Lachem

Lachem
Koordinaten: 52° 8′ N, 9° 16′ OKoordinaten: 52° 8′ 24″ N, 9° 16′ 14″ O
Einwohner: 302 (31. Dez. 2022)
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Eingemeindet nach: Hemeringen
Postleitzahl: 31840
Vorwahl: 05158
Lachem (Niedersachsen)
Lachem (Niedersachsen)
Lage von Lachem in Niedersachsen

Lachem ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont. Der Ort gehört zur Ortschaft Hemeringen/Lachem der Stadt Hessisch Oldendorf.

Geografie und Verkehrsanbindung

Der Ortsteil liegt 5,93 km südöstlich der Kernstadt von Hessisch Oldendorf und 8,87 km westlich der Kreisstadt Hameln. Die Weser fließt nordöstlich am Ort vorbei.

Am südlichen Ortsrand verläuft die Landesstraße L 433. Östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße B 83 auf der rechten Seite der Weser.

Geschichte

Vorgeschichte (bis 27 v. Chr.)

Menschliche Anwesenheit in der Region um Lachem von der Altsteinzeit bis zur Eisenzeit

Am Ende der Altsteinzeit (2.500.000-9.500 v. Chr.) und in der Mittelsteinzeit (9.500-5.500 v. Chr.) diente das Wesertal, in dem Lachem liegt, den nomadisierenden Jägern und Sammlern als Wander- und Jagdroute. Altsteinzeitliche Funde sind wegen der in dieser Zeitstellung im Weserbergland vorherrschenden rauen klimatischen Bedingungen jedoch sehr selten. In der Gemarkung Kirchohsen südöstlich von Hameln wurde in den Weserschottern ein ca. 60.000 Jahre alter Faustkeil aus der Altsteinzeit gefunden, der sich im Museum Hameln befindet. Im weiter südlich liegenden Landkreis Höxter wurden Jägerlager und typische Steinartefakte altsteinzeitlicher Gruppen gefunden.

Seit der letzten Eiszeit lagerten sich kalkreiche Gesteinsstäube in den Gletschervorfeldern in windgeschützten Lagen der Mittelgebirge ab. Die hochwassergeschützten Terrassen des Flusstals der Weser bestehen daher aus fruchtbaren Lößböden. Sie eigneten sich gut für frühen Ackerbau und Viehzucht. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sagt: „Erste dauerhafte Siedlungen sind (im zentralen Weserbergland) für das 6. Jahrtausend v. Chr. zu vermuten.“ Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit (5.500-2.200 v. Chr.) wurde das Wesertal, in dem Lachem liegt, zu einem dauerhaften Siedlungsraum. Im Weserbergland ist Fernhandel und Warentausch seit der Jungsteinzeit belegbar. Bis zum Ende der Mittelsteinzeit bauten die als Jäger und Sammler nomadisch lebenden (nicht sesshaften) Menschen noch einfache Laubhütten. Seit der Jungsteinzeit bauten die im Weserbergland, vermutlich auch im Gebiet um Lachem sesshaft gewordenen Menschen auf gerodeten Waldinseln in kleinen weilerartigen Siedlungen und auf einzelnen Gehöften feste Pfosten- und Grubenhäuser, zumeist in der Nähe von Bachläufen. Im Fall von Lachem ist es der Haarbach, der als linker Zufluss in die Weser mündet. Dörfer, wie wir sie heute kennen, sind erst im Hochmittelalter entstanden; ab dem 12./13. Jahrhundert wurden Bauernhäuser in Ständerbauweise, z. T. mit Steinfundamenten üblich.

Im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont wurden immer wieder bearbeitete Feuersteinreste, Schaber, Steinbeile und Äxte entdeckt, die von der Mittelsteinzeit bis zur vorrömischen Eisenzeit auf anfänglich halbnomadische Kulturen, sowie auf spätere frühbäuerliche Kulturen hinweisen.

Römische Kaiserzeit (27 v. Chr.-476 n. Chr.)

Die rhein-weser-germanischen Stämme der Cherusker und der Angrivarier im Siedlungsraum Weserbergland

Das Weserbergland, in dem Lachem liegt, war nach Edward Schröder in der Römischen Kaiserzeit das Kernland des germanischen Stammes der Cherusker. Stämme waren nach Auffassung der jüngeren Forschung aber flüchtige Bündnisse. Der Kontakt zum Römischen Reich trieb die Bildung neuer Gruppen erst voran. Das Weserbergland fungierte eher als dynamischer Bewegungsraum zwischen wechselnden Verbänden, denn als angestammtes Kernland eines einzigen, gleichbleibenden Stammes. Am Ende der Römischen Kaiserzeit gehörte die Region um Lachem wahrscheinlich zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Angrivarier, der in der frühen Römischen Kaiserzeit in der gleichen Zeitstellung wie der Stamm der Cherusker lebte und an der Mittelweser, vornehmlich auf der rechten Weserseite siedelte.

Frühmittelalter (476–1050 n. Chr.)

Von den Angrivariern zum altsächsischen Teilstamm der Engern

Die spätere Saxonia war nach heutigem Stand der archäologischen Forschung in der Zeitstellung vom frühen 6. bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts weitgehend entvölkert. In der Zeitstellung von ca. 536 bis ca. 660 n. Chr. gab es eine kleine Eiszeit (Late Antique Little Ice Age, LALIA), ausgelöst durch drei gigantische Vulkanausbrüche, die weltweit zu Frost im Sommer, Ernteausfällen und Hungersnöten führte und die Bevölkerung im Raum des heutigen Niedersachsen extrem schwächte und ausdünnte. Historiker und Archäologen schätzen die Gesamtbevölkerung im Raum der Saxonia, der in etwa das heutige Niedersachsen, Westfalen, Teile von Schleswig-Holstein und Teile von Sachsen-Anhalt umfasste, im 7. Jahrhundert auf 100.000 bis maximal 300.000 Menschen. Die Region im Weserbergland um Lachem wird in dieser Zeitstellung entsprechend dünn besiedelt gewesen sein. Die Angrivarier und andere Stämme der Rhein-Weser-Germanen (Istwäonen) gingen im Frühmittelalter in die Engern, den mittleren Stammesverband der Altsachsen (Nordseegermanen, Ingwäonen) auf, der nach historischen fränkischen Staatsquellen zwischen den Westfalen und den Ostfalen siedelte. Ab dem 8. Jahrhundert (Frühmittelalter) gehörte die Region um Lachem zum Siedlungsgebiet „Angaria“ der Engern im Stammesherzogtum Sachsen, das sich in seiner größten Ausdehnung um das Jahr 1000 von Meldorf im lange Zeit sehr unabhängigen Dithmarschen in Holstein bis nach Nordhessen, sowie beiderseits der Weser von der Ems bis in die Region Hannover erstreckte.

