Ein Interface Control Document (ICD), auch Interface Requirements Document (IRD) oder Interface Design Description (IDD), zu deutsch etwa Dokumentation zur Schnittstellenansteuerung, beschreibt, wie eine Schnittstelle eines Systems aufgebaut ist und wie sie angesprochen werden kann.
In einem ICD werden die Schnittstelleninformationen (Daten oder Parameter) als technische Anforderungen zur Implementierung definiert, spezifiziert oder dokumentiert. Die Aktivitäten dazu sind auch als Interface Management Prozess bekannt und Teil des Anforderungsmanagements, Konfigurationsmanagements und Systems Engineering.
Die Beherrschung der Schnittstellenbeschreibung ist herausfordernd, da hierbei aus Systemsicht verschiedene Systemelemente verknüpft bzw. eine Kommunikation ermöglicht werden soll. Dabei ist es unerheblich, wie das System selbst funktioniert (vgl. Black Box). Komplexe Systeme lassen sich so modular in Untersysteme zerlegen, die untereinander über festgelegte Schnittstellen miteinander kommunizieren. Es kommt häufig vor, dass mehrere ICDs zum Einsatz kommen, auch wenn die Schnittstelle zwischen einem oder mehreren Systemen (System of Systems oder Infrastruktur) beschrieben wird. Diese beschreiben verschiedene Schnittstellen zwischen den Subsystemen.
Das Format der Dokumentation (ICD) ist dabei jeweils individuell zu wählen. Manchmal kommen dabei auch Anwendungsprogramme aus dem Anforderungsmanagement zum Einsatz um die geforderte Rückverfolgbarkeit entlang eines V-Modells zu gewährleisten.
ICDs finden in einer Vielzahl technischer Anwendungen, Fachbereichen sowie Organisationen und Unternehmen Anwendung. In der Regel werden sie im Rahmen der Entwicklung oder des Designs erarbeitet. Software bildet häufig die Schnittstelle zwischen einzelnen Systemteilen, häufig zwischen Hardware und Software (Hardware-Software-Interface, HSI). Dabei besteht Software selbst aus einer Vielzahl interner und externer Schnittstellen (siehe Programmierschnittstelle). Zur Erfassung des Kontexts werden auch Modellierungssprachen wie UML oder SysML eingesetzt. Für Hardware (gemeint sind hier Mechanik, Elektrik und/oder Elektronik) wird auch von einem Hardware-Interface-Design (HID) definiert.
Zu diesem Thema gibt es offizielle Definitionen von IEC/IEEE/ISO sowie eine Vielzahl von Normen, darunter die ISO/IEC 15288. In Anwendungsbereichen wie der Raumfahrt wird beispielsweise die ISO 17689 verwendet. Als Teil der Funktionalen Sicherheit wird ein HSI definiert, siehe ISO 26262-4.
In einem wirtschaftlich-organisatorischen Umfeld haben Geschäftsprozesse verschiedene Schnittstellen, die dokumentiert werden müssen. Einzelne Abteilungen wie das Supply-Chain-Management haben wiederum eigene Schnittstellen, beispielsweise zwischen Unternehmen und Lieferanten oder zwischen Marketing oder Vertrieb und Kunden (Customer-Relationship-Management, CRM, bzw. Kundenbetreuung). Diese Schnittstellen sind oder müssen, wenn auch nicht immer über ein explizites ICD, so doch zumindest im Hinblick auf übergeordnete Prozesse wie ISO 9001, dokumentiert werden.