Marian Paradeiser

Porträt von Martin Paradeiser in Ordenstracht

Marian Paradeiser (getauft 11. Oktober 1747 in Großriedenthal; † 16. November 1775 in Melk) war ein niederösterreichischer Komponist und Benediktiner.

Leben

Marian Paradeiser wurde in Großriedenthal (heute Bezirk Tulln) als viertes Kind von Georg Gotthard und Magdalena Paradeiser (geborene Himmelpaur) geboren und am 11. Oktober 1747 auf den Namen Carolus getauft. Paradeiser hatte auch drei jüngere Geschwister, von denen er seine Schwester Rosalia am Michaelistag 1771 während seiner Primizmesse in Großriedenthal traute. Der jüngste Bruder, Ferdinand (1754–1809), wurde unter dem Namen P. Severin Maria Paradeiser Konventuale im Servitenkloster Schönbühel.

Um 1759 wurde Karl Paradeiser als Sängerknabe im Alumnat des Stiftes Melk aufgenommen. Dort erhielt er auch Unterricht in Violine und Komposition bei P. Marian Gurtler, P. Robert Kimmerling und vermutlich auch Johann Georg Albrechtsberger. Nach Abschluss der Melker Klosterschule studierte Paradeiser Logik an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Ab dem Studienjahr 1764/5 ist er in den dortigen Matrikeln verzeichnet. 1766 trat er als Novize in das Kloster ein und legte ein Jahr später sein Ordensgelübde ab. Bald danach nahm er seine theologischen Studien an der Melker Hausuniversität auf. Diese schloss er nach vier Jahren im Frühjahr 1772 höchst erfolgreich ab. Mit dem folgenden Studienjahr wurde Paradeiser selbst als Lehrer in der Melker Klosterschule eingesetzt und unterrichtete dort die parva (Anfängerklasse), die Syntax und die Rhetorik.

Von seinem 14. Lebensjahr bis zu seinem frühen Tod 1775 war Paradeiser ebenso als Komponist tätig.

Wissenschaftliche Arbeit

Der für seien Intellekt bekannte Paradeiser veröffentlichte zu Lebzeiten zwei Werke, in denen er nicht als Verfasser aufscheint. Die Kurzgefaßte Geschichte von dem Heiligen, Königlichen Pilger und Martyrer Kolomann […], sowie ein Kurzer Bericht von dem Wunderthaetigen Heiligen Kreuze […] wurden 1774 beim Wiener Universitätsbuchdrucker Johann Karl Richter in Krems gedruckt. Sowohl die Vita des Heiligen Koloman als auch die Legende vom Melker Kreuz sind wichtige Elemente der Geschichte des Stiftes Melk. Die kleinformatigen, schmalen Bände sind durch ihr Format auf den frommen Hausgebrauch ausgerichtet. Auch dass sie in deutscher – nicht lateinischer – Sprache verfasst sind, trug zu deren besserer Verbreitung, und somit zur Demokratisierung des enthaltenen Wissens, bei. Für die religiöse Erbauung der Lesenden gedacht sind die den Bänden beigegebenen Andachtstexte, eine Kolomanilitanei beziehungsweise die Tageszeitenliturgie zur Kreuzverehrung.

Musikalisches Schaffen

Marian Paradeiser galt als exzellenter Geiger und vielversprechender Komponist. Seine Kompositionen umfassen geistliche wie profane Musik; im Gegensatz zu seinen Melker Zeitgenossen verlagerte er sich jedoch vornehmlich auf die Komposition weltlicher Werke. Schätzungsweise hinterließ der Melker Benediktiner insgesamt etwa 65 Kompositionen. Seine fortschrittlichen Divertimenti und Streichquartette wurden am Wiener Kaiserhof gerne gespielt, manchmal auch unter Mitwirkung von Joseph II. am Violoncello.

Für den religiösen Gebrauch komponierte er einige kleinere Kirchenkompositionen sowie eine Messe in B-Dur. Diese wurde zum 250. Todestag Paradeisers am 25. Dezember 2025 in der Melker Stiftskirche erstmals wieder aufgeführt.

Zu seinen weltlichen Werken gehören drei Sinfonien, zehn Streichtrios, 24 Streichquartette, diverse Instrumentalkonzerte sowie zwei musiktheatralische Werke: eine einaktige Kantate (lusus comicus) für Abt Urban II. Hauer und das Singspiel Seladon. Die Kantate ist für sechs Musen, ausgeführt von Sängerknaben, und ein dem Anlass entsprechendes großes Orchester geschrieben. Die erste Aufführung fand am 17. Februar 1765 statt. Die Handlung Werkes umfasst nicht nur die Huldigung des gefeierten Abtes, sondern ebenso dessen Verbindung zum Österreichischen Kaiserhaus. Immer wieder wird auf Hauers Anwesenheit bei einer Aufführung von Glucks Il Parnaso Confuso im Jänner 1765 in Schönbrunn angespielt.

