Petro Werhun

Petro Werhun (ukrainisch Петро Вергун) (* 18. November 1890 in Gródek Jagiellonski bei Lemberg in Galizien; † 7. Februar 1957 in Angarsk in Sibirien) war ein ukrainischer Priester und Märtyrer. Er gehörte zur ukrainisch-katholischen Kirche, einer unierten Kirche, die den byzantinischen Ritus pflegt und gleichzeitig in Einheit mit der römisch-katholischen Kirche steht, und wird in der römisch-katholischen Kirche als Seliger verehrt.

Leben

Petro Werhuns galizische Heimat gehörte bis 1918 zu Österreich-Ungarn. Er besuchte das ukrainische Gymnasium in Lemberg (Lwiw) und studierte an der Lehrerbildungsanstalt. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie kämpfte Werhun im Polnisch-Ukrainischen Krieg 1918/19 in der Ukrainisch-Galizischen Armee für die Westukrainische Volksrepublik und gegen die Annexion Ostgaliziens durch Polen. Er geriet in polnische Gefangenschaft, aus der er nach Deutschland floh. An der Ukrainischen Freien Universität in Prag studierte er Osteuropäische Kirchengeschichte, Ukrainistik, Kunstgeschichte sowie Theologie und wurde 1926 zum Dr. phil. promoviert.

In der Lemberger St.-Georgs-Kathedrale empfing Werhun am 30. November 1927 vom Metropoliten Andrej Scheptyzkyj die Priesterweihe. Im selben Jahr wurde er als Seelsorger für die ukrainischen Katholiken nach Berlin berufen, wo er zunächst im St. Josefsheim der Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu an der Pappelallee im Bezirk Prenzlauer Berg wirkte. Von Anfang bemühte er sich nicht nur um die katholischen, sondern auch um die orthodoxen Ukrainer. Er gründete einen konfessionell gemischten Kirchenchor und setzte sich für die innerukrainische Ökumene ein. Ein weiteres Anliegen war ihm, durch Vorträge und Veröffentlichungen die byzantinische Liturgie innerhalb der katholischen Kirche bekannt zu machen und den Dialog zwischen der Ost- und Westkirche zu fördern. Er sehnte sich nach der Wiedervereinigung der Kirchen und war sich dessen bewusst, dass der kirchlichen Vereinigung eine „Union der Herzen“ vorausgehen müsse. Er selbst war Benediktineroblate (Oblatenname Pachomius) der Abtei Niederaltaich in Bayern (in der beide Riten vertreten sind) und wünschte sich, dort später einzutreten.

Der NS-Staat beobachtete Werhuns Wirken mit Misstrauen. Zur Stärkung seiner Position ernannte ihn Pius XI. zum päpstlichen Hausprälaten. Ein 1939 gegen ihn erlassener Ausweisungsbefehl aus dem Deutschen Reich wurde aufgrund der Intervention des Apostolischen Nuntius Cesare Orsenigo wieder zurückgenommen. Der neue Papst Pius XII. ernannte Petro Werhun im November 1940 zum Apostolischen Visitator für die in Deutschland lebenden ukrainischen Katholiken. Deren Zahl stieg während des Zweiten Weltkrieges durch die nach Deutschland verschleppten ukrainischen Zwangsarbeiter stark an. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit während des Krieges lag in der Unterstützung notleidender ukrainischer Familien, Kriegswaisen und Zwangsarbeiter, weshalb er von der Gestapo überwacht wurde.

Gegen den Rat, vor der anrückenden Roten Armee zu fliehen und Berlin zu verlassen, entschied er sich, seine Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Am 22. Juni 1945 wurde er wegen angeblicher Kollaboration mit den Nationalsozialisten von der Roten Armee verschleppt und zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Auch nach der Haftentlassung wurde er in Sibirien festgehalten. Am 7. Februar 1957 starb Petro Werhun an den Folgen der Zwangsarbeit in sibirischer Verbannung.

Gedenken

Am 27. Juni 2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. in Lemberg zusammen mit 26 weiteren ukrainischen Märtyrern seliggesprochen. Petro Werhun wird als Brückenbauer zwischen Ost und West, vor allem zwischen Ukrainern und Deutschen, verehrt. Eine Gedenkplatte befindet sich in der Unterkirche der Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Reliquien, die dem Erzbistum Berlin beim Besuch Kardinal Husars im Mai 2006 in der Kathedrale übergeben wurden, befinden sich jetzt in der Kirche St. Johannes Evangelist der ukrainischen Gemeinde in Berlin-Johannisthal, weitere Reliquien wurden der Abtei Niederaltaich übergeben.

Der Gedenktag des seligen Petro Werhun ist der 7. Februar.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Zu den Anfängen unseres ökumenischen Engagements. Abtei Niederaltaich, abgerufen am 14. Juli 2026.
Personendaten
NAME Werhun, Petro
ALTERNATIVNAMEN Verhun, Petro; Вергун, Петро (ukrainisch)
KURZBESCHREIBUNG ukrainischer Priester, Seliger
GEBURTSDATUM 18. November 1890
GEBURTSORT Gródek Jagiellonski
STERBEDATUM 7. Februar 1957
STERBEORT Angarsk, Sibirien