshusen (Bensen), Biaranhusen (Behrensen), Bittikahusen (Bessinghausen), Bredenbeke (Bremke), Cripan (Kreipke), Drespen (Daspe), Floscereshusen/Vledekessen (Flegessen südlich von Bad Münder), Franki (Frenke), Gellishusen (Gellersen), Graflingehusen (wird für Grave gehalten), Haddeshusen (Haddessen), Hallu (Halle), Hasperde, Heianhusen (Hohnsen), Heli/Heloon (Hehlen), Hilligesulde/Hilligesfelde (Groß Hilligsfeld und Klein Hilligsfeld), Hiriswitherothe (Harderode), Hochhameln (Hachmühlen), Holthusen (Holtensen bei Hameln), Homareshusen (a. Hommeren/Hemereu/Hemeringen oder b. Hämelschenburg?), Lofurdi (Latferde), Luidinghusen, Munnere/Munder (Bad Münder), Nettelrede, Osen (mutmaßlich fränkisches Königsgut mit mutmaßlich karolingischer Burg, die heutigen Dörfer Kirchohsen, Hagenohsen und Emmern), Osthoven (unbekannt), Perderestorpe (Pegestorf), Polle, Telmeri (Dölme), Tiadanhusen (Teinsen bei Bad Münder), Uualkiun (vielleicht Waaltzen?), Uuange, Valebroch (Vahlbruch) und Vuigbaldeshusen (Wickbolsen).

Ludolf Fiesel nennt noch sechs weitere Orte im Tilithigau: Aerzen, Folcgeresbrache (Kirchbrak), Unenhusen (Unsen), Meinsen, Swalanhusen (Salzhemmendorf), Othdereshusen (Öhrsen).

Dabei bleiben die o. g. Ortslisten noch sehr unvollständig, denn selbst früh gegründete Orte im Tilithigau, wie z. B. Krückeberg (bei Hessisch Oldendorf, mit einem der ältesten schaumburgischen Burgmannshöfe) oder Diedersen werden in den Königsurkunden und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nicht genannt. Die Geschichtsforschung stellte auch eine Unvollständigkeit in Bezug auf die Gaubezeichnungen fest, denn die Orte liegen z. T. in dem südlich benachbarten Augau und Suilbergau und vielleicht auch im südwestlich benachbarten Huettagau.

Ludolf Fiesel (* 1888, † 1979) deutet beispielsweise die Anfänge von Hilligsfeld in den Hamelauen als fränkische Siedlung im altsächsischen Gebiet: „Westlich und östlich sind die Orte Wengen (Wangelist), Uisbeccae (Fischbeck) und Hilligesfelde (Hilligsfeld) zum Schutz des Weserüberganges Hamelon (Hameln) vorgelagert. […] Das GW (Grundwort) -feld ist, wie bei Hünfeld, als Bezeichnung einer karolingischen Funktionssiedlung anzusehen.“ Dagegen stellt die neuere Ortsnamenforschung fest, dass die fränkische Interpretation von Ludolf Fiesel mehrfach fehlerhaft sei, dass die Dörfer im Raum um Hameln (also auch Wengen und Uisbeccae) ausnahmslos altsächsische Siedlungen gewesen seien und dass die Ortsnamen alle altsächsischen Ursprungs seien. Jürgen Udolph schreibt u. a. zur Herkunft des Ortsnamens von Hilligsfeld: „Der Name von Hilligsfeld leitet sich vom germanischen/altsächsischen Namen Hilling oder Hilding (abgeleitet von hild = Kampf) ab; es bedeutet ‚Das Feld des Hilling/Hilding‘.“ Dabei handelte es sich wohl um einen Ort, für den kein Wald gerodet werden musste, weil er auf offenem Land an der Hamel lag. Ein Gründungsdatum von Hilligsfeld wird in den Traditiones Fuldenses des Klosters Fulda nicht genannt, und es gab in dieser Zeitstellung auch noch keine anderen Aufzeichnungen über Hilligesfelde. Nach Auffassung der neueren Ortsnamenforschung wurde Hilligsfeld viel früher als in der Zeitstellung der fränkischen Okkupation Sachsens im 9. Jahrhundert gegründet.

Hagen- und Hägersiedlungen und -dörfer im Tilithigau

Die Hagen- und Hägersiedlungen wurden von den Bischöfen von Minden, den Bischöfen von Hildesheim, sowie regionalen Grafenhäusern (von Schaumburg, von Spiegelberg u. a.) systematisch zum Zweck der Erschließung der Waldgebiete und der Erhöhung der Einnahmen der weltlichen und geistlichen Herrschaften oft ab dem 12. Jahrhundert im Tilithigau und angrenzenden Gebieten gegründet.

Die meisten der im Hoch- und Spätmittelalter im Tilithigau, vor allem in der Ithbörde und in der Grafschaft Schaumburg gegründeten Hagen- und Hägerdörfer und -siedlungen mit ihren jeweils speziellen Ackerfluren sind in der Zeitstellung vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit wüst geworden/verschwunden. Eine der wenigen Ausnahmen bildet das Dorf Buchhagen, das heute ein Ortsteil von Bodenwerder ist. Die durch die Bischöfe von Minden, die Bischöfe von Hildesheim, sowie die Grafen von Schaumburg und den Grafen von Spiegelberg zumeist aus Flandern für den Landesausbau angeworbenen Hägerbauern nahmen nicht an den Gogerichten teil. Vielmehr unterstanden sie einem speziellen Hägerrecht und hatten eigene Hägervögte und Hägergerichtsstätten, u. a. in Bisperode und in Bodenwerder. Den Hägerbauern, besonders aus den ersten Pionier-Generationen, wurden von den Bischöfen und Grafen, die sie anwarben, mehr Rechtsfreiheiten und Eigentumsrechte gewährt, als den Bauern aus den Altsiedlungsorten.

Wüstungen im Tilithigau

Im norddeutschen Mittelgebirgsraum zwischen Egge, Teutoburger Wald, Lippischem Hügelland, Weser- und Leinebergland (der Tilithigau lag in diesem Raum), Harz, Kassel-Fritzlarer Becken und dem Waldecker Bergland gab es im Mittelalter insgesamt etwa 1.200 bis 1.500 wüst gefallene (verschwundene) Ortschaften.

Besonders viele Wüstungen waren in der Oberweser-Region entstanden, in dem der Tilithigau lag, vor allem in der sogenannten Wüstungsperiode im Spätmittelalter von ca. 1320 bis 1450, aber ebenso in der Frühen Neuzeit. Das macht auch die folgende sehr lange Liste von Dorfwüstungen im Tilithigau deutlich. Nur von wenigen dieser Ortschaften sind das Gründungsjahr und das Jahr des Wüstwerdens bekannt. Hauptursachen für das Verschwinden der Dörfer im Tilithigau waren

Zum Teil zogen die überlebenden Bauern aus den aufgegebenen Siedlungen in größere Nachbardörfer und -städte um und bewirtschafteten ihr Land oder Teile ihres Landes von dort aus weiter. Oder sie wurden von Lokatoren, z. B. den Erzbischöfen von Magdeburg, den Grafen von Schaumburg und den Grafen von Spiegelberg, zum Zweck der Erschließung siedlungsarmer Räume, des Landesausbaus und der Ostkolonisation ab Mitte des 12. Jahrhunderts abgeworben.

Ein Beispiel zeigt die Entwicklung im Raum um (Hessisch) Oldendorf in der Frühen Neuzeit nach der Wüstwerdung einzelner Bauernhöfe und Dörfer im Umland von Oldendorf. Nachdem viele Bauern Schutz vor kriegerischen Auseinandersetzungen und anderen Notlagen in der von den Grafen von Schaumburg geschätzt um 1233 gegründeten Stadt Oldendorf und in größeren Dörfern suchten und ihre Höfe und auch ganze Dörfer wüst wurden, besaß das Adelsgeschlecht von Münchhausen, das in Oldendorf im Münchhausenhof (einem früheren schaumburgischen Burgmannshof) saß, weitreichende Zehntrechte und Ländereien im Oldendorfer Umland. Die daraus erwirtschafteten Erträge dienten direkt der Versorgung des städtischen Adelshofes in Oldendorf, der wiederum den Stadtbewohnern Schutz bot. Nur so wurde im Jahr 1583 der repräsentative Neubau des Münchhausenhofes im Stil der Weserrenaissance ermöglicht.