Bereits im Jahr darauf entstand Paradeisers zweites großes Werk, Seladon, für den Wiener Kardinal Christoph Anton von Migazzi. Die Handlung der "Pastoral=Operet" richtet sich, wie der Titel bereits vermuten lässt, an ein humanistisch gebildetes Publikum, das mit Vergils Eclogae vertraut ist. Von den jungen Hirten wird die Ankunft des Seladon, eines vom Gott Pan persönlich eingesetzten Oberhirten, herbeigesehnt. Die pastorale Metaphorik wird eingesetzt, um den Besuch des Kardinals beim Vater Palaemon (Abt Urban) und seinen Kindern (Konvent) künstlerisch zu verarbeiten. Aus nicht bekannten Umständen verschob sich die Aufführung des Werkes auf das Jahr 1772.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Tauf-, Trauungs-, Sterbebuch - 01,2,3-04 | Grossriedenthal | Wien/Niederösterreich (Osten): Rk. Erzdiözese Wien | Österreich | Matricula Online. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  2. ↑ Tauf-, Trauungs-, Sterbebuch - 01,2,3-04 | Grossriedenthal | Wien/Niederösterreich (Osten): Rk. Erzdiözese Wien | Österreich | Matricula Online. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  3. ↑ Tauf-, Trauungs-, Sterbebuch - 01,2,3-04 | Grossriedenthal | Wien/Niederösterreich (Osten): Rk. Erzdiözese Wien | Österreich | Matricula Online. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  4. ↑ Tauf-, Trauungs-, Sterbebuch - 01,2,3-06 | Grossriedenthal | Wien/Niederösterreich (Osten): Rk. Erzdiözese Wien | Österreich | Matricula Online. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  5. ↑ Tauf-, Trauungs-, Sterbebuch - 01,2,3-04 | Grossriedenthal | Wien/Niederösterreich (Osten): Rk. Erzdiözese Wien | Österreich | Matricula Online. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  6. ↑ Sterbebuch - 03/02 | Maria Langegg | Niederösterreich (Westen): Rk. Diözese St. Pölten | Österreich | Matricula Online. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  7. 1 2 Marian Paradeiser. In: Gedächtnis des Landes – Die Geschichtsdatenbank Niederösterreichs. Abgerufen am 12. November 2019.
  8. ↑ Kurt Mühlberger: Die Matrikel der Universität Wien. VIII. Band 1746/47-1777/78 (= Publikationen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung IV. Reihe Quellen zur Geschichte der Universität Wien, 1. Abteilung Die Matrikel der Universität Wien. Band VIII). Weimar 2014, S. 101.
  9. ↑ Maximilian Stadler: Materialien zur Geschichte der Musik unter den österreichischen Regenten. Hrsg.: Karl Wagner (= Schriftenreihe der Internationalen Stiftung Mozarteum. Band 6). Salzburg 1974, S. 150.
  10. ↑ Kurzgefaßte Geschichte Von dem Heiligen, Königlichen Pilger und Martyrer Kolomann, Des ganzen Niederösterreiches, und besonders des Benediktinerstiftes Melk Schutzherrn, Deßen Gebeine allda ruhen. Richter (uni-goettingen.de [abgerufen am 3. Juli 2026]).
  11. ↑ Robert N. Freeman: The Music Practice at Melk Abbey. Based Upon the Documents 1681–1826. (= Othmar Wessely [Hrsg.]: Veröffentlichungen der Kommission für Musikforschung. Band 23). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, S. 137.
  12. ↑ Maximilian Stadler: Materialien zur Geschichte der Musik unter den Österreichischen Regenten. Hrsg.: Karl Wagner (= Schriftenreihe der Internationalen Stiftung Mozarteum. Band 6). S. 151.
  13. ↑ S. B. B. Developers: Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  14. ↑ Musikalische Raritäten erklingen zu Weihnachten in Stift Melk. Abgerufen am 3. Juli 2026.
  15. ↑ A-M (Musikarchiv Stift Melk) IV 120.
  16. ↑ A-M (Musikarchiv Stift Melk) VII 1185.
Personendaten
NAME Paradeiser, Marian
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Komponist und Benediktinermönch
GEBURTSDATUM getauft 11. Oktober 1747
GEBURTSORT Großriedenthal
STERBEDATUM 16. November 1775
STERBEORT Melk