Robert Ley

Robert Ley (1933)

Robert Ley (* 15. Februar 1890 in Nümbrecht-Niederbreidenbach, Rheinprovinz; † 25. Oktober 1945 in Nürnberg) war als Reichsleiter der NSDAP und Leiter des Einheitsverbands Deutsche Arbeitsfront einer der führenden Politiker zur Zeit des Nationalsozialismus. Er gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Angeklagten, beging aber vor Prozessbeginn Suizid.

Jugend, Studium, Erster Weltkrieg

Robert Ley wuchs als Sohn des Bauern Friedrich Ley und dessen Frau Emilie (geb. Wald) im Oberbergischen Land östlich von Köln als siebtes von elf Kindern auf.

Nach dem Abitur 1910 schrieb sich Ley für Naturwissenschaften an den Universitäten Jena (fünf Semester) und Bonn (zwei Semester) ein und wechselte danach an die Wilhelms-Universität Münster. In Jena wurde er Mitglied der Sängerschaft zu St. Pauli Jena. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 gelang es ihm, sein Studium im Fach Lebensmittelchemie in Münster bis vor den Diplomabschluss (Staatsexamen) voranzubringen. Anschließend nahm er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil; er wurde als Artillerist in den Schlachten von Verdun und an der Somme eingesetzt und bildete einen „Kompagniegesangverein“, der in Kampfpausen auftrat. Am 4. Juli 1916 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert und wechselte als fliegender Beobachter zur Fliegerabteilung 202 (Artillerie). Nur zwei Tage später stürzte Leys Flugzeug im Einsatz aus 3000 m Höhe bei Douai ab. Sein Pilot fand dabei den Tod und Ley erlitt eine zeitweilige Bewusstlosigkeit sowie einen Stirnlappenschaden. Nur drei Wochen später, am 29. Juli 1917, erhielt Ley bei einem weiteren Einsatz im Luftkampf von einem britischen Flugzeug einen Steckschuss im Oberschenkel. Sein Flugzeug stürzte vor den deutschen Linien ab und Ley geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Zur Rettung des Beins musste er sich sechs chirurgischen Eingriffen in einem französischen Feldlazarett unterziehen. Ley litt zeitlebens unter den schmerzhaften Folgen seiner Verwundungen, so dass auf sie auch die Entstehung seiner Alkoholkrankheit und seines gelegentlichen Stotterns zurückgeführt werden. Nachdem er erst im Januar 1920 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, promovierte er noch im selben Jahr in Chemie an der Universität Münster über Beiträge zur Kenntnis der gemischten Glyceride und erhielt zum 1. Februar 1921 eine gut dotierte Anstellung als Chemiker bei den Farbenfabriken Bayer in Wiesdorf, das 1930 in Leverkusen aufging.

Parteikarriere

Nachdem sich Ley in den ersten drei Jahren in Wiesdorf nach eigenen Angaben von der Politik ferngehalten hatte, gründete er während der Verbotszeit der NSDAP im April 1924 die Ortsgruppe Wiesdorf des Völkisch-Sozialen Blocks, mit der Ley erfolglos für die lokale Stadtverordnetenwahl vom 4. Mai 1924 kandidierte. Nach Aufhebung des NSDAP-Verbots wurde seine Ortsgruppe Anfang 1925 in die NSDAP überführt und bereits im Juni 1925 berief Adolf Hitler Ley zum Gauleiter von Rheinland-Süd. Als 1926 nach dem Abzug der alliierten Besatzungstruppen aus dem Kölner Raum sogenannte „vaterländische“ Veranstaltungen wieder stattfinden durften, organisierte Ley mit 400 Nationalsozialisten seines Gaus in der Nähe der Gezelinkapelle am 15. August 1926 einen ersten größeren Aufmarsch, bei dem er als Hauptredner auftrat.

