Josef Pfandler (* 3. Juli 1900 in Böhmzeil bei Gmünd; † 6. Juni 1987 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller und Lehrer.
Josef Pfandler studierte an der deutschen Lehrerbildungsanstalt in Budweis und wurde 1919 Lehrer an der Knabenbürgerschule in Gmünd, wo er bis zur Pensionierung 1964 als Fachlehrer für Deutsch, Geschichte und Erdkunde arbeitete.
Er war 1920–1923 Mitglied der Deutschösterreichischen Schriftstellergenossenschaft in Wien. In den 1930er-Jahren trat er als Herausgeber zweier erfolgreicher Anthologien im Augarten-Verlag in Erscheinung: Die Sammelmappe Lyrik der Gegenwart. Dichtungen österreichischer Lehrer (1935) und Vom Expressionismus zur neuen Klassik. Deutsche Lyrik aus Österreich (1936), welch Letztere hinsichtlich der Beiträge deutlich deutschnational geprägt war.
In seinem im September 1938 gestellten Antrag auf Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer gab Pfandler an, im Juni 1933 den Beitritt in die NSDAP beantragt zu haben, was infolge des Parteiverbots nicht mehr durchführbar gewesen sei. In dem beigefügten Lebenslauf beschrieb Pfandler sich und seine Familie als (durch die Gebietsabtretungen nach dem Vertrag von Saint-Germain) aus der Tschechoslowakei Vertriebene und gerade noch mit dem Leben Davongekommene und betonte, dass es sich bei dieser österreichisch-tschechoslowakischen Grenzregion eigentlich um deutsche Gebiete handle, wo „die Brüder auf den Tag der Erlösung warten.“ Als Lehrer war er auch Mitglied beim NS-Lehrerbund.
Pfandler publizierte nach 1938 regelmäßig in der Zeitschrift Der Augarten als linientreuer Kulturjournalist ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Im Mai 1938 steuerte er mit Eine lyrische Paraphrase aus der Väterheimat des Führers seine Variante einer Waldviertler Schollenliteratur bei. In anderen Beiträgen verbreitete er ‚Anschluss’-Euphorie und Führerkult, besang die ‚Volkwerdung‘, bekräftigte stellenweise antisemitische Vorurteile und beschrieb, wie die Dichter (und er bezog sich dabei selbst mit ein) schon vor dem ‚Anschluss‘ als Soldaten des Geistes „für das Dritte Reich der Deutschen“ gekämpft hätten. Er schrieb ferner über Die biologische Berechtigung des italienischen Imperiums und lobte in den höchsten Tönen einschlägige Anthologien. Von Volkserzählungen und Mythen seit jeher begeistert und entsprechend gebildet, zeichnete Pfandler insbesondere in seiner lyrischen Beschäftigung mit der Natur und den Menschen des Waldviertels gerne eine dunkel-sagenumwobene Welt, die sich nahtlos in die zeitgenössische Blut-und-Boden-Literatur fügte. 1943 wurde Pfandler zur Wehrmacht einberufen und kam gegen Kriegsende in Kriegsgefangenschaft.
Nach dem Krieg arbeitete Pfandler wieder als Fachschullehrer in Gmünd und publizierte ab 1948 (Gokulorum) wieder regelmäßig Prosa-, etwas später auch Gedichtbände. Im Wiener Kurier erschienen ab 1948 zahlreich seine Kinder- und Tiergeschichten, seine Gedichte wurden im Hörfunk gelesen, und insbesondere in der Zeitschrift Das Waldviertel veröffentlichte Pfandler volkskundliche Texte. 1970 folgte Pfandler Ernst Wurm als Leiter der Arbeitsgemeinschaft Schrifttum am Bildungs- und Heimatwerk nach. In seiner Leitungsfunktion besorgte Pfandler die Redaktion zweier Bände der vierteiligen Anthologie Dichtung aus Niederösterreich (Lyrik 1969 bzw. Prosa 1972). Er blieb bis 1975 Leiter der ARGE.
Dass Pfandlers Werke in den Kanon der niederösterreichischen Literatur aufgenommen wurden, zeigt sich auch an seiner Präsenz in den relevanten Anthologien und Verzeichnissen Geliebtes Land (1955), Wer im Werk den Lohn gefunden (1976) oder Literatur aus Niederösterreich (1985). Josef Pfandler wurde 1969 der Würdigungspreis der Kulturpreise des Landes Niederösterreich verliehen. 1970 rückte Pfandler selbst in die Jury nach. 1971 wurde er mit dem Professorentitel, 1977 mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pfandler, Josef |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Schriftsteller und Lehrer |
| GEBURTSDATUM | 3. Juli 1900 |
| GEBURTSORT | Böhmzeil bei Gmünd |
| STERBEDATUM | 6. Juni 1987 |
| STERBEORT | Wien |