Henri Kagan

Henri Boris Kagan

Henri Boris Kagan (* 15. Dezember 1930 in Boulogne-sur-Seine, Département Seine, Frankreich) ist ein französischer Chemiker. Ihm wurde gemeinsam mit Kensō Soai der Chemie-Nobelpreis 2026 zugesprochen.

Leben

Henri Kagan wurde in einer jüdischen Familie als Sohn des Ingenieurs Alexandre Kagan und seiner Frau Adeline Kagan geb. Celniker geboren. Die Familie versteckte sich während der deutschen Besatzung in Frankreich unter falschem Namen und überlebte so den Holocaust.

Nach einem Schulbesuch in Guéret, Sceaux und Paris studierte Kagan an der Sorbonne. Er machte seinen Abschluss in Physik und Ingenieurswesen an der École nationale supérieure de chimie de Paris, um 1954 als Forscher ans Centre national de la recherche scientifique (CNRS) zu gehen. 1960 wurde er von J. Jacques am Collège de France promoviert, ab 1968 war er Dozent an der Universität Paris-Süd und Direktor des Labors für Stereoselektive Synthese. Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 1999 war er Professor für Chemie an der Universität Paris-Süd.

Kagan arbeitete auf dem Gebiet der Stereochemie, der Organometallchemie und der organischen Synthese. Er war beteiligt an der Entwicklung der stereoselektiven Katalyse zur Synthese chiraler Moleküle. 1971 konnte er bei der Alkenhydrierung mithilfe eines Rhodiumkomplex-Katalysators erstmals einen großen Überschuss eines chiralen Produkts erzeugen. Die stereoselektive Katalyse hat große Bedeutung für die pharmazeutische Industrie und wurde 2001 mit dem Chemienobelpreis gewürdigt. Dass Kagan dabei nicht berücksichtigt wurde, sorgte für so großen Unmut unter französischen Wissenschaftlern, dass der damalige französische Wissenschaftsminister Roger-Gérard Schwartzenberg einen Brief an die Nobel-Stiftung schrieb. 2026 wurde Kagan dann mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Am 13. August 1960 heiratete er Claude Vignon, mit der er drei Töchter hat.

Veröffentlichungen

Kagan veröffentlichte seit 1955 zahlreiche Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften.

Auszeichnungen

Mitgliedschaften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Nobel Prize in Chemistry 2026 Henri B. Kagan Facts. Nobelstiftung, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  2. ↑ Chemie-Nobelpreis geht an Franzosen Kagan und Japaner Soai. In: tagesschau.de. 7. Oktober 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  3. ↑ French Jewish chemist Henri Kagan, Japan’s Kenso Soai win Nobel Prize for solving ‘mirror image’ mystery. In: The Times of Israel. ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 23. Oktober 2026]).
  4. ↑ Sally Goodman: French Nobel protest makes chemist a cause célèbre. In: Nature, Bd. 414, S. 239, 15. November 2001, doi:10.1038/35104765.