| GR ist das Kürzel für den Kanton Graubünden in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Soglio zu vermeiden. |
| Soglio | ||
|---|---|---|
| Staat: | ||
| Kanton: | ||
| Region: | Maloja | |
| Politische Gemeinde: | Bregaglia | |
| Postleitzahl: | 7610 | |
| frühere BFS-Nr.: | 3774 | |
| Koordinaten: | 761721 / 134464 | |
| Höhe: | 1091 m ü. M. Kirche | |
| Höhenbereich: | 731–3134 m ü. M. | |
| Fläche: | 67,51 km² | |
| Einwohner: | 174 (31. Dezember 2009) | |
| Einwohnerdichte: | 3 Einw. pro km² | |
| Website: | Soglio | |
Soglio GR | ||
| Karte | ||

Soglio (rätoromanisch , im lokalen Dialekt Soi), deutsch früher Sils im Bergell, ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Bregaglia im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden.
Das Dorf liegt abseits des alten Handelsweges im Tal auf einer Sonnenterrasse auf einer Höhe von 1091 m ü. M. rechts über der Mera und am Süd-Hang des Piz dal Märc (2948 m ü. M.), 11 Kilometer (Luftlinie) nordöstlich von Chiavenna. Soglio besteht aus drei Teilen: Dem am rechten Talhang des Val Bregaglia gelegenen Hauptteil mit dem Dorf, der Fraktion Spino im Talboden
, dem oberen Teil des Val Maroz
mit dem Val da Cam
, dem unbewohnten, kleinen Val da la Duana sowie dem oberen Teil des Madris auf der Alpennordseite. Soglio ist das Ziel des Panorama-Höhenwegs Via Bregaglia.

Der Hauptteil des Ortes sowie das Val da la Duana gehören orographisch zum Val Bregaglia, während das Madris, vom Madrischer Rhein durchflossen und grösser als die anderen Gebiete des Ortes zusammen, zum Einzugsgebiet des Rheins und damit zur Alpennordseite gehört.
Als Besonderheit fliesst ein grosser Teil des Wassers des Madrischer Rheins über eine Freispiegelleitung in den auf italienischem Territorium liegenden Stausee Lago di Lei und erst danach im Rahmen der Stromproduktion in den Averser Rhein, also in die Schweiz, zurück.
Die Geschichte des Dorfes, das ein äusserst reiches Gemeindearchiv besitzt, geht vielfach in derjenigen des Tales und des Gerichtes Unterporta auf.
In und um Soglio stiess man auf Schalensteine und ein Steinplattengrab sowie auf zwei etruskische Bronzegefässe bei Spino. Eine erste Erwähnung findet das Dorf im Jahr 1186 unter dem damaligen Namen de Solio. Soglio wird 1219 im Frieden zwischen Chur und Como erwähnt, da es in der vorausgehenden Fehde verbrannt worden war.
Kirchlich gehörte Soglio zur Grosspfarrei Nossa Donna in Promontogno, im 14. Jahrhundert war es eine Kuratie. Die Kirche St. Laurentius wird erstmals 1354 erwähnt, ist aber älter. 1552 wurde in Soglio die Reformation eingeführt. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde Soglio von Castasegna aus betreut. Im Mittelalter war es ein Glied der Talgemeinde Bergell, bildete 1383 mit Castasegna die Gemeinde di là dell'acqua (Gemeinde jenseits des Wassers) und ab 1535 eine Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde Unterporta (Sitz des Zivilgerichts in Soglio). 1879 wurde es selbstständig. Soglio verdankt seine historische und kulturelle Bedeutung der Familie Salis, die als bischöfliche Ministerialen im 13. Jahrhundert nach Soglio kamen (mehrere Palazzi in Soglio). Vom 14. Jahrhundert bis 18. Jahrhundert erlebte der Warentransit eine Blüte, ab 1850 spielte der Tourismus eine wichtige Rolle.
Um 1875 erhielt Soglio eine befahrbare Strasse anstelle des Saumweges. Zu dieser Zeit zählte es etwa 350 Einwohner als sich selbst versorgende Bauern auf kleinen Höfen. 1910 gab es noch 80 bis 90 bäuerliche Kleinbetriebe. Teilweise erreichte die Parzellierung zur Nutzung bis zu einem Achtundvierzigstel eines Stalles. 1906 wurde Soglio mit elektrischem Strom und einem Telefon im Hotel versorgt. 1925 wurden Wasserleitungen und Hydrantenanlagen eingerichtet. Am 6. Mai 1946 wurde der Postautobetrieb zwischen Promontogno und Soglio aufgenommen.
1918 gründete Vito Andrea Giovanoli in Soglio eine religiöse Gruppierung, nachdem ihm seinen Angaben zufolge Jesus erschienen war. Er nannte sich «Signur» und predigte vom nahen Ende der Welt sowie der Wiederkehr Christi. Die Behörden von Soglio liessen im Dezember 1918 kurzum alle zwölf Sektenmitglieder samt ihren Kindern wegen «religiösem Wahnsinn» in die Klinik Waldhaus in Chur einweisen. Im Februar 1919 wurden sie als geheilt entlassen.
1902 wurde das Kreisspital in Spino eröffnet, 1978 ein Altersheim. 1945 bis 1950 fand eine Güterregulierung und 1973 eine Ortsplanung statt. Soglio sieht sich mit dem Problem der Abwanderung konfrontiert. 1982 bis 2001 betrieb es auf eigene Kosten eine Primarschule. Danach gingen die Kinder von Soglio nach Bondo zur Schule.
Bis 2009 war der Ort eine eigenständige politische Gemeinde des Kreises Bregaglia im Bezirk Maloja. Auf 2010 fusionierten die Gemeinden des Bergell (Bondo, Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano) zur neuen Gemeinde Bregaglia.
2015 wurde Soglio als erstes Dorf zum «schönsten Dorf der Schweiz» gewählt.
| Blasonierung: «In Gold auf rotem Schildfuss mit zwei silbernen Pfählen ein aufrechter schwarzer, rot bewehrter Steinbock» | |
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Die Pfähle stammen aus dem Wappen der Familie Salis, die von grosser Bedeutung in der Geschichte des Ortes war, während der Steinbock auf die Zugehörigkeit zum Gotteshausbund verweist. |


In Soglio spricht man eine lombardische Mundart. Die Amts- bzw. Schulsprache ist Italienisch. Eine Minderheit der Einwohner spricht deutsch. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:
| Sprachen in Soglio GR | ||||||
| Sprachen | Volkszählung 1980 | Volkszählung 1990 | Volkszählung 2000 | |||
| Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | |
| Deutsch | 19 | 8,64 % | 33 | 15,28 % | 30 | 17,44 % |
| Italienisch | 188 | 85,45 % | 177 | 81,94 % | 138 | 80,23 % |
| Einwohner | 220 | 100 % | 216 | 100 % | 172 | 100 % |
Soglio hat nur etwa 200 Einwohner, zählt aber fast 20'000 Logiernächte pro Jahr.
1552 traten die Bewohner zur protestantischen Lehre über.
Von den Ende 2005 gezählten 181 Einwohnern waren 162 (= 89 %) Schweizer Staatsangehörige.



Soglio ist ein klassisches, hoch verdichtetes Haufendorf romanischer Bergwirtschaft, dem die barocken Palazzi derer von Salis ein städtisches Gepräge verleihen. Neben der Sennerei wird in Soglio der grösste Esskastanienhain Europas betrieben.