Remaklusretabel

Zeichnung des Remaklusretabels (vor 1666), Lüttich, Staatsarchiv

Das Remaklusretabel war ein nach dem Gründer des Klosters von Stablo, dem Heiligen Remaklus, benannter Altaraufsatz des 12. Jahrhunderts, der ursprünglich einen Schrein für die Reliquien des Heiligen umschloss. Erhalten sind nur Zeichnungen und wenige Fragmente.

Fides-Medaillon, Frankfurt
Operatio-Medaillon, Berlin

Geschichte

Das Retabel wurde wahrscheinlich zwischen 1148 und 1150 in einer maasländischen Werkstatt für die heute nicht mehr existierende Abteikirche von Stablo angefertigt. Auftraggeber war laut einer Inschrift der Abt Wibald von Stablo.

Im ursprünglichen Remaklusschrein wurden nach der Fertigstellung eines neuen Schreins für die Reliquien des Remaklus 1263 die Reliquien eines weiteren Abtes von Stablo, des heiligen Babolenus, untergebracht.

Das Retabel wurde zwischen dem Ende des 17. Jahrhunderts und 1718 zerstört. Erhalten haben sich nur zwei emaillierte Medaillons mit den Personifikationen von „Fides“/Glaube und „Operatio“/Werktätigkeit (im Sinne von Nächstenliebe) sowie zwei Leisten mit Tituli. Letztere befinden sich (wie auch der neuere der beiden Remaklus-Schreine) heute noch in der Kirche Saint-Sébastien in Stavelot. Die beiden Medaillons kamen nach mehreren Eigentümerwechseln in unterschiedliche Sammlungen: Das Fides-Medaillon gelangte 1929 in das Kunstgewerbemuseum in Frankfurt am Main (Inv. Nr. 6710), das Operatio-Medaillon 1978 aus der Sammlung Robert von Hirsch in das Berliner Kunstgewerbemuseum (Inv. Nr. W-1978,56).

Das Retabel lässt sich anhand zweier erhaltener Zeichnungen von kurz vor 1666 detailliert rekonstruieren. Sie wurden 1881 bzw. 2014 im Lütticher Staatsarchiv wieder aufgefunden. Die detailliertere der beiden Zeichnungen war Beweismittel in einem Prozess vor dem Reichskammergericht.

Gestaltung

Anhand der Zeichnungen konnte eine Größe des Retabels von 3,11 × 2,78 m rekonstruiert werden.

Der ursprüngliche Remaklusschrein stand unten in der Mitte des Retabels, in der Nische einer Ädikula. In deren Giebel waren drei Medaillons angebracht, eine mit dem Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Die beiden anderen sind die erhaltenen Medaillons „Fides“ und „Operatio“. Deren Personifikationen sind in hoher Qualität in Grubenschmelztechnik gefertigt.

Zu beiden Seiten der Ädikula zeigten je vier quadratische Bildfelder Szenen aus dem Leben des heiligen Remaklus. Sie wurden jeweils durch metallene Tituli erläutert. Die beiden erhaltenen Tituli beziehen sich auf den Kirchenbau durch Remaklus und auf seinen Tod.

Über den Bildfeldern befindet sich eine mehrfach gegliederte, nach oben durch einen Bogen abgeschlossene Darstellung des Paradieses mit einander überlappenden Viertel-, Halb- und Vollmedaillons mit Christus, Evangelistensymbolen, Personifikationen der Kardinaltugenden und der Paradiesflüsse sowie links und rechts davon Engel, der Baum der Erkenntnis, Propheten und der heilige Remaklus selbst.

Literatur

Commons: Remaklusretabel – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. ↑ Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Ende der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1425-9, S. 590–594 Kat. Nr. VI.11 (Holger Kempkens, Clemens M. M. Bayer).
  2. ↑ Medaillon mit Darstellung der Operatio vom ehemaligen Retabel des hl. Remaklus im Kloster Stablo. In: Sammlungen Online. Staatliche Museen zu Berlin, abgerufen am 7. Februar 2026.; Lothar Lambacher (Hrsg.): Schätze des Glaubens. Meisterwerke aus dem Dom-Museum Hildesheim und dem Kunstgewerbemuseum Berlin. Ausstellungskatalog. Regensburg 2010, S. 74 f. Kat. Nr. 28 (Lothar Lambacher); Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Ende der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Ausstellungskatalog Paderborn. Imhof, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1425-9, S. 590–594 Kat. Nr. VI.11 (Holger Kempkens, Clemens M. M. Bayer).
  3. ↑ Lüttich, Archives de l’État à Liege, Chabre imériale, no. 1148.
  4. ↑ Holger Kempkens: Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Petersberg 2024, S. 565; Clemens M. M. Bayer: Die beiden Zeichnungen des untergegangenen Remaklus-Retabels. In: Holger Kempkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Petersberg 2024, S. 587.
  5. ↑ Anton Legner (Hrsg.): Rhein und Maas. Kunst und Kultur 800–1400. Köln 1972–1973, Bd. 1, S. 249 Kat. Nr. G 10 (Dietrich Kötzsche).