

Dieter Herbert Nuhr (* 29. Oktober 1960 in Wesel) ist ein deutscher Kabarettist, Komiker, Autor, Fotograf und Fernsehmoderator. Er moderiert seit 2011 die Sendung Nuhr im Ersten.
Neben seiner Fernsehtätigkeit ist er als Fotokünstler aktiv und stellt seine Werke international aus.
Dieter Nuhr wurde 1960 in eine katholische Beamtenfamilie geboren und wuchs bis zu seinem vierten Lebensjahr in Wesel auf. Später zog er mit seinen Eltern und einem Bruder nach Düsseldorf, wo sein Vater, Erhard Nuhr (1925–2018), als Regierungsrat und später als Regierungsdirektor arbeitete. Als Jugendlicher war Nuhr Messdiener. Nach dem Abitur am Leibniz-Gymnasium Düsseldorf studierte Nuhr ab 1981 an der Universität-Gesamthochschule Essen bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt. 1988 legte er hierfür das Erste Staatsexamen ab.
Nuhr lebt in Ratingen. Er ist verheiratet und hat eine Tochter (* 1996). 2014 spielte er Tennis für die Mannschaft der Altersklasse 50 des TC Bovert in der Niederrheinliga.
Seine Bühnenauftritte begann er in einer Schülertheatergruppe. Erste Vortragstexte entwarf er während eines Projekts der Theatergruppe am Düsseldorfer Schauspielhaus. 1986 gründete er mit Frank Küster das Kabarettduo V.E.V.–K.Barett. Ab 1987 absolvierten sie erste gemeinsame Auftritte mit dem Programm Haben Sie sich Ihre Schranknummer gemerkt? 1989 entstand das Programm Pralle Pracht, und ab 1990 traten die beiden unter dem leicht geänderten Namen V.E.V.–Kabarett mit dem nächsten Programm Schrille Stille auf. Zipfeltreffen hieß das letzte gemeinsame Programm des Duos. Ab 1994 war Nuhr mit seinem ersten Soloprogramm Nuhr am nörgeln! unterwegs.
Für sein Programm Nuhr weiter so bekam er 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett. 2003 erhielt er den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt. 2022 gab er die Moderation des Kleinkunstfestivals in den Wühlmäusen auf und bekam dessen Sonderpreis.
Zahlreiche Fernsehauftritte machten ihn über die Kleinkunst-Szene hinaus bekannt, etwa in Scheibenwischer, Hüsch und Co., Die Harald Schmidt Show, Quatsch Comedy Club, Genial daneben, Schillerstraße oder 7 Tage, 7 Köpfe. Sein Programm Ich bin’s Nuhr besuchten etwa eine halbe Million Menschen.
Nachdem er 2004 erstmals bei Sat.1 den humorvollen Jahresrückblick Nuhr ein Jahr präsentiert hatte, ist er seit 2006 am Jahresende mit einem ähnlichen Programm im ZDF zu sehen. Mitte 2007 strahlte das ZDF zwei Episoden Nuhr – Wer's glaubt, wird selig aus, in welchen sich Nuhr mit Fragen zu Glaube und Religion beschäftigte. Am 24. Oktober 2008 übernahm Nuhr zum ersten Mal die Moderation des Deutschen Comedypreises. Vom 3. November 2009 an war er mit der vierteiligen Comedy-Reihe Nuhr so an vier Dienstagabenden live im ZDF zu sehen.
2009 beteiligte er sich an A Tribute to Die Fantastischen Vier zum zwanzigsten Jubiläum der Hip-Hop-Gruppe. Auf der Kompilation covern Künstler aus unterschiedlichen Richtungen Lieder der Stuttgarter. Nuhr spielte bei Buenos Dias Messias alle Instrumente selbst und nahm das Lied in seinem Arbeitszimmer mit der sonst für Radiobeiträge genutzten Technik auf.
Nachdem im Dezember 2010 Mathias Richlings Vertrag für die Moderation der ARD-Sendung Satire Gipfel geendet hatte, übernahm Nuhr im Januar 2011. Die Sendung war die direkte Nachfolgerin des 1980 bis 2009 ausgestrahlten Scheibenwischers. Im Oktober 2014 wurde der Satire Gipfel in Nuhr im Ersten umbenannt.
