Haddessen Stadt Hessisch Oldendorf | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 52° 10′ N, 9° 21′ O | |
| Fläche: | 5,71 km² | |
| Einwohner: | 320 (31. Dez. 2024) | |
| Bevölkerungsdichte: | 56 Einwohner/km² | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1973 | |
| Eingemeindet nach: | Fischbeck | |
| Postleitzahl: | 31840 | |
| Vorwahl: | 05152 | |
Lage von Haddessen in Niedersachsen | ||
Haddessen ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Der Ort bildete bis 1973 eine selbständige Gemeinde im damaligen Landkreis Grafschaft Schaumburg. Innerhalb von Hessisch Oldendorf gehört Haddessen zur Ortschaft Süntel.
Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am Fuß des südöstlichen Teils des Süntelgebirges auf 202 m ü. NHN, sechs Kilometer östlich der Kernstadt von Hessisch Oldendorf und 11,4 Kilometer nordwestlich der Stadt Hameln am Südrand des Süntel.
Wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern bei Welliehausen zeigen, wurde das Gebiet am Süntel bereits in der Mittelsteinzeit (8000–5600 v. Chr.) von Menschen aufgesucht.
Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie Haddessen, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt. Die Region um Haddessen und Fischbeck war ein früh besiedelter Teil des Schaumburger Landes. „Haddeshusun“ (Haddessen) wurde 954 oder 955 im Zusammenhang mit der Gründung des Stifts Fischbeck gegründet, und ein Hofgründer war Haddo, der dem Ort seinen Namen gab. Der Dorfname bedeutete also ursprünglich „Siedlung der Leute des Haddo“.
Haddessen lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“ des Tilithigaus. Das Gogericht (die „Malstatt“) der Fischbecker Goe befand sich in Fischbeck und wurde ab dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über mehrere Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß. Haddessen gehörte während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zur Vogtei Lachem.
Haddessen gehörte zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.
Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten ab dem frühen 12. Jahrhundert als weltliche Grundherren die Landeshoheit und vergaben in den Sünteldörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen. Das Stift Fischbeck besaß als geistlicher Grundherr bereits im Frühmittelalter Ländereien in Haddessen, darunter eine Schenkung. Das Stift Fischbeck besaß im Hochmittelalter weitere Ländereien, Höfe und Zehntrechte in Haddessen. Zum Ende des Spätmittelalters und zu Beginn der neueren Geschichte erwarben wohlhabende Patrizier und Bürgerfamilien aus der Stadt Hameln ebenfalls Grundbesitz in den Sünteldörfern.
Der Dreißigjährige Krieg war für Haddessen die verheerendste Epoche. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf statt. Das Umland der Sünteldörfer wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Häuser wurden geplündert, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet.
Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet vor. Die Haddesser Bauern wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Krieg führte in der Region zu Hungersnöten.
Bis zum Jahr 1804 gehörte Haddessen zum gemeinsamen Schulverband mit den Nachbarorten Höfingen, Pötzen und Bensen. Ab 1804 wurden die Schüler aus Haddessen und Höfingen in der Schule in Haddessen in einem einklassigen System unterrichtet. Diese Struktur blieb über ein Jahrhundert stabil. In den späten 1960er Jahren wurden die kleinen Dorfschulen am Süntel erneut zu einem gemeinsamen Schulverband mit rollierenden Klassen zusammengeschlossen, bis die Schule in Haddessen ebenso wie die Schule in Höfingen im Jahr 1976 endgültig geschlossen wurde.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Haddessen die Ablösung aller bäuerlichen Lasten vollzogen und eine umfassende Agrarreform durchgeführt. Die Generalteilung der Fischbecker Mark fand statt. Im Rahmen der Spezialteilung wurde die Gemeinheitsteilung und Verkoppelung von Acker- und Wiesenflächen in der Gemarkung Haddessen durchgeführt.
Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte, und es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln. Im Ersten Weltkrieg gab es 12 Gefallene aus Haddessen, im Zweiten Weltkrieg gab es 40 Gefallene aus dem Ort.
