In jeder dieser sechs heißen Quellen (im Uhrzeigersinn von oben links: Uzon4, Uzon7, Uzon8, Uzon9, Mut11, Mut13) auf Kamtschatka wurden Korarchaeen gefunden.Strukturmodell der Acetyl-CoA-Synthetase von „Ca. Korarchaeum cryptofilum“
Die Gruppe wurde erstmals 1996 als Kandidaten-PhylumKorarchaeota der Archaeen vorgeschlagen.
Die Korarchaeen wurden durch Sequenzierung der 16S-Untereinheiten ihrer rRNA (16S rRNA) von Thermoproteota (früher „Crenarchaeota“) und Methanobacteriati (früher Euryarchaeida) abgegrenzt.
Seitdem wurden verschiedene Namen und taxonomische Rangstufen vorgeschlagen (wie Xenarchaeota oder Xenarchaea), derzeit (11. Juli 2025) wird sie noch in der Genome Taxonomy Database (GTDB) als Phylum Korarchaeota geführt. Die Frage, ob diese Archaeengruppe als eigener Stamm betrachtet werden soll oder als Klasse zu den Thermoproteota gezählt werden müssen, ist deswegen schwierig zu klären, da es sich bei ihnen auch um eine ausgesprochen ungewöhnliche und zugleich schnelle Mutation im Genom der 16S-rRNA handeln könnte.
Die Korarchaeen kommen in heißen hydrothermalen Lebensräumen vor. Die Stoffwechselprozesse und vor allem der Metabolismus, mit dem Energie und Kohlenstoff gewonnen wird, bedürfen noch weiterer Klärung.
Forschungsgeschichte
„Candidatus Korarchaeia“ wurde ursprünglich als Korarchaeota innerhalb der Domäne der Archaeen vorgeschlagen.
Man nimmt an, dass diese Klade zu den tief verzweigten Archaeenlinien gehört, also bereits früh im Stammbaum der Archaeen abzweigt.
Sie wurden daher als Phylum (und manchmal sogar als Reich) klassifiziert.
Heute werden sie weitgehend akzeptiert zusammen mit den Nitrososphaeria (früher „Thaumarchaeota“), Augarchaeota („Nitrososphaeria_A“, früher „Aigarchaeota“), Thermoprotei (früher „Crenarchaeota“) im Reich Thermoproteati (früher auch „Crenarchaeida“) geführt. Es gibt eine evolutionäre Verbindung zwischen den Reichen Promethearchaeati und Thermoproteati (gemeinsame Klade oder Supergruppe Proteoarchaea).
Bisher wurden nur wenige Korarchaeen-Genome sequenziert (Stand 1996).
Das erste Mitglied der Korarchaeen, dessen Genom in Gänze rekonstruiert wurde, war „Ca. Korarchaeum cryptofilum“, das im Obsidian Pool, einer heißen Quelle im Yellowstone-Nationalpark gefunden und 2008 beschrieben wurde.
Weitere Proben aus verschiedenen heißen Quellen auf Island und Kamtschatka wurden auf Korarchaeen-Sequenzen überprüft, dabei fanden sich in den isländischen Proben etwa 87 verschiedene 16S-rRNA-Nukleinsäuresequenzen, während die kamtschatkischen Proben etwa 33 enthielten.
Auf die tiefe Verwurzelung der Korarchaeen im Stammbaum der Archaeen mit einer möglichen Verwandtschaft zu den Thermoprotei (früher Crenarchaeota) deuten Proteinsequenzen und phylogenetischen Analysen konservierter Einzelgene hin.
Angesichts des bekannten genetischen Aufbaus von Archaeen könnte der „Ca. Korarchaeia“ zudem eine Reihe biologischer Merkmale der frühesten bekannten Archaeenform bewahrt haben.
Die Analyse des Genoms von „Ca. Korarchaeum cryptofilum“ aus einer Anreicherungskultur (Mischkultur) ergab eine Reihe von Merkmalen, die sowohl Thermoprotei (Crenarchaeota) als auch Methanobacteriati (Euryarchaeida) ähneln, was die Hypothese einer tief verzweigten Abstammung weiter stützt.