Der Tilithigau, in dem Lachem im Mittelalter lag, bestand allerdings schon weit vor dem 9. Jahrhundert als alter sächsischer Siedlungsraum. Die Rodung von Wald und die Besiedlung des Gebietes reicht mindestens bis in das Frühmittelalter zurück, fand in den Anfängen aber schon in der Jungsteinzeit statt, wie die archäologische Forschung beweist. Die ältesten mittelalterlichen Siedlungen im seit dem 9. Jahrhundert bestehenden fränkischen Tilithigau, Fischbeck, Unsen, (Bad) Münder, Hilligsfeld, Hajen, Hameln und Ohsen, lagen entweder direkt an der Weser, an ihren Nebenflüssen oder – wie Lachem – in der Talaue der Weser unweit des Flusses. Sie müssen bis zu mehrere Jahrhunderte vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung als Siedlungen existiert haben. Lachem könnte ebenfalls eine der ältesten Siedlungen im Tilithigau sein. Fischbeck gilt als die älteste urkundlich erwähnte Siedlung im Schaumburger Land.

Die Christianisierung der Sachsen an der Oberweser

In Ohsen stand wahrscheinlich die Urkirche im Tilithigau, von der in der fränkischen Okkupationszeit die Missionierung der Einwohner des Tilithigaus ausging. Schwerpunktmäßig vom 9. bis 11. Jahrhundert im Früh- und Hochmittelalter wurden vom Missionszentrum Minden bzw. dem Bistum Minden aus Klöster und Kirchen im Bistum geplant und gegründet. Nach der unter Karl dem Großen erfolgten Christianisierung wurde das germanische Thingsystem in das fränkische Grafschafts- und Gogerichtswesen überführt.

Wie alt ist Lachem?

Lachem wurde erstmals 1237 urkundlich erwähnt. Schriftlich ist der Ort aber möglicherweise bereits in jüngeren Verzeichnissen der Schenkungen (Traditionen) an das Kloster Corvey im späten 10. Jahrhundert als „Lahheim“ erwähnt. Das Dorf dürfte jedoch noch weitaus früher gegründet worden sein. Die Ortsnamenforschung stuft die Gründung des Ortes Lachem in die vorkarolingische bis karolingische Epoche, in der Zeitstufe des älteren Althochdeutschen (ca. 5. bis 9. Jahrhundert) ein. Siedlungsnamen, die auf die Endung -heim zurückgehen, gehören zu den klassischen Altsiedelnamen einer stabilen Landnahmephase. Der erste Namensteil leitet sich vermutlich vom Althochdeutschen läche ab, was etwa Lache, Sumpf oder sumpfige Wiese bedeutet. Lahheim würde demnach Heimstätte an einem Sumpf- oder Gewässergebiet (nahe der Weserschleifen) bedeuten. Vor 1259 wurde ein Theodericus de Lachem urkundlich erwähnt. 1260 wurde der Ort „Merschlachem“ genannt und 1323 „Querlachem“. Es ist unbekannt, seit wann Lachem eine eigene Kirche hat. Der Kirchturm in Lachem geht auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Auch die älteste Kirchenglocke stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ein namentlich nicht genannter Pfarrer von Lachem ist 1329 und 1337 urkundlich belegt. Das ältere Kirchenschiff war etwas kleiner und niedriger als das heutige Kirchenschiff; dieses wurde von der Gemeinde im 16. Jahrhundert, noch vor der Reformation gebaut. Erster namentlich bekannter evangelischer Pastor von Lachem war der um 1599 belegte Johannes Münstermann. Seit dem Mittelalter wurde in Lachem das ostfälische Niederdeutsch gesprochen.

Die Herrschaft der Ekbertiner im 8. und 9. Jahrhundert

Das einflussreiche fränkisch-altsächsische Hochadelsgeschlecht der Ekbertiner (auch Cobbonen genannt), das von Karl dem Großen direkt nach den Sachsenkriegen zwischen 790 und 811 mit umfangreichen Besitzungen im altsächsischen Raum belehnt wurde und das auch großen Eigenbesitz (Allode) in diesem Raum besaß, hatte im Frühmittelalter Verbindungen in den Tilithigau, in dem Lachem lag. Im Hochmittelalter erloschen die Ekbertiner als eigenständige Familie in der männlichen Linie und gingen in andere Grafenhäuser auf. Der Ekbertiner Graf Cobbo der Jüngere (eine Kurzform von Godabert oder Godebert, nachweisbar um 890/921) im Tilithigau (es gab mehrere Vertreter gleichen Namens aus dem Geschlecht der Ekbertiner) verstarb kinderlos. Eine direkte urkundliche Erwähnung der Familie als unmittelbare Eigentümer von Lachem bzw. von Gütern in der Region um Hessisch Oldendorf selbst fehlt jedoch.

Die Herrschaft der Billunger vom 10. Jahrhundert bis 1106

Die mächtigen altsächsisch-engernschen Billunger Herzöge hatten anschließend vom 10. Jahrhundert bis 1106 u. a. im Tilithigau und auch im späteren Schaumburger Land umfangreichen Eigenbesitz (Allode). Die hochadeligen Billunger traten über die weibliche Linie (Heirat von Herzog Hermann Billung mit Oda aus dem Geschlecht der Ekbertiner) die Rechtsnachfolge der Ekbertiner im Tilithigau an. Der ostfränkische König Otto I. übertrug ihnen Grafschaftsrechte und Ämter. Der Billunger Herzog Bernhard II. (regierte 1011 bis 1059) trat nachweislich als oberster Lehnsherr in der Region auf. Vielfach übernahmen die Billunger indirekt auch frühere Besitztümer der Ekbertiner.

Hoch- und Spätmittelalter (1050–1500 n. Chr.)

Das Bistum Minden (etwa 800 bis 1648)

Das Bistum Minden richtete im 12. Jahrhundert 12 Archidiakonate als Unterbezirke des Bistums ein, und der Archidiakon des Bistums Minden und Stellvertreter des Bischofs hatte seinen Sitz im größten Archidiakonat der Diözese wegen der damaligen Bedeutung des Ortes in Ohsen. Der Bezirk des Archidiakonats, das nicht nur ein spiritueller Verbund, sondern auch ein Rechts-, Gerichts- und Verwaltungsbezirk war (bannus seu districtus vel Decanatus in Wesen; mit „Wesen“ ist der Ort Ohsen gemeint), war mit dem altsächsischen Tilithigau räumlich weitgehend deckungsgleich. Kirchenrechtlich gehörte Lachem vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1343 zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden.

