Martin Glaser (Prediger)

Martin Glaser (* im 15. Jahrhundert in Nürnberg; † 1553 in Nürnberg/Nürnberger Land) war ein deutscher Augustiner-Eremit und lutherischer Prediger der Reformation. Er studierte in Wittenberg und stand bereits früh in persönlicher Verbindung mit Martin Luther. 1518 war er Prior des Augustinerklosters Ramsau bei Haag in Oberbayern, später wirkte er als Prediger im Augustinerkloster Nürnberg und als evangelischer Pfarrer unter anderem in Kraftshof, Hiltpoltstein und Großgründlach. Bekannt ist Glaser außerdem als Verfasser eines 1533 gedruckten Berichts über eine ungewöhnliche Himmelserscheinung.

Leben und Wirken

Martin Glaser stammte aus Nürnberg. Zwischen 1506 und 1515 studierte er in Wittenberg, wo er unter anderem bei Martin Luther hörte. Als Angehöriger des Augustinerordens gehörte er damit zu jenem personellen Netzwerk, über das sich die reformatorischen Vorstellungen Luthers bereits früh über Wittenberg hinaus verbreiteten. 1517 wurde Glaser in Wittenberg zum Baccalaureus biblicus promoviert.

1518 wurde Glaser zum Prior des Augustinerklosters Ramsau gewählt. Mit Luther blieb er auch nach dessen Wittenberger Zeit persönlich verbunden. Ein Brief Luthers vom 30. Mai 1519 ist ausdrücklich an „Martin Glaser, Prior der Augustinereremiten zu Ramsau“ gerichtet. Darin entschuldigte sich Luther unter anderem wegen eines Pferdes, das Glaser ihm zur Verfügung gestellt hatte. In der Forschung wird dieses Pferd mit Luthers überstürzter nächtlicher Abreise aus Augsburg im Oktober 1518 nach seinem Verhör durch Kardinal Thomas Cajetan in Verbindung gebracht. Glaser soll außerdem einen der Briefe Luthers an Cajetan überbracht haben.

1519 oder spätestens 1520 verließ Glaser Ramsau und kehrte in seine Heimatstadt Nürnberg zurück, wo sich die reformatorische Bewegung früh ausbreitete. Ob sein Eintreten für die lutherische Lehre auch die Hinwendung des damals noch jugendlichen Grafen Ladislaus von Haag zur Reformation beeinflusste, ist ungeklärt. Im Nürnberger Augustinerkloster wurde er als Prediger und auch als Lektor tätig. Als sich der Nürnberger Augustinerkonvent im Zuge der Reformation auflöste und das Kloster 1525 an das städtische Almosenamt übergab, übernahm Glaser die evangelische Pfarrstelle an St. Georg in Kraftshof, vertretungsweise auch im nahe gelegenen Großgründlach.

Seit 1528 amtierte Glaser als Pfarrer in Hiltpoltstein, das seit 1503 ein Pflegamt der Reichsstadt Nürnberg innehatte. Er war in den nördlichen Nürnberger Gebieten einer der ersten Prediger der lutherischen Lehre und damit Botschafter der Reformation in den ländlichen Gemeinden. Im Jahre 1527 hatte er eine erste evangelische Predigt in Hiltpoltstein gehalten. Von 1530 ist ein weiterer Briefwechsel mit Luther überliefert: Glaser erwog darin, aus wirtschaftlicher Not sein Predigtamt aufzugeben und seinen Lebensunterhalt durch ein Handwerk zu verdienen. Luther riet ihm in der Antwort vom 1. Oktober 1530 davon ab und setzte sich bei den Nürnberger Ratsherren Wenzeslaus Linck und Lazarus Spengler für Glaser ein; auch der Theologe Veit Dietrich sollte ihn unterstützen. Die Baufälligkeit der Hiltpoltsteiner Kirche, noch ein kleinerer Vorgängerbau der späteren Pfarrkirche St. Matthäus, wurde in den zeitgenössischen Berichten an das Landpflegamt Nürnberg mehrfach bemängelt.

Am 1. Dezember 1543 übernahm Glaser die Pfarrkirche St. Lorenz in Großgründlach nahe Nürnberg. Nach seinem Ausscheiden aus dem Pfarramt 1551 verbrachte Glaser auch seine letzten Lebensjahre im Nürnberger Raum. 1552 wurde Großgründlach im Zweiten Markgrafenkrieg schwer zerstört, darunter auch die Kirche. Ob er zu dieser Zeit noch in Großgründlach lebte, ist unbekannt. Auch das genaue Sterbedatum ist nicht überliefert.

Glaser wurde am 25. Mai 1553 auf dem Rochusfriedhof in Nürnberg beigesetzt.

Bericht über die Himmelserscheinung von 1533

Darstellung der 1533 bei Hiltpoltstein beobachteten „fliegenden Drachen“ im Augsburger Wunderzeichenbuch (um 1552).