Der aktivistische Ley war frühzeitig in Straßenschlachten sowie andere Tumulte verwickelt. Außerdem bestimmte übelste Hetze gegen Juden, die er im Gau-Parteiblatt Westdeutscher Beobachter und bei seinen Redeauftritten verbreitete, von Beginn an sein politisches Wirken. Als es im März 1927 nach einer von Ley organisierten Kundgebung der NSDAP in Nastätten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam, erließ der Kölner Polizeipräsident Otto Bauknecht ein zwölfmonatiges Verbot der NSDAP im Kölner Raum, das Bauknecht die Feindschaft der rheinischen NSDAP, namentlich von Ley, eintrug. Nachdem Ley 1927 den jüdischen Bankier und Aufsichtsrat der I.G. Farben Max Warburg beleidigt hatte, verlor Ley zu Beginn des Jahres 1928 seine Beschäftigung bei den Farbenfabriken Bayer, die inzwischen Teil der I.G. Farben geworden waren. Dennoch schlossen die Farbenfabriken Bayer mit Ley einen Vertrag ab, demzufolge er noch drei Jahre lang ein Monatsgehalt von 850 Mark und für jedes Halbjahr einen zusätzlichen Betrag von bis zu 2000 Mark erhielt. Während in seiner Familie das Haushaltsgeld knapp bemessen war, verwendete Ley sein Gehalt vornehmlich für den Ausbau des Westdeutschen Beobachters, dessen Herausgeberschaft er 1928 übernahm, und vermutlich auch für das 1930 von ihm gegründete Koblenzer Nationalblatt, eine Propagandazeitung der NSDAP für den Gau Moselland. Im Jahr 1928 wurde Ley zum hauptamtlichen Organisationsleiter der NSDAP im Gau Köln-Aachen ernannt und Mitglied des Preußischen Landtags. Im September 1930 erhielt dann Ley einen Sitz als Reichstagsabgeordneter der NSDAP. Bei der Umorganisation der NSDAP-Gaue entsprechend der Reichstagswahlkreise verlor Ley im Herbst 1931 zwar die Gauleitung, aber Hitler entschädigte ihn für seine langjährige Treue mit der Berufung zum Reichsorganisationsinspekteur, direkt unterstellt dem Reichsorganisationsleiter der NSDAP Gregor Strasser.

Nach den Angaben seiner Tochter kam Ley während der sogenannten „Kampfzeit“ mehrfach, 1931 für längere Zeit, in Haft. Aufgrund eines tätlichen Angriffs auf den SPD-Vorsitzenden Otto Wels und den Kölner Polizeipräsidenten Otto Bauknecht in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1932 wurde Ley in volltrunkenem Zustand verhaftet und zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Von links nach rechts: Philipp Bouhler, sein Adjutant Karl Freiherr Michel von Tüßling, Robert Ley mit seiner Frau Inga; München, Juli 1939

Nach dem Rücktritt von Gregor Strasser am 8. Dezember 1932 wurde Ley von Hitler im Dezember 1932 zum Reichsorganisationsleiter der NSDAP ernannt, ohne jedoch die Machtfülle seines Vorgängers zu erreichen. Im Kampf um die Parteiführung unterlag er Rudolf Heß, der sich mit Unterstützung seines Stabsführers Martin Bormann durchsetzen konnte. Hitler ernannte Heß am 21. April 1933 zum Stellvertreter und erteilte ihm die Vollmacht, „in allen Fragen der Parteileitung“ in seinem Namen zu entscheiden. Im November 1934 wurden Leys Aufgaben auf „Aufbau, Ausbau und Überwachung der inneren Organisation [sowie] Schulung und Personal-Statistik der Parteiorganisation“ beschränkt. Zentrales Führungsorgan der NSDAP wurde hingegen der Stab des Stellvertreters des Führers, der 1941 in „Partei-Kanzlei“ umbenannt wurde.

