Papiersorte

Es gibt rund 3000 Papiersorten, die nach unterschiedlichen Gesichtspunkten in Gruppen zusammengefasst werden können.

Wandel der Papiersorten

Der Papierhistoriker Wolfgang Schlieder hat mehrfach in Veröffentlichungen darauf aufmerksam gemacht, dass neue Papiersorten ein Reflex auf sich wandelnde gesellschaftliche Bedürfnisse sind. Der Werkstoff Papier vermag sich sehr rasch veränderten Situationen anzupassen.

Einteilung nach Nutzungsgesichtspunkten

Es bestehen vier Großgruppen nach der praktischen Nutzbarkeit hergestellter Papier: grafische Papiere (Papiere zum Beschreiben, Bedrucken und Kopieren), Papier und Karton für Verpackungszwecke (z. B. Geschenkpapier), Hygienepapiere (Tissue-Papiere) sowie technische Papiere und Spezialpapiere.

Einteilung nach Faserrohstoffen

Nach der Stoffzusammensetzung gibt es vier Hauptgruppen: reine Hadernpapiere, hadernhaltige Papiere, reine Zellstoffpapiere und holzstoffhaltige Papiere. Die Hadernanteile sind gebleichte Baumwoll- oder Leinenfasern, seltener Jute- und Hanffaserrohstoffe.

Bezeichnungen von Papiersorten

Papiersorten werden nach unterschiedlichen Kriterien bezeichnet. Namensgebend sind insbesondere Ausgangsmaterialien (z. B. Zellstoffpapier, synthetisches Papier), Herstellungsmethoden (z. B. Natronpapier, handgeschöpftes Papier), besondere Eigenschaften (z. B. Bunt-, Velours-, Krepppapier) und Verwendungszwecke (z. B. Dickdruck-, Werkdruck-, Bibeldruckpapier), gelegentlich auch ein Herkunftsgebiet (z. B. Japanpapier, Manilapapier). Die Bezeichnungen können sich auf eine grobe Einteilung beziehen (Oberbegriffe) oder das Material mehr oder weniger genau kennzeichnen (Sorten und Untersorten). Durchschreibepapier ist ein Beispiel für einen Oberbegriff, da es verschiedene Sorten von Durchschreibepapier gibt.

Gleiche Papierarten können verschieden benannt sein, zum Beispiel je nach Gebrauchszweck. Häufig sind für dieselben Papiere im Handel verschiedene Sortenbezeichnungen üblich. Mitunter sind Namen von Hausmarken eines Papierhändlers allgemein gebräuchlich. Eine Bezeichnung ist gegebenenfalls aber nur im Begriffsraum des Namensverwenders, also des Herstellers, Händlers oder Nutzers eindeutig.

Bedruckte Papierblätter wie liniertes oder kariertes Papier oder Notenpapier (Papier mit aufgedruckten Notenlinien, nicht zu verwechseln mit Notendruckpapier) sind keine Papiersorten und keine Spezialpapiere im Sinne der Papierherstellung. Es sind Papierprodukte auf der Grundlage von üblichen grafischen Papieren.

Liste von Papierarten und -sorten

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Englische Bezeichnungen

Viele Papiere werden auch mit englischen Bezeichnungen und den zugehörigen Abkürzungen benannt, zum Beispiel bei gestrichenen Papieren:

Weitere englische Abkürzungen und Bezeichnungen:

Flächengewicht von Papiersorten

Beispiele für Flächengewichte (ungefähre flächenbezogene Masse, Durchschnittswerte):

Papierart Flächengewicht
Josephspapier (Seidenpapier)8 g/m²
Linsenpapier10 g/m²
Teebeutelpapier15 g/m²
Packseidenpapier25 g/m²
Luftpostpapier30 g/m²
Durchschlagpapier35 g/m²
Dünndruckpapier 40 g/m²
Zeitungspapier, LWC-Papier 50 g/m²
Briefpapier, Tabellierpapier 60 g/m²
Schreibmaschinenpapier 70 g/m²
Kopierpapier 80 g/m²
Elefantenhautpapier 110 g/m²
Zeichenpapier, Tonzeichenpapier 130 g/m²
Packpapier, Schutzpapier 150 g/m²
Postkartenkarton 170 g/m²
Karteikartenkarton 190 g/m²
Glückwunschkartenkarton 220 g/m²
Aktendeckelkarton 250 g/m²

Zum Vergleich: Ein Ordnerdeckel aus Vollpappe hat ein Flächengewicht von etwa 600 g/m².

Die Dichte von Papier wird oft durch den Kehrwert, also als spezifisches Volumen in cm³/g, angegeben. Aus ihm folgt die Papierdicke:

Beispiel: Die Dichte von Papier liegt zwischen 700 und 1200 kg/m³. Bei einem Wert von 830 kg/m³, entsprechend einem spezifischen Volumen von 1,2 cm³/g, ist Papier mit einem Flächengewicht von 80 g/m² ca. 100 µm dick.