Seit der zweiten Hälte des ersten Jahrtausends gehörten die Waldgebiete der sog. Fischbecker Mark um Haddessen zum historischen Süntelwald. Die Bauern in Haddessen konnten seit dem Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Fischbecker Mark (dem östlichen Teil der Schaumburger Mark im Süntel nördlich des Ortes und im Großen Finnenberg südöstlich des Ortes) nutzen. Die Urgenossen in der Fischbecker Mark besaßen nach altem, mündlich überlieferten germanischen Gewohnheitsrecht die sog. „Erbaxt“ bzw. den freien Holzhieb. Rechtlich gab es im Frühmittelalter noch keine abgegrenzten Forstgebiete, die exklusiv zu einer der frühen Germanensiedlungen gehörten. Ab dem Hochmittelalter wurden genossenschaftliche Organisationsformen der Waldwirtschaft geschaffen, die aber ebenfalls noch für mehrere Dörfer galten. Die Haddesser Bauern konnten ihr Vieh, vor allem Schweine und Rinder, zur Waldweide (Waldmast) in die Eichen- und Buchenwälder des Süntels, die Allmende treiben und festgesetzte Mengen von Brenn- und Bauholz für den Eigenbedarf schlagen. Die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel, und das Stift Fischbeck sowie das Augustiner-Chorherrenstift in Hameln besaßen durch Schenkungen und Tauschgeschäfte Pachteinnahmen, Zehntrechte und Holzrechte in und um Haddessen. Erst mit den großen Teilungen und Verkoppelungen ab den 1830er Jahren wurden die mittelalterlichen Gemeinschaftswälder real aufgeteilt, und Forstgenossenschaften entstanden.
Bis zum Frühmittelalter durften die freien germanischen Siedler das Wild frei jagen. Das Jagdrecht, speziell die sog. Hohe Jagd (auf Rothirsche, Wildschweine, Wölfe, Steinadler, Fischadler und Auerhähne), ging jedoch im Hochmittelalter auf den Landesherrn über; die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel. Die Bauern durften nur das sog. Niederwild wie z. B. Rehe, Marder, Iltisse, Dachse usw. jagen. Nach Aufhebung des Jagdregals im Jahr 1848 kam es durch die verschiedenen politischen Zugehörigkeiten von Haddessen zu den Fürstentümern Hessen, Kurhessen und Schaumburg im Zeitverlauf zu unterschiedlichen Situationen des Jagdrechts. Seit 1866 gibt es einen gemeinschaftlichen Jagdbezirk Haddessen-Höfingen. 1944 wurde der Eigenjagdbezirk Finnenberg-Waldgenossenschaft mit Durchführung des Reichsjagdgesetzes von 1934 aufgelöst. 1946 wurde das Jagdrecht von den Britischen Besatzungsbehörden wahrgenommen. Seit dem 18. April 1949 wurde die Jagd wieder verpachtet. Am 18. Dezember 1957 wurde die Jagdgenossenschaft Höfingen als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. 1958 wurden die Jagdbezirke Haddessen (Fläche von 239 ha) und Höfingen neue eigenständige Jagdbezirke.
Haddessen wurde im Jahr 1964 im Zuge des Aufbaus der zentralen Wasserversorgung für die Sünteldörfer über den „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Süntelwald“ an das Trinkwassernetz angeschlossen.
Im Rahmen der flächendeckenden Erschließung der Ortsteile von Hessisch-Oldendorf wurde Haddessen in den 1990er Jahren an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.
Haddessen hat einen eingruppigen Kindergarten und gehört seit 1976 zum Einzugsgebiet der Verlässlichen Grundschule Fischbeck. Weiterführende Schulen werden von Schülern aus Haddessen in der Kernstadt von Hessisch Oldendorf oder in der Stadt Hameln besucht. Weitere Kinderkrippen und Kindergärten befinden sich in Zersen und Fischbeck. Im Ort gibt es einen Kinderspielplatz.
Haddessen gehört zur ev.-luth. Kirchengemeinde Fischbeck. An der Süntelstraße 1 befindet sich der örtliche Friedhof.
Die Freiwillige Feuerwehr Haddessen wurde 1926 gegründet. Im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform 1973 wurde die zuvor selbständige Feuerwehr Teil der neu formierten Stadtfeuerwehr von Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont. Sie wurde mit Inkrafttreten des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes am 1. April 1978 zu einer offiziellen Ortsfeuerwehr. Sie verfügt über ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank (TSF-W) und hat auch eine Jugendfeuerwehr und eine Kinderfeuerwehr.
Das Freibad Süntelbad Haddessen wurde im Jahr 1939 in Betrieb genommen; es musste in der Zeit von 1964 bis 1968 wegen massiver baulicher Mängel und Frostschäden geschlossen werden. Das Freibad wurde saniert und am 23. Juni 1968 wiedereröffnet; es wurde erneut in den Jahren von 1979 bis 1982 saniert. Heute gibt es auf dem Freibadgelände einen Grillplatz. Die Stadt Hessisch Oldendorf hat das Süntelbad an den Trägerverein verpachtet. Im Süntelbad sollen die sanitären Anlagen in einem fortlaufenden Prozess weiter jeweils im Frühjahr modernisiert und barrierefrei gemacht werden. Nach der aktuellen Badesaison sollen im Herbst 2026 Bauarbeiten stattfinden und bis zum Jahresende abgeschlossen werden.