Ley sah sich als „Erzieher“ und „Betreuer“ der Partei, für die er Schulung und Personalpolitik sowie die Gestaltung der Nürnberger Reichsparteitage organisierte. Ohne jegliche juristische Ausbildung beteiligte er sich im Juni 1933 auch an der Gründung der von Hans Frank geführten Akademie für Deutsches Recht. Nach Leys Ideen wurden bis 1935 drei gigantische Parteischulen („NS-Ordensburg“) für junge Erwachsene gebaut: die Ordensburg Krössinsee in Pommern im heutigen Polen, die Ordensburg Sonthofen im Allgäu und die Ordensburg Vogelsang in der Eifel. Ab 1937 kamen in Zusammenarbeit mit dem „Reichsjugendführer“ Baldur von Schirach außerdem die parteieigenen Adolf-Hitler-Schulen für Jungen ab 12 Jahren hinzu.

Unter Hinweis auf seine Verdienste bat er 1940 Hitler um eine Dotation, die ihm in Höhe von einer Million Reichsmark gewährt wurde.

Organisator der Deutschen Arbeitsfront

Der italienische faschistische Gewerkschafter Tullio Cianetti und Robert Ley, 1936
Reklame für einen bunten Abend der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ in Kassel

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde er Leiter des Aktionskomitees zum Schutz der Deutschen Arbeit, dessen Aufgabe die Auflösung und Übernahme der Gewerkschaften war. Das Aktionskomitee wurde wenig später in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) überführt, deren Leiter Robert Ley bis 1945 war.

Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 wurde am 10. Mai 1933 in Berlin die DAF gegründet. In der ersten Entwicklungsetappe bis Ende 1933 enthielten die neu gebildeten Gesamtverbände der deutschen Arbeiter und der deutschen Angestellten sowie der Große und Kleine Arbeitskonvent noch Konzessionen an den tief verwurzelten Gewerkschaftsgedanken. Beginnend mit dem 27. November 1933, als das Zentralbüro der DAF mit den Reichsbetriebsgemeinschaften, den Gauwaltungen der DAF mit den Gaubetriebsgemeinschaften und Betriebsgemeinschaften gegründet wurde, setzte Ley das Führerprinzip in vollem Umfange durch.

Somit gelang es Ley, in der DAF die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten und die Betriebe in wachsendem Maße durch Betriebsappelle und sogenannte Werkscharen zu militarisieren. Die DAF schloss sich als Verband der NSDAP an. Ihr Charakter wurde allerdings durch eine exzessive soziale Demagogie verschleiert. Das Bild des Arbeiters sollte nach dem Selbstverständnis der DAF einer „Organisation aller schaffenden Deutschen der Stirn und der Faust“ entsprechen, mit dem Anspruch, den Arbeiter „zum gleichberechtigten und geachteten Mitglied der Nation“ gemacht zu haben. Dieses Bild, welches an die Mentalität des Frontsoldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs anknüpfte, sollte das Kampfverhalten in den Betrieben fördern, was genau dem sozialdarwinistischen Leitbild vom Menschen in der NSDAP entsprach: der Mensch als Kämpfer gegen seine Feinde.

Die Mitgliederzahlen der DAF stiegen von rund fünf Millionen im Juli 1933, über 16 Millionen im Juni 1934 auf 25 Millionen im Dezember 1942, womit sie die größte und auch finanzkräftigste Massenorganisation im NS-Staat darstellte. Die Deutsche Arbeitsfront beschäftigte 44.000 hauptamtliche und hunderttausende ehrenamtliche Mitarbeiter. Mit ihrem Netz von Tochtergesellschaften und -organisationen, die Arbeits- und Freizeitwelt gleichermaßen erfassten, führte die DAF eine Gleichschaltung der Deutschen im Sinne des Nationalsozialismus durch. Sozialversicherungen, Berufswettkämpfe ebenso wie die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, die im NS-Deutschland zum größten Reiseveranstalter wurde, waren wichtige Elemente dieser totalitären Herrschaft.

