Indemini

Indemini
Wappen von Indemini
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Gambarogno
Gemeinde: Gambarognoi2
Postleitzahl: 6571
frühere BFS-Nr.: 5110
Koordinaten: 707293 / 105725Koordinaten: 46° 5′ 40″ N, 8° 49′ 34″ O; CH1903: 707293 / 105725
Höhe: 950 m ü. M.
Höhenbereich: 656–1958 m ü. M.
Fläche: 11,32 km²
Einwohner: 43 (31. Dezember 2009)
Einwohnerdichte: 4 Einw. pro km²
Website: www.gambarogno.ch
Indemini vom Monte Tamaro aus gesehen.
Indemini vom Monte Tamaro aus gesehen.
Karte
Indemini (Schweiz)
Indemini (Schweiz)
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Gemeindestand vor der Fusion am 25. April 2010

Indemini, im alpinlombardischen Ortsdialekt Indemen [inˈdeːmən], ist eine Ortschaft in der Tessiner Gemeinde Gambarogno, Schweiz. Sie bildete bis zum 24. April 2010 eine selbständige politische Gemeinde.

Luftbild (1954)

Geographie

Indemini liegt, von Locarno her gesehen, hinter dem Gambarogno auf 950 m ü. M. im sonst italienischen Valle Veddasca. Von Vira aus führt die Strasse von 190 m hinauf zur Alpe di Neggia auf 1395 m und danach wieder hinunter zum Dorf, das auf 950 m liegt. Dabei sind 37 Haarnadel- und 54 normale Kurven zu bewältigen. Der Talfluss, die Giona, fliesst bei Maccagno in den Lago Maggiore.

Geschichte

Erste Erwähnungen findet das Dorf im Jahre 1213 als Indempno und 1260 als Indemine. Indemini wurde von den Eidgenossen erobert, da dessen Lage als erster Ort jenseits des St.-Anna-Passes strategisch wichtig war. Während sich die anderen Dörfer des Veddasca-Tals nach Luino und Maccagno orientierten, richtete sich Indemini nach der Eidgenossenschaft aus. Der Pass wurde im Mittelalter von Soldaten begehbar gemacht, fahrbar aber erst im 20. Jahrhundert.

Bereits 1800 und erneut während des Wiener Kongresses 1814/1815 versuchte das Tessin erfolglos, den Ort Indemini, «die abgelegenste Gemeinde der Schweiz», gegen den italienischen Ort Campione d’Italia einzutauschen. Das begehrte Tauschobjekt ist bis heute eine italienische Exklave am Ostufer des Luganersees, der vollständig vom schweizerischen Tessin umgeben ist.

Am 25. November 2007 wurde die Fusion der neun Gemeinden am Südufer des Lago Maggiore von acht Gemeinden gutgeheissen: Caviano, Contone, Gerra, Indemini, Magadino, Piazzogna, Sant’Abbondio und Vira fusionieren zur Gemeinde Gambarogno. Einzig San Nazzaro sprach sich gegen die Gemeindezusammenlegung aus. Gegen den Entscheid des Tessiner Grossen Rates, die Fusion trotzdem wie geplant durchzuführen, wurde beim Bundesgericht Beschwerde eingelegt. Nach deren Ablehnung trat die Fusion per 25. April 2010 in Kraft.

Indemini bildet aber nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.

Wappen

Blasonierung: In Grün ein neunmal Silber-Rot schrägrechts gestückter Faden, über dem eine goldene Mittagssonne aufgeht; unten gekreuzt eine Axt nach rechts und eine Heppe nach links in Silber mit goldenen Stielen.

Bevölkerung

Indemini: Einwohnerzahlen von 1600 bis 2009
Jahr  Einwohner
1600
  
200
1683
  
376
1719
  
376
1769
  
308
1799
  
310
1808
  
307
1824
  
297
1836
  
337
1850
  
409
1860
  
361
1870
  
441
1880
  
383
1888
  
366
1900
  
340
1910
  
335
1920
  
306
1930
  
227
1941
  
219
1950
  
206
1960
  
123
1970
  
64
1980
  
44
1990
  
95
1991
  
95
1992
  
90
1993
  
77
1994
  
69
1995
  
65
1996
  
64
1997
  
60
1998
  
54
1999
  
58
2000
  
54
2001
  
46
2002
  
35
2003
  
35
2004
  
38
2005
  
38
2006
  
39
2007
  
44
2008
  
43
2009
  
43
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024

In den frühen 1980er-Jahren war der Fortbestand Indeminis angesichts anhaltender Abwanderung gefährdet. Auswärtige Indeminesi waren nicht bereit, in ihre abgelegene Heimatgemeinde zurückzukehren. Dank einer gewissen Zuwanderung aus der Deutschschweiz zählt der Ort inzwischen wieder etwas über 40 Einwohner.

Heute ist das Dorf zur Hälfte italienisch- und zur Hälfte deutschsprachig (2002: je 49 % deutsch- und italienischsprachig).

Wirtschaft

Indemini ist durch eine Postautolinie mit Vira (Gambarogno) und San Nazzaro verbunden.

Indemini

Wichtige Erwerbszweige sind die Landwirtschaft, die Gastwirtschaft und das Kleingewerbe.

Indemini

Innerorts gibt es nur wenige Arbeitsplätze.

Sehenswürdigkeiten

Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Indemini – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 460.
  2. ↑ Patriziato di Indemini (italienisch) auf ti.ch/di/sel/patriziati
  3. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 2. Juni 2026.
  4. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 2. Juni 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  5. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 2. Juni 2026.
  6. ↑ Indemini. In: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS. Bundesamt für Kultur BAK, 2009, abgerufen am 12. April 2025 (italienisch).
  7. 1 2 3 4 5 6 Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 155. 156.
  8. ↑ Museo Patriziale (mit Foto) (italienisch) auf ticino.ch/it/commons
  9. ↑ Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Locarno 2013, S. 66–67.
  10. ↑ Guido Domenighetti (Memento vom 11. November 2014 im Internet Archive) auf eoc.ch/Dettagli (abgerufen am 29. April 2016.)