Auch die Analyse der 16S-rRNA-Gensequenzen deutet darauf hin, dass es sich um eine tief verzweigte Abstammungslinie handelt,
weshalb angezweifelt wurde, ob die Korarchaeen überhaupt zu den Hauptgruppen der Archaeen, Thermoproteota und Euryarchaeida (Euryarchaeota sensu lato), gehören.
Revisionen ab 2014
Im Jahr 2001 beschrieben George M. Garrity und John G. Holt das Phylum „Crenarchaeota“ (heute Thermoproteota) als eine einzige Klasse (Thermoprotei) umfassend.
Angesichts der wachsenden Zahl prokaryotischer Taxa und einer uneinheitlichen Nomenklatur und Klassifizierung erwuchs die Notwendigkeit, die Gesamtklassifizierung der Archaeen zu überarbeiten.
Im Jahr 2014 ordneten französische Taxonomen unter der Leitung von David Moreira das Superphylum „TACK“ (heute Reich Thermoproteati), in ein einziges Reich namens Proteoarchaeota ein, was jedoch nicht konform war mit den Regeln des International Committee on Systematics of Prokaryotes (ICSP) nicht gültig war.
Im Jahr 2021 veröffentlichte ein australisches Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Christian Rinke und Philip Hugenholtz eine neue Klassifizierung der Archaeen. Ihre genetischen Analysen wiesen darauf hin, dass die Thermoproteati-Archaeen zu einem einheitlichen Phylum Thermoproteota gehören, zu dem die Klassen „Ca. Korarchaeia“, Thermoprotei, Methanomethylicia (früheres Phylum „Ca. Verstraetearchaeota“), Bathyarchaeia und Nitrososphaeria (früheres Phylum „Ca. Thaumachaeota“) gehören.
Die List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN) als Autorität für die Pflege und Katalogisierung prokaryotischer Taxa, hat diese Klassifizierung von „Ca. Korarchaeia“ als „bevorzugten Namen“ (englischpreferred name) für eine Klasse bestätigt.
Im Jahr 2022 überarbeitete das ICSP seinen International Code of Nomenclature of Prokaryotes (ICNP, Prokaryotischer Code).
In Anbetracht dessen überarbeiteten Markus Göker und Aharon Oren (Leiter des ICSP) 2024 die Klassifizierung der (prokaryotischen) Domänen und ihrer neu geschaffenes Reiche, wobei die traditionell als „TACK“ bezeichnete Gruppe in das Reich Thermoproteati umbenannt wurde, wobei die früheren Bezeichnungen (Phylum „Korarchaeota“ oder Reich „Proteoarchaeota“) ungültig wurden.
Phylogenetische Stellung der Njordarchaeen
Die Gruppe der sog. Njordarchaeen hat sich als besonders schwieriger Fall für die Aechaeen-Taxonomie herausgestellt.
Nach Eme etal. (2023) interpretierten die phylogenetischen Daten der der Kor- und Njordarchaeen dahingehend, dass die hohe kompositorische Ähnlichkeit in den Sequenzen der ribosomalen Markerproteine mit der thermophilen Lebensweise der beiden Linien zusammenhängt und nicht durch Verwandtschaft bedingt ist. Sie klassifizierten die Njordarchaeen daher in die Nahe der Heimdallarchaeen innerhalb des Reichs Promethearchaeati (Asgard-Archaeen). Dem widersprachen Zuahng etal. (2025) und verorteten die Njordarchaeen unter oder bei den Korarchaeen im Reich Thermoproteati (TACK-Superphylum).
Ihre genaue Position, insbesondere im Hinblick auf die Panguiarchaeen, bedarf noch weiterer Klärung (Siehe Weblinks, Preprint von Huang etal., 2025).
