| Stift Baumgartenberg | |
|---|---|
| Lage | |
| Koordinaten: | 48° 12′ 29,9″ N, 14° 44′ 36,4″ O |
| Ordnungsnummer nach Janauschek |
169 |
| Gründungsjahr | 1141 |
| Jahr der Auflösung/ Aufhebung |
1794 oder 1784 |
| Mutterkloster | Stift Heiligenkreuz |
| Primarabtei | Kloster Morimond |
Das Stift Baumgartenberg ist ein ehemaliges Kloster der Zisterzienser (OCist) und heute das Kloster der Schwestern vom Guten Hirten in Baumgartenberg im Bezirk Perg in Oberösterreich. Die Stiftskirche Baumgartenberg Mariä Himmelfahrt ist heute die Pfarrkirche der Marktgemeinde. Im Klostergebäude ist das Europagymnasium Baumgartenberg untergebracht. Die Anlage steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
Besondere geschichtliche Bedeutung besitzen zwei Baumgartenberger Handschriften aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, nämlich das Urbar von 1335 in Bezug auf das Oberösterreichische Landeswappen und das sogenannte Baumgartenberg Formelbuch.
Das Kloster wurde 1142 durch Otto von Machland († 1149) und seine Gemahlin Jeuta von Peilstein (südlich von Melk) gestiftet. Die allerersten Mönche kamen aus der zisterziensischen Primarabtei Morimond, doch wurde die Gründung zwischen 1154 und 1188 der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz unterstellt, und blieb somit in der Filiation von Morimond.
Otto gab anlässlich der Gründung des Klosters sein Schloss auf dem Ulrichsberg in Baumgartenberg samt der Kirche St. Jakob, den angrenzenden Deimingerwald (angrenzend an Frühstorf und Kolbing) und alles was er darin besaß, ferner das Gut Mettensdorf samt der Kirche St. Lamprecht bis nach Labing und zur Donau (angrenzend an die Äcker der Matrone Elisabeth), Gassolding in der Nähe des Klosters (angrenzend an den Ammersbach auf der einen und dem Areal der Burg Clam auf der anderen Seite), dann Mühlen, Weiden, Wiesen, Gewässer und alles, was zur Kirche St. Jakob gehörte, sowie am Flüsschen Naarn unkultiviertes Land (30 Mansus), acht Bauerngüter mit der Mühle und dem dabei liegenden Wald in Teufenbach, in Eizendorf zwei Meiereien, in Pitzing zwei Mansus, acht Mansus in Markersdorf bei Retz und Wullerdorf bei Mailberg oder Wolkersdorf nordöstlich von Klosterneuburg, Weinberge in Krems, in Ober-Radendorf und Gneixendorf bei Krems, einen Acker in Harras (Großharras oder Klein-Harras), von dem Nordwalde bei Königswiesen mehrere Mansus, Nöchling an der Ysper zehn Mansus Wald. Später sind von anderen Stiftern oder durch Tausch und Schenkungen zahlreiche weitere Liegenschaften aus der näheren und weiteren Umgebung an das Kloster gekommen.

