| Multicrustacea | ||||||||||||
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Vertreter verschiedener Taxa innerhalb der Multicrustacea | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Multicrustacea | ||||||||||||
| Regier, Shultz, Zwick, Hussey, Ball, Wetzer, Martin & Cunningham, 2010 |
Die Multicrustacea sind ein Taxon innerhalb der Krebstiere (Crustacea), das 2010 auf Grundlage molekularer Untersuchungen eingeführt wurde. Zu ihnen werden ursprünglich die Höheren Krebse (Malacostraca), die Thecostraca und die Ruderfußkrebse (Copepoda) gerechnet. Nachträglich wurde noch die Tantulocarida ergänzt, eine kleine Gruppe parasitär lebender Krustentiere.
Die Monophylie der Multicrustacea wurde durch mehrere phylogenomische Untersuchungen unterstützt, ist nach neueren Analysen jedoch umstritten. Insbesondere die Stellung der Ruderfußkrebse (Copepoda) erwies sich als instabil. Untersuchungen aus den Jahren 2023 und 2024 ordneten sie näher bei den Allotriocarida ein und fanden damit keine monophyletischen Multicrustacea.
Die Multicrustacea umfassen morphologisch sehr unterschiedliche Krebstiere. Sie wurden in erster Linie aufgrund molekularbiologischer Untersuchungen abgegrenzt und besitzen keine einfache morphologische Diagnose. Zu ihnen gehören unter anderem die überwiegend kleinen Ruderfußkrebse, sessile oder parasitische Vertreter der Thecostraca sowie die sehr formenreichen Höheren Krebse mit Gruppen wie Zehnfußkrebsen, Flohkrebsen, Asseln, Fangschreckenkrebsen und Krill.
Als mögliche gemeinsame abgeleitete Eigenschaft wurde ein Merkmal der frühen Entwicklung diskutiert. Bei Copepoda und Thecostraca sind die hinter der Mandibel liegenden Extremitäten während der frühen Nauplius-Phase noch nicht oder nur als Anlagen vorhanden, so dass vor allem die beiden Antennenpaare und die Mandibeln funktionell ausgebildet sind. Ein vergleichbares Muster findet sich bei den frei lebenden Naupliuslarven einiger Höherer Krebse. Lozano-Fernandez und Mitarbeiter werteten diese verzögerte Ausbildung der postmandibularen Extremitäten als mögliche Synapomorphie der Multicrustacea, betonten aufgrund der sehr unterschiedlichen Entwicklungsweisen innerhalb der Malacostraca jedoch die Unsicherheit dieser Interpretation.
Die Bezeichnung Multicrustacea wurde 2010 von Jerome C. Regier, Jeffrey W. Shultz, Andreas Zwick, April Hussey, Bernard Ball, Regina Wetzer, Joel W. Martin und Clifford W. Cunningham eingeführt. Ihre phylogenetische Untersuchung beruhte auf 62 kernkodierten proteincodierenden Genen von 75 Gliederfüßerarten und führte zu einer grundlegenden Neuordnung der höheren Systematik der Pancrustacea. Oakley und Mitarbeiter bestätigten 2013 die Multicrustacea in einer Untersuchung, die molekulare Daten mit morphologischen Merkmalen rezenter und fossiler Formen verband. Sie unterschieden drei große Linien innerhalb der Pancrustacea: die Oligostraca, die Multicrustacea sowie die Allotriocarida aus Branchiopoda, Cephalocarida, Remipedia und Hexapoda. Innerhalb der Multicrustacea fanden sie außerdem Unterstützung für eine nähere Verwandtschaft von Copepoda und Thecostraca, für die sie den Namen Hexanauplia verwendeten.
Die Monophylie und die innere Gliederung der Multicrustacea wurden in phylogenomischen Untersuchungen unterschiedlich rekonstruiert. Eine Untersuchung von 89 Vertretern der Pancrustacea anhand von Genomen und Transkriptomen im Jahr 2018 unterstützt die Multicrustacea und die darin befindlichen Gruppen. Auch bei einer Untersuchung von 125 Pancrustacea im Jahr 2019 wurde das Taxon prinzipiell bestätigt, in einzelnen Darstellungen wurden die Copepoda allerdings entweder innerhalb der Allotriocarida oder als Schwestergruppe einer Klade aus Malacostraca und Thecostraca eingeordnet, ihre Position wurde entsprechend als unsicher angegeben. Nach Untersuchungen aus dem Jahr 2023 wurden die Copepoda innerhalb der Allotriocarida eingeordnet und die Gruppierung von Copepoda, Thecostraca und Malacostraca zu den Multicrustacea wurde damit verworfen. Auch eine Analyse aus dem Jahr 2024 bestätigte die Zweifel an der Monophylie der Multicrustacea. In ihren Untersuchungen standen die Copepoda entweder als Schwestergruppe der Allotriocarida oder wurden innerhalb dieser Gruppe eingeordnet.
Die Tantulocarida waren in den frühen Untersuchungen zur Definition nur unzureichend molekular untersucht worden. Eine Analyse vollständiger 18S-rDNA-Sequenzen zweier Tantulocarida-Arten ergab 2014 eine enge Beziehung zu den Thecostraca, teilweise wurden sie sogar innerhalb der Thecostraca als Schwestergruppe der Rankenfußkrebse (Cirripedia) eingeordnet. Noch 2014 betrachteten die Autoren ihre genaue Position jedoch weiterhin als ungeklärt.
Das World Register of Marine Species führt die Multicrustacea als anerkannte Überklasse innerhalb der Crustacea. Ihr werden dort gegenwärtig vier anerkannte Klassen direkt zugeordnet:
Außerdem wird die ausgestorbene Familie Priscansermarinidae ohne Zuordnung zu einer Klasse unmittelbar innerhalb der Multicrustacea geführt.