2010 produzierte er für RTL ein zweiteiliges Special zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010, in dem er das Thema Fußball ironisch kommentierte. Außerdem produziert er für den Hörfunksender WDR 2 wöchentlich kabarettistische Beiträge. Von Juli 2012 bis März 2013 moderierte er zusammen mit Ralph Caspers die Quizshow Null gewinnt im Vorabendprogramm der ARD. Seit 2012 nimmt er regelmäßig an der ARD-Themenwoche mit Beiträgen passend zum jeweiligen Thema teil, zuletzt 2022.
2013 moderierte Nuhr zum sechsten Mal den Comedypreis. Im Oktober 2014 folgte ihm nach sechs Jahren Carolin Kebekus als Moderatorin; 2015 und 2016 war er Vorsitzender der Jury. In der RTL-Sendung Mario Barth deckt auf! war Nuhr 2014 regelmäßig zu Gast und präsentierte gemeinsam mit Barth Fälle von vermeintlicher Steuerverschwendung. 2015 startete das ARD-Format Nuhr ab 18 mit ihm als Moderator. In der 30-minütigen Sendung stellte er jeweils vier junge Comedians vor. 2020 war er mit seinem Programm Kein Scherz! auf Tournee in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Der Nuhr zugeschriebene Ausspruch „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal (die) Fresse halten.“ wird häufig zitiert, und Nuhr wollte ihn als Marke schützen lassen, was vor dem Oberlandesgericht Stuttgart Ende Januar 2023 scheiterte. Ein ähnlicher Ausspruch wurde in der Folge Frühjahrsputz der WDR-Sendung Ein Herz und eine Seele bereits 1974 geäußert: „Wenn man keine Ahnung hat, dann hält man bescheiden die Schnauze.“
Im Mai 2014 erhielt Nuhr den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache. Die Jury begründete die Ehrung mit den Worten:
„Dieter Nuhr macht intelligentes Kabarett. Seine Stücke sind wortgewandt, die Pointen treffsicher. Aber er achtet nicht nur sorgfältig auf die sprachliche Qualität dessen, was er sagt: er bringt seinem Publikum auch Sprachkritik nahe und regt es an, über die Wirkung von Sprache nachzudenken.“
2020 kritisierte Nuhr das Buch von Alice Hasters mit dem Titel Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten. Der Titel soll laut Nuhr „reißerisch“ und umgekehrt „rassistisch“ gegenüber Weißen sein. Im Tagesspiegel wiederum bewertete es Hannes Soltau als „schlicht ignorant“, wenn Nuhr „einer Schwarzen Autorin auf Grundlage eines Buchcovers Rassismus [...] unterstell[t], ohne sich mit ihren Gedanken auseinanderzusetzen“.
Nuhr wurde 2021 von vier Kabarettisten in der Sendung Die Anstalt und 2023 von Jan Böhmermann persifliert. Volker Pispers bezeichnete Nuhr als „humoristischen Arm der Pegida“ – eine Bewertung, der sich auch Christine Prayon anschloss. Im Tagesspiegel schrieb Joachim Huber 2023 über Nuhr und zählte ihn zu den Comedians „aus der rechten Ecke“, die „mit rassistischem, sexistischem Gedankengut und Vokabular um sich schmeißen, um die Wut auf Cancel-Culture und alles Woke anzufeuern“.