Die Stadt Hessisch Oldendorf kaufte im Jahr 2023 die alte Pfarrscheune in Haddessen von der Kirche und übergab sie an die Dorfgemeinschaft. Es ist geplant, das Gebäude zu einem Dorfgemeinschaftshaus umzubauen; die Stadt hofft auf Zuschüsse vom Amt für regionale Landesentwicklung.
Folgende Vereine befinden sich in Haddessen:
Darüber hinaus sind die Einwohner von Haddessen oft in übergeordneten Vereinen und Einrichtungen der Stadt Hessisch-Oldendorf oder der Stadt Hameln engagiert.
Im Jahr 2000 feierte Haddessen sein 1050-jähriges Dorfjubiläum.
| Jahr | Einwohner | Quelle |
|---|---|---|
| 1830 | 184 | |
| 1850 | 215 | |
| 1871 | 228 | |
| 1895 | 258 | |
| 1910 | 283 | |
| 1939 | 248 | |
| 1950 | 491 | |
| 1961 | 371 | |
| 1970 | 388 | |
| 2024 | 320 | |
Die Kirchenbucheinträge der ev.-luth. Kirchengemeinde Fischbeck zu Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Begräbnissen für Haddessen sind ab 1833 bei Archion digital verfügbar.
Haddessen gehörte vom Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert zur „Fischbecker Goe“ im altsächsischen Tilithigau und zur Vogtei Lachem in der Grafschaft Schaumburg. Nach dem Aussterben der Grafen von Schaumburg in der männlichen Linie fiel Haddessen 1640/1647 an den hessischen Teil der Grafschaft, der zur Landgrafschaft Hessen gehörte und später an das Kurfürstentum Hessen-Kassel. Von 1807 bis 1813 gehörte Haddessen zum Kanton Oldendorf des napoleonischen Satellitenstaats Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel. 1814 fiel Haddessen wieder an das Kurfürstentum Hessen-Kassel zurück. Von 1866 bis 1932 gehörte der Ort zunächst zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und zum Kreis Rinteln und ab 1905 zum Kreis Grafschaft Schaumburg der preußischen Provinz Hessen-Nassau. 1932 wurde der Kreis in die preußische Provinz Hannover umgegliedert. 1945 gehörte Haddessen zur Britischen Besatzungszone, ab 1946 zum Land Hannover und in demselben Jahr zum Regierungsbezirk Hannover im Land Niedersachsen. Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen wurde Haddessen am 1. Januar 1973 Teil der Gemeinde Fischbeck, die ihrerseits am 29. Januar 1973 in die Stadt Hessisch Oldendorf eingemeindet wurde. 1977 wurde die Region um Hessisch-Oldendorf und Fischbeck in den Landkreis Hameln-Pyrmont umgegliedert. Am 31. Dezember 2004 wurden die Regierungsbezirke aufgelöst.
Bürgermeister der Stadt Hessisch-Oldendorf ist Tarik Oenelcin. Ortsbürgermeisterin der Ortschaft Süntel ist Kirsten Mitosinka.
Der Ortsrat Süntel besteht nach der Wahl von 2021 aus Vertretern von SPD, CDU und Grünen. Nach der Kommunalwahl vom 13. September 2026 sind die Ortsbürgermeister bisher noch nicht neu gewählt. Dies geschieht durch die neu gewählten Ortsratsmitglieder.
| Partei | Wahl 2016 | Wahl 2021 | Wahl 2026 |
|---|---|---|---|
| SPD | 27,96% | 40,34% | 47,09% |
| CDU | 42,06% | 50,12% | 52,91% |
| Die Grünen | 14,77% | 9,54% | - |
| FDP | 1,57% | - | - |
| Die Unabhängigen | 0,00% | - | - |
| Die Linke | 2,68% | - | - |
| Piraten | 0,67% | - | - |
| UFB Hameln-Pyrmont | 0,00% | - | - |
| AfD | 10,29% | - | - |
Die Stadt Hessisch Oldendorf hatte einen Dorfentwicklungsplan in Auftrag gegeben, welcher der Stadt im Juni 2020 mit einer Perspektive für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre vorgelegt wurde. Der Entwicklungsplan hat keine rechtliche Verbindlichkeit, dient aber nach dem Beschluss durch den Orts- und Stadtrat als selbstbindender kommunaler Handlungsrahmen für die künftige Entwicklung. Im Jahr 2026 befasst sich der Ortsrat Süntel mit lokalen Infrastrukturprojekten, wie z. B. der Reparatur und dem Neubau von Straßen.
In der Liste der Baudenkmale in Hessisch Oldendorf sind für Haddessen neun Baudenkmale aufgeführt.
Die beiden Hofanlagen Hannebreite 8 und Süntelstraße 22 sowie das alte Schulgebäude stehen in Haddessen unter Denkmalschutz. Ein Findling aus Tertiärquarzit am südöstlichen Ortsrand ist ein Naturdenkmal (siehe Liste der Naturdenkmale in Hessisch Oldendorf).