Die Grafen von Schaumburg als Landesherren ab 1110

Die aus altsächsisch-engernschem Uradel stammenden, zur Schicht der Edelfreien gehörenden, im Hochmittelalter aufstrebenden Grafen von Schaumburg (bzw. Schauenburg) hatten als weltliche Grundherren im Stammesherzogtum Sachsen bereits seit dem Jahr 1110 die Landeshoheit über ihre Grafschaft an der Weser (in ihren Stammlanden), sowie nördlich der Elbe in Holstein und Stormarn. Sie wurden 1386 vom dänischen König auch mit dem Herzogtum Schleswig belehnt.

Die Grafen von Schaumburg erhielten ihre Grafschaft Schaumburg vom altsächsischen Herzog und späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Lothar III. von Supplinburg (* vor dem 9. Juni 1075, † 4. Dezember 1137) als Lehen und vergaben in den Dörfern ihrer Grafschaft selbst Rechte und Meierhöfe als Lehen. Lachem gehörte zur Grafschaft Schaumburg (Vogtei Lachem). Nach dem Aussterben der Grafen von Schaumburg in der männlichen Linie fiel es an die welfischen Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg (später Kurhannover).

Frühe Neuzeit (1500–1789 n. Chr.)

Bis zum Frühmittelalter durften die freien germanischen Bauern sämtliches Wild frei jagen. Das Jagdrecht, speziell die Jagd auf Braunbären, Rothirsche, Luchse, Wildschweine, Steinadler, Fischadler, Kraniche und Auerhähne, ging jedoch im Hochmittelalter als „Hohe Jagd“, als exklusives Hoheitsrecht, auf den Landesherrn über, der damit auch andere höhere Adlige belehnen konnte. Der Adel bevorzugte die Treibjagd sowie die Jagd mit Falken auf edles Federvieh. Der niedere Landadel und die Geistlichkeit durften hingegen nur das sog. Niederwild, wie z. B. Rehe, Wölfe, Hasen, Füchse, Dachse, Marder, Iltisse und Federvieh jagen. Die bäuerliche Bevölkerung war von der Jagd auf Wildtiere gänzlich ausgeschlossen. Sie musste stattdessen die Flurschäden hinnehmen, die vor allem vom Schwarzwild verursacht wurden. Und die Wilderei wurde hart bestraft. Die Grafen von Schaumburg beanspruchten darüber hinaus in der frühen Neuzeit weitere wirtschaftliche Hoheitsrechte im Süntel.

Die Reformation wurde in der Grafschaft Schaumburg vergleichsweise spät im Jahr 1559 eingeführt. Graf Otto IV: von Schaumburg (* 1517, † 21. Dezember 1576) hatte 1558 Elisabeth Ursula, die Tochter von Ernst I., Herzog von Braunschweig-Lüneburg geheiratet und im Ehevertrag zugesichert, einen lutherischen Hofprediger zu berufen. Er führte 1559 die Mecklenburgische Kirchenordnung von 1552 in der Grafschaft Schaumburg ein. Zu Pfingsten 1559 wurde auf Veranlassung von Graf Otto IV. von Schaumburg der erste evangelisch-lutherische Gottesdienst in der Stiftskirche in Fischbeck gefeiert. 1564 wurden die Kirchengemeinden der Grafschaft Schaumburg erstmals visitiert. Seit der Reformation 1559 lag das Kirchenpatronat beim jeweiligen Landesherrn.

Während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1625 schlug der kaiserliche Feldherr Graf von Tilly sein Quartier direkt im Lachemer Amtshaus auf. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf zwischen den protestantischen schwedischen, hessischen und lüneburgischen Truppen unter Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg (Georg von Calenberg, * 17. Februar 1582, † 2. April 1641) und dem katholisch-kaiserlichen Heer unter dem Feldherrn Johann T’Serclaes Graf von Tilly (* Februar 1559, † 30. April 1632) statt. Dies war der verheerendste Einschnitt der Dorfgeschichte von Lachem. Das Umland wurde im zeitlichen Zusammenhang mit der Schlacht nach dem Prinzip „Der Krieg ernährt den Krieg“ von kaiserlichen und schwedischen Söldner-Truppen rücksichtslos nach Nahrung, Vieh und Wertsachen durchsucht, geplündert und oft in Brand gesteckt.

Graf Otto V. von Schaumburg starb 1640. Damit starben die Grafen von Schaumburg in der männlichen Linie aus, und die Grafschaft Schaumburg wurde aufgeteilt. Die Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg zogen den südlichen Teil, die kleine Vogtei Lachem, als erledigtes Lehen ein. Mit dem Lauenauer Vertrag vom 1. Oktober 1647 und dem Lachemer Grenzrezeß vom 3. Juni 1648 wurde die Grenze endgültig festgeschrieben. Der Welfenherzog Christian Ludwig erhielt Lachem, Hemeringen, Haverbeck, Wahrendahl und Posteholz und machte Lachem zur landesherrlichen calenbergischen Amtsvogtei. Die alten hölzernen Grenzpfähle an der Grenze zu Hessen-Kassel und zu Lippe-Detmold wurden 1725 durch runde Malzeichen-Grenzsteine ersetzt. Am Goldbecker Dreiländereck markiert noch heute der historische Stein Nr. 1 mit der braunschweig-lüneburgischen Wolfsangel die Grenze des damaligen Amtes Lachem.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war die gesamte Region wirtschaftlich ruiniert. Durch Söldnergewalt, Kontributionszahlungen, Hungersnöte und die Pestepidemie verlor das Weserbergland zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung. Und die landwirtschaftlichen Strukturen erholten sich erst nach Jahrzehnten.

Die Gemeinde Lachem bat nach diesem Krieg das Konsistorium Hannover darum, Halvestorf und Haverbeck wieder nach Lachem einzupfarren, um die Einkünfte des Pastors aufzubessern. In der Kapelle Haverbeck hielt der Pastor pro Jahr vier Gottesdienste. Die erste Beschreibung der Lachemer Kirche wurde im Corpus bonorum (lat. für Gesamtheit der Güter, historisches Güterverzeichnis) von 1734 überliefert.