Im Jahr 2026 wurde Nuhr durch den Zentralrat der Juden der Leo-Baeck-Preis verliehen. Dies sorgte bei einigen Beobachtern für Unverständnis. So sagte Tom Uhlig, Professor für Demokratieförderung an der Hochschule RheinMain, er könne die Verleihung „nicht nachvollziehen“, denn Nuhr „sieht beim Antisemitismus im eigenen Milieu weg“. Lisa Eckhart, die wegen Antisemitismusvorwürfen in der Kritik steht, wurde mehrmals von Nuhr in seine Sendung eingeladen. Auch Ronen Steinke bemerkte über die Auszeichnung kritisch: „Armer Leo Baeck, dass sein Name nun so benutzt wird.“
Im Juni 2026 stieß ein Witz über Femizide von Nuhr auf Kritik. Er sagte in der Sendung Nuhr im Ersten XXL unter Bezugnahme auf einen Text im SZ-Magazin, der den Wunsch nach einer Beziehung in den Kontext einer Bedrohungslage durch Gewalt in der Partnerschaft stellte, die Wahrscheinlichkeit, von einem Mann ermordet zu werden, gehe für Frauen tatsächlich gegen Null und riet den Betroffenen: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einfach erst mal kennenlernt. Vielleicht einfach mal fragen, ob er nebenberuflich als Frauenmörder tätig ist.“ Nuhr würde sich über Opfer von Femiziden lustig machen und den Frauen selbst die Schuld geben, so die Kritik. Zudem ignoriere er, dass fast alle Femizide von Partnern und Ex-Partnern verübt werden und nicht von Fremden, die es kennenzulernen gelte. Nuhr betonte in seinem Beitrag: "Es gibt jedes Jahr etwa 300 bis 350 Frauenmorde, und bitte: Natürlich sind das 300 bis 350 zu viel – das ist doch keine Frage." Die ARD reagierte auf die Kritik mit: „Über Geschmacksgrenzen lässt sich diskutieren und streiten“. In Satireformaten gelte es, auch die künstlerische Freiheit zu achten. Nuhr dürfe als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren. Nuhr selbst bezeichnete die Kritik im Netz als „Interneterregung“.
Nuhr ist laut Reinhard Mohr einer der wenigen Kabarettisten in Deutschland, die sich in ihren Programmen und Büchern mit Aspekten des Islams satirisch auseinandersetzen.
Im Oktober 2014 erstattete der Muslim Erhat Toka Strafanzeige gegen Nuhr wegen Beschimpfung von Religionsgemeinschaften. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellte das Verfahren im November 2014 ein.
Der Islamwissenschaftler Mohammad Gharaibeh warf Nuhr vor, dass er zwar Missstände wie Islamismus und Fundamentalismus offenlege, sich aber meist über Muslime und den Islam im Ausland belustige und dadurch gängige Vorurteile auf diese Religion und ihre Anhänger projiziere und entsprechende Stereotype fördere. Äußerungen Nuhrs legten nahe, dass er Muslime in Deutschland als Fremde empfinde, die nicht zur europäischen Kultur gehörten.
In einer Ausgabe seiner Sendung Nuhr im Ersten vom 30. September 2019 ging Nuhr auf Greta Thunbergs eine Woche zuvor gehaltene Rede beim UN-Klimagipfel ein und erklärte: „Ich werde – weil meine Tochter zu den Freitags-Demos geht – im Kinderzimmer nicht mehr heizen“ und „Wenn unsere Kinder meinen, wir können diese Welt mit ein bisschen Sonne und Wind antreiben, dann sollten wir Eltern ihnen ein Hamsterrad mit Dynamo ins Kinderzimmer stellen“. Diese Äußerungen riefen viel Kritik hervor.
Darauf angesprochen sagte er in einem Interview, er sei eigentlich für Fridays for Future und Klimaschutz, aber die Forderungen der Bewegung seien unerfüllbar und liefen auf die Auflösung der Welthandelsordnung hinaus. Dies würde dann nicht zu Millionen, sondern zu Milliarden Toten sowie einem Dritten Weltkrieg führen. Spiegel Online stellte zur Kritik fest, „Verlierer des Tages ist die Gelassenheit“, und zitierte Herbert Feuerstein: „Jeder hat das Recht, verarscht zu werden.“ In einer Kolumne der taz wurde die Redaktion der Emma kritisiert, weil diese Nuhr wegen seiner Äußerungen über Thunberg „als Rebell gegen die ‚Political Correctness‘“ gelobt hatte. „Dabei hat Nuhr nur seinen Job gemacht“, kommentierte Sebastian Briellmann in der Basler Zeitung.
Für ihre Jubiläumskampagne im Jahr 2020 veröffentlichte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Audiobeitrag von Nuhr. Darin erklärte er unter anderem: „Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben.“ Es sei daher richtig, dass Wissenschaftler ihre Meinung änderten: „Das ist normal. Wissenschaft ist gerade, dass sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Und wer ständig ruft ‚Folgt der Wissenschaft!‘ hat das offensichtlich nicht begriffen.“
Nachdem Nuhr in sozialen Medien kritisiert worden war, da ihm zuvor wissenschaftlich fragwürdige Relativierungen des menschengemachten Klimawandels und der COVID-19-Pandemie vorgeworfen worden waren, löschte die DFG den Beitrag. Nuhr wertete dies als Cancel Culture. Der Literaturwissenschaftler Johannes Franzen wies später darauf hin, dass die Kritik an Nuhr auf Twitter von zahlreichen Vertretern der wissenschaftlichen Community vorgebracht wurde und nicht, wie oftmals behauptet, von einem anonymen ‚Mob‘.
