Nora Houston

Nora Houston, 1915

Nora Clare Gibson Houston (* 24. Juni 1883 in Richmond, Virginia, USA; † 20. Februar 1942 ebenda) war eine US-amerikanische Malerin und Frauenrechtlerin. Sie war Gründungsmitglied der Equal Suffrage League of Virginia und setzte sich für das Frauenwahlrecht und später für die politische Teilhabe von Frauen und die Rechte der Kinder ein. Zusammen mit Adele Goodman Clark war sie Mitbegründerin der Virginia League of Fine Arts and Handicrafts, einer Vorläuferorganisation des Virginia Museum of Fine Arts.

Leben und Werk

Adèle Clark, Nora Houston, Mae Schaill, Mary Eugenia Benson Jobson, 1915. Veröffentlicht im Richmond Times-Dispatch, 1. August 1915

Houston war die einzige Tochter des Arztes Henry Gibson Houston und Josephine Estelle Dooley Houston. Nach dem Tod ihres Vaters, als sie fast zwei Jahre alt war, finanzierte ihr Onkel James Henry Dooley, ein Anwalt und Finanzier, ihre Ausbildung und ihren Kunstunterricht. Houston besuchte die Saint Joseph’s Female Academy und eine von ihrer Mutter geleitete Grundschule. Sie studierte Kunst bei der Künstlerin Lily M. Logan in deren Atelier, wo sie ihre Freundin und spätere Lebensgefährtin Adele Clark kennenlernte. Gemeinsam traten sie dem neu gegründeten Art Club of Richmond bei. Dort wurde sie von dem Illustrator William Sheppard und dem Bildhauer Edward Valentine unterrichtet.

Houston erhielt 1905 ein Stipendium für die New York School of Art, wo sie bei William Merritt Chase, Kenneth Hayes Miller und Robert Henri studierte. Anschließend reiste sie nach Paris und studierte an der Académie Colarossi. Nach mehrjährigem Studium der Malerei und der Konzepte der Moderne kehrte Houston 1909 nach Richmond zurück, um am Art Club of Richmond zu unterrichten. Dank einer großzügigen Erbschaft von ihres Onkel gab Houston 1928 ihre Lehrtätigkeit auf, reiste durch Europa und widmete sich der Malerei und dem Kampf für soziale Gerechtigkeit.

Politische Aktivistin

Plakat von Nora Houston und Adele Clark aus dem Jahr 1919 für die Nachkriegs-Investitionskampagne Blue Triangle des YWCA.

Ihre Rückkehr nach Richmond fiel mit dem Wiederaufleben der Frauenwahlrechtsbewegung in Virginia zusammen. Wie viele andere Frauen glaubte sie, dass das Wahlrecht Frauen die Möglichkeit geben würde, wichtige Reformen in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und Familienfürsorge durchzusetzen. Sie gehörte der Ortsgruppe der Equal Suffrage League of Virginia in Richmond an und fungierte von 1914 bis 1919 als deren Schriftführerin. Houston reiste durch den ganzen Bundesstaat, hielt Vorträge, gründete lokale Ortsgruppen und betrieb Lobbyarbeit bei den Abgeordneten des Bundesstaates. Als die Liga 1915 begann, wöchentliche Straßenversammlungen abzuhalten, sprach Houston häufig an Straßenecken und in Parks in Richmond und wurde mindestens einmal mit Steinen beworfen. Sie verband ihr Interesse an Kunst und Frauenwahlrecht und entwarf Flugblätter, Schilder und Festwagen und zeichnete Karten der Richmond-Wahlbezirke für die örtliche Ortsgruppe der Frauenliga.

Nach der Ratifizierung des 19. Verfassungszusatzes unterstützte sie afroamerikanische Frauen bei der Registrierung als Wählerinnen und begleitete sie gemeinsam mit Clark am Wahltag 1920 zu den Wahllokalen. 1921 nahm Houston an der Gründungsversammlung des Frauenkomitees der Virginia Commission on Interracial Cooperation teil, die sich für die Verbesserung der grundlegenden sozialen Bedingungen für Afroamerikaner in Richmond einsetzte und Gewalt und die Ausbeutung der Frauen verurteilte. Sie wurde zur Vorsitzenden der Richmond Commission on Interracial Cooperation ernannt. Unter ihrer Leitung setzte sich die Kommission in den 1920er Jahren für die Verbesserung der Wohnverhältnisse und den Bau von Bibliotheken und Schulen ein. Sie veröffentlichte Dokumente, in denen sie den Ku-Klux-Klan, Lynchjustiz und die sexuelle Ausbeutung afroamerikanischer Frauen verurteilte. Von 1934 bis 1936 war sie Präsidentin des Catholic Woman's Club of Richmond und gründete Komitees, die sich mit Kunst, sozialer Gerechtigkeit und bürgerlichen Angelegenheiten befassten.

