Kong Soo Do

Kong Soo Do, auch Gongsudo (공수도), ist die Bezeichnung für eine koreanische Kampfkunst, die vom Karate abstammt. Sie wurde von einigen der ursprünglichen „Kwans“ verwendet, bevor sie vereinheitlicht und neben Taekwondo als universelle koreanische Schlagkampfkunst etabliert wurde. Ebenso wie bei Tang Soo Do leitet sich auch der Name Kong Soo Do aus der koreanischen Aussprache der chinesischen Schriftzeichen für „Karate-do“ ab, was auf Deutsch „Weg der leeren Hand“ bedeutet.

Kong Soo Do ist kein festgelegtes Kampfkunstsystem. Die von den verschiedenen Kwans praktizierten Stile sind von den individuellen Hintergründen der jeweiligen Gründer bzw. Cheftrainer geprägt.

So wurde das Kong Soo Do an der „Chosun Yun Moo Kwan“ (조선연무관) unter Chun Sang-Sup und der „Jung Ang YMCA Kwon Beop Bu“ (중앙YMCA 권법부), später Chang Moo Kwan und Kang Duk Won, von Yoon Byung-In gelehrt.

Hintergrund

Chosun Yun Moo Kwan

Chosun Yun Moo Kwan auch Yoseon Yeonmugwan, war seit den 1910er Jahren eine bekannte japanische Judo-Schule in Korea. Chun Sang-Sup (전상섭) gründete dort am 3. März 1946 die „Yun Moo Kwan Kong Soo Do Bu“. (Bu steht für Abteilung). Chun Sang-Sup hatte Shudokan Karate bei Kanken Tōyama gelernt. Chun pflegte eine sehr enge Beziehung zu Yoon Byung-In, dem Gründer der YMCA Kwon Bop Bu. Chun und Yoon reisten gemeinsam, um mit anderen Kampfkünstlern zu trainieren. Bisweilen führte sie ihr Weg in die Mandschurei. Chun verschwand während des Koreakriegs. Yun Gwae-byeung und Lee Jong-woo änderten der Namen der Schule in Jidokwan und wählten Yoon Byung-In, der in der Mandschurei in Quánfǎ ausgebildet worden war, zum Kwan Jang (Schulleiter) des Jidokwan.

Jung Ang YMCA Kwon Beop Bu / Chang Moo Kwan

Jung Ang YMCA Kwon Beop Bu wurde entweder Ende 1946 oder Anfang 1947 von Yoon Byung-In gegründet. Während seiner Schulzeit erlernte er in der Mandschurei unter der Anleitung eines mongolischen Lehrers Quánfǎ. Später trainierte Yoon Karate im Karate-Club der Nihon-Universität in Japan unter Kanken Tōyama. Einmal verfolgten japanische Karate-Schüler einen anderen koreanischen Karate-Schüler, der das Training geschwänzt hatte, um Zeit mit seiner Freundin zu verbringen, und begannen, auf ihn einzuschlagen. Dieser bat Yoon um Hilfe. Yoon setzte sein Quánfǎ ein, um die Schläge und Tritte der Karate-Schüler geschickt abzuwehren und ihnen auszuweichen – und zwar so erfolgreich, dass diese schließlich aufgaben und zu ihrem Lehrer zurückliefen, um ihm zu berichten, was geschehen war. Ihr Lehrer Tōyama bat Yoon, ihm von der effektiven Kampfkunst zu erzählen – die kein Karate war –, die dieser gegen seine Schüler eingesetzt hatte. Yoon berichtete Tōyama von seiner Ausbildung in Quánfǎ in der Mandschurei. Tōyama schätzte den Quánfǎ-Hintergrund, da er selbst zuvor sieben Jahre lang Quánfǎ in Taiwan studiert hatte. Sie beschlossen, ihr Wissen auszutauschen. Yoon unterrichtete Tōyama in Quanfa, und Tōyama brachte Yoon sein Shudokan-Karate bei. Später entwickelte Yoon seinen eigenen Stil und nannte ihn Kwon Bop Kong Soo Do. Kwon Bop ist die koreanische Aussprache des chinesischen Begriffs Quánfǎ.

Das frühe Chang Moo Kwan basierte hauptsächlich auf chinesischen Kampfkünsten (Quánfǎ). Es wurde das Bajiquan (chin. 八极拳 bājíquán kor. 팔기권 RR palgigwon, „Faust[technik] der Acht Extreme“) unterrichtet.

Yoon verstarb während des Koreakriegs, doch seine Lehren wurden von seinem besten Schüler Lee Nam-Suk fortgeführt, der 1953 den Namen der Schule in Chang Moo Kwan änderte.

Obwohl Yoon während des Koreakriegs verschwunden war, wurden später – im Jahr 2005 – Informationen über ihn durch Kim Pyung-soo, einen Schüler der ersten Stunde des Chang Moo Kwan, wiederbeschafft, als dieser die Familie von Yoon Byung-in ausfindig machte.

Neben Lee Nam-Suks Arbeit mit dem Chang Moo Kwan führten auch weitere Spitzen-Schüler Yoons seine Lehren fort, nämlich Park Cheol-hee und Hong Jeong-pyo (beide Kang Duk Won).

Gegenwart

Sowohl in Korea als auch anderswo auf der Welt wird der Begriff „Kong Soo Do“ weiterhin verwendet, um auf die okinawischen Wurzeln dieser Kampfkunst hinzuweisen. Song-Moo-Kwan- (oder Shotokan-) Kong Soo Do ist in den Vereinigten Staaten nach wie vor stark vertreten. Auch in den Niederlanden und in Schottland sind Schulen aktiv, die die Bezeichnung „Kong Soo Do“ führen. Im Kong Soo Do ist der sportliche Aspekt oft von nachrangiger Bedeutung; traditionell liegt der Schwerpunkt auf effektiver Selbstverteidigung und den authentischen *Budo*-Lehren von Shuri.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. ↑ Quanfa, Chuanfa oder Chuan-Fa (chinesisch 拳法, Pinyin quánfǎ, W.-G. chu’an-fa deutsch etwa „Faustkampftechnik“, sinngemäß auch „chinesische Kampftechnik“, „chinesisches Kungfu“).
  2. ↑ Unter Budo (der Weg des Kriegers) und Shuri versteht man die Wurzeln des traditionellen okinawaischen Karate-Do. Shuri (die ehemalige königliche Hauptstadt Okinawas) ist der Ursprungsort des historischen Shuri-te-Kampfsystems, welches den Grundstein für viele moderne Budo-Disziplinen bildete.

Einzelnachweise

  1. ↑ Lee Seung Soo: Eine Studie zur Gründung und Entwicklung der Kwonbeop-Abteilung der Joseon Yeonmugwan Stiftung: Schwerpunkt Zeitraum 1945–1950. In: KCI. (koreanisch).
  2. ↑ Ørjan Nilsen: Honoring the Pioneers of Taekwondo; Chun Sang Sup. In: Traditional Taekwondo Ramblings. 2014 (englisch).
  3. ↑ Ørjan Nilsen: The Lost Forms of Oh Do Kwan Taekwondo: Volume 1; Taegeuk 1-3 Hyeong. Hrsg.: Independently published. ISBN 979-82-9711125-7.
  4. ↑ Bajiquan, baike.baidu.com, abgerufen am 31. Juli 2026 (chinesisch).