Bereits im 13. Jahrhundert wurde die Königlich Lachemsche Forst gegründet. Im 16. und 17. Jahrhundert gab es wegen der Lachemer Forst große Streitigkeiten mit den Nachbardörfern Schönhagen, Dehmke, Posteholz, Schwöbber, Grupenhagen und der Stadt Hameln, mit teils blutigen Übergriffen. So gab es 1640 den Sternberger Überfall und 1649 den Boldenkovener Schweinekrieg. Die Bauern aus den Bergdörfern weigerten sich, die Forstpflege zu übernehmen. 1765/1766 wurde die Lachemsche Forst (alter Name) vermessen. Dies ergab eine Größe von 2.257,5 Hektar (9.030 Morgen). Die Landesherren stellten früh fest, dass die Waldflächen immer kleiner wurden. Die Lachemsche Forst verlor über einen Zeitraum von 90 Jahren 382,5 Hektar Wald und war in einem schlechten Zustand. Ursachen waren

Heute werden in den Mischwäldern der Lachemer Forst pro Jahr rund 6.000 Festmeter Holz im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzips eingeschlagen, und es wird aktiv Brennholz an Privatabnehmer aus der Region vertrieben.

Hexenverfolgungen gab es in der Grafschaft Schaumburg vor allem in der Zeitstellung zwischen 1558 und 1660. Denunziationen gingen meistens von Dorfbewohnern aus, die ihren Nachbarn Missernten, Viehsterben oder plötzliche Krankheiten als „Schadenszauber“ anlasteten.

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) war Lachem nach der Schlacht bei Hastenbeck (1757) Teil des von den Franzosen besetzten Gebietes im Fürstentum Calenberg und musste enorme Zwangsabgaben von Korn, Vieh und Geld an die französischen Truppen leisten. Die Bauernschaft wurde an den Rand des Ruins getrieben.

Neuere und neueste Geschichte (1789-heute)

In der Zeit der französischen Fremdherrschaft wurde die Amtsvogtei Lachem aufgelöst und dem Kanton Aerzen (Distrikt Rinteln im Leinedepartment) des napoleonischen Königreichs Westphalen einverleibt. Die Bevölkerung wurde durch hohe Steuern und die Zwangsrekrutierung junger Männer für die napoleonischen Heere belastet.

Nach dem Sturz Napoléon Bonapartes (* 15. August 1769, † 5. Mai 1821) wurde die Amtsvogtei Lachem 1823 kurzfristig wiederhergestellt, aber noch im gleichen Jahr aufgrund ihrer geringen Größe (sie umfasste im Kern nur zwei Kirchspiele) im Zuge einer Verwaltungsreform mit dem Amt Aerzen und der Stadtvogtei Hameln zum neuen Amt Hameln vereinigt. Der Amtssitz wurde dauerhaft nach Hameln verlegt. Das Leben der bäuerlichen Bevölkerung von Lachem war in dieser Zeitstellung hart. Sie waren arm und mussten die Äcker hart bearbeiten und nebenbei unbezahlte Hand- und Spanndienste oder Wachdienste für den calenbergischen Landesherrn leisten.

In den Jahren 1842/1843 fand die Ablösung des Zehnten statt; die Bauern erhielten mehr Rechte. 1846 wurde durch eine erneute Vermessung eine Größe der Lachemschen Forst von 1.875 Hektar festgestellt. Dies diente bei der Generalteilung als Grundlage für die Gründung der Forstgenossenschaft Lachem, die in den Jahren 1855/1856 stattfand. Die Forstgenossenschaft Lachem wurde als einzige auf der Größe einer Vogtei gegründet, dadurch ist sie eine der größten in Niedersachsen. Von der gesamten Forstfläche wurden noch einmal 522 Hektar für die Abfindung der Huderechte an die Bauern und Schäfer verteilt. Als Restgröße des Forstes verblieben 1.351,22 Hektar. Zur Forstgenossenschaft gehörten 379 Interessenten aus sieben Bauerschaften: Hemeringen mit Wahrendahl, Lachem, Haverbeck, Halvestorf mit Bannensiek, Weidehohl und Hope, Herkendorf, Dehmkerbrock mit Posteholz, Rodenbeck, Pessinghausen und Wördeholz und Egge mit Flakenholz, Schevelstein, Boldenkoven und Schalkshof.

Zur Sozialstruktur des Dorfes Lachem schrieb der Gemeindepastor 1958: „Die Gemeinde besteht aus 2/5 Bauern und der Rest Arbeiter und Handwerker. Ungefähr 3/7 der Bevölkerung sind Flüchtlinge. Man sucht miteinander auszukommen.“

Zum 1. Januar 1974 schlossen sich die Kirchengemeinden Hemeringen und Lachem und die Kapellengemeinde Haverbeck zusammen und gründeten die neue Kirchengemeinde Hemeringen-Lachem. Die Turmhalle der Lachemer Kirche diente in vergangener Zeit als Gruft der Familie von Mengersen zu Helpensen; die letzte Beisetzung fand dort 1851 statt. Der ursprüngliche kirchliche Friedhof von Lachem lag rund um die Kirche; ein neuer kirchlicher Friedhof wurde 1854 ca. 300 Meter nordwestlich der Kirche angelegt. 1967 wurde dort eine Friedhofskapelle gebaut. Das alte Pfarrhaus in Lachem wurde um 1800 gebaut; das neue Pfarrhaus entstand im Jahr 1976.

In Lachem befindet sich ein eingruppiger Kindergarten. In der näheren Umgebung gibt es weitere Kindergärten in Fuhlen, Hemeringen, Heßlingen und Rumbeck. Lachemer Schüler gehen in die Schule in Hemeringen.

Lachem hat nach einer erfolgreichen Dorferneuerung wiederholt Auszeichnungen im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ erreicht. Sehenswert ist der historische Dorfkern.

Vereine, Interessengemeinschaften und Organisationen

Im Ort gibt es einen Sportplatz, einen öffentlichen Spielplatz und einen Kindergartenspielplatz.

Persönlichkeiten

Einwohnerentwicklung

Einwohnerentwicklung von Lachem
Jahr 1810 1925 1933 1939 2022
Einwohnerzahl ca. 380 341 341 360 302

In den Kirchenbüchern sind folgende Einträge erhalten geblieben:

Natur- und Baudenkmale

In der Liste der Naturdenkmale in Hessisch Oldendorf ist für Lachem ein Naturdenkmal aufgeführt.

In der Liste der Baudenkmale in Hessisch Oldendorf sind für Lachem 26 Baudenkmale aufgeführt, darunter die evangelische Kirche St. Paulus.