Im Tilithigau sind folgende 131 oder 132 Dorfwüstungen (einschließlich der wüst gefallenen hoch- und spätmittelalterlichen Hagen- und Hägersiedlungen) bekannt, ohne Anspruch auf Vollzähligkeit: Bü(h)ren, Wehle, Hakerstorp, Schillingsberg, Ützenburg und Wange/Wengen (Wangelist bei Hameln) (mutmaßlich ein fränkisches Königsgut mit 60 Morgen, 892 an Graf Ecbraht übertragen), Gröningen, Fürstenhoff und (Wedel-)Honrode nördlich von Hameln, Hillersbüttel zwischen Rohrsen und Hilligsfeld (es wird vermutet, dass die Siedlung 1396 von den „Mordbrennern des Statius von Mandelsloh“ zerstört wurde, 1499 war der Ort vollständig wüst), Harthen zwischen Hameln und Tündern, Uuange/Wenge zwischen Hameln und Helpensen, Struckhausen (östlich von Krückeberg), die frühmittelalterliche Wüstung auf dem Lindenbrink, Dahlhausen und Fliegenberg bei Hessisch Oldendorf, Bodenhusen (im Bereich des ehemaligen Dorfes Oldendorf und einer kleinen Burg in Hessisch Oldendorf), Ahe (direkt an der Weser bei Großenwieden, im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt, heute durch die Flurnamen Große Ahe und Kleine Ahe zu lokalisieren), Heddessen/Haddessem (zeitweilige Wüstung, heute Teil der Ortschaft Haddessen bei Fischbeck), Westerveld/Westerfeld (erwähnt im 14. Jahrhundert, nahe des heutigen Hessisch Oldendorf), Klein Afferde und Badersen an der Remte bei Afferde, Westerhastenbeck (eine wüst gefallene Nebensiedlung von Hastenbeck), Oydessen/Othdereshusen (heute Gut Öhrsen) bei Hilligsfeld, Venreder/Venrode/Venrodere bei Feggendorf im Flurstück Im olen Ore (Hägersiedlung, am alten Orte, 1150 erstmals erwähnt, heute durch einen Findling gekennzeichnet), Ippenstedt und Werbecke (nahe Nettelrede), Flegessen bei Lauenau (nicht zu verwechseln mit Flegessen südlich von Bad Münder), Alt-Rohden (gegründet um 800) bei Rohden, Wassinghausen/Wertsighusen (Waltershagen), eine Wüstung im tiefen Walterbachstal (nahe Messenkamp), eine mittelalterliche Siedlung bei Egestorf am Süntel (südlich von Eimbeckhausen, abgegangen noch vor Beginn der Neuzeit), Schönhagen (zwischen Antendorf und Pohle, oberhalb von Gut Nienfeld im Süntel), Bückeberg und Schlutter bei Eimbeckhausen, Weningrodere bei Bakede, Baddensen, Holtensen und Tuadanhusen/Teinsen/Theensen bei Bad Münder, Altenhagen I (ursprüngliche Hägersiedlung östlich von Bad Münder), Semunde/Sedemünder an der Deisterpforte, Hesdestorpe/Hakerstorp/Hakersterode (Hägersiedlung, heute ein Teil von Egestorf), Detmeringhausen am Walterberg bei Börry (1468 wüst), Dissihausen (1472 wüst, oberhalb von Wegensen, zwischen Heyen und Esperde, Amt Grohnde, Kirchspiel Börry), Lomeringhausen zwischen Esperde und Heyen, Rotthusen, Seddingen, Uppendorf, Wichagen und Wockensen bei Wegensen, Oleshusen bei Deilmissen?, Lauenburg bei Brockensen zwischen Esperde und Heyen (Amt Grohnde, Kirchspiel Börry), Nordohsen (im 14./15. Jahrhundert wüst gewordene Vorgängersiedlung von Hagenohsen), Frolevessen/Frohleifsen/Vrolevissen bei Hagenohsen, Schnes(s)el/Snelsle/Snesele/Sneyssle (1541 wüst, zwischen Ohsen und Grohnde, auf dem Gelände des ehemaligen AKW Grohnde), Stöcken/Stockhem/Stochem/Stochheim an der Emmer bei Hämelschenburg, Echelnbeck, Hattensen, Hüttenbusch, Mönkeborn und Thodenbrock bei Ottenstein, Dehrenberg, Grupenhagen, Laatzen, Multhöpen, Niederdehmke und Wulfen (alle im Raum Groß Berkel), Gelanthorp bei Rumbeck, Bruch, Duensen, Hermersen (8./9. Jahrhundert) und Rainerbeck bei Hämelschenburg, Werdehagen und Werdere bei Heinsen (diese beiden Wüstungen gehören evtl. in den Huettagau), Griessem, Hoppehude, Hunnighausen und Wülmsen. Königsförde (Teilwüstung, heutiger Ortsteil in Aerzen) und weitere Kleinsiedlungen am Lüningsberg und im Hummetal rund um Aerzen. Die Bewohner der Dörfer Bikahusun/Bexen bei Klein Berkel und Waalsen bei Groß Berkel zogen nach Groß Berkel um. Weitere Dorfwüstungen sind Lauenburg bei Brockensen und Heyen, Dadersen bei Diedersen, Hiltorf bei Bessingen, Altenhagen, Bavensen/Banenhusen, Itzhagen, Nienhagen, Polliwerden, Sidinghausen und Werdihausen bei Bisperode, Salmerode und Schwalenhusen bei Salzhemmendorf. Die Dörfer Hossingessen/Hössingen, Jerdessen und Remsen bei Salzhemmendorf wurden im Dreißigjährigen Krieg aufgegeben. Weitere Dorfwüstungen sind Walterberg zwischen Börry und Völkerhausen, Groinbeke (1350 im Eversteiner Lehnsregister erwähnt, nördlich von Hehlen), Koldenbeke bei Hehlen, Doevikenpoel bei Buchhagen, Reine, Brunshagen und Berebome/Berebaum (bei Rühle?), Burgripi, Wabeki und Wendtfelde. Dedekenhusen, Thiadageshus/Tedinghausen und Warnshausen bei Dassel, Ikenburg bei Coppenbrügge, Stieghagen im Ithknick nördlich von Lauenstein (1489 verlassen), Lecke und Spielburg bei Lauenstein, Riddagsen zwischen Lauenstein und Eggersen, Everdagessen und Goderdessen/Godessen zwischen Hemmendorf und Voldagsen, Suitbodeshusen bei Hemmendorf, Leeke bei Voldagsen, Fardebeck/Vardebeck zwischen Osterwald und Hemmendorf, Balmissen/Barnissen (im Dreißigjährigen Krieg zerstört, beim Bahnhof Osterwald), Bernrode westlich Heide/Osterwald, Godardessen (im 14. Jahrhundert abgebrannt, zwei Kilometer oberhalb von Vardebeck, evtl. ist hier auch die Wüstung Goderdessen gemeint, s. o.?), Marienwald zwischen Humboldtsee und Bruchsee bei Wallensen, Hakenrode und Altenhagen bei Wallensen, Eldingen zwischen Eggersen und Levedagsen, Wildenhagen (im 16. Jahrhundert wüst, zwischen Levedagsen und Thüste). Die Bauern der Wüstungen Steller/Stiller und Weiberg zogen nach Wallensen, das in der Frühen Neuzeit noch eine Kleinstadt war.

Grafen im Tilithigau

In vorkarolingischer Zeit bis zum Beginn des 8. Jahrhunderts gab es im norddeutschen Raum noch keine fest etablierten übergreifenden Herrschaften, sondern viele unabhängige regionale Kleinfürsten (Satrapen) und hochadlige Vertreter der sächsischen Führungsschicht, die europaweit vernetzt waren.

Nach der Unterwerfung der Altsachsen durch die karolingischen Franken im 9. Jahrhundert richteten die Franken unter Karl dem Großen in den alten sächsischen Gauen des neu geschaffenen Stammesherzogtums Sachsen Gaugrafschaften (nicht zu verwechseln mit Gografschaften!) ein und gründeten Bistümer, die im Hochmittelalter in den Gaugrafschaften wiederum Archidiakonate als Untergliederungen gründeten. Nach Ludolf Fiesel (1972) seien die ersten Adelssitze im Tilithigau nach der karolingischen Okkupation Altsachsens ausnahmslos von Adligen fränkischer und süddeutscher Herkunft und nicht von Sachsen gegründet worden. Später seien nach dieser älteren geschichtswissenschaftlichen These Grafen aus dem sächsischen Hochadel an die Herrschaft gekommen. Die neuere historische Forschung bestätigt dagegen im Wesentlichen den Befund der Lorscher Annalen (hier: Aufzeichnungen der Reichsversammlung von Lippspringe von 782), dass Karl der Große bei der Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung bereits zu einem großen Teil Grafen aus dem einheimischen sächsischen Hochadel (nobiles) einsetzte, die als frankenfreundliche Mitglieder der sächsischen Führungsschicht Vorteile in der Kollaboration mit den Franken sahen und auch den christlichen Glauben angenommen hatten. Sie kommt damit, anders als die ältere Geschichtsforschung zu einem differenzierteren Urteil über die Stammesverfassung der Altsachsen und sieht den Einsatz einheimischer sächsischer Adliger als politische Notwendigkeit bei Karl dem Großen, um lokale Loyalitäten zu sichern. Damit festigte sich aber auch langfristig die Macht des sächsischen Hochadels. Zudem hatten die Grafschaften schon in den Anfängen der fränkischen Grafschaftsverfassung keine klar begrenzten geschlossenen Territorien.

Daneben gründeten die Karolinger, sowie später die sächsischen Könige und Kaiser aus dem Adelsgeschlecht der Liudolfinger, auch Ottonen genannt, im Stammesherzogtum Sachsen Klöster, in denen nach der These der älteren Geschichtsforschung in der Gründungszeit ebenfalls Adlige fränkischer Herkunft die ersten Abte gestellt hätten. Diese sollten die Christianisierung der Sachsen vorantreiben. Grafen, Bischöfe und Klöster wurden vom Kaiser jeweils mit reichen Besitztümern belehnt, die sie an ihre Lehnsnehmer, den niederen Landadel, weiter verlehnen konnten. Die Bischöfe und Klöster trugen in der Karolingerzeit noch stärker als die Grafen zur Stabilisierung der fränkischen Oberherrschaft und der Landesentwicklung im Stammesherzogtum Sachsen bei, zumal es in dieser historischen Übergangsphase der Konsolidierung der fränkischen Herrschaft häufiger vorkam, dass sich die Grafen gegenseitig bekämpften oder auch von der altsächsischen Landbevölkerung und von frankenfeindlichen altsächsischen Adligen, die ihre alte Freiheit und Unabhängigkeit und ihre alten Rechte nicht aufgeben wollten, zum Teil mit dem Tod bedroht wurden.