1243 erfolgte die Weihe der Abteikirche, die im spätromanischen Baustil errichtet worden war. In den Jahren 1428 und 1432 wurden Kirche und Kloster bei Hussiteneinfällen ins Mühlviertel gebrandschatzt, aber schon ab 1434 erfolgte unter Abt Stephan II. der Wiederaufbau von Kirche und Kloster im spätgotischen Stil. 1627 wurden die Pfarren Pergkirchen, Münzbach (bis 1681) und Altenburg dem Stift Baumgartenberg einverleibt. Abt Bernhard Breil (1649–1683) leitete die Barockisierung des Klosters und der Kirche (Baumeister Antonio Carlone) ein. Abt Candidus Pfiffer (1684–1718) setzte die Barockisierung fort, stellte die Arbeiten aber um 1700 auf Grund finanzieller Schwierigkeiten ein. Berühmt ist die als Baumgartenberger Formelbuch bekannte Sammlung von Urkundenmustern aus dem Kloster.
Am 30. Mai 1784 wurde das Kloster durch Kaiser Joseph II. aufgehoben und bis 1811 als Strafanstalt genutzt. Mit 1784 wurde die Klosterkirche die Kirche Pfarrkirche von Baumgartenberg. 1825 vernichtete ein Brand den Großteil des Konventtraktes.
Neben den Stiftungsgütern im Machland und im Weinviertel (siehe oben) hatte das Zisterzienserkloster unter anderem folgende Besitzungen:
Verzeichnis der 54 Äbte, welche dem Kloster Baumgartenberg von 1141 bis 1784 vorstanden:
Von 1852 bis 1865 bewohnten Jesuiten das ehemalige Zisterzienserstift. 1865 kamen Mitglieder des Ordens der Schwestern vom Guten Hirten von Suben dorthin. Sie widmeten sich der Betreuung von schwererziehbaren Mädchen.
Mit den Schwestern vom Guten Hirten kamen auch Franziskaner als ihre Beichtväter nach Baumgartenberg. Im Jahre 1889 erhielten die Franziskaner der Tiroler Provinz ein Nebengebäude des Klosters als Wohnbereich und die Pfarre Baumgartenberg zur Seelsorge. Außerdem waren sie als Religionslehrer an der Schule der Schwestern tätig. Im Sommer 2008 wurde diese Franziskanerniederlassung aufgelassen.

Das Oberösterreichische Landeswappen geht wahrscheinlich auf das im 12. Jahrhundert ausgestorbene Geschlecht der Herren von Machland zurück. Zwei um 1335 angefertigte Miniaturen im Urbar des Klosters Baumgartenberg zeigen Machländer Wappen, die dem oberösterreichischen Wappen schon sehr ähnlich sind. Der Unterschied zwischen den Wappen im Urbar und dem späteren Landeswappen besteht hauptsächlich in der Färbung. Während die Miniaturen einen silberner Adler auf rotem Grund darstellen, finden wir im Landeswappen einen goldenen Adler auf schwarzem Hintergrund.
Wer der Schöpfer des oberösterreichischen Landeswappens ist, ist nicht gesichert. Das Machland war jedoch seit alters her ein Bestandteil des Herrschaftsgebietes des Babenberger gewesen, als deren Nachfolger sich die Habsburger verstanden. Möglicherweise machte der österreichische Herzog Rudolf IV. († 1365) dieses Wappen zum Wappen des Landes ob der Enns, um seine Ansprüche auf die Besitzungen der ausgestorbenen Herren von Machland und implizit auf ganz Oberösterreich zu bekräftigen. Überdies wecken die rot-weißen Streifen enge Assoziationen zum österreichischen Bindenschild.
Heute betreiben die Schwestern ein Mädcheninternat und verschiedene Bildungseinrichtungen, seit 1995 ist auch das vom gleichnamigen Schulverein betriebene Europagymnasium vom Guten Hirten in der Klosteranlage untergebracht.

Die ehemalige Stiftskirche mit Querhaus und Chor, die einen Dachreiter mit Zwiebelhelm trägt und für die 1142 der Grundstein gelegt wurde, besitzt eine niedrige dreischiffige, kreuzrippengewölbte Vorhalle („Paradies“, um 1310) mit einem romanischen Portal. Die Barockisierung der Kirche erfolgte um 1697 und geht auf die Carlone-Werkstatt zurück (zugeschrieben Carlo Antonio Carlone). Der später ebenfalls barockisierte Hallenumgangschor wurde 1436–1446 errichtet. In den Fresken des Chors sind die Rosenkranzgeheimnisse dargestellt. Bemerkenswert sind das Chorgestühl und die Kanzel. Um den Altarraum ist ein Chorumgang gelegt, der im Äußeren aus neun Seiten eines Sechzehnecks besteht.