| MorphoSys AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1992 |
| Auflösung | 2024 |
| Auflösungsgrund | Verschmelzung |
| Sitz | Planegg, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 524 (2023) |
| Umsatz | 283,3 Mio. Euro (2023) |
| Branche | Biotechnologie |
| Website | www.morphosys.de |
| Stand: 31. Dezember 2023 | |
Die Morphosys AG (Eigenschreibweise MorphoSys) war ein 1992 von Simon Moroney, Christian Schneider und Andreas Plückthun gegründetes biopharmazeutisches Unternehmen mit Sitz in Planegg bei München. Es wurde 2024 durch den Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen, der Ende 2025 alle Morphosys-Standorte aufgab und verbleibende Aktivitäten unter dem eigenen Namen fortführt.
Das Unternehmen verfügte über verschiedene Antikörper-, Protein- und Peptid-Technologien, die es zur Erforschung und Entwicklung sowohl eigener als auch verpartnerter Arzneimittelkandidaten einsetzte. Zur Gesellschaft gehörte ein hundertprozentiges Tochterunternehmen in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts.
Die Aktie der Gesellschaft war Bestandteil von SDAX und TecDAX und an der Frankfurter Wertpapierbörse wie auch an der US-amerikanischen Börse Nasdaq notiert.
Die wichtigste Technologie von Morphosys war eine Antikörper-Bibliothek namens HuCAL® ("Human Combinatorial Antibody Library"), die von Wissenschaftlern zur Herstellung von menschlichen Antikörpern genutzt wurde. Diese Sammlung wurde zwischen 1997 und 2007 in mehreren Versionen weiterentwickelt. Die letzte Version namens HuCAL PLATINUM wurde 2007 veröffentlicht und umfasste mehr als 45 Milliarden verschiedene humane Antikörperfragmente in Form einer Phagen-Display-Bank. Morphosys stellte die HuCAL®-Bibliothek Partnerunternehmen für die Entwicklung therapeutischer Wirkstoffe oder zu Forschungszwecken zur Verfügung. Außerdem entwickelte Morphosys Medikamentenkandidaten im Auftrag der Partnerunternehmen. Der erste auf Basis der HuCAL Technologie zugelassene Antikörper war Tremfya® (Guselkumab). Tremfya erhielt im Jahr 2017 die Marktzulassung zur Behandlung von Schuppenflechte.
Morphosys erhielt bei den der Medikamentenentwicklung dienenden Partnerschaften Meilensteinzahlungen bei der Erreichung bestimmter Entwicklungsziele (beispielsweise bei Lieferung eines Antikörpers gegen ein vorgegebenes Zielmolekül, bei Beginn der klinischen Prüfung mit einem HuCAL®-Antikörper, und bei der Zulassung als Medikament). Diese Meilensteinzahlungen summierten sich je Wirkstoff-Projekt auf etwa 10 Mio. US-Dollar. Je weiter fortgeschritten ein Projekt in der Entwicklung ist, desto höher fallen die einzelnen Zahlungen üblicherweise aus. An den Umsätzen mit fertig-entwickelten Medikamenten aus den Projekten wurde Morphosys über Lizentvereinbarungen beteiligt.