Machtverlust, Verhaftung und Tod

Ab 1939 verlor Ley seinen ehedem beträchtlichen Einfluss zunehmend an den Reichsminister für Bewaffnung und Munition Fritz Todt und später an dessen Nachfolger Albert Speer. Auch Fritz Sauckel als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz machte ihm ab 1942 wichtige Funktionen streitig. Durch wüste antisemitische Stimmungsmache versuchte er, seinen Autoritätsverlust auszugleichen. Über Leys fanatische antisemitischen Ausfälle, bei denen er sich oftmals in blinde Rage redete, mokierte sich selbst Joseph Goebbels: „Grauenhaft, das ist ein Dilettantismus, der zum Himmel schreit. Idealist allein genügt nicht.“ Ein Beispiel dafür war sein Redeauftritt vor Werksangehörigen der Siemens AG im Berliner Sportpalast am 6. Februar 1942. Die „Ausrottung der jüdischen Rasse“ sei ein Ziel des Nationalsozialismus, sagte Ley, und es genüge nicht, den „jüdischen Feind der Menschheit“ zu isolieren. „Wer den Kampf gegen Juda beginnt, beginnt den Kampf auf Leben und Tod. (...) Juda wird und muss fallen. Juda wird und muss vernichtet werden. Das ist unser heiliger Glaube.“ Seine auch in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Alkoholsucht (er fuhr des Öfteren volltrunken Auto) brachte ihm hinter vorgehaltener Hand die Spitznamen „Reichstrunkenbold“ und „Immerblau“ ein.

Ley bei der Grundsteinlegung zur Siedlung Charlottenburg-Nord am 1. August 1939
Leys Gefängniszelle, in der er Selbstmord verübte.

Lediglich im Bereich des Wohnungswesens konnte Ley seine führende Stellung halten. Er war am 15. November 1940 von Adolf Hitler zum „Reichskommissar für den sozialen Wohnungsbau“ ernannt worden, eine von da an „Oberste Reichsbehörde“, und im Frühjahr 1942 mit nochmals erweiterten Kompetenzen zum „Reichswohnungskommissar“. Gegen den Widerstand von Reichsarbeitsminister Franz Seldte und Martin Bormann (Leiter der Parteikanzlei der NSDAP) und mit strategischer Unterstützung Speers erhielt er den Auftrag zur Einrichtung des Deutschen Wohnungshilfswerks, mit dem ab Herbst 1943 die Luftkriegsopfer mit behelfsmäßigem Wohnraum versorgt werden sollten.

Am 29. April 1945 wurde er in Hitlers politischem Testament als Leiter der DAF bestätigt und als Reichsminister benannt. Einige Tage später, am 16. Mai, wurde er von Soldaten der 101. US-Luftlandedivision in einer Hütte bei Berchtesgaden verhaftet. Er hatte sich dort unter dem Namen Dr. Ernst Distelmeyer mit falschen Papieren versteckt, konnte jedoch bei einer Gegenüberstellung mit dem NSDAP-Reichsschatzmeister Franz Xaver Schwarz zweifelsfrei identifiziert werden. Er wurde erst in Salzburg gefangengehalten und dann in Camp Ashcan in Luxemburg zusammen mit anderen Mitgliedern der NSDAP-Hierarchie und Militärs der Wehrmacht interniert. Er wurde im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt. Einer abzusehenden Verurteilung vor dem Internationalen Militärgerichtshof entzog sich Ley im Zellengefängnis Nürnberg durch Suizid: Er strangulierte sich mit seiner zerrissenen Unterwäsche, in seiner Zelle auf der Toilette sitzend, mit einem aus Gewebestreifen selbst hergestellten Strang an einem Abflussrohr.