Das einflussreiche fränkisch-altsächsische Adelsgeschlecht der Ekbertiner (auch Cobbonen genannt), das direkt nach den Sachsenkriegen zwischen 790 und 811 von Karl dem Großen mit umfangreichen Besitzungen im altsächsischen Raum belehnt wurde und das auch großen Eigenbesitz (Allode) in diesem Raum, primär im südlichen Westfalen zwischen dem Rhein, dem Münsterland und der Weser hatte, hatte im Frühmittelalter Verbindungen in die Region um Ohsen. Die Ekbertiner hatten ihre hauptsächliche Machtstellung im Tilithigau vom späten 8. Jahrhundert bis zum beginnenden 10. Jahrhundert. Historische Untersuchungen zu den Königspfalzen und Herrschaftsstrukturen verweisen darauf, dass die Ekbertiner auch die strategisch wichtigen Weserübergänge bei Ohsen und Hameln kontrollierten. Im Hochmittelalter erloschen die Ekbertiner als eigenständige Familie in der männlichen Linie und gingen in andere Grafenhäuser auf. Der Ekbertiner Graf Cobbo im Tilithigau (es gab mehrere Vertreter gleichen Namens aus dem Geschlecht der Ekbertiner) verstarb kinderlos. Der fränkische Graf Ekbert, der im Jahr 892 Fischbeck vom ostfränkischen König Arnolf von Kärnten urkundlich geschenkt erhielt, ist nicht der aus der Geschichtsforschung bekannte Graf Ekbert I. (* 756, † 811), welcher das Hochadelsgeschlecht der Ekbertiner begründete. Man kann vielmehr vermuten, dass es sich um einen seiner Urenkel („comiti nostro Ecbreht“) handelte. Die Hochadelsfamilie der Ekbertiner (bzw. Cobbonen), wandelte durch die ihr wohl zugehörige Edelfrau Helmburgis im Jahr 955 den mutmaßlichen fränkischen Königshof in Fischbeck in das Stift Fischbeck um. Graf Ekbert I. gilt nicht nur als Ahnherr des fränkisch-altsächsischen Hochadelsgeschlechts der Ekbertiner, sondern auch als einer der Vorfahren der altsächsisch-engerschen Billunger Herzöge, bzw. stand zumindest im Sippenzusammenhang mit ihnen. Auch der altsächsisch-westfälische Herzog Widukind zählte zu den Vorfahren der weit verzweigten Sippe der Billunger. Und Mittelalterforscher wie Karl Schmid gehen davon aus, dass es enge verwandtschaftliche und soziale Netzwerke zwischen den Ekbertinern und der Sippe des Sachsenherzogs Widukind gab, in dem Heiraten und politische Allianzen üblich waren. Forscher sehen insgesamt ein stark verflochtenes fränkisch-sächsisches Adelsnetzwerk im westfälischen Raum.

Die 'Billunger hatten Macht- und Grafschaftsrechte im Tilithigau von Mitte des 10. Jahrhunderts bis 1106. Sie waren vom späten 10. Jahrhundert bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm im Jahr 1106 Schutzvögte der Frauenstifte Fischbeck und Kemnade. Zwei Schwestern aus der Billunger-Familie, mutmaßlich Töchter des Billunger Grafen Wichmann des Älteren, die Gräfin Imma (* 10. Jh.; † nach 1017) und die Äbtissin Frederuna (* 10. Jh.; † 1025), sollen um das Jahr 960 unter der Herrschaft von Kaiser Otto I. dem Großen (* 23. November 912; † 7. Mai 973) unter Einbringung ihres gesamten Eigenbesitzes (Allode) das Frauenstift Kemnade gegründet haben. Sie werden in der Königsurkunde von Kaiser Heinrich II. (* 6. Mai 973; † 13. Juli 1024) vom 8. November 1004 genannt. Die Hypothese, dass sie aus der Billunger-Sippe und nicht aus einem anderen regionalen Adelsgeschlecht stammten, ist zwar plausibel, aber in der modernen Forschung stark umstritten. Das Stift Kemnade ist geringfügig jünger als das 955 gegründete Stift Fischbeck, während das 896 im westlich benachbarten Osterburgau gegründete Damenstift Möllenbeck 59 Jahre älter und das am 10. Februar 1167 gegründete Augustiner-Chorfrauenstift Obernkirchen im nordwestlich benachbarten Bukkigau 212 Jahre jünger als das Stift Fischbeck sind. Schließlich werden auch familiäre Verbindungen zwischen dem Adelsgeschlecht der Ekbertiner und dem Adelsgeschlecht der Liudolfinger angenommen. Da Otto I. der Große der Helmburg den Ort Fischbeck geschenkt hatte, gelangte der Ort auf diese Weise von einem Grafen Ekbert aus dem Adelsgeschlecht der Ekbertiner an die Ottonen und von diesen an die Stifterin Helmburg aus dem Adelsgeschlecht der Ekbertiner. Die genaue Herkunft der Stiftsgründerin Helmburg ist allerdings nicht bekannt.

Die billungische Vogtei in Fischbeck ergibt sich aus zwei Urkunden:

Die altsächsisch-engernschen Billunger hatten großen Eigenbesitz (Allode) und Lehngut

Im Bistum Minden verdichtete sich der billungische Besitz. Durch die Heirat von Wichmann dem Älteren (* um 900; † vermutlich 23. April 944) mit einer Schwester der Königin Mathilde aus der Nachfahrenschaft des Sachsenherzogs Widukind gelangten enorme Besitz- und Herrschaftstitel an die weit verzweigte Familie der Billunger. Sie besaßen die Schalksburg bei Porta Westfalica und die Bückeburg. Im Raum Hameln und Ohsen besaß die Familie bedeutende Eigengüter (Allode) und gräfliche Rechte.

Das nach dem Sturz des welfischen Herzogs Heinrich des Löwen in den Jahren 1179 bis 1181 im Weserraum entstandene Machtvakuum wussten die dort ansässigen Adelsgeschlechter für eine eigene Herrschaftsbildung zu nutzen. Im 11./12. Jahrhundert veränderten sich die Grenzen der karolingischen Comitate (Grafschaften). Das hochadlige Geschlecht der Billunger starb 1106 aus, und es traten neue Adelsgeschlechter im Tilithigau in Erscheinung.

Die Erblichkeit der an den Adel verliehenen Lehen geschah schrittweise. Ab dem 9. Jahrhundert wurden die Grafentitel langsam erblich; in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurden die an den Adel vergebenen Lehen im Raum des heutigen Deutschland durch die „Constitutio de feudis“ („Gesetz über die Lehen der Untervasallen“ von Kaiser Konrad II. (* 990; † 4. Juni 1039)) aus dem Jahr 1037 offiziell erblich. Anfangs waren die Lehen reine Mannlehen, d. h., sie konnten nur vom Vater auf den Sohn übergehen. Ab dem Spätmittelalter konnten auch Brüder, Enkel oder Neffen Lehen erben.

Ein Comitat bestand ursprünglich aus drei Goen (Gaugrafschaften), in denen sich jeweils eine Gogerichtsstätte befand. Von den Gogerichten aus konnte an das übergeordnete Grafengericht appelliert werden. Viele Gogerichtsbezirke zerfielen im Zeitverlauf in kleinere Gerichtsbezirke. Die Kirche erhielt einen Teil des Gaues zum Besitz; andere Comitate zerfielen, weil sie von den Adelsgeschlechtern in Teilen vererbt oder verkauft wurden. Daraus entstanden neue Grafschaften und Herrschaftsgebiete. Nach dem Wiedererstarken der sächsischen Herzogsmacht im 10. Jahrhundert zerspiltterte auch der Tilithigau in einzelne Grafschaftsgebiete, die oft über die früheren Gaugrenzen hinausreichten.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden die wiedererstarkten welfischen Landesherren, die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg, territorialer Oberherr aller Grafschaften im Tilithigau, mit Ausnahme der Grafschaft Schaumburg, die sich im Mittel- und Oberweserraum, vom Tilithigau aus betrachtet, über Teile des Tilithigaus, den Bukkigau im Nordwesten, Teile des Marstemgaus im Nordosten und den Osterburgau (Osterpurge) im Westen erstreckte. Die Grafschaft Schaumburg konnte in den folgenden Jahrhunderten weiter ihre Selbständigkeit bewahren.

Im Tilithigau befanden sich im Mittelalter Kernbesitztümer

Adelssitze im Tilithigau

Folgende 88 Adelssitze in alphabetischer Reihenfolge mit ihren jeweiligen Besitzern im Zeitverlauf gab es ab dem 8./9. Jahrhundert im Tilithigau, ohne Anspruch auf Vollzähligkeit:

  • Amalgateshusen/Amelgatzen: Amalgaud/Amalgaus (karolingische Okkupationszeit)
  • to den Apelderen/Apelern: a. Schloss Münchhausen: Edelherren von Münchhausen 1162; b. Schloss Hammerstein: Billunger Herzöge 1055/.../Freiherren von Münchhausen um 1550/Freiherren von Hammerstein-Gesmold 1673
  • Artelen/Aerzen: Edelherren von Aerzen vor 1178/Grafen von Everstein 1178/(die Burg Aerzen wurde 1293 erstmals erwähnt)/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1408/Edelherren von Münchhausen 1557–1660
  • Batsingehusen/Bessingen: Edelherren von Bessinghusen 1216-1344
  • Bennenhusen (Wüstung): Ricdagus/Leodullus comes (karolingische Okkupationszeit)
  • Bettikingahusen/Bessinghausen: Bedic/Basso 8. Jh.
  • Biaranhusen(?)/Behrensen bei Coppenbrügge (Rittergut): Bero/Maginhard(us) (karolingische Okkupationszeit) /.../Seghebode/Theodoricus de Bernusen 1228/Grafen von Spiegelberg Anfang 14. Jh./Edelherren von Behrensen/Bernussen/Edelherren von Dudingen Ende 15. Jh./Edelherren von Halle/Edelherren von Stuben bis 1681/Edelherren von Stube 1682/Familie von Schlitz gen. von Görtz 1947
  • Bikihusen/Bikahusen (Wüstung): Wyrinhardus (karolingische Okkupationszeit)
  • Binichisdorfe/Beuenhusen/Bavensen? (Wüstung bei Bisperode): Gersuind (karolingische Okkupationszeit)
  • Bisperode (Rittergut/Schloss): Edelherren von Biscopingerrode 1219/Edelherren von dem Werder (de insula) 1491/Grafen von Wolff-Metternich 1694–1875
  • Bodenwerder: a. Edelherren von Homburg 1245/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1409/Herzöge von Calenberg 1521/Edelherren von Münchhausen bis 1936; b. Schulenburg: Edelherren von Hake 1278-1713
  • Börry: Edelherren von Hake 1301
  • Buchhagen (Rittergut/Schloss Münchhausen): Ritter Hake 1256 (das Adelsgeschlecht der Freiherren von Hake trug im Mittelalter nicht das von im Namen, gehört aber gleichwohl zum altsächsischen Uradel)
  • Coppenbrügge (Burg/Schloss): Grafen von Spiegelberg um 1200/Edelherren von Homburg 1238/erneut Grafen von Spiegelberg 1281/Edelherren von Lippe 1557/Haus Gleichen-Tonna 1584/Haus Nassau-Dietz 1631 und 1815/Könige von Hannover 1819
  • Diedersen (Rittergut): Edelherren von Arnheim um 1300/Edelherren de Besinghusen 1324/Edelherren de Diederscinghusen 1332/Ritter von Hastenbeck 1394/Freiherren von Hake (altsächsischer Uradel) 1557
  • Dodonhusen/Dohnsen: Daedi/Dodo
  • Eimbeckhausen: Edelherren von Emminghusen 13./14. Jh./Edelherren von Haus 1411/Edelherren von Bremer 1746–1870
  • Emmern: Edelherren von Embere 1109/Ritter Stuve/Edelherren von Hake 1307
  • Emmerthal (Burg Waldau): Grafen von Everstein Anfang 14. Jh.
  • Fischbeck: Graf Ekbert (karolingische Okkupationszeit/König Heinrich I./Kaiser Otto I. der Große/Billunger Herzöge/Herzog Heinrich der Löwe 1142-1180/Grafen von Schaumburg 1180/Edelherren/Ritter von Post; dieses Niederadelsgeschlecht, das an verschiedenen Orten im Tilithigau begütert war, diente den Grafen von Schaumburg, den Bischöfen von Minden und später den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg jeweils in verschiedenen Funktionen. Das Stift Fischbeck und das Kloster Barsinghausen belehnten die Edelherren von Post mit Vogteien und Höfen, bzw. verpfändeten diese an sie). „Uisbeccae“ (Fischbeck) wird im Jahr 892 erstmals in einer Schenkungsurkunde des Königs des Ostfrankenreichs und ab 896 Römischen Kaisers Arnolf von Kärnten (* ca. 850, † 8. Dezember 899) aus dem Geschlecht der Karolinger für den fränkischstämmigen fränkisch-sächsischen Grafen Ekbert genannt; das Dorf Fischbeck wird aber vermutlich deutlich älter sein.
  • Floscershusen/Flegessen(?): Flotger (karolingische Okkupationszeit)
  • Frenke: Edelherren von Frenke 1231
  • Frolibeshusen/Frolevessen (Wüstung bei Ohsen): Diterich (karolingische Okkupationszeit)
  • Graben/Grave: N. N. (karolingische Okkupationszeit)
  • Grohnde: Edelherren von Hake 1358/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg/Bischöfe von Hildesheim (ab 1530 Amtssitz und Domäne)
  • Gruningen/Gruonincheim/Gröningen (Wüstung nördlich Hameln): Gunthere (karolingische Okkupationszeit)
  • Hagenohsen (Sattelhof): Edelherren von Hake 11. November 1358
  • Hajen: Edelherren von Hoygen/Erich Behling 1646
  • Hamelon/Hameln: a. fränkischer Schultheissenhof: Ditmar/Theudemar de Hamelon/Adelbert (Sohn von Pippins Bruder Bernhard, Bruder von Bernhard, Vetter Karls des Großen, 8. Jh.); b. Burg: Graf Bernhard von Engern und Osen 802/...?; c. Edelhof: Grafen von Everstein 12. Jahrhundert/Edelherren von Reden 1568
  • Hamelspringe: Edelherren de Hamelspring 1180
  • Haddeshusen/Haddessen: Hadd/Haddi (karolingische Okkupationszeit)
  • Harderode (Schloss): Edelherren von Schicheldt bis 1542/Edelherren von Heitberg bis 1706/Edelherren von Münchhausen bis 1726/Edelherren von Nölting bis 1853/Edelherren von Blum 1899
  • Hasperde (Rittergut/Schloss): Edelherren von Lenthe (Anfang 15. Jahrhundert; die von Lenthe waren im Hochmittelalter Ministerialen der Billunger Herzöge)/Edelherren von Eddingerode 1415/Freiherr von Hammerstein 1663/Freiherr von Kipe 1675/Freiherren von Hake 1775/Graf Adelmann von Adelmannsfelden 1972
  • Hastenbeck (Rittergut): Grafen von Everstein/Ritter von Hastenbeck (altsächsischer Uradel) 12. Jahrhundert/Edelherren von Wopersnow 1618/Edelherren von Reden 1639
  • Hehlen: Edelherren von der Schulenburg 1579-1956
  • Helpensen (Meierhof ab 1452; Rittergut ab 1576): Edelherren von Mengersen (altsächsisch-engrischer Uradel) 1576
  • Hemereshusen/Hemersen/Hämelschenburg: a. Burg/Schloss: Hamar (karolingische Okkupationszeit 8./9. Jh.) /.../Grafen von Everstein 1356/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1410/Ritter von Klencke 1437 (Weserrenaissanceschloss 1588); b. Rittergut: Edelherren von Hake 15. Mai 1339
  • Hessisch Oldendorf (Burgmannshof): N. N. 13. Jahrhundert/Edelherren von dem Bussche 14. Jahrhundert/Edelherren von Münchhausen 1559-1947 (Herrenhaus Münchhausenhof 1583); Edelherren/Ritter von Post
  • Higenhusen/Heianhusen/Heinsen bei Polle: Ico/Heio karolingische Okkupationszeit 1. Hälfte 9. Jh. /.../Edelherren von Düring/Edelherren von Hammerstein
  • Hilligesfeldo/Hilligsfeld (Königsgut in der fränkischen Okkupationszeit): Graf Ecbraht /Gibicho 780-820/.../Edelherren von Hilligsfeld 1231/Edelherren von Brünnighausen 1260
  • Hochhameln /Hachmühlen (Wasserburg/Schloss): Edelherren von Hachmühlen 1247/Herzöge von Braunschweig 1282/Grafen von Spiegelberg 1338–1435
  • Holthusen/Holtensen bei Hameln: Edelherren und spätere Grafen von Holthusen (altsächsischer Uradel) ab 7./8. Jh./Edelherren von Arnheim nach 1247/Edelherren von Bovenden 1334/Edelherren von Post 1399/Edelherren von Wangenheim 1826–1883
  • Hülsede: a. Burg Hülsede: Herzog Bernhard (der Billunger Bernhard I. oder Bernhard II. von Sachsen?) 1150; b. Schloss Hülsede: Freiherren von Rottorp 1548/Edelherren von Mengersen 1584; c. Posteburg bei Schmarrie (Wasserburg, 1384 bis 1411): Edelherren von Post
  • (Kirch-)O(h)sen: Römisch-deutscher Kaiser und französischer König Karl der Große um 800/Graf Bernhard von Engern und Osen 802/...?/Grafen von Everstein 1004/Herzöge von Braunschweig Anfang 14. Jh./Edelherren von Homburg 1302/Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg 1408
  • Krückeberg (Junkernhof, Burgmannshof, karolingische Okkupationszeit): N. N.
  • Im Schaumburgischen gab es in Lachem eine Vogtei, mit der das Niederadelsgeschlecht der Ritter von Mengersen, schaumburgische Burgmannen, die u. a. in (Hessisch) Oldendorf und Helpensen sassen, belehnt wurde.
  • Lauenau: a. Wasserburg Lauenau (1519 zerstört) Herzog von Sachsen Heinrich der Löwe 1190/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1307/Grafen zu Holstein-Schaumburg 1331-1519/1565–1572 als vierflügeliges Schloss wieder aufgebaut/Herzöge von Braunschweig-Hannover 1635; b. Schloss Schwedesdorf: Edelherren von Münchhausen 1377; c. Wasserburg/Schloss Meysenbug: Edelherren von Zerßen 1499 (Burg 1519 zerstört, 1610 als Rittergut wieder aufgebaut)/Edelherren von Meysenburg 1828 (1867/1897 Neubau im Stil der englischen Neogotik)
  • Lauenstein (Burg 1200 errichtet, 1226 zerstört): Grafen von Spiegelberg 1152/(zweite Burg vor 1247 errichtet): Edelherren von Homburg 1226/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1409/Edelherren von Cramm 1434/Edelherren von Ruschplate 1445/Edelherren Bock von Nordholz 1456/Edelherren von Oberg und vom Rutenberge 1495/Edelherren von Saldern 1497–1587
  • Luthardeshusen/Lüerdissen: Helmdag (karolingische Okkupationszeit)
  • Lüntorf: Edelherren von Hundorppe/Edelherren von Frenke/Edelherren von Münchhausen
  • Luttringhausen (Rittergut): Edelherren von Wettberg 1406/Edelherren von Lenthe 1644
  • (Bad) Münder: a. Wettbergscher Adelshof: Edelherren von Wettberg vor 1442 bis 1644/Edelherren von Graevemeyer 1644–1848; b. Burgmannshof: Edelherren von Haus (Mindensche Lehnsleute)
  • Nathireshusen/Neersen: Nanther (karolingische Okkupationszeit)
  • Nordohsen (Lehngut): Edelherren von Hake 1359
  • Ohr: Ritter von Stuve/Grafen von Everstein/Freiherren von Hake (altsächsischer Uradel) 29. März 1307
  • Oldendorf: Bischöfe von Hildesheim/Ebeling
  • Oydessen/Othdereshusen/Gut Öhrsen: Ohteri (karolingische Okkupationszeit) /...?/Edelherren von dem Werder (de insula) 13.-17. Jh.
  • Ottenstein (Wasserburg, 1701 abgerissen): Grafen von Everstein 1300/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1408 bis 1701
  • (Bad) Pyrmont: Grafen von Pyrmont 1194-1494/Grafen von Spiegelberg (und Pyrmont) 1494-1557/Edelherren zur Lippe 1557-1583/Grafen von Gleichen 1583-1625/Haus Waldeck 1625-1918
  • Polle: a. Burg Polle: Grafen von Everstein 1285/Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1409/Edelherren von Heimbruch?; b. Rittergut Sonnenberg: dänische Lehngrafen von Reventlow 1928–1940 (dieser Adelssitz aus der Zeitstellung des 20. Jahrhunderts(!) zählt nicht mehr in den Tilithigau und wird hier nur der Vollzähligkeit halber erwähnt)
  • Posteholz (Rittergut): Edelherren von Post 1661/Edelherren von Wülfingen 1776/Edelherren von Münchhausen/Edelherren von Alten 1888
  • Rodenberg: (Wasserburg/Schloss Rodenberg, früher Vierflügelanlage): N. N. 930/.../Grafen von Schaumburg 1240
  • Schaumburg: Edelherren von Santersleben (Vorfahren der Grafen von Schaumburg, Anfang 12. Jahrhundert)/Grafen von Schaumburg (altsächsischer Uradel) 1110/Landgrafen zu Hessen-Kassel 1640/Grafen von Schaumburg-Lippe 1907
  • Schwöbber (Aerzen-Königsförde): Edelherren von Münchhausen 1510 bis 1919/Cohrs/Meyer
  • Steinbergen (Schloss Arensburg): Grafen von Schaumburg 1300
  • Stochheim/Stöcken bei Hämelschenburg (Wüstung): Beldinc de Cilgide (karolingische Okkupationszeit)
  • Suitbodeshusen (Wüstung bei Hemmendorf): Redmer (karolingische Okkupationszeit)
  • Swalanhusen/Salzhemmendorf?: Thiatmarus (karolingische Okkupationszeit) /.../ (Bullerburg/Rittergut Hofspiegelberg, im Dreißigjährigen Krieg zerstört): Edelherren Bock von Wülfingen
  • Tündern: Edelherren von Tündern 1215/Edelherren von Hake
  • Unenhusen/Unsen: Unno (vorkarolingische Zeit?)/Gibicho 780-820 (karolingische Okkupationszeit)/
  • Voldagsen bei Coppenbrügge (spätmittelalterliche Burg/Rittergut): Volktag (fränkische Okkupationszeit)/.../Edelherren Bock von Nordholz 1350/Edelherren von Münchhausen 1655
  • Wange/Wengen (fränkisches Königsgut in der fränkischen Okkupationszeit mit 60 Morgen Land, später Wüstung): Hitto/Hiddo
  • Weenzen: Vespermann
  • Weibeck bei Hessisch Oldendorf (Burgmannshof Rittergut Stau, Mindenscher Klosterbesitz): N. N. 1055/.../Edelherren von Mengersen 1476
  • Welsede bei Emmerthal (Rittergut): Edelherren von Welsede 1244/Edelherren von Oeynhausen 1663/Edelherren von Stietencron 1749
  • Auch in wenigen wüst gefallenen (verschwundenen) Hägersiedlungen im Tilithigau gab es Adelssitze, so z. B. in Werdingshusen/Werdihausen (Wüstung bei Bisperode): Edelherren von Werchinchehausen 1326
  • Westerbrak (Rittergut): Edelherren von Grone 1618
Bekannte Persönlichkeiten

