Leopold Tavs

Leopold Tavs (* 30. Juli 1898 in Budweis; † 29. Dezember 1985 in Wien) war ein österreichischer Nationalsozialist und Gauleiter der illegalen österreichischen NSDAP.

Leben

Leopold Tavs besuchte die k.u.k. Technische Militärakademie in Mödling und diente im Ersten Weltkrieg, wobei er den Dienstgrad Leutnant erreichte. Anschließend studierte er Chemie an der Technischen Hochschule Wien und wurde Beamter im Patentamt. Zum 19. Januar 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 364.072) und vertrat die Partei nach den Wiener Bezirksvertretungswahlen 1932 kurzzeitig als Bezirksvorsteher-Stellvertreter des Gemeindebezirks Landstraße, legte jedoch sein Mandat schon nach wenigen Tagen wegen „beruflicher Überbürdung“ nieder. 1933 trat er der SA bei, in der er zuletzt den Rang eines Obersturmbannführers bekleidete. Während der Verbotszeit der NSDAP in Österreich wurde Tavs mehrmals verhaftet (weshalb ihm 1940 der Blutorden verliehen wurde). Tavs war auch Mitarbeiter der NS-Zeitung Österreichischer Beobachter. 1937 wurde er stellvertretender NSDAP-Landesleiter und mit der Gauleitung von Wien betraut. Als im Jänner 1938 bei einer Hausdurchsuchung in seinem Schreibtisch ein Plan für eine gewaltsame Machtergreifung in Österreich gefunden wurde, wurde Tavs verhaftet, aber schon kurz darauf, nach dem Berchtesgadener Abkommen, amnestiert.

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an den NS-Staat 1938 wurde Tavs Direktor im Patentamt und NSDAP-Kreisleiter des Wiener Kreises V. 1938 wurde er Beigeordneter der Hauptabteilungen Bau, Wohnungs- und Siedlungswesen des Wohnungsamts, das für die Verwaltung „frei gewordener Judenwohnungen“ zuständig war. Von November 1938 bis Mai 1939 war er zudem Leiter des Reichspropagandaamts für den Reichsgau Niederdonau. Anschließend war er Stadtrat der Stadt Wien. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er auch in der Wehrmacht eingesetzt. Von Georg Meindl wurde er, als dieser die Geschäftsführung der Flugmotorenwerke Ostmark übernommen hatte, zum Personalchef des Unternehmens bestellt und war so mitverantwortlich beim Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen.

1948 wurde Tavs wegen Hochverrats angeklagt: Es wurde ihm vorgeworfen, aufgrund seiner Stellung die Machtergreifung der NSDAP in Österreich gefördert zu haben. Das Volksgerichtsverfahren, bei dem er von Walter Riehl verteidigt wurde, endete mit einer Verurteilung zu 15 Jahren Kerker, allerdings wurde Tavs schon nach drei Jahren begnadigt. In der Zweiten Republik arbeitete er als Industrieangestellter. Er trat der FPÖ bei und betätigte sich auch weiterhin in der rechtsextremen Szene.

Literatur

Belege

  1. ↑ Christian H. Stifter, Robert Streibel: »… und mich freudig zum National-Sozialismus bekenne!« Die Neuordnung der Wiener Volkshochschulen 1938–1945: Gleichschaltung, Programmstruktur, Karrieristen und Täter. In: Spurensuche. Jg. 29: Nationalsozialismus und Volksbildung. Eine späte Annäherung. Verein zur Geschichte der Volkshochschulen, Wien 2020, ISBN 978-3-902167-23-1, S. 139–187, hier S. 172, 176.
  2. ↑ Bundesarchiv R 9361-III/569643
  3. ↑ Die Konstituierung von Bezirksvertretungen. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ, 2. Juni 1932, S. 5 (online bei ANNO).
  4. ↑ Bezirksvertretung Landstraße. In: Deutschösterreichische Tages-Zeitung, 19. August 1932, S. 4 (online bei ANNO).
  5. ↑ Hochverratsanzeige gegen Dr. Leopold Tavs: Nationalsozialistisches „Aktionsprogramm 1938“ beschlagnahmt. In: Der Wiener Tag, 29. Jänner 1938, S. 1 (online bei ANNO).
  6. 1 2 Philipp Mettauer: Die „Judenumsiedlung“ in Wiener Sammelwohnungen 1939–1942. In: Wiener Geschichtsblätter. Heft 1/2018 (Wien 2018), S. 1–22, hier S. 9 f.
  7. 1 2 Bertrand Perz: Der Todesmarsch von Wiener Neudorf nach Mauthausen. Eine Dokumentation. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Jahrbuch 1988. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1988, ISBN 3-215-06823-0, S. 117–137, hier S. 127.
  8. ↑ Fünfzehn Jahre Kerker für Dr. Tavs. In: Neues Österreich. Organ der demokratischen Einigung, 21. Oktober 1948, S. 3 (online bei ANNO).
  9. ↑ Wolfgang Neugebauer: Gefahr von rechts. Dr.-Karl-Renner-Institut, Wien 1979, S. 12.