Besitztum und Lebensstil

Ley besaß über ganz Deutschland verstreut einige Villen in exklusiven Wohngegenden und mit reichlich Dienstpersonal. Beispielsweise beschäftigte er in seinem Hauptwohnsitz in der Herthastraße 13–15 in Berlin-Grunewald einen Hausdiener, eine Köchin, zwei Kindermädchen, ein Zimmermädchen, eine Wirtschafterin und einen Gärtner. Er besaß mehrere Autos und schenkte seiner zweiten Frau zwei Autos. Über die DAF hatte er Zugang zu Flugzeugen, mit denen er häufig zu seinen Wohnsitzen flog. Er und seine Frau liebten teure Kleidung und die Villen waren mit kostbaren Gemälden und Dekorationen geschmückt. Der oberste Parteirichter der NSDAP Walter Buch legte 1938 Hitler umfangreiches Belastungsmaterial für Leys Korruption vor.

Ley erwarb 1936 das Gut Rottland bei Waldbröl und ließ es vom Architekten Clemens Klotz aufwendig ausbauen, wozu auch die Millionendotation verwendet wurde. Klotz entwarf für die DAF auch ein Villenanwesen in Grünwald bei München, das Ley ab 1938 ebenfalls als Wohnsitz nutzte. 1937 übernahm Ley vom SS-General Josef „Sepp“ Dietrich eine 14-Zimmer-Villa auf einem 8000 m² Seegrundstück in Bad Saarow, Kronprinzendamm (heute Karl-Marx-Damm) 25-27, für das er Hermann Mattern als Gartenarchitekt beauftragt hatte. Eigentümer wurde auch in diesem Fall die DAF. Als weitere Dienstvilla wurde für Ley 1938 die Villa Leonhart in Königswinter umgebaut. Am Kriegsende 1945 besaß Ley außerdem ein Haus im Münchener Stadtteil Haidhausen und ein Mietshaus in Bonn, das er an seine Tochter Renate Wald vererbte.

Aus dem in der Nähe seines Heimatorts gelegenen Waldbröl mit damals unter 10.000 Einwohnern wollte Ley die „größte Stadt zwischen Köln und Kassel“ machen. Nach dem Vorbild des Volkswagenwerkes sollte ein „Volkstraktorenwerk“ mit Autobahnanbindung und U-Bahn gebaut werden. Zudem war geplant, die beiden Nebenbahnen Aggertalbahn und Wiehltalbahn zu zweigleisigen Hauptbahnen auszubauen.

Ehen und Nachkommen

Ley war von 1921 bis zur Scheidung 1938 mit Elisabeth Schmidt verheiratet; aus der Ehe ging die gemeinsame Tochter Renate Wald (1922–2004) hervor.

Am 20. August 1938 heiratete er die Sängerin Inga Spilсker, mit der er drei Kinder hatte: die Töchter Lore (* 1938; in Anlehnung an die Loreley) und Gloria (* 1941) sowie Sohn Wolf (* 1940; in Anlehnung an Hitlers Decknamen). Inga Ley erschoss sich am 29. Dezember 1942.

Der außerehelichen Beziehung mit der estnischen Tänzerin Madeleine Farr (geb. Wanderer) (1926–2007) entstammte Sohn Rolf-Robert (* 1944).

Sowohl Leys Tochter Renate Wald als auch sein Enkel, der Kölner Journalist Axel Spilcker, veröffentlichten Biografien aus Angehörigenperspektiven.

Überlieferung

Leys Nachlass wird in der Koblenzer Dienststelle des Bundesarchivs aufbewahrt (N 1468). Er umfasst persönliche Unterlagen und Dokumente, sein Testament sowie von ihm in Nürnberg angefertigte Aufzeichnungen über sein Leben und über diverse Persönlichkeiten und Erscheinungen des NS-Staates, ferner ein Erinnerungsmanuskript seiner Tochter Renate Wald „Dr. Robert Ley – Leben mit meinem Vater“.