Das Archidiakonat Ohsen des Bistums Minden im Tilithigau

Das Bistum Minden richtete im 12. Jahrhundert 12 Archidiakonate als Unterbezirke des Bistums ein, und der Archidiakon des Bistums Minden und Stellvertreter des Bischofs hatte seinen Sitz im größten Archidiakonat der Diözese in Ohsen (wegen der damaligen Bedeutung dieses Ortes). Weitere Daten zum Archidiakonat Ohsen siehe den Artikel Geschichte des Weserberglands um Hameln bis zum Mittelalter.

Gogerichte und Holzgerichte im Tilithigau

Vor der Christianisierung am Ende des 8. Jahrhunderts gab es im Tilithigau noch germanische Thingversammlungen, Rechtsversammlungen der freien Bauern unter freiem Himmel, sowie den Glauben an germanische Götter und Stammesgottheiten. In der vorfränkischen Zeit nahmen alle freien männlichen Einwohner des Gaues in den Thingversammlungen auf einem vorfränkischen Thingplatz die hohe und niedere Gerichtsbarkeit wahr. Allerdings muss man sich diese Versammlungen nicht als frühdemokratische Veranstaltungen vorstellen. Denn politische Entscheidungen in den Thingversammlungen wurden nach dem Historiker Reinhard Wenskus schon in der Römischen Kaiserzeit maßgeblich vom Traditionskern des Stammes, dem germanischen Adel getroffen.

Die vorkarolingischen germanischen Thingstätten im Weserbergland lassen sich archäologisch nicht eindeutig lokalisieren/nachweisen und historisch nicht beweisen. Die schriftlosen Germanen, die sich an markanten Naturmerkmalen trafen, wie schon Tacitus in seinem ethnografischen Werk Germania aus römischer Sicht ausführlich, aber nicht neutral berichtete, schufen keine bleibende Architektur. Und die Römer bezeichneten an keiner Stelle in ihren Schriften konkrete Orte für die ihnen bekannten Thingstätten der Germanen. Daher sind frühgermanische Thing-Plätze heute nicht lokalisierbar; es gibt nur Sagen und fiktionale Kultplatzvermutungen, die sich im Raum Hessisch Oldendorf z. B. auf den Hohenstein oder die vorgeschichtliche Wallanlage Amelungsburg im Süntel oder im Raum Coppenbrügge auf die mutmaßliche altgermanische (heidnische) Kult- und Opferstätte auf der Nordspitze des Ith, dem Krüllbrink, beziehen. Dies führte vor allem a) in der Zeit der Romantik, b) in der völkischen Bewegung im frühen 20. Jahrhundert und c) in der späteren nationalsozialistischen Propaganda zum Problem der faktenfreien und realitätsfernen Mythologisierung des Things.

Nachdem der Frankenkönig Karl der Große die Sachsen unterworfen hatte, wurde das altsächsische Stammesgebiet in verschiedene Bezirke (comitate, Grafschaften) unterteilt, denen jeweils ein königlicher Amtsträger, ein Graf vorstand. Das noch nicht erbliche Grafenamt wurde von den Karolingern schon während der Sachsenkriege (772-804) Karls des Großen im eroberten Sachsen eingeführt. Die räumlichen Zuschnitte der altsächsischen Gaue blieben dabei größtenteils erhalten. Und das germanische Thingsystem wurde in das fränkische Grafschafts- und Gogerichtswesen überführt. Der Graf übte die hohe Gerichtsbarkeit aus. In diesem Fall spricht man von Gaugericht oder besser „Grafengericht“. Die Franken trennten die hohe Gerichtsbarkeit der Grafengerichte (für schwere Verbrechen) von der niederen Gogerichtsbarkeit. Der Graf war militärischer Befehlshaber, zog Steuern ein und verwaltete seine Grafschaft. Königsboten (missi dominici) kontrollierten als reisende Prüfer des Königs, ob die Grafen ihre Aufgaben richtig erledigten. Die Grafen waren in den ersten Jahrzehnten im sächsischen Gebiet allerdings oft weniger erfolgreich in der Festigung der fränkischen Herrschaft als die Bischöfe und neu gegründeten Klöster. Auf administrativer Ebene richteten die Franken unabhängig von den Gaugrenzen die sogenannten Goe ein, Bezirke, in denen die niedere Gerichtsbarkeit bei einem Gogericht lag. Während die Grafengerichte im Mittelalter immer mehr an Bedeutung verloren, setzten sich die Gogerichte bis zum Beginn der Neuzeit als die wichtigsten Gerichte durch. Die Ähnlichkeit der Wörter „Gau“ und „Go“ führt immer wieder zur Verwechslung der Begriffe.

Das Gogericht war sozusagen der Rechtsnachfolger des vorkarolingischen germanischen Things und existierte in seinen Vorläufern ab dem 8. Jahrhundert (Frühmittelalter) und als feste Institution ab dem 12./13. Jahrhundert (Hochmittelalter). In einem Gau befanden sich drei oder mehr Gogerichtsbezirke. In den Untergauen/Gerichtsbezirken des Tilithigaus gab es vom Frühen Mittelalter bis in die Zeitstellung der Neuzeit und z. T. noch bis in das 19. Jahrhundert Gogerichte. Allerdings änderte sich vom Frühmittelalter bis in die Zeitstellung der Neueren Geschichte der Zuschnitt der altsächsisch-engernschen Gogerichtsbezirke und der Grafschaften mehrfach, bedingt durch territoriale Teilungen und Erbteilungen der Adelsgeschlechter mit der Bildung neuer Herrschaftsgebiete.

Die Goe to den hengh Eken by der Weser war die älteste weltliche Organisationseinheit des Raumes rund um Emmerthal und bestand im Tilithigau seit der fränkischen Okkupation Sachsens. Sie existierte also bereits mehrere Jahrhunderte, bevor die Region im 12./13. Jahrhundert politisch an die Grafschaft Everstein fiel. In dieser Goe lag das Gogericht in der Flur „Ruhestück“/„Vor den Richtebänken“ am Eichberg zwischen Brockensen und Grohnde unter freiem Himmel (nicht zu verwechseln mit dem Eichberg bei Hilligsfeld). Das 826 erwähnte Gogericht in Hajen und die Gerichtsstätte „Dageort“ in Vranki (Frenke, eine fränkische Siedlung) sind wohl jeweils mit der Gogerichtsstätte am Eichberg zwischen Brockensen und Grohnde identisch, da sie im gleichen Raum liegen.