Politische Zugehörigkeiten

In den ersten Jahrhunderten n. Chr. gehörte die Region um Lachem zum Stammesgebiet der Cherusker und später der Angrivarier sowie flexiblen Siedlungsgemeinschaften und Sippen in der Germania Magna. Ab dem 5. bis 6. Jahrhundert bis ca. 780 n. Chr. war das Gebiet um Lachem im Tilithigau sächsisches Stammesgebiet mit einer losen Verwaltung durch altsächsische Adelsfamilien und Thing-Versammlungen. Ortsnamenforscher datieren die Gründung von Lachem in die Zeitstellung vom 5. bis 9. Jahrhundert im Frühmittelalter. Von ca. 780 bis 843 stand die Region um Lachem vor, während und nach den Sachsenkriegen zumeist unter fränkischer Herrschaft. Lachem gehörte bis 1180 zum Tilithigau im mittleren Teilstammgebiet Engern im Stammesherzogtum Sachsen. Von 843 bis 962 gehörte Lachem zum Ostfrankenreich. Von 962 bis 1806 gehörte der Ort über eine Zeitspanne von 844 Jahren zum Heiligen Römischen Reich. Ab 1137 im Hochmittelalter gehörte Lachem zur Grafschaft der altsächsisch-engernschen Grafen von Schaumburg und Holstein. Lachem gehörte seit dem 13. Jahrhundert im Spätmittelalter zur kleinen Vogtei Lachem in der Grafschaft Schaumburg. Nach einem historischen Gerücht soll u. a. der letzte Graf, Otto V. zu Holstein-Schaumburg, 1640 bei einem Bankett der evangelischen Kriegsparteien im Dreißigjährigen Krieg in Hildesheim vergiftet worden sein. Am 15. November 1640 starben mit ihm die Grafen von Schaumburg in der männlichen Linie aus. Der südöstliche Teil der Grafschaft, in dem Lachem liegt, wurde dem protestantischen welfischen Fürstentum Calenberg-Göttingen zugeschlagen. Das Dorf war Sitz der kleinen Amtsvogtei Lachem. Von 1692 bis 1810 gehörte Lachem zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurfürstentum Hannover (Kurhannover). Von 1810 bis 1813/1814 gehörte Lachem zum Kanton Aerzen im Distrikt Rinteln des Leinedepartments im napoleonischen Satellitenstaat Königreich Westphalen. Von 1815 bis 1866 gehörte der Ort erneut zur Amtsvogtei Lachem im Königreich Hannover. Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen gehörte der Ort ab 1866 zum Königreich Preußen. Von 1823 bis 1885 gehörte der Ort zur Landdrostei Hannover und von 1885 bis 1922 zum Kreis Hameln im Regierungsbezirk Hannover. 1823 gehörte Lachem kurz zum Amt Aerzen, 1823 bis 1852 zum Amt Hameln (das aus der Stadtvogtei Hameln, dem Amt Aerzen und dem Amt Lachem hervorging), 1852 bis 1859 erneut zum Amt Aerzen, 1859 bis 1885 erneut zum Amt Hameln, seit Einführung der Kreisverfassung 1885 bis 1922 zum Kreis Hameln und 1922 bis 1945 zum Landkreis Hameln-Pyrmont. Von 1866 bis 1945 gehörte der Ort Lachem zunächst zur preußischen Provinz Hannover und zum Kreis Rinteln und ab 1905 zum Kreis Grafschaft Schaumburg der preußischen Provinz Hessen-Nassau. 1945 gehörte Lachem zur Britischen Besatzungszone, ab 1946 zum Land Hannover und in demselben Jahr zum Regierungsbezirk Hannover im Land Niedersachsen. Am 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Lachem im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen vom Landkreis Hameln-Pyrmont in den Landkreis Grafschaft Schaumburg umgegliedert und Teil der Ortschaft Lachem-Hemeringen. Die bisher selbständigen Gemeinden Friedrichsburg, Friedrichshagen, Fuhlen, Heßlingen, Lachem und Rumbeck wurden eingegliedert. Am 29. Januar 1973 wurde Lachem der Stadt Hessisch Oldendorf zugeordnet. 1977 wurde die Region um Hessisch Oldendorf und Lachem wiederum in den Landkreis Hameln-Pyrmont umgegliedert. Am 31. Dezember 2004 wurden die Regierungsbezirke aufgelöst.

Politik

Die Bürgermeister

Hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Hessisch Oldendorf ist seit dem Jahr 2021 Tarik Oenelcin (parteilos). Er wurde bei der Bürgermeisterwahl für die gesamt Stadt Hessisch Oldendorf, zu der Lachem gehört, am 13. September 2026 mit einer überwältigenden Mehrheit von über 90 Prozent im Amt bestätigt.

Ortsbürgermeister der Ortschaft Hemeringen/Lachem ist Klaus Brzesowsky (SPD). Nach der Kommunalwahl vom 13. September 2026 sind die Ortsbürgermeister bisher noch nicht gewählt. Dies geschieht erst noch durch die neu gewählten Ortsratsmitglieder.

Der Ortsrat Hemeringen/Lachem

Hemeringen bildet mit dem Nachbarort Lachem einen gemeinsamen Ortsrat. Der Ortsrat hat 11 Mitglieder.

Sitzverteilung im Ortsrat Hemeringen/Lachem nach den Kommunalwahlen von 2021 und 2026:

Sitzverteilung im Ortsrat Hemeringen/Lachem
Politische Partei Ortsratswahl 2021 Ortsratswahl 2026
SPD 5 Sitze 3 Sitze
CDU 5 Sitze 7 Sitze
Bündnis 90/Die Grünen 1 Sitz 1 Sitz

