Robert Kimmerling OSB (getauft 8. Dezember 1737 in Wien; † 5. Dezember 1799 in Oberweiden/NÖ) war ein österreichischer Benediktiner, Komponist und Regens Chori des Stiftes Melk. Er war der Neffe Abt Thomas Pauers, des 55. Abtes des Stiftes Melk.
Robert Kimmerling wurde in Wien geboren und am 8. Dezember 1737 in der Michaelerkirche auf den Namen Johannes Ar(b)ogastus Martinus getauft. Im Knabenalter schickten seine Eltern, Joseph Kim(m)erling und Maria Anna (geb. Bauer oder Pauer), die eine Gaststätte im Michaelerhaus führten, ihn in das Alumnat des Benediktinerstiftes Melk, wo er zwischen 1748 und 1754 neben einer humanistischen Ausbildung vom damaligen Regens Chori Marian Gurtler in Musik unterrichtet wurde. Am 24. November 1754 legte Kimmerling seine feierliche Profess ab.
Vielleicht bereits 1756–1758, jedenfalls aber im Jahr 1760 begab Kimmerling sich wieder nach Wien, um dort Kompositionsunterricht bei Joseph Haydn zu nehmen. Mit Haydn stand er auch nach seiner Rückkehr nach Melk noch in Korrespondenz. Am Patroziniumsfest der Melker Stiftskirche, dem 29. Juni 1761 wurde Kimmerling zum Priester geweiht und nur drei Wochen später bekam er von Abt Thomas Pauer, seinem Onkel mütterlicherseits, das Amt des Regens Chori übertragen.
Unter seiner Führung florierte der Musikbetrieb des Stiftes. Er hatte durch seinen Onkel sowie dessen Nachfolger, den ebenso kunstliebenden Abt Urban II. Hauer, Budget für eine reichhaltige Musikpraxis und brachte exzellente Schüler hervor. Darunter waren etwa sein eigener Nachfolger, Kajetan Andorfer, der Melker Klosterkomponist und Violinist Marian Paradeiser und der spätere Regens Chori des Stiftes Seitenstetten, Gregor Hauer, ein Neffe Abt Urbans. Kimmerling war nicht nur ein guter Musiker und Lehrer für die Melker Knaben, es mangelte ihm offenbar auch nicht an Selbstironie. Dies zeigt sich etwa, als er 1764 während eines Besuchs des Wiener Hofes Franz Xaver Brixis um 1760 entstandene Kantate Erat unum cantor bonus (dt. Es war einmal ein guter Kantor) aufführte. In dem lateinischsprachigen Werk wird der Gesangsunterricht parodiert, indem ein nicht sehr fähiger Lehrer (Cantor, Bass) zwei sehr guten Schülern (Studiosus, Sopran / Succantor, Alt) Instruktionen erteilt. Der komische Effekt der Aufführung vor Kaiser Franz I. und Maria Theresia wurde dadurch verstärkt, dass der renommierte Musiker Kimmerling selbst die Partie des überheblichen, schlechten Lehrers übernahm und von zwei seiner Sängerknaben in den beiden anderen Rollen überflügelt wurde.
Als der Organist Johann Georg Albrechtsberger 1765 das Stift Melk verließ, unterstützte dieser die Einsetzung seines Schülers Franz Schneider als seinen Nachfolger. Beide hatten ein schwieriges Verhältnis zu Kimmerling. Dieser versuchte darum, gegen die Bestellung zu intervenieren, indem er Abt Urban II. Hauer einen Gegenkandidaten, Franz Xaver Widerhofer, vorschlug. Der Abt folgte allerdings nicht dem Wunsch seines Regens Chori, sondern dem seines scheidenden Organisten, was Kimmerling äußerst verstimmt zurückließ.
Nach langer Zeit wurde 1777 Kimmerlings Versetzungswunsch genehmigt und er als Pfarrer in die Stiftspfarre Gettsdorf entsandt. Ein Jahr später war er als Vikar in Weikendorf tätig und wurde schließlich 1781 in die Pfarre Oberweiden versetzt. Bei der Abreise aus dem Stift nahm er einen großen Teil seiner Kompositionen mit sich. Diese sind heute verloren.
Robert Kimmerling starb am 5. Dezember 1799 im Alter von 62 Jahren an "Brust- und Herzwassersucht" und wurde auf dem Friedhof in Oberweiden bestattet.
Neben seiner Unterrichtstätigkeit und der Planung und Aufführung sämtlicher Musik im Stift Melk widmete Kimmerling sich auch der Komposition. Eine Rekonstruktion ergab, dass er im Laufe seines Lebens an die 80 Werke komponierte. Darunter befindet sich naturgemäß Sakralmusik (Messen, Requien, marianische Antiphonen), er schuf aber auch weltliche Musik. Darunter sind Huldigungswerke wie der Applausus de Tobiae historia und ein Schäferspiel (beide verschollen) für Abt Urban, und Singspiele.
Sein bekanntestes Opernwerk trägt den Titel Rebecka, die Braut Isaaks, das anlässlich des Besuchs der Erzherzogin Marie Antoinette auf der Durchreise von Wien nach Frankreich 1770 entstand. Die Aufführung des Werkes fand am 22. April 1770 im Marmorsaal des Stiftes durch ausgewählte Sängerknaben, professionelle Sänger und ein aus Mönchen bestehendes Orchester statt. Während das Libretto des Melker Beda Schuster erhalten ist, ist Kimmerlings Musik nicht mehr bekannt. Kaiser Joseph II. hatte laut Überlieferung ein Exemplar der Partitur mit nach Wien genommen, um dieses der Hofbibliothek zu übergeben. In deren Bestand ist allerdings kein Manuskript erhalten.
Ebenso schrieb Kimmerling Kammer- und Klaviermusik, darunter Lieder und Divertimenti bzw. Cassationen.
Zeitlebens setzte Robert Kimmerling sich für die Pflege der Werke seines Lehrers Joseph Haydn im Stift Melk ein. Haydns Kompositionen, geistlich wie weltlich, wurden zahlreich kopiert, gekauft und aufgeführt. Die im 18. Jahrhundert begonnene Tradition der Wertschätzung und Pflege von Haydns Werk wurde von Kimmerlings Schülern und Nachfolgern fortgeführt, sodass das Stift Melk seit den Lebzeiten des Komponisten als Zentrum der Haydnpflege galt.
Mit dem damaligen Musikalienbestand des Klosters und Werken aus seiner eigenen Sammlung („Ex libris musicale P. Roberti Kimmerling“) begründete Robert Kimmerling in den Sechzigerjahren des 18. Jahrhunderts, kurze Zeit nach seinem Amtsantritt als Regens Chori, das Musikarchiv des Stiftes Melk. Dieses wird seither kontinuierlich gepflegt und vermehrt, wodurch es inzwischen auf einen Bestand von etwa 12.000 Signaturen datierend vom 16. bis ins 21. Jahrhundert angewachsen ist.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kimmerling, Robert |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Benediktiner, Komponist und Regens Chori des Stiftes Melk |
| GEBURTSDATUM | getauft 8. Dezember 1737 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 5. Dezember 1799 |
| STERBEORT | Oberweiden, NÖ |