Nördlich der Goe to den hengh Eken by der Weser lag beiderseits des Hamelflusses die ebenso alte Goe auf der Hamel mit dem Gogericht auf dem Eichberg bei Hilligsfeld (einem heutigen Stadtteil von Hameln), zu der um 1300 zeitweise auch die Ortschaften Hastenbeck und Ohr gehörten.

Und bei Fischbeck (einem heutigen Stadtteil von Hessisch Oldendorf) westlich von Hameln lag die Goe Fischbeck mit dem Gogericht in Fischbeck aus der gleichen Zeitstellung. Diese drei Gogerichtsbezirke gehörten zum Tilithigau.

Auch in Selxen, einem heutigen Ortsteil des Fleckens Aerzen und in noch weiteren Orten im Tilithigau gab es Gogerichte. Eine exakte und abschließende Gesamtzahl und Beschreibung aller Goen im Tilithigau ist nicht lückenlos und klar überliefert, da sich die politischen Strukturen im Mittelalter stark veränderten.

Gogerichtsstätten gab es (ohne Anspruch auf Vollzähligkeit) ab dem Spätmittelalter mindestens an folgenden 16 Orten auf dem Gebiet des Tilithigaus, wobei angesichts der lückenhaften Literatur unklar bleibt, welche Befugnisse und welche Rechtspraxis die einzelnen Gogerichte und Holtings an den genannten Gerichtsstätten hatten:

Daneben gab es im Tilithigau noch mindestens folgende Holtings/Holzgerichte (ohne Anspruch auf Vollzähligkeit):

Im 12. Jahrhundert etablierten sich die Go- und Freigerichte, und der in elbostfälischer Sprache verfasste Sachsenspiegel des Eike von Repgow verbreitete sich über die Reichsgrenzen hinweg. Die Gogerichte existierten über 1.000 Jahre und wurden endgültig zwischen 1809 und 1815 in der Franzosenzeit aufgelöst. Eine exakte und abschließende Gesamtzahl und Beschreibung aller Goen im Tilithigau ist nicht lückenlos und klar überliefert, da sich die politischen Strukturen im Mittelalter stark veränderten.

Nach Roland Linde unterschieden sich im Mittelalter das mündlich überlieferte Recht und die Rechtspraxis zwischen den einzelnen Stammesgebieten der Sachsen. Nach der Unterwerfung der Sachsen durch die Franken untersagte ihnen Karl der Große mit einem ersten Erlass, „Capitulatio de partibus Saxoniae“ von 782, u. a. unerlaubte Stammesversammlungen und machte von ihm eingesetzte Grafen zu seinen Stellvertretern in den Gauen. Nach der Niederwerfung weiterer sächsischer Aufstände wurde im Jahr 793 der erste, 11 Jahre alte Erlass von Karl dem Großen durch die moderatere „Capitulare Saxonium“ ersetzt.

Im Tilithigau gab es noch mindestens ein sog. Freiengericht für Adlige, das es sonst in größerer Anzahl in den altsächsischen Provinzen Engern und Westfalen im Raum des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, aber seltener in der altsächsischen Provinz Engern im Raum des heutigen Bundeslandes Niedersachsen gab:

In „Oihusen“/„Osen“/„Ohsen“ lag im Mittelalter mutmaßlich die Hauptgerichtsstätte des Tilithigaus. Dort wurde auch das Geleitrecht auf der Weser verhandelt. Der Ort „Osen“ hatte mit seiner Lage an einer Weserfurt im Frühmittelalter und Hochmittelalter zunächst eine größere Bedeutung als Hameln. In Osen standen mutmaßlich (archäologisch und geschichtswissenschaftlich nicht nachgewiesen) die älteste Kirche (Urkirche) im Tilithigau von 780 sowie zwei Burgen. Die von den karolingischen Franken unter Kaiser Karl dem Großen um 800 mutmaßlich gegründete Burg „Ohausen“ („festes Haus am Wasser“) auf der damals noch vorhandenen Weserinsel „Leuwenwerder“ bei „Oihusen“ war, wenn es sie denn gab, die ältere der beiden Burgen. Graf Conrad von Everstein errichtete in Ohsen im Jahr 1283 eine (zweite) Burg und betrieb darin eine weltliche Gerichtsstätte, die „jurisdictio parochiae Osen et judicium ibidem/judicia nostra ipsus comitatus“. Diese Burg in Ohsen ist in der Forschung belegt.

Der welfische Herzog Heinrich der Löwe war im Jahr 1147 Vogt der Reichsklöster Fischbeck und Kemnade und Erbauer der Burg Lauenau.

Einzelne Grafen und niedere Landadlige, wie z. B. die Ritter von Hastenbeck, die Ritter von Hake oder die Ritter von Reden besaßen in ihrem jeweiligen Herrschaftsbereich im Tilithigau das Kirchenpatronat und die Patrimonialgerichtsbarkeit, die ihnen jeweils vom König oder Kaiser, vom Mindener Bischof, von einem der folgenden Klöster oder später vom Landesherrn als Lehen übertragen wurden:

Literatur

Anmerkungen

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  28. ↑ Helga Knoke, 1968.
  29. ↑ Jürgen Udolph, 2000.
  30. ↑ Großenwieden wurde im Jahr 1013 als „Widun“ (Ort bei den Weiden) urkundlich erwähnt. Quellen: a) Schaumburger Landschaft, https://spurensuche.schaumburgerlandschaft.de/ospaz_text.php?kategorie=63, abgerufen am 22. Juli 2026, b) Stadt Hessisch Oldendorf, https://www.hessisch-oldendorf.de/portal/seiten/grossenwieden-900000113-33910.html, abgerufen am 22. Juli 2026. In der heimatkundlichen Literatur wird oft ein Datum im 9. Jahrhundert für die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Großenwieden genannt, was sich aber als fehlerhafte Mitteilung bzw. als Übertragungsfehler herausstellte.
  31. ↑ Andreas Lilge, 1990.
  32. ↑ Karl Friedrich Stumpf-Brentano, 1964.
  33. ↑ Hans-Walter Krumwiede, 1977.
  34. 1 2 Gotthold Wagner, Comitate im Bistum Paderborn, 1954, ebd.
  35. ↑ Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL, Hrsg.): Westfälische Geschichte; zit. v. Spilcker: Geschichte der Grafen von Wölpe, S. 124 f., (lwl.org PDF abgerufen am 4. Dezember 2025).
  36. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 74–158.
  37. ↑ Heinrich Böttger: Diöcesan- und Gau-Grenzen Norddeutschlands. 1875, S. 283 (books.google.de).
  38. ↑ Der Ortsnamenforscher Jürgen Udolph lehnt die fränkische Interpretation des Historikers Ludolf Fiesel ab und führt den Ortsnamen von Hilligsfeld auf viel frühere germanische bzw. altsächsische Wurzeln zurück. Er schreibt: „Der ON. Hilligsfeld kann aufgrund seiner alten Belege aus dem 9. Jh. (Abschr.12. Jh.) in Hillingesfeldo, 856/69 (A. 12. Jh.), Hillingesfelden, 980-982 (Abschr. 15. Jh.) in Hillikesfelle, (1055-1080) in Hildinesfelda, 1188 Hillingelvelt verschieden erklärt werden: entweder auf Hillingesfeld beruhend zu einem PN. Hilling oder aber wegen der Hildingesfeld-Formen zu einem PN. Hilding.“
    Quelle: Jürgen Udolph, prof-udolph.com abgerufen am 3. September 2026.
  39. ↑ Franz Engel, 1949.
  40. ↑ Robert Rustenbach, 1903.
  41. ↑ Jürgen Asch, 1978, S. 107–192.
  42. ↑ Robert Rustenbach: Häger und Hägerrichte in den braunschweigischen Weserlanden, 1903.
  43. ↑ Hans-Georg Stephan: Siedlungsgeschichtliche Forschungen in den nördlichen deutschen Mittelgebirgsregionen. In: Univerzita Karlova V Praze (Hrsg.): Praehistorica XXXI. Band 2, 2014, S. 43–78.
  44. ↑ Horst-Rüdiger Marten, 1967, S. 37–48.
  45. ↑ Georg Schnath: Verzeichnis ausgegangener Ortschaften. In: Georg Schnath (Hrsg.): Herrschaften Everstein, Homburg und Spiegelberg. 1922, S. 72–79.
  46. ↑ Erhard Kühlhorn: Die mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen. In: Universität Göttingen (Hrsg.): Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung 34, 4 Bände. Bielefeld 1996.
  47. ↑ Friedrich Meissel: Der Kreis Hameln - Beschreibung, Geschichte und Sage. Leipzig und Hameln 1897.
  48. ↑ Ludof Fiesel, 1972, S. 103.
  49. ↑ Quellen: a) Christian Kämmerer, Thomas Kellmann & Peter Lufen: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Band 7.2: Stadt Hameln, Verlag C. W. Niemeyer, Hameln, 1989, S. 40. b) Denkmalatlas Niedersachsen, ID, PPN: 1783043849.
  50. ↑ Feige, Oppermann, Lübbers: Heimatchronik der Stadt Hameln und des Landkreises Hameln-Pyrmont. Köln 1961, S. 164, 172, 187, 189 f., 193 f., 218 und 220.
  51. ↑ Udo Mierau: Verlorene Dörfer und Wüstungen in der Einheitsgemeinde Stadt Bad Münder. In: Söltjer. Bad Münder 1990.
  52. ↑ Hans Berner, 1951.
  53. ↑ Hermann Kleinau: Jahrbuch für den Landkreis Holzminden, Band 39, Holzminden, 1967.
  54. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 103.
  55. ↑ Kurt Brüning: Der Landkreis Hameln-Pyrmont. Bremen-Horn 1952.
  56. ↑ Ludolf Fiesel: Franken im Ausbau altsächsischen Landes. In: Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen (Hrsg.): Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 44. August Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1972, S. 137.
  57. ↑ Gotthold Wagner, 1954, ebd.
  58. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 146.
  59. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 103 und 140.
  60. ↑ Wüstungen in der Gemeinde Emmerthal. In: Gemeinde Emmerthal (Hrsg.): Schriftenreihe des historischen Archivs. Band 2. Emmerthal 2010.
  61. ↑ Klaus-Uwe Hölscher: Wüste Orte in der Ithbörde - Wo lagen Burgripi, Dovikenpoel, Wabeki und Wendtfelde? Hrsg.: DWZ. DWZ, Hameln 11. Juli 1970.
  62. ↑ Hermann Christian August Konrad Dürre, 1878, S. 175–223.
  63. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 141.
  64. ↑ Gotthold Wagner, 1963.
  65. ↑ Karl Hauck, 1966, S. 97–121.
  66. ↑ Studien zur sächsischen Grafschaftsverfassung haben Sabine Krüger oder Hans K. Schulze vorgelegt: Sabine Krüger: Studien zur sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert, 1950. Hans K. Schulze: Die Grafschaftsverfassung der Karolingerzeit in den Gebieten östlich des Rheins, in: Schriften zur Verfassungsgeschichte (VG), Band 19, Duncker & Humblot, Berlin, 1973.
  67. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 74–158.
  68. ↑ Edmund Ernst Hermann Stengel, 1958.
  69. ↑ Paul Wigand, 1843.
  70. ↑ Die Hochadelsfamilie der Ekbertiner (bzw. Cobbonen), wandelte durch die ihr wohl zugehörige Edelfrau Helmburgis den fränkisch-sächsischen Königshof in Fischbeck im Jahr 955 in das Stift Fischbeck um. Graf Ekbert I. gilt nicht nur als Ahnherr des fränkisch-altsächsischen Hochadelsgeschlechts der Ekbertiner, sondern auch als einer der Vorfahren der altsächsisch-engerschen Billunger Herzöge, bzw. stand zumindest im Sippenzusammenhang mit ihnen. Auch der altsächsisch-westfälische Herzog Widukind zählte zu den Vorfahren der weit verzweigten Sippe der Billunger. Und Mittelalterforscher wie Karl Schmid gehen davon aus, dass es enge verwandtschaftliche und soziale Netzwerke zwischen den Ekbertinern und der Sippe des Sachsenherzogs Widukind gab, in dem Heiraten und politische Allianzen üblich waren. Forscher sehen insgesamt ein stark verflochtenes fränkisch-sächsisches Adelsnetzwerk im westfälischen Raum. Quelle: Karl Schmid: Zur Problematik von Familie, Sippe und Geschlecht, Haus und Dynastie beim mittelalterlichen Adel, in: Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hrsg.): Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 105. Band, Verlag G. Braun GmbH, Karlsruhe, 1957 (MGH).
  71. ↑ Quelle: Karl Schmid: Zur Problematik von Familie, Sippe und Geschlecht, Haus und Dynastie beim mittelalterlichen Adel, in: Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg (Hrsg.): Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 105. Band, Verlag G. Braun GmbH, Karlsruhe, 1957 (MGH).
  72. ↑ Quellen: a) Nathalie Kruppa: Die Billunger und ihre Klöster, zit. Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung: Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Münstersche Mittelalterschriften. Hrsg.: Brill/Fink, 1984, ISSN 1867-0059. b) Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg: Schaumburg im Mittelalter - Entwicklung grundlegender Strukturen, in: https://www.histag-schaumburg.de/, abgerufen am 8. Juli 2026. c) Nicolaus Heutger: Das Stift Möllenbeck an der Weser. Kanonissenstift, Windesheimer Chorherrenstift, Evangelisches Stift. 2. Auflage. Hildesheim 1987, ISBN 3-7848-4012-4. d) Dieter Brosius: Das Stift Obernkirchen 1167–1565, Schaumburger Studien, Heft 30, Grimme Verlag, Bückeburg, 1972, ISBN 3-87277-030-6.
  73. ↑ Quelle: Nathalie Kruppa: Die Billunger und ihre Klöster. Beispiele für die weitläufigen Verbindungen im frühmittelalterlichen Sachsen, Göttingen, S. 34.
  74. ↑ Quelle: Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg: Schaumburg im Mittelalter - Entwicklung grundlegender Strukturen, in: https://www.histag-schaumburg.de/, abgerufen am 8. Juli 2026.
  75. ↑ Friedhelm Biermann: Die Adelsherrschaften an Ober- und Mittelweser des 13. und 14. Jahrhunderts, 2005.
  76. ↑ Hans Friedrich Georg Julius Sudendorf, 1880.
  77. ↑ Werner Spiess, 1933.
  78. ↑ Hermann Kleinau, 1967.
  79. ↑ Hans-Werner Goetz: Das Herzogtum der Billunger - ein sächsischer Sonderweg? In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 66, 1994, S. 168–170.
  80. ↑ Hans-Joachim Freytag: Die Herrschaft der Billunger in Sachsen. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas für Niedersachsen. Band 20, 1951, S. 8–23.
  81. ↑ Burchard Christian von Spilcker, 1833.
  82. ↑ Georg Schnath, 1922.
  83. ↑ Friedrich August von Aspern: Geschichte und Genealogie der Grafen von Schaumburg, Hamburg, 1850.
  84. ↑ Günther Engelbert, 1980, S. 197–200.
  85. ↑ Westfälische Geschichte; zit. v. Spilcker: Geschichte der Grafen von Wölpe, S. 288-292. (PDF) LWL, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  86. ↑ Hans Jürgen Warnecke: Sächsische Adelsfamilien in der Karolingerzeit. In: 799. Kunst und Kultur. S. 348–355.
  87. ↑ Hermann Dürre, 1881, S. 22–28.
  88. ↑ Adolf Ulrich: Regesten der Grafen von Roden. In: Zur Geschichte der Grafen von Roden im 12. und 13. Jahrhundert. ZHVNdSachs, 1887, S. 107–153.
  89. ↑ Friedrich Kurd von Alten, 1858, S. 1–53.
  90. ↑ Frank Huismann, 1997.
  91. ↑ Hermann Engel, 1972.
  92. ↑ Ernst Friedrich Mooyer, 1848, S. 45–138.
  93. ↑ Werner Rösener, 1989, S. 9–28.
  94. ↑ Claus Heinrich Bill: Bilder und Beschreibungen von Herrensitzen des Adels in den deutschen Ländern. (PDF) Institut Deutsche Adelsforschung Kiel, abgerufen am 1. Januar 2026.
  95. ↑ Gustav Stölting-Eimbeckhausen, Börries Freiherr von Münchhausen-Moringen, 1912.
  96. ↑ Friedhelm Biermann, 2005.
  97. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 149; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 126 und 127.
  98. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 140; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 38.
  99. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 146; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 163.
  100. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 149; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 127 und 129.
  101. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 146 f.; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 163.
  102. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 124; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 68.
  103. ↑ Friedrich August Gustav Adolf von Hake: Geschichte der Freiherrlichen Familie von Hake. Ohr 1887, S. 4.
  104. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 144; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 79.
  105. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 142; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 66.
  106. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 124; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 36.
  107. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 126; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 100.
