Sei ein Borel-Maß auf und betrachte man den Hilbertraum der bezüglich quadratintegrierbaren Funktionen mit dem Skalarprodukt
.
Weiter sei für alle . Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Maß einen kompaktenTräger besitzt. Insbesondere ist das Maß endlich und man kann ohne Beschränkung der Allgemeinheit fordern.
Im einfachsten Fall ist das Maß durch eine nicht-negative Gewichtsfunktion gegeben: .
Eine Folge von Polynomen , , heißt Folge orthogonaler Polynome, falls Grad hat und verschiedene Polynome paarweise orthogonal sind:
Es sind verschiedene Möglichkeiten der Normierung in Verwendung. Um diese zu beschreiben, führen wir folgende Konstanten ein:
und
.
Dann bezeichnet man die Polynome als orthonormal, falls , und als monisch, falls .
Rekursionsrelation
Orthogonale Polynome erfüllen eine dreistufige Rekursionsrelation
(wobei im Fall zu setzen ist) mit
und den Konstanten aus dem vorherigen Abschnitt.
Die Rekursionsrelation kann auch äquivalent in der Form
mit
geschrieben werden.
Speziell im Fall von orthonormalen Polynomen, , erhält man eine symmetrische Rekursionsrelation und die orthonormalen Polynome erfüllen genau die verallgemeinerte Eigenvektorgleichung des zugehörigen Jacobi-Operators. Das Maß ist das Spektralmaß des Jacobi-Operators zum ersten Basisvektor .
Christoffel–Darboux-Formel
Es gilt
und im Fall erhält man durch Grenzwertbildung
Nullstellen
Das Polynom hat genau Nullstellen, die alle einfach sind und im Träger des Maßes liegen. Die Nullstellen von liegen strikt zwischen den Nullstellen von .
Normierte orthogonale Polynome lassen sich wie bereits dargestellt mit der dreistufigen Rekursionsformel
herleiten, dessen Eigenwerte mit den Nullstellen von übereinstimmen. Somit bietet der QR-Algorithmus die Möglichkeit, die Nullstellen näherungsweise zu berechnen.
Eine Verallgemeinerung der reellen orthogonalen Polynome sind die orthogonalen Polynome auf Kurven in der komplexen Ebene. In der Regel betrachtet man orthogonale Polynome auf dem Einheitskreis und ein Maß auf einer Teilmenge von .
Multivariable oder multivariate orthogonale Polynome sind orthogonale Polynome in mehreren Variablen . Ein Beispiel hierfür sind die Macdonald-Polynome.
Dies sind orthogonale Polynome bezüglich einem sobolevschen inneren Produktes, das heißt ein inneres Produkt mit Ableitungen. Die Polynome verlieren dadurch im Allgemeinen einige attraktive Eigenschaften der klassischen orthogonalen Polynome.
Literatur
Milton Abramowitz und Irene A. Stegun (Hrsg.), Handbook of Mathematical Functions with Formulas, Graphs, and Mathematical Tables, New York, Dover (1965), ISBN 978-0486612720 (Kapitel 22)
Gábor Szegő, Orthogonal Polynomials, Colloquium Publications - American Mathematical Society, 1939. ISBN 0-8218-1023-5.
Theodore S. Chihara, An Introduction to Orthogonal Polynomials, Gordon and Breach, 1978. ISBN 978-0677041506.