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Nahverkehrsplan 2023 – 2027 / ANLAGE 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. (PDF; 406 KB) Landkreis Hameln-Pyrmont, S. 3, abgerufen am 8. November 2024.
  2. ↑ Quellen: a) Oskar Grupe: Über jüngeren und älteren Löß im Flussgebiet der Weser, in: Jahrbuch F., 37/1, 1916, S. 144–163; b) Zeitschrift Eiszeitalter und Gegenwart. Quarternary Science Journal, Vol. 60, Nr. 1, 2011, S. 27–41, ISSN 0424-7116. c) Für den übergreifenden regionalen Kontekt der altsteinzeitlichen Besiedlung: Jens Berthold: Archäologie zwischen Hameln und Hoya. Die neue Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte (NNU), Band 80, S. 3–11, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.
  3. ↑ Quelle: Museum Hameln: Katalog der archäologischen Dauerausstellung: Abteilung Ur- und Frühgeschichte, Exponat Faustkeil aus den Weserkiesen von Emmerthal/Kirchohsen, Hameln.
  4. ↑ Quelle: Michael Baales, Hans-Otto Pollmann & Bernhard Stapel: Westfalen in der Alt- und Mittelsteinzeit, hrsg. vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Münster, 2013, ISBN 978-3-8053-4793-8.
  5. ↑ Quelle: Karl-Heinrich Hartge & Francis Bailly: Beziehungen zwischen Staunässemerkmalen, Wasserleitfähigkeit und Porenkontinuität in Löß-Parabraunerden im südlichen Niedersachsen, in: Zeitschrift für Pflanzenernährung, Düngung und Bodenkunde, 1967, ISSN 0372-9702.
  6. ↑ Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Lößboden - Boden des Jahres 2021, in: https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/bodenschutz/boden2021.html, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. ↑ Quelle: Christian Wiegand, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (Hrsg.): Kulturlandschaftsräume und historische Kulturlandschaften landesweiter Bedeutung in Niedersachsen. Landesweite Erfassung, Darstellung und Bewertung, Hannover, 2019, S. 261.
  8. ↑ Quellen: a) Thomas Saile: Aspekte der Neolithisierung in der Weser-Harz-Region, Germania: Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Vol. 85, 2007, S. 181–197, ISSN 0016-8874; b) Ernst Sprockhoff: Altlas der Megalithgräber Deutschlands, Rudolf Habelt Verlag, Bonn, 1975; c) Waltraud Schrickel: Westeuropäische Elemente im neolithischen Grabbau Mitteldeutschlands und die Galeriegräber Westdeutschlands und ihre Inventare. B
  9. ↑ Quelle: Geologischer Dienst NRW: Geologie im Weser- und Osnabrücker Bergland, Krefeld, 2003, S. 109, ISBN 978-3-86029-932-6.
  10. ↑ Die Verortung des Siedlungsraums der Angrivarier in der Römischen Kaiserzeit an der Mittelweser ist wissenschaftlicher Standardkonsens. Quelle: Reinhard Wenskus: Angrivarier, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), 2. Auflage, Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York, 1973, S. 333, ISBN 3-11-004489-7.
  11. ↑ Quelle: Reinhard Wenskus: Angrivarier, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), 2. Auflage, Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York, 1973, S. 333, ISBN 3-11-004489-7.
  12. ↑ Quellen: a) Ludwig Schmidt: Geschichte der deutschen Stämme bis zum Ausgange der Völkerwanderung, Nachdruck des Originals von 1907, Salzwasser Verlag, 2015, ISBN 978-3-86382-485-3. b) Klaus Tausend: Im Inneren Germaniens: Beziehungen zwischen den germanischen Stämmen vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. Geographica Historica, Band 25, Stuttgart, 2009, ISBN 978-3-515-09416-0. c) Hans-Dieter Berlekamp: Rhein-Weser-Germanen, in: Bruno Krüger (Hrsg.): Die Germanen I, Berlin, 1978, S. 396–403, Digital- und Print-Nachdruck des Verlags Walter De Gruyter: ISBN 978-3-11-261794-6.
  13. ↑ Quellen zur Kleinen Eiszeit in der Spätantike: a) Ulf Büntgen u. a.: Cooling and societal change during the Late Antique Little Ice Age from 536 to around 660 AD. In: Nature Geoscience 9, 2016, 231–236, ISSN 1752-0894. b) Joel D. Gunn (Hrsg.): The Years without Summer. Tracing A.D. 536 and its Aftermath. Archaeopress, Oxford 2000, ISBN 1-84171-074-1 (BAR. International Series 872). c) Kyle Harper: Climate, Disease and the Fate of Rome. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2017, ISBN 978-0-691-16683-4. Dt. Übersetzung: Fatum. Das Klima und der Untergang des Römischen Reiches. C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74933-9. Siehe Klimaanomalie 536–550.
  14. ↑ Detaillierte historische Schätzungen liefert Hans-Jürgen Häßler: Niedersachsens frühe Bevölkerung: Die Altsachsen der Römischen Kaiserzeit und des frühen Mittelalters. Versuch einer kulturhistorischen Würdigung anhand archäologischer Forschung, Isensee Florian GmbH, 2004, ISBN 978-3-89995-094-6. Wenn man die von Historikern geschätzte maximale Bevölkerungszahl in der Saxonia im 7. Jahrhundert (300.000) mit der heutigen statistisch belegten Bevölkerungszahl von Niedersachsen (ca. 8.000.000) ins Verhältnis setzt und in beiden Zeitstellungen ein gleiches prozentuales Verhältnis der Bevölkerungszahl im Raum Lachem zur Gesamtbevölkerung im Raum der historischen Saxonia bzw. zur Gesamtbevölkerung im Raum Niedersachsen annimmt, dürften in Lachem im 7. Jahrhundert geschätzt zwischen 5 und 10 Menschen in einem oder zwei Einzelgehöften gelebt haben, während heute über 300 Einwohner in Lachem leben. Wenn diese Annahme stimmt, hätte sich die Bevölkerungszahl in Lachem in einer Zeitspanne von 14 Jahrhunderten um das 30- bis 60-fache erhöht. Diese kontrafaktische Hypothese ist für Lachem aber weder geschichtswissenschaftlich, noch archäologisch belegt und dient hier allein der Veranschaulichung demografischer Veränderungen im Vergleich von zwei verschiedenen Zeitstellungen in Lachem.