  108. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 124; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 43.
  109. ↑ Rudolf Feige, 1961.
  110. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 93; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 61.
  111. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 91; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 65.
  112. ↑ Otto Meinard, 1887.
  113. ↑ Udo Mierau: Zwei Rittergeschlechter aus dem Weserbergland waren erfolgreiche Ostkolonisatoren. In: Springer Jahrbuch, 2021, S. 15–18.
    Helmut Schiffling: Chronik Hamelspringe, herausgegeben anlässlich der 800-Jahr-Feier im Mai 1980, Bad Münder, 1980, S. 27.
  114. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 140; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 45.
  115. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 137; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 14.
  116. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 136; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 13.
  117. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 94; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 41.
  118. ↑ Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Westfälische Geschichte. S. 82 (lwl.org PDF, abgerufen am 11. Dezember 2025, nennt „Hochhameln“ einen Schreibfehler; gemeint sei vielmehr Hachmühlen).
  119. ↑ Hans-Wilhelm Heine: Die Posteburg. Eine spätmittelalterliche Wasserburg zwischen Deister und Süntel, in: Mamoun Fansa, Frank Both, Henning Hassmann (Hrsg.): Archäologie Land Niedersachsen. 400.000 Jahre Geschichte, Landesmuseum für Natur und Mensch, Oldenburg, 2004, S. 568–571. Hans-Wilhelm Heine: Ausgrabungen auf der Slottwiese bei Hülsede-Schmarrie, Ldkr. Schaumburg. In: Berichte zur Denkmalpfege in Niedersachsen 4, 1992, S. 216 f.
  120. ↑ Karl Schluter, Bearbeiter Cord Hölscher: Geschichte des Amtes Grohnde-Ohsen. In: Gemeinde Emmerthal (Hrsg.): Schriftenreihe des historischen Archivs. Band 1. Emmerthal 2010.
  121. ↑ Hans Berner: Das Amt Ohsen. In: Genealogische Gesellschaft Hameln (Hrsg.): Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Hameln und des Kreises Hameln-Pyrmont. Band 6. Hameln 1954.
  122. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 141; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 141.
  123. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 148; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 120.
  124. ↑ Friedrich August Gustav Adolf von Hake: Geschichte der freiherrlichen Familie von Hake in Niedersachsen. Hameln 1888, S. 33, 50 f., 124, 133, 137 und 331 f.
  125. ↑ Otto von Brauchitsch: Rittergut Ohr - 650 Jahre im Besitz der Familie von Hake. Hrsg.: Genealogische Gesellschaft. Hameln 1957.
  126. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, Nr. 130 und 138; zit. Trad. Fuld. Kap. 41, Nr. 130 und 138.
  127. ↑ Hans Jürgen Warnecke: Sächsische Adelsfamilien in der Karolingerzeit. In: 799. Kunst und Kultur. S. 348–355.
  128. ↑ Hans Philippi: Die Landgrafschaft Hessen-Kassel von 1648-1806., 2007, ISBN 978-3-7708-1303-2.
  129. ↑ Helge bei der Wieden: Die letzten Grafen zu Holstein-Schaumburg: Über gräfliche Familien, Bastarde und andere Themen (Schaumburger Studien 72), 2. Auflage, Verlag für Regionalgeschichte, 2015, ISBN 978-3-7395-1072-9.
  130. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 83; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 5, 6 und 13.
  131. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 141; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 54.
  132. ↑ Ludolf Fiesel, 1962, S. 145; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 92.
  133. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 95; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 100.
  134. ↑ Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen - Nordholz, 2. Teil 1628-1968, 1970, S. 1.
  135. ↑ Ludolf Fiesel, 1972, S. 94; zit. Trad. Fuld., Kap. 41, Nr. 41.
  136. ↑ Andreas Reuschel: Hagenhufensiedlungen oder „Hägerhufensiedlungen“ in der Ithbörde? Ein Beitrag zur Lokalisation, Rekonstruktion und Terminologie dieses Siedlungstyps. Dissertation. Bonn 2009, S. 284.
  137. ↑ Siehe auch: a. Westfälisches Urkundenbuch VIII, S. 217, b. Copie Meinardus Nr. 162.
  138. ↑ Bernhard Engelke, 1937.
  139. ↑ Quelle: Reinhard Wenskus: Stammesbildung und Verfassung. Das Werden der frühmittelalterlichen gentes, Böhlau Verlag, Köln, 1961.
  140. ↑ Dieter Timpe wies nach, dass die von Tacitus beschriebene germanische Volksversammlung keinem germanischen „Urzustand“ entsprach, sondern aktive Bündnisstrukturen widerspiegelte, die sich oft erst durch den Kontakt und die Reibung mit dem Römischen Reich politisiert hatten. Quelle: Dieter Timpe: Romano-Germanica. Gesammelte Schriften zur Germania des Tacitus, Teubner, Stuttgart, 1995.
  141. ↑ Publius Cornelius Tacitus (* ca. 55, † ca. 120) nutzte in seinem Werk Germania in den Kapiteln 11 und 12 für die Thingversammlungen der Germanen nicht den Begriff Thing, sondern die lateinischen Begriffe „coitus“ (Zusammenkunft) und „concilium“ (Versammlung).
  142. ↑ Quelle: Christopher B. Krebs analysiert kritisch das Werk Germania von Tacitus in seiner Abhandlung A Most Dangerous Book: Tacitus's Germania from the Roman Empire to the Third Reich.
  143. ↑ Die neuere historische Forschung bestätigt im Wesentlichen den Befund der Lorscher Annalen (hier: Aufzeichnungen der Reichsversammlung von Lippspringe von 782), dass Karl der Große bei der Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung bereits zu einem großen Teil Grafen aus dem einheimischen sächsischen Hochadel (nobiles) einsetzte, die frankenfreundliche Mitglieder der sächsischen Führungsschicht waren. Sie kommt damit, anders als die ältere Geschichtsforschung von z. B. Ludolf Fiesel zu einem differenzierteren Urteil; sie sieht den Einsatz einheimischer Adliger als politische Notwendigkeit bei Karl dem Großen, um lokale Loyalitäten zu sichern. Zudem hatten die Grafschaften keine klar begrenzten geschlossenen Territorien. Damit festigte sich aber auch langfristig die Macht des sächsischen Hochadels. Studien zur sächsischen Grafschaftsverfassung haben Sabine Krüger oder Hans K. Schulze vorgelegt: Sabine Krüger: Studien zur sächsischen Grafschaftsverfassung im 9. Jahrhundert, 1950. Hans K. Schulze: Die Grafschaftsverfassung der Karolingerzeit in den Gebieten östlich des Rheins, in: Schriften zur Verfassungsgeschichte (VG), Band 19, Duncker & Humblot, Berlin, 1973.
  144. ↑ Die Calenberger Amtsbücher halten fest, welche Dörfer zu den traditionellen Gogerichten gehörten und dokumentieren die überdauernde Struktur des Tilithigaus. Folgende Sekundärquellen geben darüber (lückenhaft) Auskunft: Bernhard Engelke: Die Grenzen, Gaue, Gerichte und Archidiakonate der älteren Diözese Minden, in: Hannoversche Geschichtsblätter, Band 4, 1937, OCLC 247648408; Hermann von Bothmer: Zur Entstehung der sächsischen Goe, in: Niedersächsisches Jahrbuch, S. 204-222, Lax, Hildesheim, 1961. Ludwig August Theodor Holscher: Beschreibung des vormaligen Bisthums Minden nach seinen Grenzen, Archidiakonaten, Gauen und alten Gerichten, Münster, 1877.
  145. ↑ Klaus Bemmann: Neue Aspekte zur Entstehung der sächsischen Gogerichte. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Band 109, 1992, S. 95–128.
  146. ↑ Ewald Schmeken, 1961.
  147. ↑ Die Calenberger Amtsbücher halten fest, welche Dörfer zu den traditionellen Gogerichten gehörten und dokumentieren die überdauernde Struktur des Tilithigaus. Folgende Sekundärquellen geben darüber (lückenhaft) Auskunft: Bernhard Engelke: Die Grenzen, Gaue, Gerichte und Archidiakonate der älteren Diözese Minden, in: Hannoversche Geschichtsblätter, Band 4, 1937, OCLC 247648408; Hermann von Bothmer: Zur Entstehung der sächsischen Goe, in: Niedersächsisches Jahrbuch, S. 204-222, Lax, Hildesheim, 1961. Ludwig August Theodor Holscher: Beschreibung des vormaligen Bisthums Minden nach seinen Grenzen, Archidiakonaten, Gauen und alten Gerichten, Münster, 1877.
  148. ↑ Wolfgang Laur, 1994, S. 536 ff.
  149. 1 2 Westfälische Geschichte, S. 127 ff. (PDF) LWL, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  150. ↑ Johann Karl Bertram Stüve: Untersuchungen über die Gogerichte in Westfalen und Niedersachsen, unveränderter Nachdruck der Originalausgabe von 1870, Antigonos, 2025.
  151. ↑ Annemarie Rein-Piepho: Fünf junge Eichen erinnern an das Gogericht - In Selxen werden die alten Überlieferungen am Leben erhalten. In: Deister- und Weserzeitung (DWZ) vom 26. März 2005, Hameln.
  152. ↑ Friedrich Meissel, Der Kreis Hameln - Beschreibung, Geschichte und Sage, 1897, S. 13 f.
  153. ↑ August Seidensticker: Geschichte der Forsten. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte norddeutscher Forsten besonders im Lande Hannover. Band II. Dieterichsche Universitätsbuchhandlung, Göttingen 1896, S. 251.
  154. ↑ Karl Schlutter: Geschichte des Amtes Grohnde-Ohsen, Emmerthal, 2010.
  155. ↑ Rudolf Feige, Moritz Oppermann & Hermann Lübbers: Heimatchronik der Stadt Hameln und des Landkreises Hameln-Pyrmont, Köln, 1961, S. 162, 173 f. und 204 (zur Gogerichtsstätte bei Brockensen).
  156. ↑ August Seidensticker, 1896, ebd.
  157. ↑ Hans Hölscher: Historische Stätten und das Dorf Heyen. In: Deister- und Weserzeitung (DWZ) vom 30. August 1975 und 6. September 1975.
  158. ↑ Manfred Balzer et al. (Hrsg.): Die deutschen Königspfalzen. 6 - Nordrhein-Westfalen. Göttingen 2023, ISBN 978-3-525-35225-0, S. 499.
  159. ↑ Die Calenberger Amtsbücher halten fest, welche Dörfer zu den traditionellen Gogerichten gehörten und dokumentieren die überdauernde Struktur des Tilithigaus. Folgende Sekundärquellen geben (lückenhaft) Auskunft: a) Bernhard Engelke: Die Grenzen, Gaue, Gerichte und Archidiakonate der älteren Diözese Minden. In: Hannoversche Geschichtsblätter, Band 4, 1937, OCLC 247648408; b) Hermann von Bothmer: Zur Entstehung der sächsischen Goe. In: Niedersächsisches Jahrbuch, S. 204-222, Lax, Hildesheim, 1961. c) Ludwig August Theodor Holscher: Beschreibung des vormaligen Bisthums Minden nach seinen Grenzen, Archidiakonaten, Gauen und alten Gerichten, Münster, 1877.
  160. ↑ Ernst Schubert (Übers.): Die Capitulatio de partibus Saxoniae, 1993, S. 26–28.
  161. ↑ Beide Gesetzestexte von Karl dem Großen sind in Handschriften im Codex Pal. Lat. 289 der Vatikanischen Bibliothek in Rom aus dem 9./10. Jahrhundert und im Codex Corveiensis vollständig überliefert.
  162. ↑ Albert Hömberg: Grafschaft, Freigrafschaft, Gografschaft. Münster 1949.
  163. ↑ Richard Schröder, 1884, S. 1–68.
  164. ↑ Nathalie Kruppa, 2009, S. 35.
  165. ↑ Nathalie Kruppa: Die Billunger und ihre Klöster. Beispiele zu den weitläufigen Verbindungen im frühmittelalterlichen Sachsen. Göttingen 2009.
  166. ↑ Holger Rabe: Die Übertragung der Abteien Fischbeck und Kemnade an Corvey (1147-1152). In: Westfälische Zeitschrift. Band 142, 1992, S. 211–213.