Wenige Wochen nach Ratifizierung des 19. Verfassungszusatzes im Jahr 1920 löste sich die Equal Suffrage League auf. Viele ihrer Funktionäre und einige Mitglieder setzten ihren politischen Aktivismus fort und gründeten die Virginia League of Women Voters. Houston war Mitglied des Organisationskomitees der Liga und half bei der Ausarbeitung der Satzung der Richmond-Liga. Sie leitete außerdem mehrere Ausschüsse der Landesliga, darunter den Ausschuss für Gesetzgebung, Kinderwohlfahrt und Finanzen. Die Liga setzte sich erfolgreich für die Einsetzung einer Landeskommission ein, die Gesetze überprüfen und neue Gesetze zum Wohle von Kindern vorschlagen sollte. Houston wurde 1921 in die Children's Code Commission berufen und befürwortete ein Gesetz zur Einführung der Ergotherapie in psychiatrischen Einrichtungen. Im folgenden Jahr empfahl die Kommission zahlreiche Gesetzesreformen, von denen viele von der Generalversammlung verabschiedet wurden, um die Bedingungen in Schulen, die Kinderarbeit, die Situation von abhängigen oder vernachlässigten Kindern und die allgemeine Kinderwohlfahrt zu verbessern. Houston war auch Mitglied des Komitees der Landesliga, das das Spendenbuch Virginia Cookery Book: Traditional Recipes (1921) herausgab. Die nationale League of Women Voters ernannte sie zu einer von zwölf Delegierten für das Treffen der International Woman Suffrage Alliance (später International Alliance of Women) 1926 in Paris.

Künstlerin

Während ihrer Zeit des politischen Aktivismus malte und unterrichtete Houston weiterhin. Im Ersten Weltkrieg und nach der Schließung des Art Club of Richmond gründeten Houston und Clark ihr eigenes Atelier, aus dem einige Jahre später die Virginia League of Fine Arts and Handicrafts hervorging. Zu Houstons Schülern zählten Edmund Minor Archer und Theresa Pollak. Die League fusionierte 1931 mit der kurz zuvor wiedereröffneten Richmond Academy of Arts. Houstons und Clarks Bemühungen um die Erneuerung der Akademie weckten das Interesse an einem staatlichen Museum und trugen 1934 zur Gründung des Virginia Museum of Fine Arts bei.

Während der Weltwirtschaftskrise engagierte sich Houston im Federal Art Project (später Federal Art Program), einem Teilprogramm der Works Progress Administration (später Work Projects Administration) (WPA) der US-Bundesregierung. Clark wurde zur Direktorin des Virginia Federal Art Project ernannt, und Houston übernahm die Leitung der Kunstproduktion. Sie war für die Staffeleimalerei im Rahmen der WPA zuständig und außerdem für die Anstellung lokaler Künstler zur Anfertigung von Wandmalereien in öffentlichen Gebäuden verantwortlich.

Houstons Werke umfassen Porträts, Landschaften und Gemälde von afroamerikanischen Vierteln und dem Alltagsleben. Die vielfältigen Formen sozialer Ungerechtigkeit prägten sowohl ihre Kunst als auch ihre Entwicklung als Aktivistin. Ihre Gemälde wurden in nationalen Ausstellungen gezeigt, darunter 1937 die Jahresausstellung zeitgenössischer amerikanischer Malerei des Whitney Museums und die Golden Gate International Exposition 1939 in San Francisco, sowie Präsentationen der Southern States Art League und der Studio Guild of New York City. Die Anderson Gallery in Richmond veranstaltete 1936 eine Einzelausstellung ihrer Arbeiten, und 1940 widmete ihr das Virginia Museum of Fine Arts eine Ausstellung.

Houston starb 1942 im Alter von 59 Jahren in ihrem Haus in Richmond an einer rheumatischen Infektion und wurde auf dem Familiengrab der Houstons auf dem Shockoe Hill Cemetery beigesetzt.

Houstons Kunstwerke befinden sich im Morris Museum of Art in Augusta, in der Johnson Collection in Spartanburg und in der ständigen Sammlung des Virginia Museum of Fine Arts. D ie Nora Houston Foundation, Inc., die 2015 in Richmond gegründet wurde, um ihre Kunst zu bewahren und auszustellen, besitzt die größte Sammlung ihrer Werke.

Ehrungen

Literatur

Commons: Nora Houston – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Adèle Clark and Nora Houston — Winning and Wielding the Vote. Abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
  2. ↑ Nora Houston (1883-1942) – Find a Grave... Abgerufen am 14. September 2026.
  3. ↑ Dooley, James Henry | Library of Virginia. Abgerufen am 14. September 2026.
  4. ↑ Harry Kollatz Jr: An Artist's Creation. 26. Mai 2011, abgerufen am 14. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  5. ↑ Nora Houston · Virginia Changemakers. Abgerufen am 14. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  6. ↑ https://thejohnsoncollection.org/artist/nora-houston/
  7. ↑ Nora Houston Dies. In: The Bee. Danville, Virginia 21. Februar 1942, S. 5 (newspapers.com [abgerufen am 14. September 2026]).
  8. ↑ Houston, Nora | Library of Virginia. Abgerufen am 14. September 2026.
  9. ↑ Nora Houston Foundation. Abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Houston, Nora
ALTERNATIVNAMEN Houston, Eleanora Nora Clare Gibson
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Malerin und Frauenrechtlerin
GEBURTSDATUM 24. Juni 1883
GEBURTSORT Richmond, Virginia, USA
STERBEDATUM 20. Februar 1942
STERBEORT Richmond, Virginia, USA