Robert Leys Testament wurde Anfang 1946 gefunden. Es war am 18. Juni 1945 verfasst worden. Ley hatte zahlreiche Verfügungen hinsichtlich sowohl seiner legitimen als auch seiner illegitimen Kinder getroffen und wünschte, an der Seite seiner verstorbenen Ehefrau beigesetzt zu werden. Falls seine Geliebte Madeleine Wanderer unverheiratet sterben sollte, gestand er ihr ebenfalls das Recht zu, neben ihm bestattet zu werden. Wörtlich hatte er in seinem letzten Willen geschrieben: „Ich wünsche nicht betrauert zu werden, denn ich danke dem Himmel für alles Schöne und Große, das ich erlebt habe. Vor allem bin ich den schönen Frauen verpflichtet, die mein Leben verschönt haben – Inge und Frau Madeleine Wanderer.“ Noch in seinem im Gefängnis verfassten „Politischen Testament“ schrieb er von einer vermeintlichen „Überflutung“ Deutschlands „durch das Judentum, insbesondere aus dem Osten“. Zudem forderte er, das „Judentum“ müsse „sich mit Deutschland […] aussöhnen“.

In der Berliner Dienststelle des Bundesarchivs hat sich eine umfangreiche Akte mit Parteikorrespondenz der NSDAP zu Ley erhalten (R 9361-II/635494). Diese ist vom Archiv digitalisiert worden und kann von jedermann barrierefrei über die invenio-Datenbank des Archivs online durchgesehen und gelesen werden.

Sonstiges

Nach Robert Ley wurden die Not-Baracke Ley-Haus (auch Ley-Bude), der Siedlungstyp Ley-Siedlung und das Kreuzfahrtschiff Robert Ley benannt. In dem Spielfilm Nürnberg (2025, Regie: James Vanderbilt) verkörpert Tom Keune Ley.

Robert Ley wohnte während seiner Beschäftigung bei der Bayer AG von 1921 bis 1928 in einer Werkswohnung in der Schillerstraße 50 in Leverkusen-Manfort. Zu Ehrung von Ley wurde 1936 seine ehemalige Wohnstraße in Robert-Ley-Straße umbenannt. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus 1945 wurde daraus die Heymannstraße, benannt nach dem Chemiker und Bayer-Vorstandsmitglied Bernhard Heymann. Die Ehrenbürgerschaft der Stadt Leverkusen, die Robert Ley am 30. März 1933 erhalten hatte, wurde ihm am 23. Mai 1945 aberkannt.

1939 wurde Ley mit der Ehrensenatorwürde der TH Karlsruhe ausgezeichnet.

Literatur

Von der Familie

  • Axel Spilcker: Hitlers Gefolgsmann. Robert Ley – mein Großvater, der Kriegsverbrecher. Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln 2026, ISBN 978-3-462-01249-1.
  • Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Meine Erinnerungen und Vaters Geschichte. Galunder, Nümbrecht 2004, ISBN 978-3-89909-039-0.