Systematik
Innerhalb der Korarchaeota wurden bislang nur wenige gültigen Taxa auf Familien-, Gattungs- oder Artebene beschrieben. Die bekannten Mitglieder laufen bislang noch im Kandidaten-Status mit informellen Bezeichnungen wie Gattung „Candidatus Korarchaeum“ (als Kandidatengattung) mit „Candidatus Korarchaeum cryptofilum“ (als Kandidatenspezies, mit OPF8).
Die folgende Bezeichnung ist heute veraltet und in der LPSN und der NCBI-Taxonomie ein Synonym für Thermoproteota, allerdings (noch) nicht in der GTDB:
Stamm Kor3(N,G) − Fundort: Flaches submarines Hydrothermalfeld der Insel Taketomi im südlichen Ryukyu-Archipel (Japan)
Nach Zhang etal. (2025) bilden die Njordarchaeen eine Schwesterordnung „Njordarchaeales“ der „Korarchaeales“, in der GTDB aber eine Schwesterklasse zu den „Korarchaeia“ innerhalb der „Asgardarchaeota“ (inzwischen Promethearchaeota(L)), und in der NCBI-Taxonomie ein eigenes Phylum „Ca. Njordarchaeota“ Xieetal. 2022 der der Promethearchaeati
Ordnung „Panguiarchaeales“ Quetal. 2023(L) [früher o__JANXX01 (GTDB)] – in der GTDB jetzt zur Klasse „Njodarchaeia“ (früher c__JANJXXOI)
Familie „Panguiarchaeaceae“ Quetal. 2023(L,G) – die Familie wird in der GTDB in die Ordnung Njordarchaeales klassifiziert, und mit ihr in das Phylum Asgardarchaeota (syn. Promethearchaeota).
Familie „Ca. Njordarchaeaceae“ Xieetal. 2022(L,N,G) – in der LPSN, GTDB und der NCBI-Taxonomie Mitglied von „Ca. Njordarchaeales“, diese in „Ca. Njordarchaeia“ aus Promethearchaeota(L) bzw. „Asgardarchaeota“ oder „Ca. Njordarchaota“(N), in beiden Fällen aus Promethearchaeati.
Spezies JAMOTR01 sp027068385(G) [Ca. Heimdallarchaeota archaeon isolate 4571-419_metabat2_scaf2bin.036(N)] – verschoben in der GTDB im Vgl. zur NCBI-Taxonomie
Anm.: Der erstgenannte „Stamm“ (bzw. DNA-Sequenz, MAG) ist die Referenz.
Etymologie
Der Name der Korarchaeen leitet sich ab von altgriechischκόροςkoros oder altgriechischκοῦροςkouros ab, was einen Dämon bzw. einen jungen Mann oder junge Frau bezeichnet. Die Bezeichnung bedeutet also „junge Archaeen“ in dem Sinn, dass ihre Linie unter den Archaeen basal abzweigt, d.h. frühe Divergenz zeigt.
Der Gattungsname Methanodesulfokora verweist auf Methan (neulateinischmethano-‚zu Methan gehören‘), Schwefel (neulateinischsulfo-‚zu Schwefel gehörend‘) und altgriechischκόρηkorê, deutsch ‚junge Frau‘ und verweist damit auf ein Methan und Schwefel metabolisierendes Mitglied der Korarchaeen.
Der Gattungsname Panguiarchaeum ist neulateinischer Genitiv von Pangu (盤古), Schöpfungsfigur in der chinesischen Mythologie, den Himmel von der Erde trennend. Der Name bedeutet damit ein von Pangu geschaffenes Archäon.
Der Gattungsname Njordarchaeum verweist auf Njord (alias Njörðr), den Gott der Meere in der nordischen Mythologie, und nimmt damit Bezug auf die Namenspatenschaften der Asgard-Archaeen (Promethearchaeati), zu denen die Gattung nach ursprünglicher Auffassung gehört(e).
Anmerkungen
↑Der Stamm JZ-1 bin_103 ist lait LPSN Referenzstamm von „Ca. Methanourarchaeum thermotelluricum“ Huaetal. 2019 aus der Familie „Ca.Hadesarchaeaceae“ corrig. Huaetal. 2019
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