Der Streit zwischen der DFG und Nuhr wurde kurz darauf unter Vermittlung des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar beigelegt und der Beitrag unverändert wieder online gestellt. Die DFG veröffentlichte dazu eine Erklärung, in der sie sich bei Nuhr entschuldigte, und stellte fest: „Herr Nuhr ist eine Person, die mitten in unserer Gesellschaft steht und sich zu Wissenschaft und rationalem Diskurs bekennt. Auch wenn seine Pointiertheit als Satiriker für manchen irritierend sein mag, so ist gerade eine Institution wie die DFG der Freiheit des Denkens auf Basis der Aufklärung verpflichtet.“ Der Philosoph Philipp Hübl verteidigte Nuhrs Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur mit der Begründung, Satire sei „eine Art Peer Review für unsere Moral“.
Mehrfach kritisierte Dieter Nuhr geschlechtergerechte Sprache, da diese grundsätzlich bezwecke, Ideologie sichtbar zu machen. Schon beim Sprechen komme zum Ausdruck, ob es sich bei den Gesprächsteilnehmern um Gesinnungsfreunde oder -feinde handle. Dieses Sichtbarmachen von Haltung in der Sprache sei als typisches Merkmal totalitärer Systeme abzulehnen. Nuhr verfasste die Einleitung zum Buch Generation Gleichschritt. Wie das Mitlaufen zum Volkssport wurde von Ralf Schuler. 2022 sagte er auf der Konferenz Wokes Deutschland. Identitätspolitik als Bedrohung unserer Freiheit?, die „Berliner Blase“ habe sich vom Rest der Bevölkerung entfernt – es gebe eine „machtvolle kleine Elite“, die „versucht zu steuern“.
Nuhr widmet sich der konzeptuellen Fotografie und stellt seine zum Teil am Computer nachbearbeiteten Fotos in Galerien und Museen aus. Zuerst 2008 in Hamburg, 2010 und erneut 2015 im Museum Ratingen, im Stadtmuseum von Siegburg und in der Galerie Küper in Peking. 2017 wurden seine Arbeiten in der Villa Stahmer in Georgsmarienhütte gezeigt. Seit 2017 stellt Nuhr seine Arbeiten europaweit und in Asien aus, etwa in der Gallery Pékin Fine Arts in Peking, in Shanghai bei der Photo Fair, im Luxehills Art Museum in Chengdu, in der Galerie Reiners Contemporary Art in Marbella, bei der 15. Shanghai Photography Art Exhibition, in der Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig und im Musée Théodore-Monod d’Art Africain in Dakar. Einige seiner Bilder ließ er für karitative Zwecke versteigern.
Nuhr war 1980 Gründungsmitglied der Grünen, steht inzwischen aber nach eigener Aussage keiner Partei besonders nahe. 2026 hat er die Entwicklung seiner politischen Haltung und Weltsicht in einem Aufsatz beschrieben.
Für die Wahl des Bundespräsidenten im Jahr 2022 wurde Dieter Nuhr von der FDP-Fraktion des Landtags von Nordrhein-Westfalen in die Bundesversammlung entsandt.
Seit 2006 unterstützt Nuhr die SOS-Kinderdörfer, beispielsweise durch Ausstellungen und Verkauf seiner Fotografien zugunsten von SOS-Kinderdorf, Spendenaufrufe auf seiner Facebook-Seite oder Medienauftritte als SOS-Botschafter. Seinen Gewinn aus der Sendung Wer wird Millionär? (2010) stellte er dem Kinderdorf in Khartum zur Verfügung.

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Wöchentlich kommentiert Nuhr auf WDR 2 in satirischen Kurzbeiträgen das Tagesgeschehen zu Politik, Gesellschaft und die Wissenschaft rund um die Gender-Thematik.
| Personendaten | |
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| NAME | Nuhr, Dieter |
| ALTERNATIVNAMEN | Nuhr, Dieter Herbert (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kabarettist, Comedian, Autor und Fernsehmoderator |
| GEBURTSDATUM | 29. Oktober 1960 |
| GEBURTSORT | Wesel |