Biografien

Kurzbiografien

Einzelstudien

Commons: Robert Ley – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Nümbrecht 2004, S. 12.
  2. ↑ Verzeichnis der Studierenden Jena SS 1912, 43.
  3. ↑ G. Kunze: Die Sängerschaft zu St. Pauli in Jena 1828–1928. Mit einem Verzeichnis der Mitglieder. Jena 1928, S. 350; Paul Meißner (Hrsg.): Verzeichnis der Mitglieder des Verbandes Alter Sängerschafter in Weimar e. V. Leipzig 1929, S. 10.
  4. ↑ Harald Lönnecker: Student und Soldat. Korporationsstudentisches Leben in deutschsprachigen Streitkräften im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: GDS-Archiv für Hochschul- und Studentengeschichte Band 11, 2021 (ISBN 978-3-939413-67-7), S. 137‒179. (hier: S. 167).
  5. ↑ Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Nümbrecht 2004, S. 26 ff.
  6. 1 2 Ronald Smelser: „Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“. Eine Biographie.“
  7. ↑ Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Nümbrecht 2004, S. 30.
  8. ↑ Axel Spilcker: Hitlers Gefolgsmann. Robert Ley – mein Großvater, der Kriegsverbrecher. Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln 2026, S. 37.
  9. ↑ Opladener Zeitung vom 28. April 1924.
  10. ↑ Leverkusen im Nationalsozialismus. 1933-1945, hrsg. von der Stadt Leverkusen, Zusammenstellung und Text Gabriele John, Leverkusen 1989, S. 5.
  11. ↑ Susanne Eckelmann: Robert Ley. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
  12. ↑ Leverkusen im Nationalsozialismus. 1933-1945, hrsg. von der Stadt Leverkusen, Zusammenstellung und Text Gabriele John, Leverkusen 1989, S. 5.
  13. ↑ Leverkusen im Nationalsozialismus. 1933-1945, hrsg. von der Stadt Leverkusen, Zusammenstellung und Text Gabriele John, Leverkusen 1989, S. 5.
  14. ↑ Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Nümbrecht 2004.
  15. ↑ Gossweiler, Kurt: Hitler und das Kapital 1925–1928. In: Pahl-Rugenstein (Hrsg.): Aufsätze über den Faschismus. Kleine Bibliothek, Nr. 443/II. Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln 1988, ISBN 3-7609-1124-2, S. 509.
  16. ↑ Renate Wald: Mein Vater Robert Ley. Nümbrecht 2004, S. 53.
  17. ↑ Bericht in der Vossischen Zeitung vom 23. April 1932 (Abendausgabe)
  18. ↑ Anselm Weyer: Wie Gauleiter Robert Ley den Polizeipräsidenten verprügelte. In: Kölnische Rundschau, 31. Dezember 2020.
  19. ↑ Peter Longerich: Hitlers Stellvertreter – Führung der Partei und Kontrolle des Staatsapparates durch den Stab Heß und die Partei-Kanzlei Bormann . München u. a., 1992, ISBN 3-598-11081-2, S. 8.
  20. ↑ Peter Longerich: Hitlers Stellvertreter..., S. 16.
  21. ↑ Jahrbuch der Akademie für Deutsches Recht, 1. Jahrgang 1933/34. Hrsg. von Hans Frank. (München, Berlin, Leipzig: Schweitzer Verlag), S. 255.
  22. ↑ Gerd R. Ueberschär, Winfried Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an seine Eliten. Frankfurt 1999, ISBN 3-10-086002-0.
  23. ↑ Ronald Smelser: Robert Ley - Der braune Kollektivist. In: Die braune Elite 1. 22 biographische Skizzen, hrsg. vom Ronald Smelser, Enrico Syring und Rainer Zitelmann, Darmstadt 1999, S. 180, ISBN 3-534-14460-0.
  24. ↑ Ronald Smelser: Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“. Paderborn 1989, S. 283.
  25. ↑ Rede Robert Ley vor Mitarbeitern der Siemens AG im Berliner Sportpalast am 6. Februar 1942 https://archive.org/details/19420206Dr.RobertLeyRedeAnlaesslichEinesSchulungsappellsInDenBerlinerSiemensWerken48m58s.
  26. ↑ Ronald Smelser: Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“. Eine Biographie. Schöningh, Paderborn 1989, ISBN 3-506-77481-6, S. 274.
