Sigrid Hinz

Sigrid Hinz (* 12. Juni 1928 in Stettin; † 1975) war eine deutsche Kunsthistorikerin, Kuratorin, Kustodin des Kupferstichkabinetts Berlin und Sachbuchautorin. In der Fachwelt erlangte sie überregionale Bekanntheit durch die Herausgabe des ersten chronologischen Werkkatalogs zu den Handzeichnungen und Druckgrafiken von Caspar David Friedrich.

Wirken

Ihre Eltern waren der Verwaltungsangestelle Ignatz Hinz und Martha, eine geborene Klabunde. In Stettin besuchte sie von 1934 bis 1937 zunächst die Bugenhagen-Schule und von 1937 bis 1943 die Kaiserin-Auguste-Viktoria-Schule, eine Höhere Mädchenschule. Nach einem einjährigen Besuch der Vorstudienschule an der Universität Greifswald legte sie dort ihre Reifeprüfung 1947 ab. Zum Wintersemester 1947 begann sie in Greifswald Kunstgeschichte, Archäologie, Anglistik, Germanistik und Philosophie zu studieren. Krankheitsbedingt musste sie ihr Studium für zwei Jahre unterbrechen. Ihre akademischen Lehrer waren Käthe Kluth, Karl-Heinz Clasen, Hermann Weidhaas, Erwin Bielefeld, Klaus Wessel, Walter Elliger, Martin Lehnert, Leopold Magon, Günther Jacoby, Hans Pichler und Erhard Albrecht. Im Herbst 1954 erwarb sie ihr Diplom am Caspar-David-Friedrich-Institut.

Anfang 1955 bis Ende 1965 leitete sie das Greifswalder Museum im damaligen Guardianshaus des Franziskanerklosters. Dort kuratierte sie die Caspar-David-Friedrich-Ausstellung 1956. Ab Januar 1957 war sie angestellt als Kustodin und Leiterin des Kulturhistorischen Museums Magdeburg.

Unterstützt durch ihrem Doktorvater – dem Leiter des Caspar-David-Friedrich-Instituts an der Uni Greifswald – promovierte Hinz mit einer Arbeit über Caspar David Friedrich als Zeichner: ein Beitrag zur stilistischen Entwicklung der Zeichnungen und ihrer Bedeutung für die Datierung der Gemälde.

Während – der seinerzeit designierte Direktor der Nationalgalerie in Berlin – Willi Geismeier im selben Jahr 1966 an der Humboldt-Universität Berlin mit der Dissertation Zur Bedeutung und zur entwicklungsgeschichtlichen Stellung von Naturgefühl und Landschaftsdarstellung bei Caspar David Friedrich promovierte wurde, legte Hinze mit ihrer Hochschulschrift den ersten chronologischen Werkkatalog zu Friedrichs Handzeichnungen und Druckgrafik vor. Dieser umfasst 881 beschriebene Nummern. Ihre dreibändige Arbeit galt lange Zeit das Grundlagenwerk für die Caspar-David-Friedrich-Forschung und wurde erst 2011 von Christina Grummt – angeregt durch Werner Busch – in dem Werkverzeichnis Caspar David Friedrich. Die Zeichnungen – Das gesamte Werk vollendet. Auch Helmut Börsch-Supan hatte 1973 in seinem mit Karl Wilhelm Jähnig erarbeiten Werkverzeichnis Caspar David Friedrich. Gemälde, Druckgraphiken die katalogisierten Zeichnungen von Hinz integriert.

Später leitete sie das Kupferstichkabinett Berlin in Ost-Berlin, DDR. Auch war sie Mitglied im Zuständigkeitsbereich Zeichnungen eines Komitees, dem Irma Emmrich und Hans Joachim Neidhardt vorstanden und dem neben Peter H. Feist, Hannelore Gärtner, Gerhard Kettner, Rudolf Nehmer der Direktor der Galerie Neue Meister der Staatliche Kunstsammlungen Dresden Joachim Uhlitzsch angehörte. Dieses Kuratorium begleitete die große Ausstellung im Albertinum in Dresden zu Caspar David Friedrich und sein Kreis vom 24. November 1974 bis 16. Februar 1975 anlässlich seines 200. Geburtstag.

Neben ihren Werken zu angewandter Kunst publizierte sie auch zum Thema Wohnkultur.

Sigrid Hinz verstarb 1975 im Alter von 47 Jahren.

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Caspar David Friedrich als Zeichner: ein Beitrag zur stilistischen Entwicklung der Zeichnungen und ihrer Bedeutung für die Datierung der Gemälde Maschinenschrift, Hochschulschrift: Greifswald, Univ., Diss., 1966, Band 1, Seite 119f. Lebenslauf.
  2. ↑ Tina Grütter: Melancholie und Abgrund. Die Bedeutung des Gesteins bei Caspar David Friedrich. Ein Beitrag zum Symboldenken der Frühromantik. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1986, S. 204
  3. ↑ Eva Gesine Baur WELT: Der Gezeichnete - WELT. Abgerufen am 6. November 2026.
  4. ↑ Börsch-Supan, Helmut; Jähnig, Karl Wilhelm; Friedrich, Caspar David [Ill.]: Caspar David Friedrich: Gemälde, Druckgraphik und bildmäßige Zeichnungen (München: Prestel, 1973). Abgerufen am 6. November 2026.
  5. ↑ Michael Henss: Caspar David Friedrich. Zur Monographie von Helmut Bösch-Supan [sic Bösch]. In: e-newspaperarchives.ch. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 20, 25. Januar 1975, abgerufen am 6. November 2026.
  6. ↑ Franz Zelger: Caspar David Friedrichs künstlerischer Weg. In: e-newspaperarchives.ch. Neue Zürcher Zeitung, Nummer 95, 25. April 1998, 25. April 1998, abgerufen am 6. November 2026.
  7. ↑ Klara von Lindern: Beidseits der Mauer: Reziproke Reisen und Austausch. Zwischen Widerstand und Einklang? uratorische Praxis in der DDR im Spiegel (über-)institutioneller Strukturen. S. 52–52. In: transcript-verlag.de. Friktionen | Kuartieren. Für eine politische Wissengeschichte des Ausstellens. Hg. Daniela Döring, Maragrete Vöhringer, Edition Museum Band 78, transcript Verlag, Bielefeld, 2025, abgerufen am 6. November 2026.
  8. ↑ Caspar David Friedrich und sein Kreis. Ausstellung im Albertinum vom 24.11.1974 bis 16.2.1975. Ministerium für Kultur der DDR. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dresden 1974, S. 8
  9. ↑ Siegrid Hinz - Innenraum und Möbel. Abgerufen am 6. November 2026.