Stoffklassen

Papiere und Kartons mit gebleichten Halbstoffen:

Stoff Bezeichnung/Verwendung frühere Bezeichnung
ausschließlich mit Hadern hergestellt rein Hadern, superfein, Banknoten SK 1
mit mindestens 10 % Hadern hadernhaltig, fein, Landkarten SK 2
mit höchstens 5 % verholzten Fasern, jedoch ohne Verwendung von Holzschliff holzfrei, mittelfein, Offsetpapier SK 3
mit mindestens 25 % Holzschliff leicht holzhaltig, belordinär, Zeitschriften SK 4
mit mindestens 40 % Holzschliff konzept, Schreibmaschinenpapier SK 5
mit mindestens 55 % Holzschliff holzhaltig, ordinär, Rollenoffset SK 6
mit mindestens 70 % gebleichter Holzschliff Zeitungsdruck SK 7
bis 5 % verholzte Fasern, ohne Holzschliff holzfrei, Papiertaschen SK 8
mit 20 % Holzschliff schwach holzhaltig, Einwickelpapier SK 9
mit 40 % Holzschliff holzhaltig, Naturpackpapier SK 10
mit 55 % Holzschliff stark holzhaltig, Heftumschläge SK 11
aus 60 % Altpapier ordinär, Graupack, Wellpappe SK 12
aus 100 % Altpapier Recyclingpapier SK 15

Für alle Stoffklassen (SK) ist die im Endprodukt feststellbare Stoffzusammensetzung maßgebend.

Nach DIN 6730 werden holzhaltige Papiere in 6 Klassen eingeteilt:

Stoffklasse I: 75 % Holzschliff ungebleicht, 25 % Zellstoff ungebleicht
Stoffklasse Ia: 75 % Holzschliff gebleicht, 25 % Zellstoff ungebleicht
Stoffklasse II: 70 % Holzschliff gebleicht, 30 % Zellstoff bis zur Hälfte ungebleicht
Stoffklasse III: 70 % Holzschliff, 30 % Zellstoff gebleicht
Stoffklasse IV: 60 % Holzschliff, 40 % Zellstoff gebleicht
Stoffklasse V: 40 % Holzschliff, 60 % Zellstoff ungebleicht
Stoffklasse VI: 20 % Holzschliff, 80 % Zellstoff gebleicht

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ »Aus alt mach neu« Wissenswertes rund um das Altpapier. LWF-aktuell, 89, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, lwf.bayern.de
  2. ↑ Wolfgang Schlieder: Einige Bemerkungen über die Entwicklung des Papierbedarfs. In: Papiergeschichte. Darmstadt 10(1960)6, S. 80–84.
  3. ↑ Wolfgang Schlieder: Die Vielfalt der Papiersorten als Spiegelbild gesellschaftlicher Bedürfnisse. In: Verein Papiermühle Aschaffenburg (Hrsg.): Papierverhältnisse. Aschaffenburg 1992, S. 9–13.
  4. ↑ Jürgen Blechschmidt (Hrsg.): Taschenbuch der Papiertechnik. 2., aktualisierte Auflage. Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag, 2013, S. 37–39.
  5. ↑ Otto Wurz: Papierherstellung nach neuzeitlichen Erkenntnissen. Graz / Wien 1951, S. 229.
  6. ↑ Papiersorten. In: Luegers Lexikon der gesamten Technik. 2. Auflage. Band 7. Deutsche Verlags-Anstalt, Leipzig / Stuttgart 1909, S. 9–15 (Digitalisat. zeno.org). Zitat: „Papiersorten werden nach dem Lande der Erzeugung, nach der Art der Verwendung, nach hervorragenden Eigenschaften, nach der Aehnlichkeit mit anderen Stoffen und Produkten, nach dem Rohmaterial, aus dem sie bestehen, nach dem Stoff oder Material, mit dem sie verbunden sind, nach der Herstellungsweise, nach besonderen, daran haftenden Merkmalen u.s.w. benannt.“
  7. 1 2 Lexikon der Papiersorten. In: Jürgen Blechschmidt (Hrsg.): Taschenbuch der Papiertechnik. 2., aktualisierte Auflage. Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag, 2013, S. 39–51.
  8. ↑ Naturpapiere / Gestrichene Papiere (Memento des Originals vom 7. November 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. grasl.eu
  9. ↑ Max Zieger: Papierkunde. Eine Einführung für Papierverarbeiter. Leipzig 1952, S. 59.
  10. ↑ Strohpapier. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 16: Sicilien–Stückgesell. Altenburg 1863, S. 933 (Digitalisat. zeno.org – mit Verweis auf den Artikel Papier in Pierer’s).
  11. ↑ Velourspapier. (Memento des Originals vom 11. November 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: P. W. Hartmann: Kunstlexikon. beyars.com
  12. ↑ Flächengewicht, DIN EN ISO 536 Papier und Pappe – Bestimmung der flächenbezogenen Masse, August 1996. Beuth Verlag.