Zu Morphosys’ Partnerunternehmen gehörten folgende internationale Pharmakonzerne:
Im Januar 2005 übernahm Morphosys die britische Biogenesis-Gruppe für 5,25 Mio. GBP (etwa 6,3 Mio. Euro). Im Januar 2006 übernahm Morphosys die britische Serotec-Gruppe für 20 Mio. GBP (etwa 24 Mio. EUR). Mit der Verschmelzung der beiden Marken mit der 2004 gegründeten MorphoSys-internen Abteilung "Antibodies by Design" zu AbD Serotec stieg Morphosys nach eigenen Angaben zum größten Anbieter von Antikörpern für die Forschung in Europa auf. Zudem war Morphosys damit der erste Anbieter von kundenspezifisch entwickelten Forschungsantikörpern, die nicht mittels Immunisierung von Tieren hergestellt wurden. Im Oktober 2010 übernahm Morphosys die in Puchheim ansässige private Sloning Biotechnologie GmbH für 19 Mio. Euro. Im Dezember 2012 übernahm die kalifornische Biotechnologiefirma Bio-Rad Laboratories die Forschungs- und Diagnostik-Sparte AbD Serotec gegen Zahlung von 48 Mio. Euro plus einer Lizenzzahlung für den Einsatz der HuCAL®-Technologie. Im Mai 2015 übernahm Morphosys das niederländische Unternehmen Lanthio Pharma BV. Lanthio war das erste Unternehmen, an welchem sich Morphosys zuvor mit Eigenkapital beteiligt hatte. Im Rahmen einer Serie-A-Finanzierungsrunde hatte Morphosys 2012 rund 20 % von Lanthio erworben. Am 2. Juni 2021 wurde bekannt gegeben, dass Morphosys den amerikanischen Krebsspezialisten Constellation Pharmaceuticals für 1,7 Mrd. Dollar übernehmen wird. Das Volumen dieser Übernahme entsprach gut 70 % der Marktkapitalisierung von Morphosys zu diesem Zeitpunkt.
2024 übernahm Novartis Morphosys für 2,7 Milliarden Euro, entsprechend 68 Euro pro Aktie. Im Juni 2024 gab Novartis bekannt, knapp 90 % der Morphosys-Anteile erworben zu haben. Ende August 2024 wurde die Übernahme abgeschlossen. Im Herbst 2024 nahm Novartis eine Wertberichtigung um 800 Millionen Euro vor und kündigte an, Morphosys bis Ende 2025 schließen zu wollen.
Im Dezember 2019 verfügte Morphosys über 116 Medikamentenkandidaten (zwölf firmeneigene und 104 mit Partnern betriebene Programme), von denen sich 28 in der klinischen Entwicklung befanden.
Mittels der HuCAL Technologie entwickelte Medikamenten-Kandidaten sind beispielsweise Bimagrumab, Otilimab, Tesidolumab und Gantenerumab.
Tafasitamab (MOR208, Minjuvi®), ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen CD19 erhielt 2021 seine Zulassung in der Europäischen Union.als Arzneimittel zur Behandlung von B-Zell-Lymphomen. Tafasitamab stammt nicht aus der HuCAL Bibliothek, sondern wurde von Morphosys von Xencor lizensiert und im Haus weiterentwickelt. Das Tafasitamab Programm wurde im Februar 2024 an die Firma Incyte verkauft.
Am 2. März 2023 gab die Morphosys AG bekannt, dass das Unternehmen seine präklinischen Forschungsprogramme beenden und alle damit verbundenen Aktivitäten einstellen werde. Begründet wurde dieser Schritt mit Herausforderungen des Pharma-Marktes, durch den das Unternehmen gezwungen sei, seine Kostenstruktur zu optimieren und alle Ressourcen stärker auf Onkologie-Produkte im mittleren bis späten Entwicklungsstadium zu konzentrieren.
Morphosys entwickelte eine Reihe von Antikörpertechnologien, die es sowohl für seine firmeneigenen Programme als auch für Partnerprogramme einsetzte.
Die wichtigste Technologie von Morphosys war HuCAL Bibliothek (Human Combinatorial Antibody Library). Eine weitere Antikörper-Bibliothek namens Ylanthia wurde 2013 veröffentlicht.
| Jahr | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz (Mio. Euro) | 64,9 | 78,0 | 64,0 | 106,2 | 49,7 | 66,8 | 76,4 | 71,8 | 327,7 | 179,6 | 278,3 | 283,3 |
| Konzernergebnis (Mio. Euro) | 1,9 | 13,3 | −3,0 | 17,2 | −59,9 | −67,6 | −59,1 | −107,9 | 27,4 | −514,5 | −151,1 | −189,7 |
| Mitarbeiter am Jahresende (Anzahl) | 421 | 299 | 329 | 365 | 345 | 326 | 329 | 426 | 615 | 732 | 629 | 524 |