  15. ↑ Von „Altsachsen“ als dem sich im Zeitverlauf verändernden Siedlungsgebiet der Altsachsen in Norddeutschland, spricht man nach dem Historiker Matthias Becher ab dem 4. Jahrhundert bis zum Sturz des Herzogs Heinrich der Löwe und zur Zerschlagung des Stammesherzogtums Sachsen im Jahr 1180. Quelle: Matthias Becher: Rex, Dux und Gens. Untersuchungen zur Entstehung des sächsischen Herzogtums im 9. und 10. Jahrhundert, Matthiesen Verlag, Husum, 1999, ISBN 3-7868-1444-9. Der Name des Teilstamms der Engern ist in nur wenigen erhaltenen Urkunden dokumentiert: a) den Fränkischen Reichsannalen von 775, b) dem Capitulare Saxonum von 797, c) dem Mainzer Geiselverzeichnis von 803/804, d) der Poeta Saxo von 889 (als das dritte sächsische Volk, „populus Saxonum tertius“) und e) der Gelnhäuser Urkunde von 1180.
  16. ↑ Der Historiker Caspar Ehlers (* 1964) hat die Liste der vier ausschließlich fränkischen Staatsdokumente analysiert und aufgezählt, in denen der Name des altsächsischen Teilstamms der Engern auftaucht. Diese Zusammenstellung wird auch von der Historischen Kommission für Westfalen in aktuellen Fachpublikationen aufgegriffen. Quelle: Caspar Ehlers: Geld und Münzstätten als Mittel politischer Integration. Das sächsische Beispiel, in: Jörg Jarnut & Jürgen Strothmann (Hrsg.): Die Merowingischen Monetarmünzen als Quelle zum Verständnis des 7. Jahrhunderts in Gallien, Paderborn, Fink, 2013, S. 585–600. Das Gesamtwerk hat die ISBN 978-3-7705-5548-2.
  17. ↑ Archäologische Funde wie das Steinkistengrab in Rohden und das Felsovalbeil in Tündern belegen die Besiedlung des Wesertals in der Jungsteinzeit. Quellen: a) Waltraud Schrickel, 1966; b) Ernst Sprockhoff, 1975; c) Thomas Saile, 2007; d) Daniel Lau, 2022.
  18. ↑ Mit der Missionstätigkeit des Mönchs Erkanbert in Hameln Ende des 8. Jahrhunderts und dem Gut des altsächsischen Grafen Bernhard von Engern und Ohsen († 826) in Hameln (gegründet 802 oder 812), das zu dessen Eigenbesitz (Allod) gehörte und auf dem er eine Eigenkirche errichtete, gehört Hameln zu den ältesten beurkundeten Siedlungen im gesamten Weserraum, wird aber in der gleichen Zeitstellung wie Fischbeck als Siedlungsplatz entstanden sein, wenn man den alten fränkischen Königshof und die erste kleine Missionskirche in Fischbeck berücksichtigt. Quelle: Klaus Nass: Untersuchungen zur Geschichte des Bonifatiusstifts Hameln, Band 83 der Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte und Studien zur Germania Sacra, 1986, ISBN 3-525-35399-5.
  19. ↑ Ohsen wurde erstmals im Jahr 1004 in einer Urkunde des ostfränkischen Königs Heinrich II. für das Kloster Fischbeck erwähnt, wird aber als möglicher Stützpunkt der karolingischen Franken deutlich älter sein. Ohsen war der Sitz des größten Archidiakonats des Bistums Minden, zu dem 54 Kirchen gehörten. Quelle: Albert Neukirch (Hrsg.): Urkundenbuch des Stifts Fischbeck, 1933. Ein von Stefan Weinfurter 1978 im Verlag Bösendahl herausgegebener späterer Band des Urkundenbuchs über den Zeitraum 955–1470 hat die ISBN 978-3-87085-157-6.
  20. ↑ Quellen: a) Ernst Friedrich Johann Dronke (Hrsg.): Traditiones et antiquitates Fuldenses, Fulda, 1844; b) Kirstin Casemir & Uwe Ohainski: Niedersächsische Orte bis zum Ende des ersten Jahrtausends in schriftlichen Quellen, Hahnsche Buchhandlung, S. 56, ISBN 978-3-7752-5843-2; c) Gudrun Pischke: Zur Ersterwähnung von Ortsnamen in Schriftquellen mit 1200 Jahre Bevern, in: Südniedersachsen, Zeitschrift für regionale Forschung und Heimatpflege, 51. Jahrgang, S. 82, 3. Dezember 2023.
  21. ↑ Ältere Ersterwähnungen von Schenkungen in den Fuldaer Traditionen des 744 gegründeten Klosters Fulda sind in Abschriften des 12. Jahrhunderts überliefert worden.
  22. ↑ Quelle: HKLH: Artikel Lachem, in: https://kirchengemeindelexikon.de/einzelgemeinde/lachem/, abgerufen am 2. Oktober 2026.
  23. ↑ Quelle: Artikel Lachem, in: https://www.hessisch-oldendorf.de/portal/seiten/lachem-900000120-33910.html, abgerufen am 2. Oktober 2026.
  24. ↑ Quelle: Kirsten Casemir & Uwe Ohainski: Die Ortsnamen des Landkreises Hameln-Pyrmont, in: Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB), Teil XIII (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen), hrsg. von Jürgen Udolph (im Auftrag der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen), Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2021.
  25. ↑ Quellen: a) Hans-Joachim Freytag: Die Herrschaft der Billunger in Sachsen, in: Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsen, Heft 20, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1951; b) Gudrun Pischke: Die Herrschaftsbereiche der Billunger, der Grafen von Stade, der Grafen von Northeim und Lothars von Süpplingenburg. Quellenverzeichnis. In: Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsen, Heft 29, Lax, Hildesheim, 1984.
  26. ↑ Quelle: Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen, S. 390 und 407, 1984, ISBN 978-3-7705-2267-5.
  27. ↑ Die altsächsisch-engernschen Billunger hatten großen Eigenbesitz (Allode) und Lehngut in ihrem Stammland im sächsischen Bardengau und an der Ilmenau um Lüneburg, im Weser-Leine-Bergland, im Laargau und Astergau um Jever nahe der Wesermündung (wo sie die Schifffahrtswege kontrollierten), im Raum Corvey, im heutigen Schleswig-Holstein, im heutigen Sachsen-Anhalt und am Niederrhein. Im Bistum Minden verdichtete sich der billungische Besitz. Durch die Heirat von Wichmann dem Älteren (* um 900; † vermutlich 23. April 944) mit einer Schwester der Königin Mathilde aus der Nachfahrenschaft des Sachsenherzogs Widukind gelangten enorme Besitz- und Herrschaftstitel an die Familie. Sie besaßen die Schalksburg bei Porta Westfalica und die Bückeburg. Im Raum Hameln und Ohsen besaß die Familie bedeutende Eigengüter (Allode) und gräfliche Rechte. Die Billunger waren vom späten 10. Jahrhundert bis zu ihrem Aussterben im Mannesstamm im Jahr 1106 Schutzvögte der Frauenstifte Fischbeck und Kemnade. Zwei Schwestern aus der Billunger-Familie, mutmaßlich Töchter des Billunger