Während seiner Hiltpoltsteiner Zeit verfasste Glaser 1533 die Schrift Ein wunderbarlich Gesicht von den Drachen. Anlass war eine am Abend des 24. Oktober 1533 beobachtete ungewöhnliche Himmelserscheinung, die Glaser von mehreren Einwohnern unabhängig als drachenartige Gestalten beschrieben wurden und die er im zeitgenössischen Verständnis als religiöses Vorzeichen deutete. Seine Vorrede ist auf den 26. Oktober 1533 datiert und mit „Martinus Glaser, Prediger zum Hilboltstein“ unterzeichnet. Nach Augenzeugenberichten waren etwa zwei Stunden lang in der Umgebung Hiltpoltsteins zahlreiche leuchtende, verschiedenfarbige drachenähnliche Gestalten zu sehen. Diese bewegten sich lautlos durch die Luft. Glaser, der die Erscheinung nicht selbst beobachtet hatte, verwies einerseits auf zeitgenössische naturkundliche Erklärungen, deutete sie andererseits aber als göttliches Warnzeichen und Aufforderung zur Umkehr. Der Kirchenhistoriker Otto Clemen verwies 1911 auf gleichzeitige Beobachtungen in Hof im heutigen Bayern, im Raum Wittenberg–Halle sowie in Böhmen. Spekulationen über den Zusammenhang mit historisch überlieferten Heuschreckenplagen von 1541 und 1543 im Nürnberger Raum konnten jedoch nicht die leuchtenden Schweife der Erscheinungen erklären.

Eine mögliche Erklärung ist ein Leoniden-Meteorschauer. Der Astronom Alexander N. Vyssotsky erwähnte 1949 anhand der russischen Nikonchronik eine Beobachtung aus derselben Nacht des 24. Oktober 1533 in Moskau. Dort sollen zahlreiche Sterne mit langen, seilartigen Schweifen über den Himmel gezogen sein. Vyssotsky ordnete die Erscheinung unter Berufung auf astronomische Berechnungen den Leoniden zu. Das Augsburger Wunderzeichenbuch (um 1552) bildete sowohl die drachenartigen Erscheinungen von Hiltpoltstein (Folio 129) als auch von Böhmen (Folio 127) ab, was eine Deutung als Meteorstrom wahrscheinlicher macht. Auch die böhmischen Beobachtungen stammten von mehreren Nächten Ende Oktober 1533, mit Beginn am 24. Oktober.

Die Schrift gehört zur frühneuzeitlichen Literatur über Wunderzeichen. Die erste überlieferte Ausgabe erschien 1533 bei Wolfgang Meyerpeck dem Älteren in Zwickau.

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Hiram Kümper: Zwischen Landesherren und Laienkelch. Evangelische Bewegung und Gegenreformation in Wasserburg am Inn. (= Heimat am Inn, Sonderband 2). Heimatverein Wasserburg, Wasserburg am Inn 2017, ISBN 978-3-943911-13-8, S. 31–34.
  2. ↑ Fritz Bünger, Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg. Zweiter Teil. (= Germania Sacra, Erste Abteilung: Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, 3. Band). Walter de Gruyter, Berlin 1941, S. 470: „Martin Glaser, aus dem Kloster Nürnberg, imm. in Wittenberg WS 1505/06, prom. daselbst zum bacc. bibl. 1517 Sept. 18“.
  3. ↑ Karl Eduard Förstemann (Hrsg.): Liber Decanorum Facultatis Theologicae Academiae Vitebergensis. Carl Tauchnitz, Leipzig 1838.
  4. ↑ D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Briefwechsel. Band 1. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1930, S. 408–410.
  5. 1 2 3 Hans Volz: Der Nürnberger Augustinermönch Martin Glaser und seine Beziehungen zu Martin Luther. In: Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte. Band 40, 1971, S. 38–45.
  6. ↑ Hiram Kümper: Zwischen Landesherren und Laienkelch. Evangelische Bewegung und Gegenreformation in Wasserburg am Inn. Heimatverein Wasserburg, Wasserburg am Inn 2017, S. 31–33.
  7. ↑ Birgit Luscher: Ludwig Wurster und die Nürnberger Augustiner zur Reformationszeit. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2024, ISBN 978-3-374-07683-3, S. 37–39.
  8. ↑ Andreas Würfel: Diptycha ecclesiarum in oppidis et pagis Norimbergensibus: Das ist: Verzeichnüs und Lebensbeschreibungen der Herren Geistlichen, welche seit der gesegneten Reformation biß hieher so wohl in den Städtlein als auf denen Dorfpfarren Nürnbergischen Gebiets gedienet. Nürnberg 1759, S. 242.
  9. ↑ Bayerische Staatsbibliothek, Clm 10357, fol. 7: Martin Luther an Martin Glaser, Coburg, 1. Oktober 1530; digitale Präsentation in bavarikon.
  10. ↑ Jürgen Fritzsche: Die Reformation in Großgründlach. In: Der Gruß. Gemeindebrief der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Großgründlach, Nr. 259, 3/2017, S. 8.
  11. ↑ Manfred Fischer: Martin Luther und ein „Haager“ Pferd. In: Ausblicke. 29. Jahrgang, Heft 2, 2024, S. 27–28, hier S. 28.
  12. 1 2 Martin Glaser: Ein wunderbarlich gesicht/ von den Drachen/ auff dem gebirg/ den xxxiij. tag des Weinmons gesehen. Wolfgang Meyerpeck d. Ä., Zwickau 1533 (Digitalisat).
  13. 1 2 Otto Clemen: Fliegende Drachen 1533 und Heuschrecken 1541–1543. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte. Band 32, 1911, S. 114–119.
  14. ↑ Alexander N. Vyssotsky: Astronomical Records in the Russian Chronicles from 1000 to 1600 A. D. Lund 1949, S. 46 (Digitalisat).
  15. ↑ Helmut Claus: Die Zwickauer Drucker des 16. Jahrhunderts und ihre Drucke. Bibliographischer Nachweis Nr. 205: Martin Glaser, Ein wunderbarlich Gesicht von den Drachen, 1533.