  27. ↑ Werner-Meier, Draeger (Erläuterung unter Mitwirkung von Mußfeld): Die Gemeinnützigkeit im Wohnungswesen. Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz vom 29. Februar 1940 nebst Durchführungsvorschriften und einschlägigen sonstigen Vorschriften. 2. Auflage. Carl Heymann, Berlin 1941, Teil VI, S. 290–295: Erlass zur Vorbereitung des deutschen Wohnungsbaues nach dem Kriege vom 15. November 1940, Ziffer I (Bestellung des dem Führer unmittelbar unterstellten Reichskommissars für den sozialen Wohnungsbau zur Durchführung der Aufgabe).
  28. ↑ Joe Heydecker u. Johannes Leeb: Der Nürnberger Prozess Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, S. 60 f.
  29. ↑ Ronald Smelser: Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“. Paderborn 1989, S. 113 f.
  30. ↑ Einwohner-Adreß-Buch der Stadt Fürstenwalde 1935, Fürstenwalde 1935, S. 418.
  31. ↑ Axel Spilcker: Hitlers Gefolgsmann. Robert Ley – mein Großvater, der Kriegsverbrecher. Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln 2026, S. 134 und S. 168.
  32. ↑ Hans Horn: Ein wichtiger Zeitzeugenbericht. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 3. Juli 2004, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  33. ↑ Mahnmal Koblenz auf Mahnmal Koblenz, abgerufen am 15. September 2019.
  34. ↑ „Besuch auf Burg Vogelsang: Schöne Lage, böser Geist“ In: Märkische Allgemeine vom 11. August 2017, abgerufen am 15. September 2019.
  35. ↑ „Der böse Wolf und der Käfer“ In: FAZ vom 27. August 2001, abgerufen am 15. September 2019.
  36. ↑ Geschichte der Familie Tenhumberg auf http://www.tenhumbergreinhard.de, abgerufen am 15. September 2019.
  37. ↑ Claudia Hauser: Mein Großvater war ein NS-Verbrecher, in: Rheinische Post, 8. Mai 2026, S. A6.
  38. ↑ Eintrag zu Robert Ley in der Datenbank Nachlässe.
  39. ↑ Das Testament Leys. In: Weltpresse. Unabhängige Nachrichten und Stimmen aus aller Welt / Weltpresse, 16. Jänner 1946, S. 2 (online bei ANNO).
  40. ↑ Leys Testament. In: Oberösterreichische Nachrichten. Herausgegeben von der 12. Heeresgruppe für die Bevölkerung Oberösterreichs / Oberösterreichische Nachrichten. Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die Bevölkerung Oberösterreichs / Oberösterreichische Nachrichten. Unabhängiges Tagblatt österreichischer Demokraten, 17. Jänner 1946, S. 2 (online bei ANNO).
  41. ↑ Das Testament Leys. In: Weltpresse. Unabhängige Nachrichten und Stimmen aus aller Welt / Weltpresse, 16. Jänner 1946, S. 2 (online bei ANNO).
  42. ↑ Ley und die „schönen Frauen“. In: Salzburger Volkszeitung, 17. Jänner 1946, S. 1 (online bei ANNO).
  43. ↑ Richard J. Evans: Hitlers Komplizen. Helfer und Vollstrecker: Das Dritte Reich in 24 Porträts. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2025, S. 406 f.
  44. ↑ invenio, R 9361-II/635494: Akte aus dem Bestand R 9361-II Sammlung Berlin Document Center (BDC). In: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/main.xhtml. Bundesarchiv, abgerufen am 8. Mai 2026 (deutsch).
  45. ↑ Kiekeberg-Museum bekommt eine „Ley-Bude“. Abgerufen am 21. Februar 2025.
  46. ↑ Adressbuch für den unteren Landkreis Solingen 1927-29, Verlag Müller & Co. Opladen 1929, S. 335.
  47. ↑ Stadtgeschichte Leverkusen, Kurzberichte: (6/23) Aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Leverkusen: neue Straßennamen
  48. ↑ Klaus-Peter Hoepke (Hrsg.): Geschichte der Fridericiana. Stationen in der Geschichte der Universität Karlsruhe (TH) von der Gründung 1825 bis zum Jahr 2000. Universitätsverlag Karlsruhe, Karlsruhe 2007, ISBN 978-3-86644-138-5, S. 126.