Grafen Wichmann des Älteren, die Gräfin Imma (* 10. Jh.; † nach 1017) und die Äbtissin Frederuna (* 10. Jh.; † 1025), sollen um das Jahr 960 unter der Herrschaft von Kaiser Otto I. dem Großen (* 23. November 912; † 7. Mai 973) unter Einbringung ihres gesamten Eigenbesitzes (Allode) das Frauenstift Kemnade gegründet haben. Sie werden in der Königsurkunde von Kaiser Heinrich II. (* 6. Mai 973; † 13. Juli 1024) vom 8. November 1004 genannt. Die Hypothese, dass sie aus der Billunger-Sippe und nicht aus einem anderen regionalen Adelsgeschlecht stammten, ist zwar plausibel, aber in der modernen Forschung stark umstritten. Das Stift Kemnade ist geringfügig jünger als das 955 gegründete Stift Fischbeck, während das 896 gegründete Damenstift Möllenbeck 59 Jahre älter und das am 10. Februar 1167 gegründete Augustiner-Chorfrauenstift Obernkirchen 212 Jahre jünger als das Stift Fischbeck sind. Quellen: a) Nathalie Kruppa: Die Billunger und ihre Klöster, zit. Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung: Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Münstersche Mittelalterschriften. Hrsg.: Brill Fink, 1984, ISSN 1867-0059. b) Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg: Schaumburg im Mittelalter - Entwicklung grundlegender Strukturen, in: https://www.histag-schaumburg.de/, abgerufen am 8. Juli 2026. c) Nicolaus Heutger: Das Stift Möllenbeck an der Weser. Kanonissenstift, Windesheimer Chorherrenstift, Evangelisches Stift. 2. Auflage. Hildesheim 1987, ISBN 3-7848-4012-4. Dieter Brosius: Das Stift Obernkirchen 1167–1565, Schaumburger Studien, Heft 30, Grimme Verlag, Bückeburg, 1972, ISBN 3-87277-030-6.
  28. ↑ Quellen: a) Nathalie Kruppa: Die Billunger und ihre Klöster. Beispiele zu den weitläufigen Verbindungen im frühmittelalterlichen Sachsen. In: Concilium Medii Aevi 12, S. 1–41. 2009, abgerufen am 30. Oktober 2025. b) Die Billunger. Die sächsische Herzogsfamilie im Blick aktueller Forschung. In: Carolin Triebler, Florian Hartmann, Rainer-Maria Weiss (Hrsg.): Veröffentlichungen des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseum Harburg. Hamburg 2023, ISBN 978-3-931429-43-0.
  29. ↑ Die Grafen von Schaumburg waren als Landesherren in ihren Territorien vielfach wirtschaftlich erfolgreich, nicht nur in ihrer Grafschaft Schaumburg im Weserbergland. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts traten sie auch als Lokatoren und Kolonisatoren auf. Nachdem Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein den slawischen Stamm der Wagrier, der in Oldenburg (Holstein), Eutin und Alt-Lübeck saß, in den Jahren 1139 bis 1140 im Gebiet des heutigen Lübeck bekämpft und besiegt hatte, gründete er im Jahr 1143 die Stadt Lübeck als erste Stadt an der Ostsee auf dem Territorium des heutigen Deutschland, lockte Siedler aus Westfalen, Holland und Flandern an und brachte die spätere Hansestadt zur ersten wirtschaftlichen Blüte. In den Jahren 1186/1187 gründete Graf Adolf III. von Schauenburg und Holstein die Hamburger Neustadt am rechten Alsterufer im Bereich der sogenannten neuen Burg und lockte Siedler an, während die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen sowie der Hamburger Domprobst und das Hamburger Domkapitel die Hamburger Altstadt beherrschten. Graf Adolf III. erhielt im Jahr 1189 von Kaiser Friedrich Barbarossa den berühmten Freibrief für den Hamburger Hafen und die Schifffahrt. Ab 1241 entstand der Städtebund der Hanse.
  30. ↑ Quelle: Carl Wilhelm Wippermann: Regesta Schaumburgensia: Die gedruckten Urkunden der Grafschaft Schaumburg, Kassel, 1853. Eine moderne Druckausgabe des Antigonos Verlages von 2025 mit fotografischen Nachdrucken hat die ISBN 978-3-563-43774-2.
  31. ↑ Der schwedische Feldmarschall Dodo zu Innhausen und Knyphausen (* 1583, † 1636) befehligte in der Schlacht bei Hessisch Oldendorf wesentliche Teile des schwedischen Kontingents. Peter Melander, der Graf von Holzappel (* 8. Februar 1589, † 17. Mai 1648) befehligte die Truppen der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Der schwedische Generalmajor Lars Kagg (* 1. Mai 1595, † 19. November 1661) befehligte den wichtigen rechten Flügel der protestantischen Armee. Schlachtentscheidend war die von den Kaiserlichen unbemerkte Attacke des ortskundigen lokalen Rittmeisters Cord Meyer im Blauen/Cavallerieregiment des Herzogs von Celle in den Rücken der kaiserlichen Truppen, während gleichzeitig der finnische Oberst und schwedische General Torsten Stalhandske (* 1593 oder 1594, † 21. April 1644) die Kaiserlichen frontal angriff. Dies führte in eine tödliche Zweifronten-Schlacht und zum Sieg der Protestanten bei Hessisch Oldendorf, sowie in der Folge zur Befreiung der Festung Hameln von den katholisch-kaiserlichen Besatzungstruppen.
  32. ↑ Walter Uhlenbrock: Historisches und Wissenswertes der Forstgenossenschaft Lachem, in: https://www.fgl-lachem.de/historie.php, abgerufen am 2. Oktober 2026.
  33. ↑ In der Chronik des Dorfes und der Vogtei Lachem der Heimatgruppe Lachem wurden die historischen Akten und Protokolle aufgearbeitet. Dies sind insbesondere die Inventare des damaligen Amtmanns Arnold Heinrich Wagemann von 1797 und Berichte aus den späten 1790er Jahren über die Lage im Ort.
  34. ↑ Walter Uhlenbrock: Historisches und Wissenswertes der Forstgenossenschaft Lachem, in: https://www.fgl-lachem.de/historie.php, abgerufen am 2. Oktober 2026. Walter Uhlenbrock zitiert das Einrichtungswerk der Forstgenossenschaft Lachem/Abschätzwerk von 1876 durch die königliche Forstinspektion Hannover-Springe.
  35. ↑ Quelle: HKLH: Artikel Lachem, in: https://kirchengemeindelexikon.de/einzelgemeinde/lachem/, abgerufen am 2. Oktober 2026.
  36. ↑ Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte, in: https://www.eirenicon.com/rademacher/www.verwaltungsgeschichte.de/hameln.html, abgerufen am 2. Oktober 2026.